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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-15 · 24 (15.6.1900) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
24 (15.6.1900)
Date
1900-06-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sir. 24 Seite* 452 Vr» Bwch's Wochenschrift. P anls chulidz ew, der rumänische Consulats - Secretär Galli n, Sanitätsräth Dr. R Homer, der Präsident der Bu.kow.maer Handels- und Gewerbekammer Langenhan, Handeskammer-Secretär Dr. W r gl t tz y, die Notariatskammer, Oberpostdirector Posch, die Directionsmitglieder und die Beamten der Bukowinaer Sparcasse, Hofrath Ullmann mit den Beamten der Güterdirection, den Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde Naftali Tittinger mit dem Cultusrathe, Oberrabbiner Dr. R o s e n f e l d und Rabbiner Weiß, Baron Für t h, Landesschulinspector Dr. Tumlirz mit den Mitgliedern des Bukowinaer Landes schulrathes, der Lehrkörper der israelitisch-deutschen Volksichule mit den Schulkindern, der Turnrach in corpore, die „Freiwillige Feuerwehr^, das Beteranencorps, viele Vereine mit Fahnen, deren Mitglieder der Verblichene war, dre hiesigen Großindustriellen, die Direktoren und Beamten der hiesigen Bankinstitute, der Casinoverein, sehr viele Damen u. v. A. Die Einsegnung der sterblichen Ueberreste des Verstorbenen nahm Oberrabbiner Dr. Rosenfeld vor. Bor dem Tempel widmete Oberrabbiner Dr. R o s e n f e l d dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf. Am offenen Grahe widmete noch dem Verblichenen Professor Dr. S k e d l Namens der Landtagsmajorität, kais. Rath Langenhan Namens der Bukowinaer Handels- und Gewerbekammer, Leon Rosen zweig Namens des Gemeinderathes, Dr. Straucher Namens des Culchsraches und Direktor Ferdinand Mayer Namens der Börse sehr warme Nachrufe. Dr^-Kaursza. Nach mehrjähriger Stagnation der seit einem Jahrhundert hier bestehenden Wohlthätigkeitsvereine ^Talmud Thora", „Bikur Cholim", „Sandekauth", „Ner Tamid" und „Machsike Evjonim", gelang es dem unermüdlichen Eifer unseres Oberrabbiners, Herrn Dr. Ed. Neumann, durch rastlose Aufmunterung, Mehrmalige Intervention und besonders durch seine zündenden Reden an den letzten Festtagen, die jüngere Generation für die Restaurirung dieser Vereine zu gewinnen, ihre alten Tekanoth in zeitgemäße Statuten umzuformen und die Verwaltung derselben in die Hände jüngerer Kräfte zu legen. Die am 19. Juni einberufene Generalversammlung hat, indem sie Herrn Oberrabbiner an die Spitze des Talmud Thoravereines gestellt, die Wiedereinführung des seit dem Jahre 1868 erloschenen Separätunterrichtes für Bibel und Talmud sofort zum Beschlüsse erhoben. Ferner wurden als Obmänner gewählt: Für Talmud Thora Herr Moritz H a l p h e n, für Bikur Cholim Herr Josef Weiser, für Sandekauth Herr Bernat Oestreicher, für SRet Tamid Herr Emil K o h n und für Machsike Evjonim Herr Albert Rothschild. Die Theilnehmer dieser Generalversammlung haben sich alle diesen Vereinen angeschloffen, so daß einem ersprießlichen Wiederaufblühen dieser von den Urahnen unserer heutigen Generation gegründeten gottgefälligen Institutionen freudigst entgegengeseheu werden kann. G. Lipik. (Jodthermalcur für minderbemittelte Kinder.) Die internationale Kinderhellstätte „Sanatorium Lipik" schreibt auf die im zweiten Turnus der jetzigen Hochsaison zu besetzenden und mit unentgeltlicher Unterkunft/Pflege, ärztliche Behandlung und Aufsicht der Pfleglinge, verbundene Beneficplätze den Concurs aus. Die diesbezüglichen Anträge sind bis 20. Juni o. einzureichen. In erster Linie werden berücksichtigt die unter öffentlicher Fürsorge stehenden Waisen, die mutterlosen Halbwaisen und die schulpflichtigen Kinder mittelloser Pensionisten und Beamten, welche vermöge der Erkrankung des Blutes, der Knochen, der Haut, des Auges, der Ohren, des Rachens, der Athmungs- und Verdauungs-Organe mit symptomatischer Behandlung keine vollkommene Heilung erzielen können und daher auf den Gebrauch der im „Sanatorium Lipik" angewendeten radikalen internen und externen Lipiker Thermaljodeur angewiesen find. Die Anstalt reflectirt für diese Plätze nur auf die Restitution der für die reichliche, diätmäßige Verpflegung (fünf mal tägliche Ausspeisüng) und Bedienung auflaufende Gebühr von einem Gulden pro Tag und der bei eventuellen Separat- Bädern aufzurechuendeu Badegebühr. Anträge werden iu Budapest beim Chefarzt Dr. Leopold R ad 6 (IV. BamhLz körut 4) in Li Pik beim Sanatorium L i p i k, beim Anstatts-Chef-Badearzt Dr. Heinrich Brei twiefer und beim officiellen Badearzt Dr. Bartholomäus von S z e-m rr ech eutgegengenoimnen. Der Anspruch ist durch MittellosigkeÄszeugmß zu beweisen. Jüdische Kinder erhalten