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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-15 · 24 (15.6.1900) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
24 (15.6.1900)
Date
1900-06-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 448 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sir. 24 Hörden nöthig, eine klägliche Figur. Die Hebung dieses Standes» war also ein Gebot der Notwendigkeit, das Unterfangen aber n bei einem so zurückgebliebenen Stand, welcher leicht Wissenschaft)» mit Irreligiosität verwechselt, ein höchst Delicates. Allein das?s Uebel wuchs dermaßen, daß die Gemeinden selbst es zu empfinden^, begannen, und da kam ihnen die Alliance helfend entgegen. Heute;( besteht bereits in Cvnstantinvpel ein von der Alliance gegründetes und von ihr erhaltenes Rabbinerseminar, geleitet von einem europäisch gebildeten Manne, welcher mit einem ausgedehnten Wissen tiefe Frömmgkeit verbindet. Neben ihm fungiren als Lehrer ein junger Rabbiner, Absolvent des Pariser Rabbinerseminars und einige der tüchtigsten Professoren des Landes. Das Gute — und das gilt auch vom Bösen — bewährt sich erst dann als eine fortzeugende Kraft, wenn sie Nachahmung hervorruft und contagiös wirkt. Dies bewahrheitet sich ganz besonders auf dem Gebiete der Erziehung. So würde denn auch die moralische Action der Alliance den gewünschten Erfolg sicherlich nicht erzielen, wenn sie nicht in den Gemeinden, in denen sie wirkt, neue Werke der Wohlthätigkeit, der Bildung und Menschenliebe Hervorrufen, wenn sie nicht zum Nacheifern und Nachahmen anregen würde. Das ist aber in der That geglückt. Man kann den jüdischen Gemeinden keineswegs Mangel an Wohlthätigkeitslinn vorwerfen; der Wille zum Wohlthun manifestirt sich vielmehr überall in wahrhaft rührender Weise. Allein im Orient, wie anderswo, glaubt man vielfach, dem Armen gegenüber seine Pflicht erfüllt zu haben, wenn man ihm ein Almosen dargereicht hat, während dieses — nach Ansicht vieler berufener Geister und mancher Lehrer des Talmud — der wahren Wohlthätigkeit stracks zuwiderläuft. Da belehrte nun das von der Alliance gegebene Beispiel die orientalischen Gemeinden, daß das beste Mittel, die Armen aufzurichten darin bestehe, sie arbeitsfähig zu machen. Nun hatte die Miance auch die Genugthung, neben den aufblühenden Vereinen ehemaliger Zöglinge, zahlreiche Wohlthätigkeitsvereine entstehen zu sehen, welche mit vereinten Kräften bestrebt sind, hier Berpflegsstätten oder Hospitäler zu gründen, dort Knaben und Mädchen beim Handwerke unterzubringen, anderswo wieder Vereine zur gegenseitigen Unterstützung zu bilden u. s. w., kurz ein Ensemble von früher ungekannten Institutionen, welche berufen sind, nach und nach diese so abgeschloffene orientalische Welt umzugestalten; ja es könnten schon heute ansehnliche orientalische oder afrikanische Gemeinden namhaft gemacht werden, welche Dank dem zwanzigjährigen erziehlichen Einfluffe der Wiance eine solche Umwandlung erfahren haben, daß sie manchen europäischen Gemeinden zum Muster dienen köimten. „Ein Blick um und neben uns" — so schließt Herr Bigart seinen Bortrag — belehrt uns zur Genüge, daß das Ziel unserer Bestrebungen noch lange nicht erreicht ist. Ich sage dies ohne jede Empfindung von Kleinmuth. Der Kampf ist heilfam, er ist die Lebenskraft, welcher den Muth der Minorität aufrecht erhält. Die Alliance aber darf sich ruhig sagen, daß sie in dem von ihr gegen die Borurtheile der eigenen Glaubensgenoffen, sowie gegen Intoleranz, Ungerechtigkeit, böse Leidenschaften und Unwiffenheit geführten Kampfe für Fortschritt, Humanität, ja sogar für das Heil ihrer Feinde streitet." * * * Als wir an die Besprechung dieser so zeitgemäßen „Conserenz" gingen, dachten wir nicht daran, daß sie eine solche Ausdehnung gewinnen werde. Wir beabsichtigten nur einen kurzen Auszug zu bringen. Allein sie feffelte uns durch die Form und den Inhalt, selbst bei abermaliger Lectüre dermaßen, daß wir dem Drange, ihr Schritt für Schritt zu folgen, nicht widerstehen konnten. Eines Commentars oder gar einer Empfehlung bedarf diese verdienstvolle Schrift nicht. Möge sie — in tausend und abertausend Exemplaren verbreitet — den Weg zum Herzen unserer Glaubensgenoffen, sowie zu den großen, über das Wirken der Miance falsch unterrichteten und irregeleiteten Maffen finden! — lVie israelitische ungarische litera- I turgesellschast. Die Verspätung dieses Berichtes über das vorjährige Wirken und Schaffen der israelitischen ungarischen Literaturgesellschaft liegt, wie Ihnen geehrter Herr Redacteur bekannt, nicht an mir, und so dürfen auch die geschätzten Leser Ihres Blattes, welche das alljährliche Referat