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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-22 · 25 (22.6.1900) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
25 (22.6.1900)
Date
1900-06-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 471 § 10 II 17 des Allgemeinen Landrechts" untersagt worden. Dieser Paragraph des Allgemeinen Landrechts lautet: „Die nöthigen Anstalten zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung und zur Abwehr der dem Publico oder einzelnen Mitgliedern desselben bevorstehenden Gefahren zu treffen ist das Amt der Polizei." Könitz. (Bestrafung für antisemitische E xc e s s e.) Die Kosten der Besatzung von Könitz wegen der antisemitischen Excesse betragen 3300 Mark täglich, welche hohe Summe die kleine Stadt ans Befehl des Kaisers Wilhelm tragen muß, weil sie die antisemitischen Excesse nicht zu verhindern wußte. Bisher sind zwei Verhaftungen wegen Meineids vorgenommen worden. Die Verhafteter hatten frivolerweise unter Beeidigung erdichteter Behauptungen jüdische Einwohner des Mordes an Winter beschuldigt. — Wie sehr auch der Kaiser Interesse an der Konitzer Untersuchung hat, geht daraus hervor, daß er sich des Oefteren über den Stand derselben Vortrag halten läßt. Zu diesem Zweck wird von hier aus täglich -an das Ministerium des Innern Bericht gesandt. — Das Militär soll wegen des guten Verhaltens der Bürgerschaft wieder auf eine Compagnie vermindert werden. — In Könitz herrscht, wie ein Berichterstatter schreibt, fortdauernde Ruhe; Ausschreitungen kamen nicht vor. Die Wachen und Patrouillen waren in Anbetracht des Frohnleichnamsfestes verstärkt, doch brauchten sie nirgends in Action zu treten. — Der Geheime Regierungsrath Maubach hat im Aufträge seiner Vorgesetzten Behörde Könitz wieder verlassen und ist zur Berichterstattung nach Berlin zurückgekehrt. — Der thätliche, mit einer Verletzung verbundene Angriff auf den Criminalcommissarius Wehn darf nun auch auf Sühne hoffen, denn der Thäter ist ermittelt worden. Die Anwesenheit zahlreicher Juden an dem voraussichtlichen Mordtage (11. März) wird jetzt dadurch erklärt, das am 12. März in Goldap Pferdemarkt abgehalten wurde, und am 11. März 18 bis 20 jüdische Pferdehändler auf der Reise nach dorthin gegen 7 Uhr Abends in Könitz eintrafen, um später weiter zu reisen. — Fleischermeister Adolf Levy wird sich die schweren Beschuldigungen des Fleischermeisters Hoffmann durch dessen lange Eingabe an den Untersuchungsrichter Dr. Zimmermann, in welcher er ihn und seinen Sohn Moritz des Mordes an dem Gymnasiasten Winter zeiht, nicht gefallen lassen und hat, wie ich höre, bereits die Beleidigungsklage erneut gegen Hoffmann einleiten lassen. — Der Regierungspräsident Horn aus Marienwerder weilte kürzlich mehrere Stunden in Könitz. Ec hatte mit dem Landrath Freiherrn v. Zedlitz und dem Bürgermeister Detitius sowie einigen Stadträthen eine längere Conserenz, unter anderem auch bezüglich der Reuoviruug der scandalös demolirten Synagoge. Vor der Hand soll das Gotteshaus nicht ausgebessert werden. Den jüdischen Bürgern bleibt nichts weiter übrig, als zu den Gottesdiensten die benachbarten Synagogen zu besuchen. Morgen wollen viele Hundert nach Tuchel fahren. Paris. lLaskerSieger imPariserSchacht u r n i e r.) Wie aus Paris mitgetheilt wird, hat Dr. L a s k e r seine rückständige Partie mit Pillsbury, wie vorauszusehen war, gewonnen. Damit fällt an ihn der e r st e Preis von 5000 Francs, nebst einer vom Präsidenten der Republik gespendeten prachtvollen Sevresvase. So hat denn Lasker auch in diesem Turnier gleichwie im Londoner Schachcongreß 1899 durch seine große Ueberlegenheit den ersten Preis noch vor Beendigung des Wettkampfes entschieden. Das Pariser Turnier kann, was den Ruf und die Stärke der Theilnehmer betrifft, zu den bedeutendsten schachlichen Veranstaltungen der letzten Jahre gezählt werden. Wenngleich Großmeister, wie Dr. Tarrasch, Steinitz, sowie der berühmte englische Vorkämpfer I. H. Blackburne fehlten, so ward anderseits durch die Theilnahme eines neuen und so überaus genialen Spielers wie James M a r s h a l l aus Brooklyn dem Turnier ein besonderer Reiz verliehen. Marshall hat denn auch die in ihn gesetzten Hoffnungen in vollstem Maße gerechtfertigt; es ist ihm in dem Meisterturnier zu München, welches im kommenden Monat stattfindet, abermals Gelegenheit geboten, sich mit den erprobtesten Schachgrößen zu messen. Der Sieger Dr. Emanuel Lasker ist im Jahre 1868 zu Berlinchen in Preußen geboren. Er studirte zu Berlin und Göttingen und wurde im vorigen Jahre zum Doctor der Philosophie promovirt. In