streng rituelle Bechflegung. Berlin. Am Dienstag 5. Juni hielt der Esra-Berein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien, seine diesjährige Generalversammlung ab. Die Bedeutung dieser Versammlungen wächst von Jahr zu Jahr mit der immer mehr steigenden Mitgliederzahl des Vereines und dieselben werden mit der Zeit sich zu Kundgebungen ausbilden, bei denen die Anschauungen der deutschen Zudenschast über die gesammten jüdischen Colonisationsfragen zum Ausdruck gelangen. Nach dem vom Vorsitzenden Herrn Moritz Dorn erstatteten Bericht ist im Kalenderjahr 1899 die Zahl der Mitglieder von 3200 auf 4005 gestiegen und auch in dem begonnenen Jahre 1900 ist ein weiteres Steigen der Mitgliederziffer zu verzeichnen. Dementsprechend sind auch die Einnahmen von circa 10.900 auf circa 16.200 Mk. angewachsen. Diese Mittel des Vereines kamen neben einigen kleineren Ausgaben hauptsächlich der Colonie Machnaim zu, die bereits 18.100 Mark erhalten hat. In Zukunft soll auch die Colonie Bnei Jehudah, sowie die Arbeitercolonie Esra bei Rechowoth einen Zuschuß erhalten. Längere Debatten entspannen sich über den Antrag, für industrielle Unternehmungen in Palästina einen Betrag von 1000 Mark zu bewilligen. Während man allerseits über die Nützlichkeit einig war, gingen die Meinungen über die Competenz des Esra für industrielle Zwecke weit auseinander, doch wurden schließlich die Anträge mit großer Majorität angenommen, nachdem man sich dahin verständigt hatte, daß jede Förderung der Industrie zugleich eine Förderung der landwirthschaftlichen Colonisation ist. Eine lebhafte Debatte rief der Versuch eines Delegirten hervor, die Leitung der Jewish Colonisation Association und besonders die Haltung ihres Berliner Mit-' gliedes Herrn Dr. Lachmann, zu kritisiren. Von mehreren Seiten wurde sogar verlangt, daß der Esra bei den nächsten Wahlen zur jüdischen Gemeinde die Wahlparole ausgeben solle, daß Herr Dr. Lachmann im Verwaltungsrath berJewish Colonisation Association durch eine andere bester geeignete Persönlichkeit ersetzt werden solle. Nach energischer Widerlegung dieser Ansicht durch Dr. Hildesheimer, W. Bambus und Ändere wurde die Discuff'on durch Annahme des Schluffes ohne praktische Ergebnisse beendigt. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt und Herr Dr. Sobernheim neu in den Vorstand gewählt. Der Agitationscommiffion wurde eine größere Summe zur Verfügung gestellt. Nachdem noch Herr Professor Warburg über seine günstigen Eindrücke, die er bei einer Reise nach dem Orient jetzt von den jüdischen Colonien erhalten, und Herr Dr. Hildesheimer über die Conferenz der in Palästina thätigen Vereine, die in Frankfurt am 26/7. März stattgefunden, berichtet hatten, schloß di lebhafte und angeregte Debatte. Berlin. Die Berichte der deutschen Zeitungen über die Zustände in Könitz geben das Bild einer wahrhaftigen Revolte der von Berliner und einheimischen gewissenlosen antisemitischen Hetzern im höchsten Grade aufgeregten Bevölkerung in diesem westpreußischen Regierungsbezirke. Die verbrecherische Agitation, zu der sich insbesondere das berüchtigte antisemitische Schmutzblatt, die „Staatsbürgerzeitung", hergegeben hat, hat nicht allein die Stadt und ihre Umgebung verseucht, es ist so ziemlich ganz Westpreußen und das daranstoßende Pommern in Mitleidenschaft gezogen worden. Am Sonntag ist es in Könitz zu Plünderung und Brandlegung gekommen. Der städtische Mob, verstärkt durch die sonst gutartige, jetzt aber vollkommen verhetzte Landbevölkerung, hat zuerst einige in der Nähe der. Synagoge gelegene Schoppen angezündet, sodann die Synagoge selbst vollständig demolirt, um zuletzt dasselbe Zerstörungswerk an den Geschäften und Häusern der in der Stadt wohnenden Juden zu versuchen. Die preußische Regierung hat sich zur Verhängung des Belagerungszustandes entschlossen und damit den festen Willen bekundet, diesen anarchistischen Zuständen ein schnelles Ende zu bereiten. Ein Bataillon Infanterie hat der kürzlich in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" erschienenen Mahnung zur Besonnenheit den uöthigen Nachdruck verliehen. Keine Regierung kann sich den offenen Widerstand gegen die Staatsgewalt ruhig gefallen lassen, wie er hier geübt wurde. Wenn es jedoch nicht gelingen sollte, die stadtftemden Elemente, die aus der Hauptstadt diese Agitation nach Kömtz brachten, zu entfernen, dürfte auch — so urtheilen Kenner der Verhältnisse — das militärische Aufgebot kein genügender Schutz für geordnete Zustände sein. Im Reichstag besprach gelegentlich der III. Berathung der Flottenvorlage Abgeordneter L i e b k n e ch t die Vorgänge in Könitz und sagte:

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