Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 25 (22.6.1900)
- Date
- 1900-06-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 470 Dr- Vlvch^s Wochenschrift. Nr. 25 Post" vom 3. Juni verzeichnete nämlich folgende Nachricht: „Professor Masaryk wurde am 27. Mai zu einer Versammlung der Socialdemokraten nach Strakonic, einer von Pisek drei Stunden entfernten Stadt, eingeladen. Thatsächlich erschien er daselbst auch mit dem Redacteur des „Ca3" Dr. Herben. Ju seiner Rede sagte Professor Masaryk .— „Die Czechen müssen unter politischen Curatel gestellt werden, sie sollen sich zuerst bemühen, früher, vor dem Staatsrechte, endlich mit der schändlichen Hilsneriade und mit der Ritual-Komödie fertig zu werden" . . . : Und dieser ganze Bericht erhielt den Titel: Mas a r y k gegen das Staatsrecht"!! — Die Tendenz der unsinnigen Lüge der „Reichspost" ist greifbar durchsichtig. Es soll die Verdächtigung geweckt werden, als wollte Professor Masaryk in der Gegend agitiren, aus welcher die Geschworenen für den Polnaer Fall ausgelost werden. Wenn man dagegen weiß, daß Dr. B a x a mit der für ihn sofort nach der Delegirung des Piseker Gerichtes eigens dorthin zusammengetrommelten „politischen" Versammlung factisch nur die Agitation zur Bearbeitung der öffentlichen Meinung bezweckte, so dräng; sich jedermann unwillkürlich die Gewißheit auf, daß die Herren B a x i st e u mit P. O p i tz in Compagnie ganz einfach die alte Taktik des verfolgten Diebes copiren, der da aus vollem Halse schreit: „Ein Dieb! Aufhalten!". („6as".) Prag. (Wozu die Sprachenverordnungen und die Obstruction gut sind?) Als die Sprachenverorduungen ausgehoben wurden, warf man den Juden in Ko l i n die Fenster ein; nachdem die Jungczechen den S i e'g errungen hatten, wurden den Juden abermals die Fenster eingeschlagen! Und dann sage man, die Jungczechen seien nicht consequent' Gerade diese Consequenz der Jungczechen bestreitet jetzt noch in ganz Oesterreich nur ein einziger Mensch, nämlich der Jun^czeche Herr — Dr. Jakob Scharf. Trotz der Lect tion des Abg. Türk an Dr. Stransky : „In Böhmen und Mähren schlagen Sie den Juden todt und hier führen Juden fürs Jungczechenthum das Wort." Prag. (Zur Delegirung des Piseker Gerichtes im Falle Polna.) Wir finden in czechischen Blättern neuerdings Berichte von der Thätigkeit der antisemitisch-nationalradicalen und clericalen Bereinigung, welche unsere berufenen Vertretungen aufmerksam verfolgen und der gesetzlichen Kenntnißnahme aller hiezu berufenen Behörden zuführen sollten. „Hilsner" bildete den Gegenstand der Berathungen bei der vertraulichen Versammlung der Delegirten der Ortsgruppe der „iVärodni Jed» uota Posumarskä“ („Czechischer Böhmerwald-Bund"). So meldet der „Cas“, am 20. Mai d. I.: „Während der Jahresversammlung der „Närodni Jednota Posumarskä“, bereit Präses Abgeordneter Professor Dr. Wilhelm Kurz ist, beriethen also die Delegirten aller Ortsgruppen dieses Bundes in einer vertraulichen Vorbesprechung in Prag unter Anderem auch über das gewiß höchst actuelle Thema eines angeblichen nationalen „Abwehr"vereines, nämlich über — „Hilsner" .... Die Thätigkeit besagten Vereines erstreckt sich ja hauptsächlich auf Südböhmen und da erfordert jrtzt freilich Pisek und sein Kreisgerichtssprengel die besondere Wachsamkeit der Bundesleitung.... Wer die Agitation