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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-29 · 26 (29.6.1900) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
26 (29.6.1900)
Date
1900-06-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 26 Dr» Bloch's WvchrnfchrWo Seite 483 nationale und religiös-sittliche Wiedergeburt bringen wird. Unsere Pflicht ist es, unser Volk aus diese Befreiungsstunde durch persönliches Beispiel und weckende Mahnrufe vorzubereiten, damit die Herzen für diese Stunde bereit sind. Das predigt uns Deutschnationalen, so meinen wir, das Pfingsten von 1900 Jahren." Correspondenzen. Aus der Plenar-Sitzung des Cultusvorstandes vom 26. Juni 1900 unter dem Borfitze des Präsidenten Herrn kais. Rath Klinger. (Beginn 5 Uhr Abends). An Spenden sind ein gelaufen : Anonym von G. N. und Th. K. für das isr. Taubstummeninstitut 30 Kronen; für das isr. Blindeninstitut 20 Kronen; für das isr. Waisenhaus 20 Kronen; für das isr. Altersversorgungshaus 20 Kronen. — Als Legat des Herrn Leopold Mittler für den Erhaltungsfond des isr. Altersversorgungshauses 200 Kronen. Der Vorsitzende läßt aus den Einläufen unter Anderem eine Eingabe der „Oesterr. Israel. Union" in Angelegenheit der jüngst gefaßten Beschlüsse des Vorstandes wegen Abänderung einzelner §§ des Statutes der isr. Cultusgemeinde in Wien zur Verlesung bringen, weiters eine Zuschrift tine§ Mitgliedes der Gemeinde, welches im Namen vieler Cultusgemeinde-Mitglieder gegen eine in einer Versammlung des jüdischen Volksvereines in Ottakring in Angelegenheit der Wahlreform des Cultusvorstandes gefaßte Resolution Verwahrung einlegt: mit dem Hinweise darauf, daß in dieser Versammlung höchstens 20 Cultusgemeinde-Mitglieder des XVI. und XVII. Bezirkes anwesend gewesen sein sollen; endlich eine schriftliche Anregung eines Gemeindemitgliedes, betreffend die Abhaltung einer Feier anläßlich des 75jährigen Bestandes des Tempels in der Seitenstettengaffe im März des Jahres 1901. Sämmtliche Eingaben werden der geschäftsordnungsmäßigen Behandlung zugesührt. Im Präsidial-Berichte macht der Vorsitzende die Mittheilung, daß er entsprechend dem ihm in der Plenarsitzung vom 12. Juni 1900 übertragenen Mandate den Obercantor-S.tellvertreter Bela Gutmann in Budapest und zwar mit provisorischem Charakter auf 1 Jahr als Obercantor der Cultusgemeinde mit der Anwartschaft auf die Obercantor - Stelle in der Leopoldstadt, ab 1. August 1900 angestellt habe, und daß des Weiteren die Verhandlungen mit Herrn Don Fuchs, welcher gleichfalls für eine Erste Cantor-Stelle der Cultusgemeinde in Aussicht genommen ist. demnächst zum Abschluffe gelangen werden. Bei diesem Anlasse wird betont, daß., die vom Vorstande für die Frage der Besetzung der Obercantor-Stelle eingesetzte Fachjury eine ganze Reihe von Cantoren, welche Probevorträge abgehalten haben, als besonders befähigt erklärt hat, jedoch die genannten zwei Herren fast übereinstimmend in erster Linie in Vorschlag gebracht worden sind, welche Gutachten, wie der Präsident bemerkt, auf die Beschlüsse des Vorstandes wesentlich bestimmend eingewirkt haben. Namens des Bertretercollegiums referirt Herr Baurath S t i a ß n y über die Graberhaltungs-Widmungen nach Doctor Bernhard Wölfler, Therese Schefteles und Anton S ch e y seo. Desgleichen Namens der VI. Section Herr Ober-Ingenieur von Mises, über die Annahme der Isidor und Cäcilie K u l k a'schen Graberhaltungswidmung. Die Anträge werden angenommen. Die Wolf Isaak Nas s au'sche Künstler-Stiftung gelangt pro 1900 im Betrage von 84 Kronen im Sinne des Referates des Bice-Präfidenten Dr. Kohn entsprechend dem Sectionsantrage zur Verleihung. Herr Direktor Simon erstattet Namens der Rechtssection das Referat über Austrittsanzeigen aus dem Judenthume. Hierüber entspinnt sich eine längere Debatte, an welcher sich die Herren Regierungsrath Dr. Sieger, Baurath von G o l d s ch m i d t, Bicepräsident Dr. Kohn, kais. Rath Hirsch, Dr. Berger und Dr. Steiner betheiligen, und wobei der Präsident znr Richtigstellung der vielfach gebrachten Version von massenhaftem Glaubenswechsel in diesem Jahre aus den Acten richtigstellen läßt, daß vom Beginne dieses Jahres bis zum heutigen Tage gegen die gleiche Zeit des Vorjahres im Ganzen ein — immerhin bedauerliches — Plus von neun Austritten sich ergibt. Die diesbetreffenden, durch Herrn Director Simon motivirten Anträge der Rechtssection lauten: 1. Die Rechtssection bestellt aus ihrer Mitte einen ständigen Referenten, dem alle Austrittserklärungen behufs Aufstellung einer Statistik und möglichster Eruirung der wahrscheinlichen Ursache und der begleitenden Umstände zuzuweisen sind und welcher nach seinem Ermessen über die gemachten Wahrnehmungen berichtet. 