Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 23 (8.6.1900)
- Date
- 1900-06-08
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 28 Seite 435 Dr. Bloch's Wochenschrift — Sonntag, den 10. Juni um 2^/2 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel, II., Tempelgasse, die Trauung von Fräulein Charlotte Fischer, Tochter des Restaurateurs Herrn Leopold Fischer mit Herrn Julius H a b e r s e l d statt. Wien. (Vermählung.) Herr Dr. Otto Fröhlich hat sich mit Fräulein Elsa G 0 t t l i e b vermählt. Wien. (G 0 ldene H 0 chzei t.) Am 10. Juni d. I. feiert Herr Joachim Rindskopf, emer. Cantor und Religionslehrer in Lichtenstadt bei Karlsbad mit seiner Ehegattin Regine, geb. Pfefferkorn, das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar, der durch volle 45 Jahre an der genannten Gemeinde höchst verdienstvoll wirkte, wird im Vereine mit seiner wackeren Ehegattin an diesem Tage seitens der Cultusgemeiude Lichtenstadt, der Tochtergemeinde Carlsbad, seitens seiner vielen Freunde, Kinder, Enkel und Urenkel vielfache Beweise der Verehrung und Liebe erfahren, die sich der Jubilar durch seine Treue und Hingebung an sein heiliges Amt in hohem Maße verdient hat. Da Herr Joachim Rindskopf 12 Jahre, bevor er sein Amt in Lichtenstadt antrat, in Königsberg a. E. snngirte, so kann derselbe nur auf eine 57jährige Thätigkeit im Dienste der frommen Sache zurückblicken. Wahrlich ein Beweis der göttlichen Gnade. Möge dem Jubelpaare ein heiterer, sorgenloser Lebensabend im Kreise der Ihrigen beschieden sein! Wien. (Mädchen-Confirmationsfeier.) Der Vorstand der Tempelgemeinde im IX. Bezirk hat seit Einführung der Mädchen-Confirmation in diesem Bezirke die Anordnung getroffen, daß diese Feier am ersten Schebuottage stattfi »den soll. Und so gestaltete sich die Abhaltung derselben am 3. d. M. wie alljährlich, erhebend und feierlich. Das schöne Gotteshaus war von Festgästen überfüllt. Blattpflanzen schmückten das Allerheiligste und den Allmemor. Väter und Mütter, sowie zahlreiche Confirmanden nahmen in den Seitengängen Platz. Die Confirmandinnen festlich gekleidet, beantworteten die »n sie gerichteten Fragen correct und deutlich. Die Confirmandin Steffi) Sucharipa, Tochter des Herrn Vorstehers Josef Sucharipa, sprach das Glaubensbekenntniß in überaus ergreifender Art. Herr Prediger Dr. Gelbhaus hielt im Anschluß an den Festgottesdienst eine Confirmationspredigt, welche auf alle Zabörer von mächtiger Wirkung war. Der vorzüglich geschulte Chor executirle die Gesänge in ausgezeichneter Weise. Wien. (Jüdisches Museu m.) Unter Führung des Religionslehrers Salomon Glück besuchten am 5. d. M., mehr als sechzig Schülerinnen, hievon zahlreiche mit deren Angehörigen, die reichhaltigen Sammlungen, welche auf die jungen Damen tiefen Eindruck machten. Die einzelnen Objecte erregten das lebhafteste Interesse, das sich speciell in der hellerleuchteten „Sabbathstube" außerordentlich documentirte. Der Präsident der „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst und historischen Denkmälern des Judenthums" Herr Baurath Stiaßny machte die Honneurs und erklärte einige der wichtigsten Objecte. Nach mehr als zweistündiger eingehender Besichtigung, während welcher H'rr Religionslehrer Glück die Gegenstände den wissensdurstigen Mädchen erklärte, verließen diese die Räumlichkeiten des Museums mit dem Wunsche, noch öfters die Sammlungen, die so viel des Interessanten bieten, besichtigen zu können. Die Sammlungen des jüdischen Museums, Wien I., Rathhausstraße 13, bleiben für den allgemeinen Besuch während der Sommermonate geschlossen, können jedoch von Vereinen Corporationen, sowie größeren Gesellschaften jederzeit gegen tagsvorheriger Anmeldung besichtigt werden. Prag. (Trauung.) Sonntag den 10. Juni findet in Prag. Hotel Blauer Stern die Trauung des Fräulein Lotte Beck, Tochter des Herrn Philipp Beck aus Pilsen, mit Herrn Emil E i d l i tz statt. E. B. Proßnih. (Trauung.) Sonntag, den 17. Juni findet im hiesigen Tempel die Trauung des Fräuleins Elsa Blümel, Tochter des Fabriksdirectors Herrn Alois Blümel, mit dem Herrn Emil Hirsch, Sohnes des Industriellen und Cultusvorstandes Herrn Samuel Hirsch statt. Die Braut ist eine Großnichte der Kleiderfabrikanten M. und I. Manvl in Wien, der Bräutigam ein Neffe des Wiener Cultusvorstehers und kaiserlichen Rathes Herrn Moritz Hirsch. Marienbad, 5. Juni. Wir wir aus bestinformirter Quelle vernehmen, ist Rev. Dr. Köhler, Rabbiner der Beth- El-Gemeinde in New-Iork auf dem Wege nach Europa und wird sich zwischen 7.