Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 24 (15.6.1900)
- Date
- 1900-06-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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**• 24 Dr. Vlvch's thekenbank in Czernowitz, Mitglied sehr vieler humanitärer Vereine. Es steckte etwas in dem Manne, was zur Ehrfurcht zwang, ein gewisses geistiges Fluidum, das seine Persönlichkeit ausströmte, zwang Jedermann, der im näheren Verkehre mit ihm stand, sich vom platten Mtagsleben zu erheben. Wir hatten nicht viele solche Männer im Lande. Auf wirthschaftlichem Gebiete nahm er unbestritten den ersten Platz ein. Wenn er in der Kammer oder im Landtage das Wort ergriff, so wußte man gleich, daß man Gediegenes, Fachmännisches, von einem weiten Blicke Getragenes^ zu hören bekommen werde. Und nie täuschte man sich darin. Seine Referate im Landtage, dem er bekanntlich als Vertreter der Handelskammer viele Jahre angehörte, waren musterhaft. Klarheit und Schärfe charakterifirten dieselben, und wenn sonst bei Referentenanträgen allgemeine Theilnahmslosigkeit herrschte, so konnte Tittinger als Referent das ganze Haus um sich versammelt sehen. Der Börsenrath hielt eine außerordentliche Sitzung ab, in welcher der Vicepräsident kais. Rath Mayer die Verdienste des Dahingeschiedenen als Präsidenten der Frucht- und Productenbörse durch 23 Jahre hervorhob, und den Börsenrath einlud, am Leichenbegängnisse corporativ theilzunehmen. Es wurde weiter über Antrag des kais. Rath Mayer die Niederlegung eines Kranzes auf dem Sarge und die Errichtung einer Gedenktafel im Sitzungssaale der Börse beschlossen. Der isr. Cultusrath hielt am gleichen Tage eine Trauersitzung ab. Präsident Naftali Tittinger hielt eine, die Verdienste des Verstorbenen preisende Ansprache. — In der Sitznng des Gemeinderathes widmete Bürgermeister Baron Kochanowski dem verstorbenen kaiserlichen Rath David Tittinger folgenden ehrenden Nachruf: Hochgeehrte Herren! Das neubegonnene Jahrhundert stellt sich sehr traurig für uns und ich glaube, daß es in der Geschichte der Stadt mit schwarzen Lettern verzeichnet sein wird. Der Tod enttiß uns nacheinander die besten Männer der Stadt und des Landes. Kaum, daß der Dr. Rott mit Tod abgegangen ist, und wir ihm heute Morgen die letzte Ehre erwiesen haben, ist gestern unser verehrtes Mitglied, David Titttnger, gestorben. Tittinger war — solange ihn nicht Krankheit daran hinderte — eifrig thätig. Er hat auch verschiedene Ehrenstellen bekleidet und überall seinen Mann gestellt. Ich kann sägen, daß die Stadt und das Land an ihm sehr viel verloren haben. Zum einzigen Trost gereicht es uns, daß er in der letzten Zeit an einer tückischen Krankheit darniederlag, daß keine Hoffnung vorhanden war, ihn an Leben zu erhalten und ihm der Tod als Erlöser kam. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. GR. Dr. Straucher beantragt der Familie des Verstorbenen das Beileid des Gemeinderathes im schriftlichen Wege auszudrücken. (Zustimmung.) Der israelitische Cultusrath versammelte sich ebenfalls zum Zwecke einer Trauerkundgebung für sein langjähriges Vorstandsmitglied Herrn David Tittinger. Vicepräsident kais. Rath Mayer hielt einen von den Mitgliedern des Cultusrathes tiefbewegt angehörten Nachruf. Die jüdische Gemeinde verliert — sagte Redner — einen ihrer geistigen Führer, der leider viel zu früh von der Vorsebung abberufen wurde. In diesem schwachen Körper wohnte ein Heller, klarer Verstand, den er nicht nur zum Nutzen des Staates und der Stadt, sondern auch zum Frommen seines Volkes, dem er ganz angehörte, gewidmet hat, und deshalb ist die Trauer um diesen Mann eine aufrichtige, eine wahre. Nicht leicht wird für ihn Ersatz gefunden werden, aber seine Liebe zu seinem Volke, sein starker, unbeugsamer Wille wird ein Erbe für Diejenigen sein, die mit ihm gearbeitet und seine Ideen mit ausgenommen haben. In der Handelskammer eröffnete der Präsident kais. Rath Langenhan die Sitzung, an der der landesfürstliche Commissär Landesregierungsrath M. Zachar sowie das correspondirende Mitglied Hofrath Professor Dr. Kleinwächter theilnahmen, und richtete an die Anwesenden die nachstehende Ansprache: Meine Herren! Wir haben uns hier versammelt, um dem dahingeschiedenen Freunde und College», dem leider allzufrüh aus unserer Mitte hinweggerafften Vicepräsidenten David Tittinger jenen Tribut zu zollen, auf den sich dieser hervorragende Mann durch sein Wirken unter uns, durch seine weitgreifende Thätigkeit im Interesse der Kammer und ihrer Wähler, für das wirthschaftliche und culturelle Wohl des Landes, in so reichem Maße einen wohlverdienten Anspruch erworben hat, den Tribut der Anerkennung auch nach seinem Tode für die Selbstlosigkeit, für die