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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-15 · 24 (15.6.1900) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
24 (15.6.1900)
Date
1900-06-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 84 Seite 447 Dr. Bloch's Wochenschrift. Ist es zum Beispiel wirklich nöthig, für Advocaten 25.989 Mark anzugeben? Fand sich unter den zionistischen Advocaten Londons Keiner, der im Interesse der guten Sache die Ausarbeitung der Statuten 2c. billiger gemacht hatte, so sind wir überzeugt, daß unter den nichtzionistischen, jüdischen Anwälten der großen Londoner Gemein->e mehr als Einer die Arbeit ganz umsonst geleistet hätte. Mit Rücksicht auf den Raum kann hier nicht auf alle Details eingegangen werden, aber — um nur noch ein Beispiel anzuführen — ist es rationell, den Stempel auf ein Capital vou 40 Millionen zu bezahlen, wenn nur 6 Millionen gezeichnet und auch diese noch nicht einmal bezahlt stad? Summa summarum: Weder das Zinserträgniß entspricht dem normalen Berhältniß, noch sind die Gründungsspesen in dieser Höhe berechtigt, noch ist bei der Verwaltung der Bank mit derjenigen Sparsamkeit vorgegangen worden, welche die Verwaltung dieser Gelder der Ärmsten unserer Brüder erfordert hätte. Daß aber Directorium und Aufsichtsrath mit der Ausgabe von 237.000 Mark in einem Jahre zufrieden sind, läßt nicht darauf hoffen, daß in Zukunft größere Sparsamkeit bethätigt werden wird es sei denn, daß die Actionäre selber eingreifen und auf sparsameres Wirthschaften dringen". Die erziehliche Thäiigkeit der ,, Alliance Israölite“. Von Dr. Arnold Ascher. IV. Eine besondere Erwähnung wegen ihrer Leistungen und eigenartigen Organisation verdient die von der Alliance im Jihre 1882 in Jerusalem gegründete Handwerkerschule. Sie umfaßt eine Reihe von Werkstätten, in welchen Schmiede-, Schlosser-, und Kesselhandwerke, sowie Gießerei. Tischlerei und Bildhauerei betrieben werden. Alle Lchrmerst'r dieser Werkstätten sind in Europa ausgebildet worden. Einrichtung und Werkzeuge entsprechen vollkommen den Anforderungen der modernen Industrie. Diese Werkstätten werden von 200 Zöglingen — darunter 50 internen — fceqnentirt und werden auf Kosten der Anstalt beköstigt und erhalten. Die Ocganisirnng von Kttaben-Haudwerkerschulen führte zur Creirung ähnlicher Institutionen für Mädchen, welche die Alliance-Schulen absolvirt haben. E-ne solche entstand im Jahre 1884. Natürlich ist sie wegen gewisser eigenthümlicher Lebensbedingungen im Orient und insbesondere aus Mangel jeder Industrie auf eine geringe Anzahl vou Gewerben beschränkt und wurden daher nur Werkstätten für Schneiderei, Weißnäherei und Stickerei eingeführt, welche gute Resultate aufweisen. Man kennt die Bewegung von heute, welche die Juden zum Ackerbau hindrängl. Wenn auch dieselbe ihre Entstehung zum großen Theile den in gewissen Ländern den Juden geschaffenen, bekiagenswerthen ökonomischen Verhältnissen verdankt, so ist sie gleichwohl von der Alliance vorausgesehen worden, die ihr gewissermaßen vorsorglich vorgearbeitet hat. Noch zu einer Zeit, wo kein Mensch die Eventualität einer solchen Bewegung ahnte, schuf die Alliance zu Jaffa in Palästina, dem Centrum des Rückschrittes und des Fanatismus, eine Ackerbauschule. Die Anstalt erhielt den Namen Mikweh Israel (Hoffnung Israels.) Niemals gab es eine Race, die dem Handel fremder gewesen wäre, als die jüdische Race es war, bevor sie ihre nationale Selbstständigkeit eingebüßt hatte und unter die anderen Völker zerstreut wurde. Erst die Verfolgungen der römischen Kaiser und die Gesetz: der Kirche, sie allein drängten die Juden zum Handel. Und wenn sie bis zum Anbruch der neuen Zeit bei demselben geblieben, so hat dies darin seinen Grund, daß sie zu nichts Anderem zugelassen wurden. Als ihnen aber wieder Erwerb und Cultivirung gestattet wurde, da galt es nicht blos hundertjährige Gewohnheit umzuformen, sondern auch von vorne mit der Erziehung und Unterweisung zum Ackerbau zu beginnen. Die Ackerbauschule wurde im Jahre 1870 auf einer vom Sultan freigebig eingeräumten Fläche von 240 Hektaren gegründet. Ihren Erfolg hat sie zum großen Theil der beispiellosen Hingebung eines Mannes zu verdanken, deffen Verdienste nie genug gewürdigt werden können. Es war dies Karl Netter. Eine lange Zeit hindurch hatte sie einmal mit dem Widerstand der Zöglinge und dann mit Mangel an Mitteln zu kämpfen, endlich war es schwer, ein geeignetes Personal zu finden. Aber Netter ließ sich durch nichts zurückschreckm und er überwand schließlich alle Hinderniffe. Aber in dem Momente, wo die Anstalt die Periode des Exprrimentirens hinter