Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 25 (22.6.1900)
- Date
- 1900-06-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 25 Dr° Bloär's WochrnfchrifL- Seite 468 bei kleinlichen Beleidigungsfällen geschenkt wird, ist es in der That auffallend, daß noch kein Staatsanwalt auf den Gedanken gekommen ist, eine gerichtliche Entscheidung über diese gefährliche, aufwieglerische, und wie man seit Wochen täglich gesehen, verhängnisvolle Beschimpfung der deutschen Justiz und der preußischen Regierung herbeizuführen. Nicht im Interesse der Juden braucht man das zu verlangen, obschon auch sie als Steuer zahlende, für das Vaterland ihr Blut vergießende Bürger Anspruch auf allen Schutz der Staatsgewalt haben, wenn sie auch nicht in Siam oder China, sondern nur nahe an der russischen Grenze im deutschen Reiche wohnen. Es wird vielmehr erfordert im Interesse des deutschen Volkes, im Interesse der Ehre des deutschen Namens im Auslande. Wie können wir es wagen, ungebeten die Cultur ins ferne Ausland zu tragen, wenn unsere eigene Cultur so viel noch zu wünschen übrig läßt? Mit welcher Stirn wollen wir den Chinesen Borwürfe machen, daß sie christliche Missionäre beschuldigen, zu rituellen und medicinischen Zwecken chinesische Kinder zu morden? Wie dürfen wir es Mandarinen verargen, daß sie diesen Glauben theilen und ausnützen, wenn doch nach großen deutschen Zeitungen eine christliche Regierung, christliche Justiz im Einverständnisse handeln mit jüdischen Ritualmördern? Im Grunde sollten dasselbe Verlangen ja auch jene Leute stellen, die wirklich noch den ehrlichen Glauben haben, die Preußische Regierung gestatte Juden die Ermordung von Christen. Ihnen maß ja alles daran liegen, daß dies bewiesen und diese Regierung weggefegt, oder daß ihnen Aufklärung werde, damit sie ruhig wieder athmen können. Bester als alle späten Warnungs- und Bittartikel officiöser Blätter, besser als alle Interpellationen in der nächsten Session würde das helfen und Rückfällen Vorbeugen." Diese Aeußerungen eines guten deutschgesinnten Blattes treiben natürlich die Bluthetzer aller Länder zur Tollwuth. Der Urgermane aus Solens in Galizien, Pan Berganew, bezeichnet die Auslassungen als „eine Frechheit ohnegleichen. In ihnen wird ohneweiters angenommen, daß kulturell die Juden ebenso hoch über den Deutschen stehen, wie die Deutschen über den Chinesen!" Aber die „Kölnische Zeitung" sprach nicht vom deutschem Volke, sondern von den antisemitischen Bluthetzbuben, welche thatsächlich mit den chinesischen Mandarinen wetteifern und moralisch vielleicht noch tief unter ihnen stehen. Unsere arischen Sittenrichter. Unter der Anklage, ein Sittlichkeitsverbrechen an einer jugendlichen Patientin begangen zu haben, stand der hiesige praktische Arzt Dr. Adolf Hoff vor Gericht. Er wurde, nachdem sich die Angaben der Belastungszeugin als durchaus unglaubwürdig heransgestellt hatten, f r e i g e s p r o ch e n. Ob Herr Dr. Hoff ein Jude ist, wiffen wir nicht. Solange er unter dem Verdachte steht, ein Sittlichkeitsverbrechen begangen zu haben, war er aber jedenfalls für die antisemitische Propaganda brauchbar. Das „Deutsche Volksblatt" versah den Namen des Angeklagten mit einem Ausrufungszeichen (!), die „Deutsche Zeitung berichtete über ihn, ohne die Verhandlnngsergebnisse abzuwarten, als über einen „jüdischen Wüstling". Die „Deutsche Zeitung", wie immer um eine Nuance gemeiner und um zwei Nuancen dümmer als ihre Collegin, berichtet >von dem Freispruch unter der Spitzmarke: ..Ein jüdischer Advocat als Wüstling." Nebenbei gesagt, ist es für die hastige Dummheit, mit welcher diese, sit venia verbo : Zeitung antisemitisch colorirt wird, charakteristisch, daß von einem „jüdischen Advocaten" berichtet wird, trotzdem es sich um einen Arzt handelte. Dagegen verschweigen die antisemitischen Blätter, daß Dienstag Nachts der Pförtner des Katzuzinerklosters Neumarkt verhaftet worden, weil erseitJahren an Knaben imAllervon6b:s 12 Jahren schwere S i t t l i ch k e i t s v e r b r e ch e n begangen. Nun hat ihn sein Schicksal ereilt. Bis jetzt wurden bereits 18 Knaben einvernommen, von denen drei schwer belastende Aussagen gegen den Frater Pförtner machten. Der Schweinekerl wurde dem Bozener Kreisgericht eingeliefert. Und das scheint den arischen Preßorganen so selbstverständlich, daß sie darüber kein Wort verlieren. Vor dem Landgericht in Würzburg wurde dieser Tage einem katholischen Geistlichen, dem Pfarrer des geistlichen Strafhauses zu Dillingen