Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 24 (15.6.1900)
- Date
- 1900-06-15
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 24 Dr» Bloch's WochrnfchriK- Zette 455 Blättern Rußlands veröffentlichten Spenderlisten, die jede Woche viele Tausende von Rubeln aufweisen. Die Hilfsleistung ist überaus sorgfältig organisirt und wird mit dem eingelaufenen Gelde ebenso sparsam wie planvoll gewirthschaftet. Hervorragenden Antheil bei der Organisation des großen Hilsswerts nimmt der edle Dr. O l l e n st e i n aus Leowo. Ein organisatorisches Talent ersten Ranges, widmet er schon seit Monaten seine ganze Zeit unseren hungernden Glaubensgenossen. Er kam zuerst auf den Gedanken, Garküchen zu errichten, welche verschämten Armen das Essen auch ins Haus liefern. In kurzer Zeit hat er vier solche Garküchen errichtet, aus denen täglich 700 Portionen geliefert werden. Im Kreise Ismail ist es dem Dr. Ollen st ein durch planvolle und rechtzeitige Hilfe gelungen, der Hungersnoth gleich vom Anfang ihren acuten Charakter zu nehmen. An Stelle der kleinen Unterstützungen in Geld und Nahrungsmittel hat Dr. Ollen st ein seit kurzem begonnen, durch eine einmalige große Hilfe manche Nothleidende auf einige Füße zu stellen. Der Fuhrmann erhält Pferd und Wagen, der Handwerker seine Instrumente und der Kleinhändler Maaren zum Vertriebe. Im Durchschnitt kostet eine solche einmalige Unterstützung 25 Rubel, wofür die unterstützte Person auf die bis dahin erhaltene wöchentliche Unterstützung verzichtet und außerdem die Verpflichtung eingeht, die erhaltene Summe in Wochenraten von ’/4 bis 7* Rubel zurückzuzahlen. Auf diese Weise ist es bereits gelungen, zahlreiche vernichtet Existenzen wieder aufzurichten. Nikolajew. (Bon der Rabbi ne rconferenz.) Aus der Rabbinerconferenz, welche kürzlich tu Nikolajew getagt hat, haben nebst den Kronsrabbinern auch 13 talmudisch gebildete Gemeinderabbiner theilgenommen. Der Grund zu dieser lebhaften Betheiligung war die Besorgniß der Gemeinderabbiner, ihre alten Gegner, die von der Regierung als allein zu Gesetz bestehenden „Rabbiner" anerkannten Kconsrabbiner möchten auf der Conferenz für das Judenthum gefährliche Beschlüsse fassen und bei der Regierung befürworten. Durch ihre lebhafte Betheiligung gelang es den Gemeinderabbinern auf der Conferenz den Beschluß durchzusetzen, daß 1. die für den Mai nächsten Jahres geplante Landesconferenz all r russischen Rabbiner findet in Wilna statt; 2. die gesetzliche Anerkennung der Gemeinderabbiner nebst gesetzlicher Festsetzung ihrer Rechte und Pflichten bildet den ersten Punkt der Tagesordnung dieser Conferenz; 3. das über die Veranstaltung dieser allgemeinen Conferenz der Regierung zu überreichende Memorandum muß vor seiner Absendung den Gemeinderabbinern von Brest, Lodz, Riga, Wilna und Kowno zur Begutachtung vorgelegt werden. Wien. (Verlobung.) Fräulein Elsa Ko h n, Tochter des Landesschulrathes und Vicepräsidenten der israelitischen Cultusgemeinde Dr. Gustav Kohn, hat sich mit Herrn Julius Heller, Gesellschafter der Fabriksfirma Heller & Teltscher in Proßnitz, verlobt. — Herr Med. Dr. Josef B o n d i ein Sohn des Herrn Marcus Bondi, (Firma Jacob Neurath, Wien) hat sich mit Frl. Rosa H i r s ch in Halberstadt verlobt. Wien. (Trauung.) Sonntag, den 17. Juni l. I. Uhr Nachmittag findet im Tempel, IX., Müllnergasse die Trauung des Fräulein Bertha S ch a l i t, Tochter des Prokuristen der Commandit-Gesellschaft „Karmel" Herrn Josef S ch a l i t mit Herrn Moriz S ch a l i t, technischen Zuckerfabriksbeamten in Ungarn statt. Wien, 7. Juni. (Das Facultäts-Gutachten inderPolnaerAffaire.) Bei der Bedeutsamkeit des Gutachtens, welches die medicinische Facultät der czechischen Prager Universität iu Folge der Aufforderung, des Obersten Gerichtshofes über die Polnaer Affaire abgegeben hat, wird es von Interesse sein, die Namen der Gelehrten zu erfahren, von welchen diese wissenschaftliche Darlegung herrührt. Die anatomische Commission bestand aus den Professoren Karl M a y d l, Josef Reinsberg und Johann Ianosik; die physiologischchemische Commission aus den Professoren Jaroslaw H l a w a, Franz Mares und Johann Horbaczewski. Wien. (Spenden.) Wie wir erfahren, hat der im Jänner dieses Jahres in Wien ver storbene Fabrikant Herr Bernhard Fried mann sel. Ang. testamentarisch folgende milde Spenden angeordnet: Der israelitischen Cultusgemeinde