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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-29 · 26 (29.6.1900) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
26 (29.6.1900)
Date
1900-06-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 482 Dr. Blvch's Wochenschrift. Nr. 26 Mitglieder sämmtlich 1500 bis 50.000 Francs Vermögen besaßen. Nach dem Berufe waren es 1 Arzt, 1 Apotheker, 8 Schiffsbauer, 6 Wasserbauer, 12 Landleute, 10 Maurer, 15 Klempner, 7 Tischler, 4 Zimmerleute, 2 Seifenfabrikanten, 3 Alkoholfabrikanten, 2 Mechaniker, 3. Schlaffer, 2 Schmiede, 2 Buchhalter. 2 Schneider, 2 Schuhmacher und 8 Kaufleute. Auch in Cypern und Kleinasien bin ich großen Gruppen von Auswanderern begegnet; in Cypern fanden meist Handwerker, aber auch Kutscher, Arbeiter', Commis Beschäftigung als Erdarbeiter bei den Stauwerken und Straßenbauten der englischen Regierung; obgleich sie nur 1 bis l‘/2 Mark per Tag verdienten, waren sie doch Me glücklich, dem Lande der Bedrückung entronnen zu sein. Wird nur 100.000 Seelen die Auswanderung in die verschiedensten Länder ermöglicht, so ist es sicher, daßin einigen Jahren der Rest bis auf wenige Ausnahmen folgen wird, wenn nicht freiwillig, so doch durch den dann unvermeidlich eintretendeu finanziellen Ruin des Landes genöthigt. Schon jetzt stehen viele Häuser in den Städten Rumäniens leer, viele Geschäfte haben ihre Kundschaft verloren, und der Handel leidet derart, daß die ernsteren Zeitungen schon beginnen, mit Sorge in die Zukunft zu sehen. Ein Vorschlag, dem Judenelend abzuhelfen. (Von Dr. Geller in Sadagüra.) Wenn man über die Judenverfolgungen in Rußland, Oesterreich, Rumänien und Afrika liest, fragt man sich unwillkürlich, sind das die Früchte des Fortschrittes und der Civilisation? Schon glaubte man in den Siebziger-Jahren, unsere Machthaber haben Vernunft angenommen und wollen uns als Menschen behandeln, allein es dauerte nicht lange und dieselben Machthaber beschließen kein Gesetz, es soll nicht seine Spitze gegen die Juden richten. Wie soll man sich dagegen schützen? Wir müssen aber, da Gefahr im Verzüge ist, schnell Hilfe bringen und da möchte ich Folgendes Vorschlägen: Ich möchte die in der „Oesterr. Wochenschrift" erschienenen Aussätze über die erziehliche Thätigkeit der Alliance israelite im jüdischen Jargon auflegen und unter den Juden Rußlands, Rumäniens, Galiziens und der Bukowina, welche den Verein nur dem Namen nach kennen und über seine Thätigkeit nichts wissen, verbreiten lassen. Der Präsident der Cultusgemeinde Wiens müßte sich mit den Präsidenten der Städte Krakau, Lemberg, Czernowitz, Prag, Pest rc., und diese wieder mit den Präsidenten der kleineren Orte ins Einvernehmen setzen, damit man eine lOpercntige Steuer an die Cultusumlagen anrepartire. Zu demselben Zwecke müßte man sich auch mit den Vorstehern der russischen und rumänischen Städte ins Einvernehmen setzen. — Dieses Geld sollen die Präsidenten der kleinen Orte den Präsidenten der Großstädte und diese wieder dem Präsidenten in Wien zweimal jährlich abführen. Diese Steuer würden alle Juden gerne entrichten, die Besitzenden zu Beiträgen heranziehen, die sie sonst nicht geleistet hätten und die Minderwohlhabenden in die Lage versetzen, auch einen Beitrag zu leisten. Durch'die Annahme dieser Geldbeschaffung werden Hunderttausende von Gulden irr die Caffe dieses Vereines fließen. und ihn dadurch in die Lage versetzen, allen Ansprüchen und Anforderungen Nachkommen zu können. Aber es darf an dem guten Willen der Herren Präsidenten nicht fehlen, von ihnen müßte der Impuls ausgehen und ich bin überzeugt, es werden sich dann viele Leute der Sache annehmen. — Durch Vereine wird mtut zu keinem Resultate gelangen, da Vereine behördlich genehmigte Statuten, eine Agitation und in der Civilisation fortgeschrittene Menschen voraussetzen, den Vereinen würden nur kleine Bruchtheile beitreten und daher nur wenig tragen. Sadagöra, den 21. Juni 1900. Dr. Geller. Antisemitische Lügen. Unter der Ueberschrift: „Ein jüdischer Mädchenräuber" brachte die »Deutsche Zeitung" am 10. d. M. eine Schauergeschichte von her Entführung eines kleinen Christenmädchens durch Czortkower Juden. Das Blatt berichtete, daß am 26. Mai d. I. die sechsjährige Tochter Brvnislawa der Taglöhnerin Julia Chlodnicka von dem Juden Hersch Jägermann geraubt und zusammen mit einer achtjcchrigen Bauerstochter aus Hogielnica, dessen Abgang die Eltern aus Furcht vor den Juden