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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-15 · 24 (15.6.1900) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
24 (15.6.1900)
Date
1900-06-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 450 Dr. Bloch's WochLNMrM Str. 24 Die Redaction des ganzen Werkes ist diesmal alleiniges Verdienst des Lehrerseminar-Directors Dr. Josef B a no c z i, der als Sekretär der Literaürrgesellschaft die belebende Seele derselben ist, und von dessen rastloser genialer Thätigkeit das weitere Aufblühen dieser den konfessionellen und nationalen Geist - der uygarländischen Juden fördernden Institution zu erwarten ist > Budapest, Ende Mai. - Rev - Eliezer. Correspondenzen. Wie«. (Aufruf.) Ein Nothfchrei von mehr als zweimalhunderttaufend, in namenloses Unglück gerathenen Juden dringt aus Rumänien in die Welt hinaus. Die Lage der Juden in Rumänien ist bereits seit langem die denkbar traurigste geworden, seitdem man nämlich für sie die Bezeichnung „Fremdlinge" erfunden, sie aller bürgerlichen Rechte beraubt und ihnen nur die Erfüllung von Bürgerpflichten beließ. Juden ist als Fremden die Bethättgung im Handel und Gewerbe unterbunden und sogar der Zugang zu den Unterrichtsanstalten wird der Heranwachsenden Jugend so gut wie verwehrt. Dieses Elend in ihrem Vaterlande erfuhr durch die zwei letztjährigen Mißernten eine ungeheuerliche Steigerung. Während die Regierung für die Nichtjuden Nothstandsarbeiten verfügte und unter die Hungernden Brod vertheilt, sind Juden als sogenannte „Fremde" auf den Aussterbeetat gesetzt worden. Ueber 200.000 Juden fielen dadurch grenzenloser Verzweiflung anheim. Dringendst ist die Pflicht zu helfen. Da an eine Auswnnderung und Verpflanzung einer solchen Menschenmenge in fremde Länder gegenwärtig nicht zu denken ist, muß sich die Hilfsaction zunächst darauf beschränken, die Hilfsbedürftigen in Rumänien selbst zu unterstützen, um es ihnen zu ermöglichen, die schwere Hungerszeit bis zur voraussichtlich günstigen Ernte dieses Jahres zu überdauern. Hiezu sind aber bedeutende Geldmittel erforderlich. Wir richten daher an alle Glaubensbrüder und an alle Menschenfreunde die inständige Bitte, unsere Hilfsaction durch Geldspenden ausgiebig und ehebald zu fördern. Gaben übernimmt die „Israelitische Allianz" in Wien, Weihburggasie 10 und auch die Redaction dieses Blattes. Wien. (Die Vertheilung der Baronin Hirsch'schen W o h l t h ä t i g k e i t s - L e g a t e in Wien.) Wir berichteten in einer unserer letzten Nummern über die settens des Bürgermeisters erfolgte Vertheilung jener 200.000 Francs, welche die im Vorjahre in Paris verstorbene Frau Klara Baronin Hirsch-Gereuth dem Wiener Magistrate für wohlthätige Zwecke vermacht hatte. Obzwar diese Vertheilung fast ausschließlich katholischen Instituten zu Gu'e kam, erhalten über Wunsch der Erben und nach deren Anttägen doch auch einige israelitische Wohlthätigkeitsinstitute Zuwendungen, die wir in unserer damaligen Mittheilung mit Namen und Betrag veröffentlichten. Die faktische Vertheilung erfolgt erst jetzt, und zwar erhielt die Armenanstalt der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde und der Jsraelttische Waiseuverein, denen damals je 3000 Kronen zugesprochen wurden, und auch andere Wohlthätigkeitsvereine, die nicht der Cultusgemeinde unterstehen, rücksichtlich der ihnen zugewiesenen Beträge nunmehr die Verständigung, daß sie diese Legate ausbezahlt erhalten, und zwar in Obligationen der vierpercent i gen Wasser-Anleihe der Stadt Wien zum Pari-Curse. Wir wissen nicht, ob das Legat der Frau Baronin Hirsch der Wiener Gemeindeverwaltung in Obligationen des Wafferanlehens übergeben wurde, aber da es auf Francs lautete, ist dies sehr unwahrscheinlich. Wenn aber der Gemeinde Wien das Legat in baarem Gelde überwiesen wurde, dann ist der erwähnte Vorgang geradezu unerklärbar. Das vierpercentige Wiener Wasseranlehen notirte an der gestrigen Börse 92.25 Percent Geld; von den zugewendeten Legaten gehen also den betreffenden Wohlthättgkeitsinstituten 7.75 Percent verloren; mit welchem Rechte die Wiener Communal-Berwaltung ein Wohlthätigkeitslegat zu Emissionszwecken verwendet, immer vorausgesetzt, daß der Erlag nicht in diesem Papiere erfolgte, und sich dabei ein Agio über 7 75 Percent über den Börsecurs zahlen lassen darf, ist unerfindlich. Wien. . Der Verein zur Hebung der Gewerbe erläßt folgendes Circular an die Gewerbetreibenden und