Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 26 (29.6.1900)
- Date
- 1900-06-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 26 Dr^ Bloch's Wochrnfchrifl. Seite 479 und sch neidet ihnen die Eingeweide, das Herz und die Nieren ans demLeibe. Aber ihre Sünden haben die Grenze erreicht, und die Rache des Himmels bricht hervor. Am 3. d. M. kamen zwei Kinderdiebinnen nach Honan und entfühiten ein Kind, nachdem sie ihm zuvor ein Betäubungsmittel eingegeben hatten. ... Die Väter und dieMütter, welche ihre Kinder verloren, begaben sich nach der römischkatholischen Kirche, um nach ihren vermißten Kleinen zu suchen. Sie sahen mehrere Leichen und getrocknete Knochen kleiner Kinder und auch vier Zellen unter der Erde. Die Entdeckung erregte Argwohn und die Leute regten Untersuchungen an. Die Barbaren, denen das Gewissen schlug, bestachen in ihrer Angst den Unter- Mandarin Uao mit 40 Taels. Dieser schickte in Folge dessen 40 Soldaten zum Schutze der Kirche ab. Diejenigen, welche hinein wollten, wurden mit dem Schwerte zurückgetrieben. Nun ihr Zehntausende von Bewohnern Wuhus, ve einigt euch am zwanzigsten Tage und zerstört die römisch-katholische Kirche und die protestantische Kirche und alles Eigenthum derselben. Verjagt alle Barbarendiebe; nur dann können wir glücklich leben. Wenn einer von der Race übrig bleibt, können wir nie in das Reich des Glückes kommen. Nur die römischkatholische Kirche muß zerstört werden, aber rührt das Zollhaus nicht an. Kommt ihr dem Zollhause zu nahe, so werdet ihr dem Arme des Gesetzes nicht entgehen! Bedenket das!" Der Styl dieses Pamphletes ist derart, daß es in der Fabrik der Wiener Antisemiten erzeugt sein kann. Die geistigen Leiter des Volkes sind, wie der M i s si o n ä r Boskamp aus eigener Kenntniß von Land und Leuten in seinem lehrreichen Buche „Unter dem Banner des Drachen und im Zeichen des Keuzes" (Berlin. Buchhandlung der Berliner evangelischen Missionsgesellschaft) schreibt, fest von der Wahrheit der Verleumdungen üb erzeugt, daß die Missionen Menschenraub treiben, den menschlich en Körper verstümmeln, Todte üusgraben, um aus deren Gebeinen wirksame M edicin zu bereiten und Zaubermittel zu gewinnen, die langes Leben verleihen, Blei in Silber verwandeln, und andere g-arnicht zu erzählende Teufeleien ausführen, die sich an die Feier des Abendmahles und an die Versammlungen von Männern und Frauen in einem geschlossenen Raum knüpfen. Ein kaiserliches Edict, welches die Regierung von China vor wenigen Jahren publicirt hat, lautet in getreuer Uebersetzung folgendermaßen-: „Von dem Tsungli Damen ist Uns eine Eingabe zugegangen, in welcher Wir gebeten werden, infolge der mehrfachen Unruhen gegen die christlichen Missionen in den Provinzen den sämmtlichen Generalgouverneuren stricte Befehle zu geben, daß sie unverzüglich die geeigneten Maßregeln ergreifen." „Lange Jahre hindurch haben auch Chinesen und Fremde in Eintracht mit einander gelebt, wie kommt es nun, daß jetzt sich Dinge wie Niederbrennung von Missionen ereignen können, und zwar mehrfach zu derselben Zeit? Es nimmt Uns dies im höchsten Maße Wunder, und Wir ersehen daraus, daß es zahlreiche Verbrecher sein müssen, die heimliche Pläne zur Aufwiegelung schmieden, unsinnige Gerüchte verbreiten, umdie Massenzu erregen, und dabei hoffen, eineGelegenheitzum Rauben und Plündern zu finden. Und so kommt es, daß selbst friedliche und gute Leute zur Theilnahme verführt werden und die Sache immer schlimmer wird. Wenn man aber hier nicht mit der größten Strenge vorgeht, wie kann da das Gesetz geachtet und das Land in Ruhe gehalten werden? Wir weisen daher hiermit die Generalgouverneure der beiden Kiang und der beiden Hu, sowie die Gouverneure der Provinzen, Kiangfu, Nganhni und Hupei an, unverzüglich Befehle ätt die betreffenden Civil- und Militärbeamten zu erlassen, daß die Rädelsführer ergriffen, vor Gericht gestellt und hingerichtet werden, damit eine Warnung für die Zukunft gegeben werde. Was die Religion öes Westens anbelangt, so ermahnt sie lediglich die Menschen zum Guten, und die Leute, die diese Religion annehmen, bleiben ebenfallsChinesen und sind den Localbehördenunterstellt. Die Bevölkerung aber und die Missionäre können in Frieden und Ruhe mit einander leben. Leider gibt es jedoch gewissenlose Subjecte, die sinnlose Geschichten erfinden und fie benutzen, um Unruhen zu erregen, und zwar sind die Gegenden, wo dieselben ihr Wesen treiben, sehr zahlreich. Wir befehlen daher den Bannergeneralen, Generalgouverneuren und Gouverneuren sämmtlicher Provinzen, Proclamationen zu erlaffen, und die Bevölkerung anzuweisen, daß sie Nicht leichtgläubig auf herumschwirrende Gerüchte hört uud Unruhen und Aufstände