der bei jedem Judenexcesse der letzten Jahre in Böhmen und Mähren thätigsten Bevölkerungsclassen von der Nähe aus kennt, weiß zweifellos, daß derselben überall die localen Vereinselemente sehr nahestehen. Nicht umsonst fuhr Dr. Baxa gleich nach Publication der neuerlichen Verhandlung des Polnaer Mordes nach Pisek. Auch die „Närodni Jednota Posumarskä“ wird gewiß ganz im Sinne Baxa's die in Prag gehloten vertraulichen Winke zur Verbreitung des „Svnj k svemu“ besonders eifrig gerade jetzt im ganzen Piseker Kreise in Thaten umsetzen und eben dort überall geheim, in vertraulichen Versammlungen für die Nächstliegende Gelegenheit wiederum „Hilsner" nach antisemitischer Art propagiren. — Caveant consules! .... Prag. Prof. T. G. Masaryk's Organ „0as" schreibt in seiner Nummer vom 13. Juni 1900: „Die Ausschrotung Hilsner's." Gleich nach den „Radikalni Listy" idem Leibjournal Dr, B a x a's) folgt die national-sociale Arbeiterschaft, in der F r u c t i f i c i r u n g Hilsner's zu einer geschmacklosen Geschäfts-Reclame. Soeben werden die Prager Straßenecken mit Placaten, zu je 3, 4, 5 Stücken an einander, beklebt, welche den antisemitischen Kalender „Obrana" („Abwehr") ankündigen. Der erste Satz des Reclame-Placates lautet: „Wann Hilsner freigegeben wird (vyjde — erscheint), darüber werden erst der löbliche Gerichtshof und die verehrten Geschworenen entscheiden". Bemerkenswerth in diesem Satze ist der Umstand, daß darin schon eine Aenderung in der Ueberzeugung der Antisemiten von H i l s ne r's Schuld vorausgesetzt wird." Welka. (M i n j a n - V e r e i n in W e l k a.) Aufruf an unsere P. T. israelitischen Glaubensgenossen! In dem Markte Welka, Mähren und den dahin zugehörigen nahegelegenen Ortschaften sind 30 israelitische Familien, zumeist kleine Geschäftsleute ansässig, die mühsam ums Dasein ringen; wohlhabend sind die wenigsten unter ihnen. Vor Jahren hat sich ein Minjan-Verein gebildet, der unter mehreren anderen religiösen Institutionen auch, obzwar mit Mühe und durch große Opfer seiner Mitglieder, im Jahre 1867 einen israelitischen Friedhof daselbst errichtete. Das bisher. gemiethete Bethauslocal entspricht nunmehr in gar keiner Weise seinem heiligen Zwecke und da die zuständige Cultusgemeinde Straßnitz 20 Kilometer von hier entfernt liegt, daher wir nicht in der Lage sind, behufs Theilnahme an dem Gottesdienste den dortigen Tempel zu besuchen, so gehen wir daran, ein eigenes Gotteshaus zu erbauen, was uns jedoch ohne Mithilfe unserer auswärtigen Glaubensgenossen unmöglich ist. Durch Opferwilligkeit der hiesigen israelitlschen Bewohner ist es gelungen, einen geeigneten Platz anzukaufen; aber mit dem Erwerbe des Platzes sind unsere spärlichen Kräfte bereits erschöpft. Zur Vollendung des Tempels würden unsere Mittel nie und nimmer ausreichen. Darum wenden wir uns vertrauensvoll an edle Glaubensgenossen, die der Himmel mit Wohlhabenheit gesegnet hat, um ihnen die Bitte zu unterbreiten, uns zu unterstützen. O, steht uns hilfreich bei, theuere Glaubensgenossen, die Ihr so oft schon Eueren edlen Wohlthätigkeitssinn bewiesen habet! Fördert das gottgefällige Werk Gott zur Ehre, dem Judenthume zum Ruhme, dem Glaube» zur Kräftigung, dem Bedrückten zur Erhebung. Nachdem auch wir schon in vielen solchen Fällen Unterstützung leisteten, hoffen wir, auch nicht im Stiche