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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-22 · 25 (22.6.1900) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
25 (22.6.1900)
Date
1900-06-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 489 Correspondenzen. Aus der Plerrar-Sitzung des Cultusvorstandes vom 19. Juni 1900 unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn kais. Rath H. Minger. Herr Präsident kais. Rath K l i n g e r referirt über die anläßlich des 70. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers am 18. August zu veranstaltenden Festlichkeiten und stellt Namens des Vertreter-Collegiums nachfolgende Anträge: 1. Sämmtliche Gemeindehäuser sind zu beflaggen. 2. Im Tempel der inneren Stadt ist ein solenner besonderer Festgottesdienst zu veranstalten. Ueberdies ist 3. in allen Synagogen anschließend an den Morgengottesdienst ein feierlicher Gottesdienst abzuhalten. Die Anträge werden einstimmig angenommen. Herr Baurath S t i a ß n y referirt über die uothwendige Renovirnng des Ceremoniensaales im Tempel I. Seitenstettengasse 4, und beantragt Namens der I. Section, an der Hand von Vorlagen, die Ausmalung des Ceremoniensaales in einer, dem Stile des Tempels angepaßten Weise. Der Referenten Antrag wird angenommen. Herr Banrath S t i a ß n y referirt weiters über die Wiederherstellung der theilweise schadhaft gewordenen Einfriedungsmauer des Währinger Friedhofes. Der erforderliche Kostenbetrag von circa 330 fl. wird bewilligt. Die Anträge der Friedhofsection über die Vergebung der Steinmetz- und Baumeisterarbeiten für die Herstellung von Grüften am Centralfriedhofe an die auf Grund des Ergebnisses der Offertverhandlung billigsten Offerenten werden genehmigt. Ueber Antrag der I. Section wird Herr Rabbiner Meyersohn in seiner Eigenschaft als Rabbinatsassessor definitiv bestellt. Herr Dr. Grünfeld referirt über die Verleihung der Otto Cohn'schen Stiftung für Realschüler entsprechend den Anträgen des Präsentanten und im Sinne des Beschlusses der II. Section an 3 würdige Realschüler. (Zur Kenntniß.) Weiters wird zur Kenntniß gebracht, daß vier Petenten die bei der Verleihung trotz ihrer Würdigkeit nicht berücksichtigt werden konnten, von dem Stifter Herrn Salo Cohn je ein Gratiale von 50 Kronen und einem Petenten aus Gemeindemitteln eine Unterstützung von 50 Kronen gewährt wurden. Herr Dr. Steiner referirt über die Verleihung des Ignaz Blumeufeld'schen Bildhauerstipendiums im Betrage von 1960 Kronen. Ueber Antrag der II. Section wird die Verleihung drs Stipendiums an den vom Juroren-Collegium, bestehend aus den Herren Professoren Hellmer, v. Z u m b us ch und Kundm a n n primo loco vorgeschlagenen Richard H a d l, und weiters beschlossen, die von der Jury besonders belobten Petenten Eugen Klei n, Fritz Herlinger und Geza Salzmann dem Curatorium der R o t h s ch i l d'schen Künstlerstiftung zu empfehlen. Die durch das Ableben zweier Stipendisten der Dr. Adolf Sack s'scheu Stiftung für Herz- und Aorta-Kranke frei gewordenen Zinsenerträgnisse pro 1900, werden über Antrag der III. Section (Referent Herr Dr. Steiner) an vier würdige Petenten verliehen. Weiters wird über Antrag der III. Section beschlossen, eine Abänderung des Stiftbriefes der Dr. Sack s'schen Stiftung für Herz- und Aorta-Kranke dahin zu erwirken, daß die auf Lebensdauer verliehenen Plätze, insolange die Stipendisten competent erscheinen, was alljährlich nachzuweisen wäre, nicht zur Ausschreibung gelangen. Nach Erledigung von Steuerangelegenheiten wird die Sitzung geschlossen. An Spenden find eingelaufen: Bon Herrn Alfred Seligmann für das Altersversorgungshaus 10 Kronen, ferner die Bildnisse des ehemaligen Verwalterpaares Matzel, von Herrn Dr. Alfred Stern für Arme 40 Kronen, von Herrn Sigmund Landau für eine Wöchnerin 40 Kronen, von Herrn Wilhelm Pollak Wein im Werthe von 1200 Kronen, von Herrn Moritz Weiß Wein im Werthe von 100 Kronen, von Frau Rosalie Winter für Arme 100 Kronen, von Herrn Leopold Sachs für das Wölflerheim 400 Kronen, von Herrn I. W. für Arme 3 66 Kronen, von Herrn Alexander Pollak für eine Arme 100 Kronen, von Herrn Emil Bondy für Arme 20 Kronen, von Frau Helene Neumann für den Waisenverein 50 Kronen, von Herrn Moritz Szold für Arme 10 Kronen, vom Verein „Frauenhort" für Arme 30 Kronen, von Herrn Dr. Ph. Gvldschmidt für das Versorgungshaus 50 Kronen, für das Waisenhaus 50 Kronen, von Herrn Bernhard Hirsch für das Altersversorgungshaus 10 Kronen, für das Siechenhaus 10 Kronen, vnn Herrn Sigmund Hayek für die armen rumänischen Juden 4 Kronen, Sammelbüchsen Stadt: Für die Armenanstalt 210 Kronen, für die Chewra-Kadischa 187 Kronen 60 Heller; Leopoldstadt: Für die Armenanstalt 65 Kronen 4 Heller, für die Chewra-Kadischa 47 Kronen 50 Heller; Fünfhaus: Für Arme 101 Kronen 80 Heller. Wien. Geehrter Herr Redacteur!