Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 24 (15.6.1900)
- Date
- 1900-06-15
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021331-3021356--09986-3034442- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 34 Dr. Lloch's Wochenschrift. Sette 469 Unwillkürlich ließ der Trunkene sie los und ihre Freiheit benutzend, sprang sie schnell ins Haus und warf die Thüre ins Schloß. „Bist Du auch eine Jüdin?" frug der junge Mann, sich an die plötzliche Erscheinung wendend. „Nein", klang es ihm entgegen, „ich bete zu Jesum Christum, dem Gott der Liebe und der Menschenwürde." „Liebe" lallte der Trunkene, „das laß' ich gelten! Du gefällst mir besser als die kleine Katze!" Und taumelnd griff er nach ihr. Aber kraftvoll stieß ihn das Weib von sich: „Zurück, Elender! Wage es nicht mich zu berühren! Ich bin Maria Slowata." „Du, Maria?" In dem Augenblick erkannte die junge Frau des Mannes Stimme. „Schäme Dich, Georg!" rief sie zornflammend, „Seit wann bist Du wieder in der Stadt?" „Ich wollte Euch besuchen," erwiederte er verlegen. Die Begegnung war ihm unliebsam. Er war ein entfernter Verwandter des Herrn Slowata und kam oft, um Geld von ihm zu leihen. „Ich verzichte auf Deinen Besuch", engegnete Frau Maria, „aber ich werde ..." In seiner Hand blitzte ein kleiner Dolch. „Du wirst schweigen, Maria! Schwöre es mir! Schweigen vor allen Menschen, auch vor deinem Manne oder —" „Nein! Ich schwöre Dir nichts!" „Pah, sei doch vernünftig! Es ist doch blos eine Jüdin . . Juden sind Hunde." Da schäumte in dem jungen Weibe der Zorn auf. „Schweig!" rief sie und stellte sich wie schützend vor die Thüre des Judenhauses: „Ick achte die Juden höher als Christen Deinesgleichen! Und ich werde nicht schweigen über deine —" Sie vollendete den Satz nicht. Mit leisem Aufschrei brach sie zusammen. Der Junker hatte, sinnlos von Rausch und Wuth, den Dolch auf sie gezückt. Jetzt, da er sah, daß er sie getroffen, erschrak er. Die That ernüchterte ihn und feige ergriff er die Flucht. (Fortsetzung folgt.) Aufruf. Am 25. v. M. starb in Roztok Lei Rakonitz der Glaser Alois Ehrlich im 42. Lebensjahre und hinterließ eine Frau in gesegne.en Umständen mit 8 unmündigen Kindern im Alter von 2 bis 16 Jahr en in völliger Mittellosigkeit, so daß die ganze Familie ihres Ernährers beraubt und ohne jede Aussicht auf Unterstützung von Seiten Verwandter der äußersten Roth preisgegeben ist, wenn nicht die private Wohlthätigkeit rasch helfend eingreift. Im Bestreben, der armen Witwe zur Begründung einer bescheidenen Existenz zu verhelfen, wenden sich die Unterzeichneten vertrauensvoll an den bewährten jüdischen Wohlthätigkeitssinn. mit der eindringlichen Bitte, die Ausführung dieser Absicht durch gütige Spenden zu ermöglichen. Die Spenden, welche an die Israel. Cultusgemeinde Rakonitz zu adressiren sind, werden in diesem Blatte ausgewiesen werden. Rakonitz, 7. Juni 1900. Dr. DavidNeumark SamuelKohn Bezirks-Rabbiner. Cultusvorsteher. Briefkasten. I. M. Das sind durchwegs gehäffige Uebertreibungen Als Ludwig IX. von Frankreich (1226—1270) den Wucher der Juden verbieten wollte, erklärten die Stände, es könnten die Bauern und Kaufleute des jüdischen Geldes nicht entbehren; besser sei es, jüdische als christliche Wucherer zu dulden. So haben auch 1430 die Florentiner die den weitaus billigeren Zins nehmenden Juden in ihre Stadt berufen, um den fürchterlich hohen Zinsfuß der Christen herabzudrücken. I. M. Der Ausspruch des R. C h a n i n a luutete: „Bete für das Wohl der Obrigkeit, denn existirte nicht die Furcht vor derselben, es würde der Eine den Anderen verschlingen." A. St—g. Sie finden hierüber die besten Aufklärungen in der trefflichen Schrift S ch l e i d e n's: „Die Bedeutung der Juden für die Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im Mittelalter." Nestor. Der berühmte philosophische Schriftsteller F. Huet sagt in seinem Werke „La revolution religieuse au (lix-ueuvieme siede“: „Die Juden bilden einen wichtigen Zweig unserer legitimsten Vorfahren. Außer einer kindlichen Dankbarkeit find wir ihnen auch, eine Ehrenrettung schuldig. Nachdem wir sie grausam verfolgt, versagen wir ihnen noch die ehrenvolle Anerkennung, die ihnen dafür gebührt, daß sie die moralische, religiöse und sociale Revolution im Menschengeschlechte eröffnet haben " I. W. Die Schrift L u t h e r's: „Daß Jesus Christus ein geborner Jude sey", erschien zu Wittenberg im Jahre 1523. M. N. V e r g a n i findet es für überflüssig, daß in Könitz wegen des Bischen T'mpel-Demolirens, Plünderns rc. rc. das Standrecht proclamirt wurde. Es ist wirklich empörend, daß man in Preußen nicht auch erst die Wohlmeinung der Wiener Antisemiten-Führer einholt, bevor man zu solchen Maßnahmen schreitet. I. L—tt. Es ist noch sehr fraglich, ob G r e g o r i g und Schneider dem Dr. Lueger es verzeihen werden, daß er jüngst dem Professor S u e ß seine „Referenz" machte. A. »., Wien. Ihre Anfrage beruht auf einem Jrrthum. In unserem Berichte über die Versammlung der Betfitzinhaber erscheinen nur die Namen jene Cantoren, für welche die große Majorität der Leopoldstädter Betsitzinhaber plaidirte. Vou den Sachverständigen jedoch waren außer diesen noch drei andere Candidaten in Vorschlag gebracht, unter denen Herr Obercantor Rendi aus Agram. Alter Abonnent. Der verurtheilte Mörder ist ein Arier. H. M. C. Allerdings eine bösartige Blamage für Wien. Das Bild der Philosophie von Klimt, welches man in Wien als unwürdig nicht hat in der Universität anbringen wollen — ist das einzige österreichische Bild, welches in Paris die Ehrenmedaille erhalten hat. An dieser Blamage haben liberale, nationale und clericale Professoren gleichen Antheil. M. B—v. Unter den vier Beweisen, die Josephus Flawius für die Wahrhaftigkeit der h. Lehre anführt, ist auch die Thatsache, daß so viele Israeliten willig ihr Leben für dieselbe opferten, während unter den Griechen, wie er meint, kein Einziger sich der Todesgefahr aussetzen würde und würde davon die Erhaltung der ganzen griechischen Literatur abhängen. Wilhelm S. Im Jahre 1861 schrieb Moriz L u k a c s im „Pesti Naplo" einen Artikel, in welchem er mit Enthusiasmus für die volle Emancipation der Juden eintrat und d-r folgendermaßen schloß: „Könnte man doch selbst das Andenken daran auslöschen, daß der Jude in Ungarn noch im Jahre 1861 wegen seiner Religion rechtlos war, was unsere Nachkommen ebenso verwundert, zweifelnd und erröthend hören werden, wie wir es kaum zu glauben vermögen, daß man noch im vergangenen Jahrhundert zu Szegedin Hexen verbrannt hat." Kundmaehung. Die Religionsprüfungen für Schüler an Mittelschulen finden im II. Semester dieses Schuljahres Montag den 18. Joni d. J. nm 6 Ohr Hatbmiüag durch den k. k. wirklichen Religionslehrer Herrn Dr. H. Pollak in der Religionsschule (I. Seitenslettengasse 4» 4. Stock) statt. WIEN, im Juni 1900. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeicde in israel. kinderloses Ehepaar, intelligent, auf dem Lande in gutfituirter Stellung, würden ein hübsches Waisenkind 4—6 Jahre alt, gegen angemeffenes Entgelt, adopttren. Nähere Adreffe in der Expedition d. Blattes. 55g Concurs. An der Synagoge des gefertigten Vereines ist die Stelle eines Tenoristen und die eines 669 II. Bassisten zu besetzen. Reflectanten müssen über kräftige, klangvolle Stimmen und musikalisches Wissen verfügen. Gehalt nach üebereinkommen. Offerte nebst Zeugnissabsehriften sind zu senden an das Secretariat des Synagogen- Vereines „Beth Israel“, II., Leopoldsgasse 29.