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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-22 · 25 (22.6.1900) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
25 (22.6.1900)
Date
1900-06-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Bloch's Wochrnfchrifk. Seite 463 ordnet, daß die jüdischen Kinder barhaupt beten müssen, auch müsse der Unterricht an Samstagen, wie an Wochentagen stattfinden, dagegen habe man den Sonntag zu feiern/ „Der Hausirhandel wurde ausgehoben und tausende von Juden sind dadurch brotlos geworden. Aus allen Aemtern, aus den Schulen, aus dem Bahn- und Postdienst wurden alle Juden entlassen. Kein Jude bekommt bei der Regierung mehr eine Arbeit. Die Reservisten, von denen schon 40.000 im Lande sind, erfreuen sich ihren jüdischen Glaubensgenossen gegenüber, die keinen Militärdienst geleistet, auch keinerlei Vorrechtes. Ein Jude kann als Soldat auch keine Charge erlangen." ... „Aus den Dörfern wurden alle Juden innerhalb 24 Stunden ausgewiesen. ... Jetzt sind noch die christlichen Arbeiter aufgestanden und fordern die Ausweisung der jüdischen Arbeiter aus den Städten! Vor einigen Wochen haben christliche Arbeiter erfahren, daß einige jüdische Anstreicher bei der Bahn im Lohne eines rumänischen Meisters arbeiten. Sie haben den Juden, als sie Abends von der Arbeit gingen aufgelauert und sie todtgeschlagen." ... „Keine Arbeit finden, die Kinder ohne Schulunterricht aufwachsen sehen, nach dem Militärdienst, der einer Sclaverei nicht unähnlich ist, als Fremdling behandelt zu werden, das ist den Juden endlich zu viel geworden, und darum trachten sie durch Verkauf ihrer Habseligkeiten oder durch Almosensammlung die Mittel zur Auswanderung zu gewinnen. Einige tausend sind bereits ausgewandert, tausende sind im Begriffe ihnen nachzufolgen, und cs dürften in Bukarest allein fünftausend Juden sein, die Hungers sterben und nicht auswandern können, weil ihnen die Mittel dazu fehlen." * 4- * Diese wahrheitsgetreuen Schilderungen, die uns noch von vielen Seiten bekräftigt werden, veranlassen uns, den Aufruf der Israelitischen Allianz auch in dieser Nummer wieder zu bringen. Wir können daran nur die allerdringendste Bitte knüpfen, daß sich in allen Gegenden unseres Vaterlander schleunigst Hilfscomitss bilden sollen, die zu Gunsten'.der von der Israelitischen Allianz unternommenen Rettungswerkes Beiträge sammeln. Wer sich angesichts des Elends unserer rumänischen Glaubensbrüder nicht bewogen fühlt, eine Gabe beizusteuern, verläugnet die Leidensgeschichte seiner Borväter, der sagt sich vom Judenthume los, vom Judenthume und von der Menschlichkeit. Der Jahresbericht der „Jewish Colonisation Association“. Am 10. Juni fand im Haufe der Gesellschaft die Gen eralversammlung der Jewish Colonisation Association statt. Der den Actionären vorgelegte gedruckte Bericht umfaßte 56 Seiten, aus denen wir nach den „Jewish Chronicle“ folgendes entnehmen: Die Thätigkeit der Gesellschaft erstreckt sich über ganz Amerika, fast alle Länder Europas und das gesammte Gebiet der ostasiatischen Türkei, wo die Jewish Colonisation Association nebst Palästina nunmehr auch in Cypern und K l e i n a s i e n jüdische Ansiedlungen besitzt. Neben ihrer Hauptthätigkeit, der Emigration, resp. Colonisation der Juden, sucht die Jewish Colonisation Association Handwerk und Industrie unter den Juden zu fördern, um die große jüdische Noth nach Maßgabe der vorhandenen Mittel zu lindern. Argentinien. Bon den argentinischen Colonien wies die Colonie Moswille im verflossenen Jahre einen erheblichen Fortschritt auf. Die Zahl ihrer Einwohner ist um 31 Personen gewachsen, so daß sie jetzt 71 Familien mit 856 Seelen zählt. Ebenso ist die in Bearbeitung genommene Bodenfläche um 450 Hectar vermehrt worden. Die Colonisten welche jetzt fleißig Viehzucht treiben, haben aus eigenen Mitteln 1000 Stück Vieh zu Zuchtzwecken gekauft. Die Colonie umfaßt 24.000 Hectars 4 Quadratmeilen. Bedeutender noch war der Fortschritt Entre Rios. Viehzucht und Molkerei werden die Colonisten wohl in den Stand setzen, ihre Schulden an die Gesellschaft abzutragen. Von den 944 Familien mit 4982 Seelen hat mehr