sich hatte und Erfolge aufzuweisen anfing, starb Netter plötzlich gelegentlich eines Besuches in Jaffa am 2. October 1882. Gewiß, eine ausführlichere Geschichte dieser Ackerbauschule wäre lehrreich, aber sie würde zu weit führen. Es sei daher nur kurz bemerkt, daß am Schluffe des Jahres 1899 die Schule 210 interne Zöglinge zählte, daß mit der Leitung und dem Unterrichte ein in den Ackerbauschulen Europas technisch ausgebildeteS, jüdisches Personal betraut ist, daß ferner alle in dem Lande möglichen Culturen in Oliven, Orangen, Wein, Getreide, Obst und Gemüse gepflegt, sowie Vieh- und Seidenwürmerzucht betrieben wird. Die Ackerbauschule zu Jaffa sollte nur zu bald Gelegenheit finden, ihre große Nützlichkeit zu erweisen und ihren Absolventen Beschäftigung zu verschaffen. Die russischen Judenverfolgungen in den Jahren 1881 und 1882 hatten zur Folge, daß tausende von armen Leuten nach Palästina strömten, erfüllt von dem Verlangen, sich dem Ackerbau zu widmen. Auch aus Rumänien und Galizien kamen zahlreiche Juden nach Palästina. Alle diese Einwanderer brachten wohl den besten Willen, aber nur die wenigsten unter ihnen irgend welche Geldmittel mit, so daß die Alliance unterstützend eingreifen mußte. Da war nun die Ackerbauschule zu Jaffa die Helferin. Ihr Lchrpersonal und die älteren, mit den Culturen des Landes vertrauten Zöglinge wurden die Führer und Rathgeber und so wurde die Schule „Mikweh" die Ziehmutter der ersten Colonien Palästina, welche sich unter der tatkräftigsten Unterstützung des Herrn Baron Edmond v. Rothschild entfalten konnten. Und nun eröffnete sich den Zöglingen der Ackerbauschule ein weites Feld für ihre Thätigkeit, indem die einen Colonisten wurden, die anderen als Arbeiter und Aufseher Beschäftigung fanden. Während sich diese Versuche in Palästina abspielten, begann e n anderer Philantrop, Baron Hirsch, in Argentinien Colonien zu gründen. Aber auch hier sollte die Alliance Mitwirken. Nach mehreren mißlungenen Versuchen sah fich Baron Hirsch bestimmt, sich von der Alliance erfahrene Leiter für seine Colonien zu erbitten, und diese stellte ihm bewährte Fachleute zur Verfügung, welche noch heute an der Spitze des Colonisationswerk s stehen. Einer von ihnen, Herr Hirsch, leitete durch lange Jahre die Jaffaer Ackerbauschule und war der erste Förderer und Berath r der damals beginnenden Colonisirung in Palästina. Eigenartige Verhältnisse haben es mit sich gebracht, daß die Gemeinden im Norden Afrikas: Marokko, Algerien, Tunis, Tripolis und Egypten der bereits ein Jahrzehnt andauernden die Juden zum Ackerbau hinleitenden Bewegung vollkommen fremd und gleichgiltig gegenüberstehen. Die Alliarce hielt es daher für ihre Pflicht, ihnen Lust dazu einzuflößen. Zu diesem Zwecke schien ihr Tunis als gutes Ackerland und zumal hier das französische Protectorat eine geregelte Verwaltung und vollkommene Sicherheit geschaffen, der geeignetste Boden zu sein. Sie kaufte daher im Jahre 1895 in Djederda, unweit von Tunis ein Grundstück im Ausmaße von 1500 Hektar an, welches von einem Flusse durchzogen und mannigfache Vortheile bietet und errichtete daselbst eine Ackerbauschule für jüdische Knaben Nord- Afrikas. Anfangs von 25 Zöglingen frequentirt, zählt fie heute deren 110, wovon nahezu die Hälfte aus Tunis, die übrigen aus Algerien, Marokko und Tripolis sich recrutiren. In den genannten Ländern werden die Absolventen der Ackerbauschule unschwer Beschäftigung finden. Es gibt hier nämlich eine gewisse Anzahl jüdischer Grundbesitzer, welche gern bereit sind, angehende jüdische Ackerbauer zu beschäftigen, und sind bereits mehrere Zöglinge der Ackerbauschule von Djedeida, welche im Jahre 1899 den Curs absolvirten, von Israeliten in Tunis für ihre Landwirthschaft engagirt worden. Weiters hat die Alliance zu Beginn des Jahres 1899 ein nachbarliches Gut von 2500 Hektaren angekauft, in der Absicht, daselbst die tüchtigsten und fleißigsten der älteren Zöglinge zu etabliren, und dürfte sie zu demselben Zwecke bei günstiger Gelegenheit weitere Grundstücke in Tunis ankaufen. Der Verfall des Rabbinates im Orient beschäftigt seit Jahren die Alliance. Bis auf wenige Ausnahmen entbehren die Rabbiner im Oriente jede wie immer geartete moderne Bildung, ja sie beherrschen nicht einmal die Sprache ihres Landes. Man stelle sich nun vor, welche Rolle sie den Vertretern der anderen Confessionen (den Christen, Griechen, Armeniern und Mnselmannen) gegenüber spielen. Sie besitzen keinerlei Ansehen, und dies selbst ihren Gemeinden gegenüber, und spielen in unzähligen Fällen, wo ihr: Intervention bei den öffentlichen Be-

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