in Wien Kr. 2000 fruchtbringend anzulegen, und die Zinsen alljährlich am Todestage an Arme zu vertheilen; dem israelit. Taubstummen-Jnstitute 1000 Kr.; dem israel. Waisenhause 1000Kr.; den israel. Handelsangehörigen 1000 Kr.; zur Errichtung eines Pfründenhauses in Sternberg i. M. 1000 Kronen. Der Verblichene war, als er noch unter uns weilte, stets von echt jüdischem Wohlthätigkeitsfinne erfüllte und sein Herz verschloß fich keinem Dürftigen. Nun hat ec auch letztwillig die armen Glaubensbrüder nicht vergeffrn. Sein Angedenken bleibe gesegnet! Wien. (Spenden.) Für die jüdischen Abbrändler in Warez in Galizien sind uns von Herrn Dr. H. Borzimmer aus Strobnitz 7 Kronen, von Herrn W a l d st e i n Josef, Kaufmann in Strobnitz 5 Kronen, von Herrn Schneider Moriz, Kaufmann in Strobnitz 3 Kronen, für die Bo»y slawer Bergarbeiter sind uns von Frau Sofie Tandler, k. k. Postofficialsgattin in Linz a. d. Donau 4 Kronen zugekommen. — Für die Auswanderer aus Rumänien find uns unter Brüder G., Wien Kronen 10.— zugekommen. Wien. In der letztstattgehabten Plenarsitzung des Bethausvereines „Montefiore" wurde Herr Heinrich Groß einstimmig als erster Cantor für das Bethaus. II. Taborstraße 38, acceptirt. Wien. (M u s i k st a a t s p r ü f u n g e n.) Bei dem letzten Termine der k. k. Musikstaatspriisungen wurde die Candidatin Fräulein Franciska Hornig, die in der Musikschule des Professor Adler vorbereitet wurde, für das Lehramt approbirt. Neuaumeldungen zum December-Termine werden in der genannten Schule, IX., Roßauergasse Nr. 4, entgegengenommen. Proßnitz. (Trauung.) Bei der am 17. d. M. hier stattfiudenden Trauung des Herrn Emil Hirsch mit Fräulein Elsa B l ü m e l wird der verehrte erste Cantor am Seitenstettener Tempel in Wien. Herr Jsatt Schiller, ein Oheim der Braut, den choralen Tyeil persolviren, welchem man in der hiesigen Gemeinde mit allgemeiner Spannung entgegenfieht. E. B. Koste!. (C o m i t 6 w a h l der Chewrah-Kadis ch a h.) Am 10. Juni 1900 fand unter sehr zahlreicher Betheiligung die Comitäwahl des hiesigen Chewrah-Kadischah-Bereines statt. Gewählt wurden die Herren: Josef Rosen zweig. Bürgermeister, Adolf Weigl, Moses H e s k y, Isidor Rosenzweig, Hermann Glasspiegl; als Ersatzleute die Herren: Adolf L ö w i und Siegfried E i s i n g e r; Baruch Kohn blieb in der Minorität. Holleschau. Am 7. d. M. wurde Herr Heinrich Fried, Cultusrath, zu Grabe getragen. Der Verblichene hat durch viele Jahre das Amt des Obmann-Stellvertreters des Ortsschulräthes, des Talmud-Tora-Vorstehers und mehrerer gemeinnütziger Vereine mit besonderer Umsicht bekleidet und war wegen seines biedern Charatt'rs, sowohl bei der jüdischen als auch bei der christlichen Bevölkerung allgemein geachtet. Dies manifestirte fich bei seinen« Leichenbegängnisse. Ein imposanter Leichenzu ', daru ter die Gemeindeve tretung, der Ortsschulrath, die Schuljugend, herrschaftlich r G tsdirector v. Giesl, Bürgermeister Pokomy und andere Honoratioren, beweg e sich vom Trauerhause Vor dem neuen Tempel wur e Halt gemacht, wo Herr Rabbiner Dr. Freimann eine tiefergreifende Leichenrede hielt. Die üblichen Trauergesänge wurden von Herrn Cantor Braunfeld wirkungsvoll vorgetragen. Preßburg. Am ersten Schebuothtage hat die Preßburger Gemeinde eines ihrer würdigsten Mitglieder zu Grabe getragen. Herr He mann Steiner, der Vater des Bielitzer Rabbiners Dr. Markus Steiner war in Ehren ergraut, hat fich durch seinen Biedersinn und fromme Treuherzigkeit die Hochachtung aller Kreise errungen. Als er nach längerer Krankheit in seinem 80 Lebensjahre in ein besseres Jenseits entschlief, war die Theilnahme groß und ein langer Zug von Freunden und Verehrern des Verstorbenen schloß sich den Leidtragenden an, um ihm mitten in der festlichen Stimmung des Tages das Grabgeleite zu geben. Herr Rabbiner Dr. Markus Steiner nahm im Trauerhause im Tone wehmüthiger Ergriffenheit, vorausschickend, daß Leichenreden an diesem Tage nicht gestattet find, nur kurzen Abschied von seinem Vater und nur flüchtig gedachte er des biederen Wandels, der Frömmigkeit und der zärtlichsten Liebe jenes Mannes, der ein treuer Hüter seiner Jugend war und ihn zum Muster diente. Am Friedhofe hielt der Redner der Chewra Kadischa den Nachruf. Berlin. Professor Dr. Max Wolff, Leiter der hiesigen Universitäts-Poliklinik für Lungenkrankheilen, ist zum Geheimen Medicinalrath ernannt worden.