Schachkreisen wurde er seit dem Breslauer Turnier 1889 bekannt, wo er sich im Hauptturnier den Meistertitel errang. Seine eigentliche glänzende Laufbahn begann im Jahre 1892, wo er im Einzelkampfe so hervorragende Meister wie Blackburne, Gunsberg und Showalter bezwang. Diese Erfolge förderten das längst schon bestandene Bestreben, einen Wettkampf zwischen ih u und Steinitz zustande zu bringen, das dann auch verwirklicht wurde, und welcher Kampf in drei Abtheilungen zu New-Aork, Philadelphia und Montreal ausgefochten wurde. Lasker ging ans demselben mit 10:5:4 als Sieger hervor, und kann chm wohl der Anspruch auf den Titel „Champion of theworkl“ nicht gut abgesprochen werden. In Hastings brachte er es allerdings nur auf den dritten Platz, doch konnte er durch seinen glänzenden Sieg in dem darauffolgenden Viermeisterkampf zu Petersburg seinen Ruf als Weltmeister wieder befestigen. In den Meistecturnieren zu Nürnberg 1896 und London 1899 erstritt er mit großer Ueberlegenheit den ersten Preis. London. (Z i o n i st e n c o n g r e ß.) Das vorläufige Programm für den vom 13. bis 16. August hier tagenden vierten Zionistencongreß ist jetzt veröffentlicht worden. Am ersten Sitzungstag wird nach Erledigung von geschäftlichen Formalitäten Dr. Max Nordau den Bortrag über die allgemeine Lage der Juden zum vierten Mal halten, dem eine Discussion folgen soll. Der zweite Tag bringt die Berichte des Actionscomitäs nebst Discussion. Ueber den Finanzstand wird Dr. O. Kokesch-Wien, über Organisation und Agitation Dr. Bodeuheimer-Köln Bortrag halten. Am dritten Trg soll über die Berbefferung der physischen, geistigen und ökonomischen Lage der Juden gesprochen werden. Es werden Vo-träge halten über die physische Verbesserung: Dr. Mandelstamm-Kiew, über die geistige: Dr. L. Kahn- Wien und S. Sokolow-Warschau; über die ökonomische: Dr. Isidor Marmorek-Wien und Leo Motzkin-Berlin. Der Nachmittag des dritten Tages ist der Discussion über die Colouialbank gewidmet, die durch einen Bortrag von Professor Dr. Belkowsky Petersburg eingeleitet wird. Der letzte Tag soll mit der Entgegennahme von Berichten und Wahlen ausgefüllt werden. London. (Monatssitzung der Anglo-Jewish A s s o c i a t i o n.) ^it der letzten Mona tssitzung der Anglo-Jewish Association wurde nach der Verlesung des Geschäftsberichtes und nach Erledigung einiger verschiedene Schulen im Orient betreffenden Unterstützungsgesuche der Hilferuf verlesen, den die Alliance Jsraölite von den nothleidenden Juden in Rußland, Rumänien und Bessarabien erhalten und den die Alliance der Anglo-Jewish Association übermittelt hat. Der Vorsitzende Claude G. Montefiore und Chiefrabbi Dr. Adler erzählten von der traurigen Lage der unglücklichen Glaubensbrüder im Osten, die überall da auf die Hilfe ihrer Religionsgenoffen angewiesen seien, wo Andersgläubige von ihren Regierungen Unterstützungen erhalten, und befürworteten eine Resolution, die die Bildung eines Subcomitös und die Namen der dafür zu wählenden Mitglieder vorschlägt. Einer der als Comitsmitglied genannten Herren, B. Kisch, gibt zu bedenken, daß die Bildung eines Subcomitss die Erwartung einer sofortigen Hilfeleistung erregen werde, daß aber augenblicklich in England eine sehr ungünstige Zeit für Geldfammlungen sei. Er halte es für angemessener, diese betrübende Sachlage offen einzugestehen, als Hoffnungen zu erregen, die nicht realisirt werden können. Capitän Matthew Nathan führte aus, daß die Angelegenheit dem russisch-jüdischen Comits vorgelegt werden solle, das große Mittel . zur Unterstützung bedürftiger ru sischer Juden zur Verfügung habe. Darauf wurde vom Chiefrabbi erwidert, daß das russisch-jüdische Comitö nur die Anfgabe habe, nach England eiuwandernde russische Juden zu unterstützen, und daß dafür große Mittel erforderlich seien; die Verwalter dieses Geldes hätten nicht das Recht, es für andere als die vorgesehenen Zwecke auszugeben. Die Resolution, die die Bildung eines Subcomites vorschlägt, wurde schließlich angenommen. Petersburg. (Jüdische Landarbeiter.) Mehrere Gutsbesitzer haben sich bereit erklärt, eine größere Anzahl beffarabischer Juden als ländliche Arbeiter auf ihren Gütern anzustellen. Der bekannte Civil-Jngenieur Geheimrath Petroff beschäftigt schon seit Jahren ausschließlich jüdische Arbeiter bei seinen Canal- und Straßenbauten und hat einem Freund, der sein Erstaunen darüber aussprach, erklärt: „Wenn Sie wüßten, was für fleißige und zuverlässige Arbeiter die Juden sind, würden Sie verstehen, daß ich sie andern Arbeitern vorziehe! '

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