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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-15 · 24 (15.6.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
24 (15.6.1900)
Date
1900-06-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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. bw* rs*tva Seite 454 Dx. Blvch's aufgehört. Criminal-Jnfpector Braun wurde am 8. Vormittags vom Minister des Innern Herrn v. Rheinbaben empfangen, um diesem über den Stand der Konitzer Angelegenheit und seine Thätigkeit in Könitz Bericht zu erstatten. Zn einigen Zeitungen, so schreibt die Lib. Corr., war die Mittheilung enthalten, daß im Abgeordnetenhaufe eine Interpellation in Sachen des Konitzer Mordes eingebracht werden würde. Wie wir aus parlamentarischen Kreisen erfahren, haben allerdings vorläufige Besprechungen darüber unter mehreren Abgeordneten stattgefunden, indeß haben dieselben zu einem Beschluß, die Interpellation einzubringen, nicht geführt. Ausschlaggebend dafür war unter anderem auch die Erwägung, daß die Untersuchung noch schwebt, und daß die Staatsregrerung mit Rücksicht darauf eingehendere Mittheilungen zu machen um so w.'Niger im Stande sein würde, als nach den letzten Nachrichten eine neue Voruntersuchung eingeleitet ist und umfangreiche Zeugenvernehmungen stattfinden werden. In der Hauptsache kommt für jetzt der Schutz der persönlichen Sicherheit der jüdischen Bürger in Frage, die nicht nur in Könitz, sondern auch in anderen Orten schwer bedroht ist Auch in allerletzter Zeit hat sich in dieser Beziehung wenig zum Besseren geändert. Es ist eine unerläßliche Pflicht der Staatsregieruug, daß sie alle zur Verfügung stehenden Mittel anw ndet, um die jüdischen Bürger in wirksamer Weise vor pöbelhaften Angriffen und Insulten zu schützen. Darauf haben dieselben einen unbedingten Anspruch. Wenn, wie dies in Könitz leider seit Wochen der Fall ist, die jüdischen Bürger nicht nur auf der Straße beleidigt, sondern selbst in ihren Wohnungen vor Angriffen nicht sicher sind, so bleibt nichts anderes übrig, als militärischer Schutz, wie er ja auch thatsächlich schon gewährt ist. Mau darf wohl zuversichtlich darauf rechnen, daß in dieser Beziehung auch in Zukunft die Staatsregierung alles was erforderlich ist, anordnen wird. In hohem Grade bedauerlich sind die schwere« materiellen Schädigungen, welche die Ortschaften, in denen die Exceste stattgefunden, erlitten haben und noch erleiden. Einige jüdische Familien, dem Kaufmannsbeziehungsweise Handelsstaude angehörig, deren Existenz durch den schon seit Wochen seitens der Antisemiten systematisch gegen sie in Scene gesetzten Boykott, vollständig untergraben ist, haben Könitz bereits verlaffen, andere werden folgen. Berlin. Eine exemplarische Strafe hat das Schöffengericht dem Verüber einer antisemitischen Straßenrohheit. dem Kaufmann Wilhelm Bechtel, zudictirt. .Eines Tages war Herr Nathan Hartmann von dem aus einem Cafe der Friedrichsträße kommenden Angeklagten angerempelt nnd, als er sich dagegen auflehnte, bedroht worden. Bechtel soll nach dem Zeugniß des Herrn Hartmann in drohender Haltung auf diesen zugegangen fein und ihm zugerufen haben: „Verfi.... Judenjungc! Ich warte schon längst darauf, einem Judenbengel sein Paar hinter die Ohren geben zu können!" Der Angeklagte holte dann selbst einen Schutzmann herbei und verlangte von diesem Schutz gegen die angeblichen