§Jn Nr. 23 der „Oesterr. Wochenschrift" vom 8. Juni bringen Sie auf Grund einer Budapester Correspondenz die Mittheilung von dem tragischen Geschick meines bedauernswerthen Neffen Max Goldzieher, welcher offenbar in einem Anfall momentaner Geistesstörung und Sinnesverwirrung seinem jungen,, hoffnungsreichen Leben ein jähes Ende bereitete. Sie haben, Herr Redacteur, auch jener Verleumdung eines untergeordneten antisemitischen Organes erwähnt und gebrandmarkt, welches den Tod meines Neffen mit der Kreuzesschändung an den Wappenschildern im Gebäude der Universität in irgend einen Zusammenhänge gebracht hat. Ich bin in der Lage, Ihnen mitzutheilen. daß dieser Verdacht selbst in den gegnerischen Kreisen in Bezug auf meinen Neffen niemals gehegt wurde. Max Goldzieher war nicht blos ein hochtalentirter junger Mensch, sondern auch ein ehrenhafter Charakter voll edler Gesinnung, dem es nie im Leben eiufiel, die religiösen Empfindungen der Katholiken zu verletzen. Das wurde in allen Kreisen anerkannt und rühmend hervorgehoben. An dem Tage, an dem ein untergeordnetes antisemitisches Blatt mit der erwähnten Insinuation das Andenken meines Neffen zu verunglimpfen wagte, erschienen im Trauerhause zwei der angesehensten katholischen Univerfitätshörer, der Präsident des Univerfitätsclubs Herr K ö p e s d i y mit dem Secretär Herrn Zsembery, die Leiter der großen Protestoersammlung katholischer Studenten an der Universität, und haben dort die Versicherung gegeben, daß in den Kreisen ihrer Gesinnungsgenossen die Verunglimpfung Goldzieher's auf das Strengste verurtheilt wird. Derselbe erfreute sich einer solchen Achtung und Beliebtheit, daß ihm auch der ärgste Feind irgend eine unehrenhafte That nicht zugemuthet hätte. Indem ich Sie um Abdruck vorstehender Zeilen bitte, zeichne ich hochachtungsvoll Dr. Albert Mittler. Wien. (Eine jüdiich-confessionelle Realschule.) Die vom Vereine „Marpe Lanefesch" in Gemeinschaft mehrerer conservativer Vereine ausgearbeiteten Statuten wurden der k. k. Statthalterei zur Genehmigung überreicht. Als Proponenten fungiren die Herren Rabbiner Dr. M. Jung, Wilhelm Morgenst e r n, Dr Grünfeld und Dr A. Reiß Unter den zahlreichen Vereinen Wiens nimmt der humanitäre Verein „M arpe Lanef e s ch" schon vermöge seines uneigennützigen menschenfreundlichen Wirkens unstreitig eine hervorragende Stellung ein. Die Mitglieder und insbesondere der Vorstand dieses Vereines bringen alle erdenklichen Opfer an Geld, Zeit und Mühe, um den täglich so zahlreich an sie herantretenden Kranken und Reconvalescenten. sowie verschämten Annen nach bestem Können eine Hilfe zu! gewähren. Im Interesse der vielen nothleidenden Petenten, welche die Hilfe dieses wahrhaft humanen Vereines in Anspruch nehmen, wäre es wünschenswerth, daß demselben ein allseitiges Wohlwollen entgegengebracht werden möchte. Prag. Die antisemitischen Agitationen aus Anlaß des Polnaer Mordes fangen wieder an, langsam aufzuleben — vor der angeordneten neuerlichen Schwurgerichtsverhandlung in Pisek. In das Arrangement d,r Hetze theilen sich brüderlich die czechischen rituellen Antisemiten, welche den religiösen Mord zu einem Glaubensartikel für die Katholiken („Obnora", das Organ des Königgrätzer Bischofs B r y n y o l) gleich wie die radicalen Staatsrechtler (Dr. Baxa's „Radikälui Listy") erhoben haben und ihnen nach die deutschen Clericalen. Die Rollen in dieser. Compagnie sind stillschweigend recht geschickt vertheilt: Während Dr. Baxa den Versuch unternahm, seine „politische Thätigkeit" nach Pisek zu verlegen, wohin ihm seine Freunde gleich nach der Delegirung des Piseker Gerichtes für den Polnaer Proceß schnell eine „politische Versammlung" einberufen hatten*), bemühen sich die deutschen clericalen Blätter die Meinung zu verbreiten, als ob Professor M a s a r y k in der Piseker Gegend agitiren, wollte. Die „Reichs- *) Welche aber von der Bezirkshauptmannschaft in letzter Stunde verboten wurde. Die Redaction.

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