2. Die Section schlägt dem Plenum vor, zu erklären, daß der Vorstand die Belehrung der gebildeten Kreise über die Geschichte des Judenthums, über die ethische Bedeutung unserer Satzungen lebhaft wünsche und auf jede Weise zu fördern bereit ist. 3. Es sei vom Vorstände ein Preis auszuschreiben für die Abfassung eines Werkes, welches über die Geschichte des Judenthums, über die Ethik, dessen Religion Belehrung und Aufklärung gibt. Die Anträge 1 und 2 werden angenommen, desgleichen principiell der Antrag 3, doch wird derselbe behufs Ergänzung und Ausarbeitung detaillirter Vorschläge an die Rechtssection rückgeleitet. Bei diesem Anlasse wird auch über Antrag der I. Section beschlossen, sämmtliche Prediger und Vereins-Rabbiner zu ersuchen, bei allen sich darbieteuden Anlässen, insbesondere beim Verkehre mit der israelitischen Jugend in der bisherigen Gepflogenheit, womöglich aber mit verstärktem Nachdrucke auf das Festhalten an dem angestammten Glauben hinzuwirken. Ueber Antrag der lll. Section (Referent Herr Ober-Ingenieur von Mises) erfolgt die Aufnahme einer Reihe von Personen, beziehungsweise die Vormerkung derselben zur Aufnahme in das Altersversorgungshaus. Die Anträge der V. Section betreffend die Racheline Goldberge r'sche Armen-Stiftung, werden im Sinne des Referates des Herrn Oberfinanz-Rathes Dr. Rappaport angenommen. Herr Director Simon referirt über die von der II. Section beschlossenen Aenderungen des LehrplaneZ für Bolks- und Bürgerschulen. Es wird beschlossen in dieser Angelegenheit vorerst noch mit dem Rabbinate das Einvernehmen zu Pflegen. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um halb 9 Uhr Abends geschlossen. Wien. Sehr geehrter Herr Redacteur! Gestatten, daß ich Sie auf folgenden Uebelstand aufmerksam zu machen mir erlaube. Bekanntlich wird seit einiger Zeit auf der Oberen Donaustratze der Fischmarkt abgehaUen. Unter den zumeist christlichen Fischhändlern, befindet sich auch eine jüdische Verkaufsstelle. Bei der vorwiegend jüdischen Bevölkerung dieses Rayons mußte man annehmen, daß unsere jüdischen Mitbürger ihren Bedarf bei diesem einzigen Mischen Fischhändler decken sollten, oder zumindest der größte Thil deselben. Aber weit gefehlt. Während alle christlichen Händler, worunter mehrere enragirte Antisemiten sich befinden, gute Geschäfte machen, hat merkwürdiger Weise unser jüdischer Händler schwer zu kämpfen, trotzdem Qualität und Preise mit nichts zurückstehen. Ich selbst war Ohrenzeuge, wie ein christlicher Händler, bei welchem zuvor mehrere jüdische Kunden ihren Fischeinkauf besorgt hatten, zu seiner danebenstehenden Frau folgende sehr charakteristische Worte äußerte: „Die Saujüden fressen die meisten Fische!" Commentar überflüssig. Wilhelm Morgenstern. .Wien. (Der Rückgang eines Wiener Hotels.) In der jüngst abgehaltenen General-Versammlung der Actien- Gesellschaft des „Hotel Continental" (früher „Hotel goldenes Lamm") wurde in dem Rechenschaftsberichte über den Betrieb des Hotels im Jahre 1899 constatirt, daß der bilanzmäßig ausgewiesene Gewinn sich nur mit 1790 fl. beziffere. Ueber diesen auffallenden Rückgang eines großen Wiener Hotels, das einen altbegründeten Ruf genießt, sprach sich der Director des Hotels, Herr Pollitzer, folgendermaßen aus: „Die Verminderung der Einnahmen des „Hotel Continental" ist symptomatisch für die Conjunctur des Wiener Hotelgeschästes überhaupt, daS sich seit einigen Jahren nicht mehr zu der früheren Höhe aufzuraffen vermag. Die schwerwiegendste und am meisten ansschkaggebende Ursache der schwächeren Fremdenfrequenz ist der Zng der U -

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