Belästigungen durch den Privatkläger. Der Beamte ging mit den beiden Parteien auf einen nahe gelegenen Hausflur, und während er noch damrt beschäftigt war, ihre Persönlichkeiten festzustellen, schlug der Angeklagte über den Arm des Schutzmanns hinweg den Privatkläger plötzlich niit der Faust ins Auge, so daß Hartmann längere Zett ärztliche Hilfe. in Anspruch nehmen mußte. Trotz dieser Behandlung war der Privatkläger in einem vorigen Termine bereit, auf einen Vergleich einzugehen, er verlangte nur durch den Mund seines Vertreters, daß der Angeklagte sein Bedauern aussprechen un) 50 Mk. an die Unterstützungscasse der jüdischen Gemeinde zahlen solle. Der Vergleich scheiterte, da der Vertheidiger des Angeklagten gleichzeitig die Erklärung verlangte, daß Privatkläger aus jeden späteren Büßanspruch verzichte. Da der Angeklagte außerdem die Widerklage erhob und hierzu Beweisanträge gestellt wurden, Mußte damals der Termin vertagt werden. Im neuen Termin versagten die Beweise zur Widerklage, während der Thatbestand nach den Behauptungen des Klägers im Allgemeinen festgestellt wurde. Der Vertreter des Klägers beantragte eine nachdrückliche Bestrafung. Der Gerichtshof verurtheilte den 'Angeklagten aus Grund der Beweisaufnahme wegen der Beleidigungen zu 100 Man Geldstrafe und wegen Mißhandlung zu zwei Monaten Gefängniß. Petersburg. In der Nacht auf den 30. Mai äscherte eine große Fcuersbrunst die Hälfte der Kreisstadt Wladimir-Wolynsk (Gouvernement Wolhynien) ein. 800 jüdische Familien sind obdachlos. — In Kiew wurde die Abtheilung für zehn Belten bei der Recoucheurklinik, aus den Mitteln des bekannten Philantropen Lazar Brodsky errichtet, «ingeweiht. Der Minister der Volksaufklärung, Geheimrath Bogoljepof, wohnte der Feier bei. Dann besichtigte er das bacteriologische Institut, welches derselbe Philantrop gründete. Commercienrath ßäzar Brodsky schentte der Stadt Kiew 50.000 Rubel für ein Jnfectwnshospital. — Der Kurator des Odeffaer Lehrbezirks hat, auf Vorstellung des Kuratoriums des jüdischen Waisenhauses, die Gattin des Wochenschrift. 84 erblichen Ehrenbürgers, Frau Rosa Rabinowich, zur zweiten Curatorin in der weiblichen Abtheilung dieser Anstalt auf drei Jahre bestätigt. — Die Petersburger Zeitungen theilen folgende Nachricht mit: Ein reicher Jude hat ein Kapital von 300.000 Rubel vermacht, damit von den Zinsen desselben ein Asyl für alte, zur Arbeit unfähige Künstler jüdischen Glaubens errichtet werden soll. Chicago, 4. Mai. Gestern Abends endete hier der Convent des Unabhängigen Ordens B'ne Brith, der die ganze Woche im Auditorium Hotel in Sitzung war. Der Convent hat mehrere Statutenänderungen vorgenommen, unter Anderem die Errichtung eines Kanzlerpostens, damit die Controle, welche bisher Präsident und Directoren allein ausübten, getheilt wird. Der Kanzler soll die europäischen und asiatischen Logen controliren. Der nächste Convent wird in 1905 in New-Orleans stattfinden. Folgende Beamte wurden gewählt: Präsident; Leon Levy, New-Iork; Kanzler, Julius Bien, New-Iork; Vicepräsident, Jacob Fürth, St. Louis. Jaffa. (D i e j ü d i s ch e n Taglöhner.) Auch wir in Palästina haben-unsere Arbeiterfrage. In den jüdischen Colonien leben nicht weniger als 500 erwachsene Männer, welche, völlig besitzlos, ausschließlich auf den Ertrag ihrer Handarbeit angewiesen sind. Solange die großen Plantagenarbeiten noch vorhielten, konnten die jüdischen Taglöhner