erregt. Wenn aber anonyme Placate angeschlagen und Geschichten verbreitet werden, um die Mafien aufzureizen, so sollen die Betreffenden gleich unter der Hand festgenommen und auf das Strengste bestraft werden." Hier offenbart sich in jeder Zeile die Geistesverwandtschaft zwischen den chinesischen und arischen Barbaren, zwischen Antisemiten nnd Chinesen. Die Verwandtschaft ist auch keine zufällige und äußerliche, sie quillt hervor aus den innersten Tiefen des Gemüthes. Vom Jahrmarkt des Lebens. Hilfe für die rumänischen Juden. Die Israelitische Allianz hat eine Hilfsaction für die bedrängten Juden in Rumänien eingeleitet und wir wünschen natürlich, daß fie von bestem Erfolge begleitet wäre, daß sich nicht nur alle Juden durchdringen lassen von dem Gefühle des Mitleids für ihre in Rumänien dem Hungertode preisgegebenen Brüder, sondern auch von der Ueberzeugung, daß mit kleinen Mitteln diesen Unglücklichen nicht geholfen werden kann. Aus dieser Erkenntniß heraus müffen die umfassendsten Vorkehrungen getroffen werden, ja es muß ein Moses gesucht werden, der zwei mal hunderttausend arbeitsfähige und arbeitswillige Menschen herausführe aus dem Lande der Knechtschaft, aus Rumänien, dem Egypten der Neuzeit, fie entreiße den Klauen des Volkes, das ihnen nach Gut und Leben trachtet und fie führe in ein Land des Rechtes und der Freiheit. Nicht eine vereinzelte Aetion eines Vereines und sei sie noch so gut gemeint und noch so groß angelegt, kann in einem solchen Falle Hilfe bringen, sondern nur ein vereintes Vorgehen aller menschlich gesinnten Herzen, aller gleichartigen Vereine, mögen fie nun in Wien oder in Berlin, in Paris oder in London ihren Sitz haben. Das Vorgehen eines jeden Vereines kann ein Selbstständiges sein, wenn fie sich um besonderer Rücksichten willen über eine gemeinschaftlich geleitete Action nicht verständigen könnten oder wollten oder dürsten, das Ziel aber muß das gleiche, einheitliche sein: die Rettung der rumänischen Juden aus den Händen ihrer Bedrücker, der Juden die von dem rumänischen Volke und deffen Regierungen in der unbarmherzigsten Weise verfolgt, geächtet und entrechtet werden, trotzdem fie die treuesten Unterthanen, die willigsten Arbeiter, die besten Soldaten, die opfervollsten Steuerzahler find; denen der Staat nicht blos die politische Existenz versagt und die er als heimatslos behandelt, denen er den Erwerb abschneidek, die er an der Ausübung ihres Glaubens verhindert, denen er die Unterrichtsmittel entzieht, die er körperlich und geistig verkommen laffen will — und denen er doch auch wieder die Freiheit entziehen möchte, diesem ungastlichen Lande und Volke den Rücken zu kehren. Unter der Herrschaft von Regierungen, die, mögen fie fich nun Liberale oder Conservattve nennen, die Juden erschlagen und plündern laffen und dann die Juden selbst als Anstifter behandeln wollen, kann des Bleibens der Juden nicht länger sein. Sie sind ihres Lebens und Eigenthums nicht mehr sicher und der Staat bietet ihnen keinen Schutz. Unter einer Regierung, die den jüdischen Schulkindern einen Glaubenszwang auserlegt, ist eine religiöse Erziehung des Volkes unmöglich. In einem Staate, deffen Minister fich an die Spitze einen Anttsemttenliga stellen, ist die gerechte Ausübung der Berwaltungspflichten vollständig ausgeschloffen. In einem Staate, deffen Richter ihre antisemitische Gesinnung in ihre Urtheile übertragen, wird nicht Recht gesprochen, sondern Gewalt geübt. Ein solcher Staat ist kein europäischer, sondern er steht noch tief unter den asiatischen, er äquiparirt mit den Wilden und eigentlich müßte man Europa aufrufen, diese Wilden in Europa aus der Gemeinschaft der eivilisirten Völker auszuschließen oder fie zu zwingen, das Menschenrecht zu achten und den Grundsatz »Gleiches Recht Kr Alle" uneingeschränkt zur Geltung zu bringen. Natürlich hat Europa jetzt etwas Anderes zu thun, es muß Afrika unter sich auftheilen, trotzdem die Marokkaner und Aschantis doch nichts Anderes gegen die Europäer thun. als die Rumänen gegen die Juden, und es muß in Ostafiett China bezwingen, wiewohl die Boxer um Vieles beffer find, als die Battaufcheu in Rumänien. Der angeblich „nationale" und »religiöse" Gedanke, welcher die rumänischen Staatsmänner und Abgeordneten, Studenten und Knüttelmänner bewegt, die Juden mit Gesetzen und mit Plünderungen aus dem Lande zu treiben, beseelt ja auch vie Kaiserin von China und ihre Helfershelfer, wenn fie den „Fremden" im Lande den Aufenthalt vergällen, ja miMögkich machen wollen, und Europa, welches der Kaiserin von China in den Arm fällt, läßt den Chinesen in Europa freie Hand, ihre mörderische Action zu vollführen. Da regt fich das Gewissen der Völker nicht,