gelassen zu ioerden; wir bitten daher, es möge jeder unserer Glaubensgenossen nach Möglichkeit das Werk unterstützen, damit wir mit Gottes Hilfe das angestrebte Ziel erreichen. Die Namen der Wohlthäter werden öffentlich bekannt gegeben und in dem Buche der Geschichte des Temoels zum ewigen Gedächtniß verzeichnet werden. Mit brüderlichem Gruße: Das Tempelbaucomite: Sigmund P r e i ß, Obmann; Adolf Rosenblatt, Obmann-Stellvertreter; David P r e i ß, Cassier; Berthold Herzog, Schriftführer. Nasice, Slavonien. (25j ähriges Rabbiner-Jubil ä u m.) Am ersten Schebuoth feiert unser allgemein hochverehrter Rabbiner Herr S. Winter sein 25jähriges Amtsjubiläum als Rabbiner und Religionslehrer in der hiesigen Gemeinde. Aus diesem Anlasse war der neuerbaute Tempel überaus festlich decorirt und von einem zahlreichen Publikum aller Confeffionen gefüllt. In dem prachtvollen Gotteshause, um dessen Aufbau er sich große Verdienste erworben, hielt Herr Rabbiner Winter eine weihevolleZFestpredigt, worin er einen geschichtlichen Rückblick aus die Entwicklung dieser Gemeinde während der 25jährigen Periode warf. Nach dem Gottesdienste empfing der Jubilar, der sich einer allgemeinen Beliebtheit erfreut, die Glückwünsche der Gemeinde, der Corporatwnen und seiner zahlreichen Freunde und Bekannten. Am 14. d. M. veranstaltete die hiesige Gemeinde im Vereine mit zahlreichen ehemaligen Schülern des Jubilars ein Bankett, an welchem über 60 Personen der hiesigen Honoratioren ohne Unterschied der Religion, theilnahmen. Den Ehrenplatz an der Tafel nahm der Jubilar und seine liebenswürdige Gattin ein, zur Rechten saß Herr Bezirksvorstand Plato Mihajlovic, zur Linken Herr Bezirksrichter Krunoslav Klajic. Herr Bezirksvorstand Mihajlovic brachte den ersten Toast auf unfern König, Herr Bezirksrichter Klajic auf Seine Excellenz den Banus, Herr Kammerrath Max Fischer auf unfern allverehrten Obergespan Dr. Theodor Grafen Pejacevich. Hierauf hielt im Namen der Cultusgemeinde der Tempelvorsteher Herr Josef Beran eine herzliche Ansprache an den Jubilar, in welcher er seine Verdienste um das Wohl der hiesigen Gemeinde und der hiesigen Bevölkerung schilderte. Nachdem die mit großem Entusiasmus aufgenommene Rede geendet, dankte der Jubilar tiefbewegt für die vielen Zeichen der Verehrung und der Liebe, die ihm nicht nur seine Glaubensgenossen sondern auch die andersgläubige Bevölkerung entgegenbringt und werde er nach wie vor die Erhaltung des guten Einvernehmens zwischen allen Confessionen sich zum Ziele seiner Thätigkeit setzen. Herr Bezirksrichtcr Klajic hielt einen von nicht endenwollenden Zivio erbrausenden Toast auf Seine Excellenz unseren edlen Gutsherrn Grafen Ladislaus Pejacevich und dessen edler Gemahlin Frau Gabrielle Gräfin Pejacevich, die Wohlthäter des Volkes. Berlin. „Der Blutmord in Könitz" — mit dieser Ankündigung war für den 12. Juni eine Versammlung des Wahlvereins Berlin der antisemitischen „Deutsch-socialen Reformpartei" in der Tonhalle angekündigt, um wiederum aus den Vorgängen in Könitz Capital für ihre politischen Zwecke zu schlagen. Wie die antisemitischen Blätter mittheilten, ist die Abhaltung dieser Versammlung, nachdem die polizeiliche Genehmigung bereits ertheilt war, in letzter Stunde noch auf Verfügung des Polizeipräsidenten „aus ordnungs- und sicherheitspolizeilichen Gründen gemäß