ein auskömmliches Dasein führen, mit der allmählichen Beendigurlg dieser Anlagen wird aber die Arbeit in den Colonien knapper und unsere ländlichen Proletarier sehen dem Tage entgegen, wo sie gänzlich ohne Arbeit bleiben werden. Zwar sind die Colonisationsvereine schon seit Jahren bemüht die Taglöhner als Colonisten unterzubringen, aber ihre Mittel reichen bei weitem nicht aus, um nur einen wesentlichen Theil der besitzlosen Taglöhner in besitzende Bauern zu verwandeln. Dazu müßten sie erst über die Mittel der lewisli Colonisation Association verfügen. Ein großer Theil der in Frage kommenden Landarbeiter ist schon 10 Jahre in Palästina. Viele von ihnen haben zur Errichtung der jüdischen Colonien wesentlich beigetragen. Es wäre schade, wenn sie nun gezwungen sein sollten, Palästina zu verlassen, um sich ihr Brod — vielleicht wieder durch Kleinhandel — anderswo zu erwerben. Die Arbeiter sind bereits im Lande, haben durchwegs die türkische Unterthanenschaft erworben und sich auch sonst in jeder Hinsicht acclimatisirt. Bessere Colonisten als diese alten Landarbeiter können sich die Juden gar nicht wünschen. Safed. Die Anwesenheit des Herrn M e y e r s o h n, Vertreter der Jewish Kolonisation Association in Palästina bat die Hoffnung der jüdischen Taglöhner, einst zu eigenem Besitz zu gelangen, aufs Neue belebt. Einstweilen ist freilich nur eine kleine Minderheit von ihnen mit Hilfe der Jewish Kolonisation Association in feste Stellung gekommen, man hofft jedoch, daß den bereits Angesiedelten bald weitere Arbeiter folgen werden. Einstweilen würden angesiedelt 11 Arbeiter in Jestud- Hamaalo, denen die große Baumschule dauernd zur Bearbeitung überwiesen wurde, sowie 30 Arbeiter in Sereja, die zu Colonisten gemacht wurden. In Sereja sollen ferner 30 erwachsene Knaben Unterkunft als Taglöhner finden mit der Aussicht später daselbst definitiv als Bauern installirt zu werden. Von den 58 Colonisten in Methule sollen 28 das Dorf verlaffen, um auf neuhinzugekauften Boden zu übersiedtln. In Rosch-Pina sollen die besitzlosen Söhne und Schwiegersöhne der alten Colonisten gegen einen Tagelobn von 3 Francs (?) dauernd beschäftigt werden. — Die Administratoren, deren kostspielige Verwaltung den Colonisten von jeher großen Aerger bereitet hat, sollen in diesem Jahre noch ihre Posten verlieren. Ein Theil von ihnen wird sich als Bauern niederlassen, ein anderer Theil erhält eine Abfindungssumme in Baar, der Rest erhält Hauser und Land in und um Safed. — Die Seidenspinnerei in Rosch-Pina, bei der 200 Knaben aus Safed dauernd beschäftigt sind, hat in diesem Jahre einen größeren Gewinn abgeworfen. Sie soll infolgedessen demnächst erheblich vergrößert werden. Kischinrew. (Zur H u n g e r s n o t h in B e ßa r a b i e n.) Trotz der eingetretenen warmen Witterung ist die Noth unserer Glaubensgenossen in Beßarabien noch immer unerträglich. Dic Zahl der in drei Regierungskreisen respective 13 Gemeinden lebenden Nothleidenden, beläuft sich auf 30.000, die wohl bis zur Einbringung der nächsten Ernte d. i. bis Ende August unterstützt werden müssen. Dazu sind aber mindestens 500.000 Mark erforderlich, welche in Rußland allein kaum aufgebracht werden können. Daß* unsere russischen Glaubensgenossen nicht lästig sind und keineswegs auf die Hilfe der westeuropäischen Judenheit warten, beweisen die in den jüdischen

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