als die Hälfte ihren ganzen Boden in Bearbeitung genommen. Der natürlich Zuwachs der Bevölkerung beträgt 55 pro Mill. Weniger günstig ist die Lage der Colonisten in Mauricio, welche durch die Mißernte der letzten Jahre tief in Schulden gerathen sind. Infolgedessen haben 22 Familien die Colonie verlassen, wodurch die Zahl der Einwohner von 1045 auf 968 gesunken ist. Man hofft jedoch, daß die Molkereien, welche im August errichtet wurden und sehr gute Resultate ergeben, die Lage der Colonisten bedeutend verbessern werden. Ueber die Lage der argentinischen Colonien im Allgemeinen spricht sich der Bericht sehr hoffnungsvoll aus. Die Colonisten sind zuversichtlicher geworden und fangen an, an eine bessere Zukunft zu glauben. Zum Beweis diene die Thatsache, daß viele von ihnen ihre Angehörigen in Rußland auf ihre eigenen Kosten nach Argentinien bringen. Die Heuschrecken blieben in diesem Jahre fort und die Ernte war als mittelgute zu bezeichnen. Bereinigte Staaten. Die Colonisation in den Vereinigten Staaten hat den Zweck, die Juden aus den großen Städten, wo fie sich in beängstigender Weise zusammendrängen, auf das flache Land hinaus zu bringen. Daher begrüßte es die Gesellschaft mit Genugthuung, das die Colonien Carmel, Alliance und Rosenhain in Süd-Jersey, wo es noch Platz für viele Tausend von Familien gibt, vorzüglich gedeihen. Die Bestrebungen des „Baron Hirsch- Fund" in New-Iork, jüdische Einzelfarmer in New-England zu etabliren, hat es zu Wege gebracht, daß in diesem Staate jetzt 600 solche Einzelfarmer leben. Im verflossenen Jahre wurden 86 von ihnen, welche Farmen im Werthe von 179.200 Dollars besitzen, mit Vorschüssen unterstützt. Canada. Die Hirsch-Colonie besteht aus 20 Familien mit 79 Seelen, welche 1122 Acres Land besitzen. Der Boden ist sehr ergiebig und bringt pro Acre 25—30 Bushels Weizen, resp. 60—80 Bushels Hafer, resp. 300 Bushels Kartoffel, Products welche die Colonisten in den nahen Berkwerken leicht und zu guten Preisen verkaufen können. Die Colonisten haben reichlich zum Leben, aber viele von ihnen sind mit Schulden belastet. Zahlreiche Agenten überlaufen fie und schwatzen ihnen unter Gewährung langjähriger Ratenzahlung landwirthschaftliche Maschinen auf, die sie oft gar nicht verwerthen können, aber dennoch mit 12% Verzinsung bezahlen müssen. Im Jahre 4900 sollen zu diesen Colonisten noch 15 russische Familien hinzukommen. Dieselben waren ursprünglich auf eigene Kosten und mit einem Capital von 10.000 Mark gekommen und hatten sich am Swan river niedergelassen, wo fie von der Regierung 2400 Acres Land und von der Jewish Colonisation Association 14.000 Mark bekamen, da fie aber zu weit von jedem Verkehr waren, fiedelten fie schließlich nach Hirsch über. Palästina. Die Colonien Mischmar, Hajarden, Chederah, Waad-el- Chanin und Rechowoth, welchen die Gesellschaft 1897 größere Anleihen gewährte, haben ihre Reorganisation vollendet. Waadel-Chanin lieferte 1899 für 17.720 Francs, Rechowoth (12 Colonisten) für 140.000 Francs Trauben an. die Keller in Rischon- Lezion ab. Davon wurden zur Schuldentilgung von der erstgenannten Colonie 1880, von der zweite Colonie 102.500 Francs geleistet. In Mischmar und Chederah haben die Colonisten klugerweise nickt ihre ganze Existenz auf den Weinbau gegründet. Sie bauen auch Weizen, Hafer, Gerste, Erbsen und andere Getreidearten. Die Weizenfelder von Mischmar find im Umfang von 300 Hectars durch Heuschrecken verwüstet worden. Nach Abzug der Zehnten und anderer Gebühren ernteten 12 Colonisten 184 Hectoliter Weizen, 267 Hectoliter Gerste, 37 Hectoliter Wicken, 130 Hectoliter Erbsen und 40 Hectoliter Sorgo. Die Mißernte scheint aber die Colonisten nicht im Geringsten entmuthigt zu haben. In Gadrah wohnen auf 330 Hectar 23 Familien, incl. einiger Händler und Handwerker. Bon 12 Colonisten, welche nur von Weinbau leben, haben 6 eine größere Ikrleihe von der Gesellschaft ausgenommen. Letztere haben in diesem Jahre für Trauben einen Erlös von 10.000 Francs erzielt. Die neue Colonie Sejera (Sedjera) umfaßt 1200 Hectar, wovon die Gesellschaft 980 Hectar in ihren Besitz ge-

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