Gewissenhaftigkeit, mit denen er das ihm von seinen Mitbürgern anvertraute Mandat ausübte, den Tribut unseres Dankes, un- Wochrnschrift. Seite 451 seres herzlichen Dankens für den seltenen Pflichteifer, für die Gründlichkeit und Unparteilichkeit, mit welcher der verstorbene Freund und College unter uns wirkte, mit welcher er auch die schweren Aufgaben erfaßte und bewältigte, die ihm durch seine Entsendung in den Landtag, in den Reichstag, als Bertteter der Kammer in diesen Körperschaften zufielen. Ein Mann von Eisen, trotz seines schwachen Körpers, ein Mann von seltener Zähigkeit rm Festhalten an seinen Idealen von Freiheit und dem Selbstbestimmungsrechte des Menschen, ein Mann von hervoragendem Geiste, von stets klarem Blicke! und wegen all dieser Eigenschaften hochgeschätzt als Freund, gefürchtet, aber trotzdem geachtet als Gegner; streng gegen andere, aber streng auch gegen sich selbst, so steht David Tittinger vor unserem geistigen Auge, so wird sein Bild uns vorschweben, so wird er uns ein Vorbild bleiben auch nach seinem Tode. Wir alle aber wollen dem verehrten Todten ein treues Andenken bewahren für alle Zeiten. — Hierauf ergriff Kammersecretär Dr. Wiglitzky das Wort, um Namens der Beamten der Handels- und Gewerbekammer dem Verblichenen einen kurzen, doch warm empfundenen Nachruf zu halten. Auf Antrag des Kammerathes Rosenzweig wurde beschlossen, der trauernden Familie schriftlich das Beileid der Kammer auszudrücken. Das Executtvcomite ...er vereinigten Landtagsmajorität, bestehend aus den Herren Abgeordneten Dr. S tefanowicz, Dr. Skedl, Dr. Smal-Stocki und Rico. v. W assi l k olegt namens der Landtagsmajorität einen prachtvollen Kranz auf den Sarg des verewigten Parteigenossen nieder. — Das Leichenbegängniß gab deutlich davon Zeugniß, welcher Hochachtung dieser Mann sich in unserer Stadt erfreute. Die Rathhausstraße und der Ringplatz konnten die Menge der Trauernden nicht fassen, die gekommen sind dem edlen Verblichenen das letzte Geleite zu geben. Außer dem Blumenwagen war der vierspännige Galaleichenwagen über und über mit prachwollen Kränzen bedeckt. So bemerkten wir folgende: Bukowinaer Handels- und Gewerbekammer: „Ihrem verehrten Vicepräsidenten.'' Die Majoritätsparteien des Bukowinaer Landtages : „Ihrem treuen Genossen.' Friedrich Langenhan: „Dem treuen Freunde und College».' Sophie u. Samuel Orenstein : „Letzte Grüße.' Babette u. Josef Steiner: „In aufrichtiger Trauer.'JeanetteHerschmann: „Letzten Gruß.' Joachim und Dr. Wilhelm Titttnger: „Letzte Grüße.' Die Familie. Die tteferschütterten Söhne Berthold und Hugo Tittinger. Die Filiale der galizischen Actien- Hypothekenbank: „Ihrem langjährigen, wohlverdienten Censor'. Das Curatorium der Kaiser Franz Josef Jubiläum-Waisenhausstiftung: „Ihrem hochverehrten Gründer.' Die Frucht- und Productenbörse: „Ihrem vielgeliebten Präsidenten.' Dr. Paul Steiner: „In aufrichtiger Trauer.' Familie Cohn: „In treuer Freundschaft.' Der Landesausschuß des Herzogthums Bukowina: „Dem langjährigen Landtagsabgeordneten' : Familie Manheimer: „Letzter Gruß'. Familie Kraus und Landau: „Dem unvergeßlichen Freunde'. Wilhelm und Therese Titttnger: „Letzte Grüße'. Der Gemeinderath der Landeshauptstadt Czernowitz: „Unserem langjährigen hochverdienten Mitgliede'. Familie Rechenberg: „Dem unvergeßlichen Gönner'. Landesgerichtsrath Satter und Frau: „Letzter Gruß! Naftali Tittinger und Frau: „Unserem innigstgeliebten Neffen'. Die isr. Cultusgemeinde Czernowitz: . „Ihrem hochverdienten Vorsteher'. Der k. k. Landespräsident: „Dem vielverdienten Abgeordneten'. Die Filiale der österr.-ung. Bank: „Seinem hochverehrten Censor'. Familie Peters: „Letzter Gruß'. Familie Em. Rosenzweig : „Letzter Gruß'. In der unübersehbaren Menge Leidtragender bemerkten wir außer den Familienangehörigen den Landespräfidenten-Stellvertreter Hoftath Pompe mit den Räthen und Beamten der Landesregierung, Bischof Dr. R e p t a und die Consistorialräthe Dr. Zurkau und Calinescu, Landeshauptmann Lu pul mit ven Mitgliedern des Landesausschuffes und den hier weilenden Landtagsabgeordneten, die hier weilenden Reichsrathsabgeordneten, Bürgermeister Baron Kochanowski mit den Stadträthen, der Gemeinderath der Stadt Czernowitz in corpore, Magistratsdirectvr Wiedmann mit den Beamten des Stadtmagistrates, keetor Magnificus Dr. v. Zieglauer mit den Univerfitätsprofefforen, die Advocatenkammer, Regimentscommandant Oberst Döller, Gendarmerie- Oberstlieutenant Catergie, die Räthe und Beamten der hiesigen Gerichte, Hofrath S ch ö d l mit den Finanzbeamten, Staatsbahn-Betriebsleiter R. v. Kalmucki und Oberrevident Schaffner, der Director des Elektricitätswerkes R e s ch, Statthaltereirath von Wazl, der russische Consul Herr von