gar nicht angezeigt hatten, in einem völlig dunklen, leeren, entsetzlich verwahrlosten Raume gefangen gehalten wurde. Bei ihrer Auffindung durch die Gendarmerie waren die beiden kleinen Wesen blaß vor Schreck, abgemagert, blutleer, von Thränen ganz aufgedunsen und vor dem ihnen drohenden Schicksal zitternd. Hersch Jägermann sei eingezogen worden, aber schon am nächsten Tage aus dem Gemeindekotter entsprungen und seither spurlos verschwunden. Auf eine Anfrage des Abwehrbureaus der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" langte am 19. d. M. folgendes Telegramm des Bicebürgermeisters von Czortkow ein: „Das Lügengewebe des Gewährsmannes der „Deutschen Zeitung" wurde heute amtlich aufgedeckt und die gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Julia Chlodnicka gestand, auf Veranlassung gelogen zu haben." Am 26. d. M. sah sich die „Deutsche Zeitung" gezwungen, eine amtliche Berichtigung des k. k. Bezirkshauptmannes von Czortkow, R. v. Wybranowski zu veröffentlichen, aus welcher hervorgeht, daß allerdings die Chlodnicka eines Tages gegen 11 Uhr Vormittags nach Hause kam, ohne ihre sechsjährige Tochter Brvnislawa dort anzutreffen, daß aber das - Kind, welcher aus Furcht vor Strafe wegen eines geringfügigen Vergehens sich den ganzen Tag herumgetrieben hatte, noch am Abend nach Hause zurückkehrte. Am nächsten Tage ließ sich die Chlodnicka von einem Eisenbahnveamten durch einige Gläser Branntwein verleiten, die in der „Deutschen Zeitung" erschienene Fabel zu erdichten. Das genannte Blatt muß nun selbst erklären, daß es keine Ursache habe, die Thatsache des Artikels: „Ein jüdischer Mädchenräuber" aufrechtzuerhalten. Oesterreichischer Reichsrath. Den „Lustigen Blättern" entnehmen wir Folgendes: „Führer durch das österreichische Parlament." „Der österreichische Reichsrath ist wieder eröffnet, und wir benutzen diese Veranlassung, vielfachen Wünschen entsprechend, zur Herausgabe eines populären Führers durch diese ziemlich verwickelte Institution. Wenn der Ausländer den Verhandlungen beiwohnt, oder 'den Bericht davon in der Zeitung liest, halte er sich also folgende Punkte gegenwärtig: Wenn ein Abgeordneter Herold, Schütze, Kohlmeyer oder Richter heißt,,.ist er ein Czeche. 'Wenn ein Abgeordneter Bielohlawek heißt, ist er ein Deutscher. Wenn ein Abgeordneter von einem anderen Abgeordneten „Jude" genannt wird, so ist er ein Christ. Wenn ein Abgeordneter alle anderen Abgeordneten „Juden" nennt, so ist das der Abgeordnete Wolf. Wenn ein Abgeordneter keinen anderen Abgeordneten reden läßt, so ist das der Abgeordnete Schönerer. Wenn ein Abgeordneter hinausgeworfen wird, so ist das der Abgeordnete Jro. Wenn ein Herr die Glocke ergreift und Sturm damit läutet, so ist das nicht der Präsident. Wenn einem Herrn .Pultdeckel. Tintenfässer, Stullenpapiere und Extra-Würstel ins Gesicht fliegen, so ist das der Präsident. Wenn ein Herr „Gauner", „Schuft", „Lump" oder „Mörder" titulirt wird, so ist das ein Unterrichtsminister, Hofrath, Statthalter oder Professor; wenn einem Herrn zwei Beine und eine Nase gebrochen w*, werden, so ist das ein harmloser Familienvater von der Zuschauertribüne. Wenn ein Abgeordneter eine rumänische Rede hält gegen die deutsche Sprache, so hat dieser Herr in Berlin, Heidelberg und München studiert, und seine Söhne sind z. B. in Jena. Wenn ein kroatischer und ein polnischer Abgeordneter einander je ein unverständliches Schimpfwort zurufen, so heißt dieses Wort auf deutsch „Jude". Wenn ein ezechischer Jude einen deutschen Juden „Jude" nennt und umgekehrt, so sind alle beide getauft." Wider Juden und Katholiken eifert der Pfingstartikel der antisemitischen „Sachsenschau" (3. Juni): „Schon regt an allen Orten im deutschen Vaterlande der deutschnationale Geist seine Schwingen, der unser deutsches Volk von der Knechtschaft des Judenthums und der ertödtenden Herrschaft des jesuitischen Papismus befreien wird. Mögen diese beiden geistigen und materiellen Weltmächte sich um den Besitz des Volkes reißen, das Judenthum mit den Armeen der Socialdemokratie, mit den Geldschränken der goldenen Internationale und mit dem falschen Liberalismus, der Jesu i ti S m us mit den schwarzen Schaaren der Mönche und Priester und mit seinen Wechseln a u f d a s H i m m e l r e i ch, auch dem deutschen Volke wird wieder ein Pfingsten kommen, daß jene Pharisäerfeffeln im Sturm wegfegen und unserem Volke eine

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