über das so manche schätzenswerthe wissenschaftliche Arbeit enthaltende Jahrbuch bisher vermißten, es mir nicht verdenken, wenn das Erscheinen gegenwärtiger Zeilen sich um einige Wochen verzögerte. Vielleicht hat es gerade seine gute Seite, daß. mein schon einmal so eilig abgesandter Bericht in Verstoß gerathen. Gut Ding will ja Weile haben und auch die zeitliche Perspective bietet einen bessern Ueberblick. Unser junger, erst in seinem 6. Lebensjahre stehender Literaturverein hatte im verflossenen Jahre außer einer inneren Transformation auch eine acute Präsidentenkrisis zu überstehen. Ehe wir aber die Details dieser Umstände anführen, schicken wir den in den jüngst umgearbeiteten Statuten umschriebenen Zweck des Vereines voraus. Laut § 2 ist derselbe folgender: a) Veranstaltung, Verlag und Verbreitung einer ungarischen Bibelübersetzung. b) Verlag und Verbreitung solcher Werke, welche zur Kenntniß und Beleuchtung der heiligen Schrift und späteren religiösen Literatur und überhaupt zur Kenntniß und Beleuchtung der israelitischen Religions- und Sittenlehre dienen. e) Beförderung der Organisation von Vorträgen über Bibel, jüdische Geschichte und Literatur an der philosophischen Facultät unserer vaterländischen Universitäten nach dem Muster ausländischer Universitäten. ä) Veranstaltung öffentlicher Vorlesungen in der Hauptstadt und in der Provinz über in jenes Fach schlagende, sowie überhaupt das israelitische Gemeindeleben betreffende Themas. e) Verlag und Verbreitung solch' populärer Werke, welche zur Kenntniß und Veredlung des konfessionellen Lebens dienen, gleichwie solch' vorzüglicher Arbeiten, welche mit dem Beruf der Gemeinde und dem durch sie zu ertheilenden Religionsunterrichte im Zusammenhänge stehen. t) Ausschreiben von Preisfragen hinsichtlich der bezeichneten wissenschaftlichen und gemeinnützigen literarischen Zwecke und Prämiirung der preisgekrönten Werke. Im Sinne dieses Statuts wurden anstatt der bisher bestandenen zwei Comites (Literatur- und Verwaltungscomits) folgende ffünf neue Commissionen eingesetzt: 1. Bibel-Commission, Präsident Professor Dr. Wihelm Bacher, Referent Prof. Dr. Samuel K r a u s z. 2. Jüdisch-Historische Commission, Präsident Historiker und Publicist Dr. Ignaz A c s a d y; Referent Rabbiner Dr. Moriz W e i s z. 3. Folklore-Commission, Präsident Prof. Dr. Ludwig Blau; Referent Dr. Jos. B a l a s s a. 4. Vorlesungs-Commission, Präsidenten die Schriftsteller Dr. Adolf A g a i und Paul T e n c z e r; Referent Prof. Dr. Heinrich L e n k e i. 8. Propaganda-Commission, Präsidenten Dr. Moriz Stiller und Dr. Adolf K o h n e r; Referent Dr. Jzor G l a ß. Jede dieser Commission zählt in ihrer Mitte eine Reihe von Mitgliedern, die auf wissenschaftlichem, literarischem und socialem Gebiete einen klangvollen Namen besitzen, und jede einzelne Section entfaltet eine ziemlich rege Thätigkeit. Die Bibelcommission arbeitet emsig an der Vollendung der Bibelübersetzung, von der bisher als Jahresgebühren für die Vereinsmitglieder zwei Bände: Der Pentateuch und die ersten Propheten erschienen sind Die historische Commission, deren Aufgabe es ist, Documente und Daten zu sammeln, welche auf die von der Landeinnahme bis zur Emancipation sich erstreckende Geschichte der ungarischen Juden Bezug haben, beschloß in ihrer jüngsten Sitzung die Veröffentlichung des ersten, bis zur Zeit Mathias Corhinus reichenden Bandes der jüdischhistorischen Documentensämmlung und betraute mit der Redaction derselben die zwei jungen Gelehrten Dr. Moriz W e i s z und Dr. Armin Frisch, beide ehemalige Schüler des ungarischen Rabbiner- Seminars. Die zur Veranstaltung von Vorlesungen eingesetzte Commission bot durch die während des letzten Winters zweimal monatlich im großen Prunksaal der Pester Religionsgemeinde abgehaltenen Vorträge auch dem großen Publikum eine Reihe geistiger Genüsse. Die Folklore-Commission begann ihre Thätigkeit damit, daß sie Tausende von Fragebogen an Rabbiner und Lehrer versendete und ist zu erwarten, daß die einlaufenden Antworten reichliches Material zu einer Sammlung der ungarländischen jüdischen Volkskunde liefern werden. Der Ausgangspunkt der oben erwähnten Präsidentenkrisis war folgender Vorfall: Ein durch seine tüchtige Kanzelberedtsamkeit und modern wissenschaftliche Arbeiten bekannter Rabbiner in der Provinz schrieb eine israelitische Religionsgeschichte und richtete an die Literaturgesellschast das Ansuchen, die Herausgabe seines Werkes zu subventioniren. Obwohl nun dieses vermöge, seiner allzukritischen und der Tradition zuwiderlaufenden Tendenz bei uns ungeheueres Auffehen ttssaattseatssaaam

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