Ehebruch. Eifersucht, Unzucht, N o t h z u ch t, Verleitung zur falschen Zeugenaussagenachgewiesen. Unsere antisemitischen Preßorgane finden darin nichts Auffälliges und nichts Bemerkenswerthes. Ein katholischer Priester als Vatermörder. Madrid, 16. Juni. Ein unglaubliches Scheusal stand in den letzten Tagen vor dem Schwurgericht in Granada als Angeklagter. E i n Pfarrer ist wegen Ermordung seines Vaters angeklagt. Der Proceß ruft in ganz Spanien ungeheuere Erregung hervor. Alle Blätter bringen das Bildniß dieses Ungeheuers inderSoutane und geben seitenlange Berichte über die Verhandlung und über die Geschichte des entsetzlichen Verbrechens. Der Angeklagte ist ein junger Pfarrer aus C a st i l l o de L oc u b i n, Provinz Jaen. Es ist Don Julian A n g u i t a und hat unter Beihilfe seiner Mutter Maria G a r c i a und deren beiden Brüdern Miguel und Candido, die alle unter seinem Einflüsse standen, seinen 58jährigen Vater Antonio Anguita meuchlings ermordet. Das Motiv war unersättliche Habsucht. In der Art, in der der Mord durchgeführt wurde, zeigte sich die geradezu teuflische Schlauheit. Die Mutter verschaffte das Gift, der Sohn aber übernahm die geistige Leitung des Verbrechens. Er sprengte zuerst das Gerücht aus, daß der geistige Zustand des „Alten" seine Ueberführung in eine Heilanstalt nothwendig mache. Am 11. October 1898 wurde der alte Antonio von seinen beiden Schwägern Miguel und Candido, die bei dem schauerlichen Verbrechen als Helfershelfer fungirten, auf einen Esel gepatt und aus dem Dorfe geschafft. Der Sohn folgte. Der Bestimmungsort sollte eine kleine Ortschaft in der benachbarten Provinz Malaga sein. Nach einer mehrstündigen Fahrt gelangten sie in ein Wäldchen. Hart am Wege machten sie Halt. Im Schatten gelagert, nahm die unheimliche Reisegesellschaft das Frühstück ein, und ganz besonders wurde der Alte von seinen Gefähtren zum Triwken animirt Es dauerte nicht lange, so hatte er feinen Rausch weg. Jetzt trat der Sohn in Action. Unter dem Vorwand, ihn wieder reisetüchtig zu machen, überreichte ihm der Sohn und P r i e st e r e i n e n ..E r f r i s ch u n g s t r a n k", das Gift der Mutter Die Wirkung war eine augenblickliche Nach kurzem Todeskampf war der Vater eine Leiche Nun schritten die Verbrecher daran, die Leiche unkenntlich zu machen, der Polizei die Eruirung der Mörder zu erschweren Der Priester steckte dem Vater falsche Legitimationspapiere in die Rocktasche und zertrümmerte ihm mit einemSteindenKopfbiszurUnkenntl i ch k e i t. Dann wurde die Leiche in eine tiefe Felsenschluchc geworfen. Nach Hause zurückgekehrt, erzählt er, er habe seinen Vater in die Heilanstalt gebracht. Sein edles Onkelpaar bestätigte das. Einige Wochen später traf dann von einem gedungenen Subject, einem gewissen Jose D i a z. ein Brief an den Mörder ein, worin diesem mitgetheilt wird, daß sein Vater in der Heilanstalt gestorben i st. Der Pfarrer zeigte diesen Brief tiefgerührt vielen seiner Pfarrkin der, und dann setzte der Elende seiner Schaudthat die Krone auf. indem er selbst in seiner Pfarrkirche fürdie ewige Ruhe seines Vaters ein feierliches Seelenamt celebrirte, dem die mitschuldige Sippschaft, die Mntter des Mörders mit ihren beiden Brüdern Miguel und Candido eine große Familientrauer heuchelnd, betend und knieend beiwohnten Das Verbrechen wurde trotzdem entdeckt. Das Verschwinden des Alten hatte doch allgemeinen Verdacht hervorgerusen. man fand schließlich auch die Leiche und kam dann bald den Thätern auf die Spur. Vor einigen Tagen Halen bereits die Verhandlungen begonnen, die gestern um Mitternacht geschlossen wurden. Bei denselben wurden nicht weniger als 17 Belastungs- und 19 Entlastungszeugen vernommen. Die llntersuchungsacten umfaßten 4t-3 Seiten So hoch ist das Material über das Verbrechen und das Lügengewebe des Pfarrers angewachsen. Für den Pfarrer und seine Mutter beantragte der Staatsanwalt die T o d e s st r a f e, für die übrigen Mitschuldigen des Scheusals mehr oder weniger schwere K e r k e r st r a f e n. Die Verhandlungen ergaben die vollkommene Richtigkeit der in der Anklage vorgeführten grauenvollen Thatsachen. Der Priester ist des abscheulichsten Vatermordes überwiesen. Auch die Sch nld seiner Mutter, und eines ihrer Brüder i st n a ch g e w i e s e n. Das Gericht fällte gestern Nachts das Ilrtheil. Der Pfarrer Julian Anguita, seine Mutter Maria Garcia und deren Bruder Candido Garcia wurden zum Tode verurtheilt; der andere Bruder, Miguel Garcia, wurde freig-sprochen