Industriellen: Die Klagen und Beschwerden unserer Industriellen und Gewerbetreibenden über das k. k. Gewerbegericht in Wien haben sich derart gehäuft, daß es unserem Vereine an der Zeit zu sein schein^ .den Ursachen dieser Klagen nachzugehen. Zu diesem Zwecke erachtet es der Vereinsvorstand am geeignetesten, durch eine Umfrage bei den dem Vereine angehörenden Mitgliedern vorerst die bei diesem Gerichte am häufigsten sich zeigenden Mißstände festzustellen. Wir beehren uns daher an Euer Wohlgeboren mit dem höflichen Ersuchen heranzutreten, den beiliegenden Fragebogen auf einem beliebigen Papier bis 20. d. M. zu beantworten. Indem wir erwarten, daß Euer Wohlgeboren Ihre Erfahrungen in den Dienst unserer Sache stellen werden, bitten wir Sie, bis längstens 20. Juni Ihre geschätzte Meinung an uns gelangen zu lassen und zeichnen mit vorzüglicher Hochachtung für die Bereinsleitung: S. B r o d, Präsident: Alfred Kisch, Schriftführer. Raudnih. Am 5. d. M. weilte Hierselbst Se. kaiserl. und königl. Hoheit Herr Erzherzog Ludwig Victor, der einzige nunmehr noch lebende Bruder Sr. Majestät des Kaisers als Gast Sr. Durchl. des Fürsten Moritz von Lobkowicz. Nebst den Spitzen der hiesigen landesfürstlichen und autonomen Behörden und der katholischen Geistlichkeit, wurde auch die Repräsentanz der hiesigen isr. Cultusgemeinde, bestehend aus deren Vorsteher Herrn Adolf Braun und dem Seelsorger der Gemkrnde Rabbiner Dr. Julius R e a ch vom Erzherzog in längerer Audienz empfangen. Auf die Huldigungsansprache des Rabbiners für Se. Majestät und das kaiserl. Haus geruhte der Herr Erzherzog, sichtlich ergriffen, an die Abordnung die Aufforderung zu richten, ihre Glaubensbrüder mögen nur stets fortfahren, für das Heil und Wohl Sr. Majestät zu beten. Nachdem Höchstderselbe den Ausdruck unwandelbarer Loyalität der jüdischen Unterthanen gnädigst entgegengenommen, erkundigte sich der Erzherzog beim Vorsteher des Eingehenden sowohl über die Verhältnisse der israelitischen Gemeinde, als auch über den Aufschwung der Stadt selbst, die er seit 30 Jahren nicht gesehen, und entließ die Abordnung aufs gnädigste und huldvollste. Krakau. Beim Jubliäum des 500jährigen Bestandes der hiesigen Universität, das vorige Woche stattfand, haben auch die einzigen ordentlichen Professoren jüdischen Glaubens der Universität Krakau und Lemberg und zwar der Professor der Philologie Dr. Sternbach und der Lemberger Physiologe Professor Dr. Beck, theilgenommen. Beide gereichen zur Ehre und zum Ruhme der polnischen Universitäten und haben trotz ihrer Jugend Hervorragendes geleistet. Der hiesige Cultusvorstand entsendete zur Feier eine Deputation unter Führung des Bicepräsidenten des Gemeinderathes, Herrn Hirsch Landau. — Vorige Woche sind hier hundert rumänische Auswanderer bei der Durchfahrt nach Amerika angelangt und wurden am Bahnhofe vom Präsidenten der Cultusgemeinde Dr. Leon H o r o v i tz und dem Bicepräsidenten Hirsch Landau empfangen, auf Kosten der Gemeinde bewirthet und bis zur Grenze befördert. Rührend war der Anblick dieser durch den Antisemitismus aus ihrer Heimat vertriebenen Menschen, die den erschienenen Herren herzlichst dankten. CzermowiH. (David Tittinger.) Der Heimgang des kais. Rathes und Reichsrathsabgeordneten David Tittinger hat die besten Kreise des Landes in tiefe Trauer versetzt. David Tittinger, geboren 1839 in Suczawa, besuchte das hiesige Gymnasium, dann die Handelsakademie in Leipzig und trat hierauf in das Geschäft seines Vaters. Im Jahre 1871, als die israelitische Cultusgemeinde creirt wurde, wurde er Cultusrath und 1884 Cultusvorstand. 1885 in die Handelskammer gewählt, wurde er 1886 Bicepräsident dieser Körperschaft und würde ick selben Jahre in den Landtag entsendet. Im Jahre 1896, nach dem Tode des Abgeordneten Popper, wurde Titttnger auch in den Reichsrath gewählt. Vom Jahre 1880 bis zu seinem Tode war der Verstorbene Gemeinderath der Stadt Czernowitz, mehrjähriger Präliminarreserent und Obmann der Finanzsection. 1878 wurde der Verblichene zum Präsidenten der Czernowitzer Frucht- und Productenbörse gewählt; er behielt dieses Ehrenamt bis zu seinem Tode. Vom Jahre 1898 bis zum 30. März 1900 war er Laienrichter beim handelsgerichtlichen Senat des hiesigen Landesgerichtes. David Tittinger war Mitbegründer des isr. Temprls, Verwaltungsräth der neuen Bukowinaer Loealbahnen und gehörte dem Executivcomitß an. Er war Censör der Hypo-

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