—10. Juli in Marienbad aufhalten. Es wird gewiß einen großen Theil unserer Leser, insbesondere seine Herren Collegen aus Oesterreich und Deutschland interesfiren, den berühmten jüdischen Gelehrten Amerikas dort kennen zu lernen und ihre Meinungen mit ihm auszutauschen. Graz. Anläßlich des Schewuothfestes hatte der hiesige „Jüdische Gesangsverein" seinen Ehrentag zu verzeichnen. In jeder Hinsicht thatkräftigst unterstützt, wird der Verein sein ganzes Bestreben dahin lenken, der jüdischen Sache, dem jüdischen Volke zu dienen, das jüdische Lied zu pflegen. Sein Bestand zählt erst nach wenigen Monaten, aber die unermüdliche, thatkräftige Leitung unserer verdienstvollen Chormeister, der Herren Obercantor Paul Horn und Cantor Armin Goldberger, der Pflichteifer der Mitglieder und last not least die Begeisterung für den edlen Zweck waren die Factvren, als deren Product der schöne Erfolg, den wir errangen, zu verzeichnen ist, und der uns ein Ansporn zu weiterem Wirken für unser geliebtes Judenthum sein soll. Breslau, 24. Mai. Herr Rittergutsbesitzer Julius Schottländer ist zum Ehrenbürger seiner Vaterstadt Münsterberg ernannt worden. Berlin. (Der dritte jüdische Abgeordnete.) Durch die Wahl des Rechtsanwalts und Notars Eduard Wolf im Landtagswahlkreis Lissa-Rawitsch-Gostyn-Fraustadt zum Abgeordnetenhaus hat das preußische Abgeordnetenhaus das dritte jüdische Mitglied erhalten. Herr Wolf ist der Sohn eines Tischlers. In Lissa ist er Vorsitzender der Stadtverordneten-Versammlung. Heringsdorf. (S a i s 0 n b e g i n n). Am I. Juni eröffnete der Inhaber des Hotel Cassel in Berlin, Herr Leopold Peltesohn, seine hiesige Filiale, die den auf rituelle Beköstigung Werth legenden jüdischen Besuchern des hiesigen Seebads einen gedeihlichen Aufenthalt erst ermöglicht hat. Die Eröffnung erfolgt in diesem Jahr früher als sonst, damit auch die jüdischen Ausflügler, die die Freiheit der Pfingsttage zu kurzem Besuch unseres schönen Badeortes benutzen wollen, angemessene Verpflegung finden könneg. Für Gottesdienst im Haus ist gesorgt. Daß Herr Peltesohn religiös von unübertrefflicher Zuverlässigkeit ist, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K 0 h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) „Ich habe," fuhr Mostrich nach einer Pause fort, während welcher der Bürgermeister mit großer Emsigkeit den auf dem Tisch verstreuten Rauchtabak sammelte und in den ledernen Beutel warf, „damals, um Ihnen gefällig zu sein, meine Pflicht verletzt, meinen Diensteid gebrochen, bin ein Meineidiger geworden ... auch habe ich das Einzige, was ich armer Mensch besaß, meine Stelle aufs Spiel gesetzt. Wie sich Euer Gestrengen noch zu erinnern belieben werden, hat der Herr Appellationspräfident aus Brünn eine Untersuchungscommisfion herausgeschickt und ich wurde in strenge Haft genommen. Es hat mich große Mühe gekostet, daß ich mich glücklich herausgelogen, um nach vielem Schrecken und großer Angst auf freien Fuß gesetzt und in meiner Stelle belasten zu werden ... Und die Gewissensbisse die mich von damals bis auf den heutigen Tag gefoltert! Heute würde ich diese Gewissenspein und die schwere Verantwortung nicht für einen so geringen Betrag auf mich laden. Und was hat Euer Gestrengen christliche Milde gegen die Verbrecherin genützt? Nicht das Allergeringste! Sie ist hinüber ins Preußische entwischt; aber arm und verlassen wie sie war — gar soweit war hochdero Milde gegen die arme Gefallene doch nicht gegangen, ihr ein kleines Capitälchen mitzugeben, damit sie sich anderwärts redlich ernähren könne — fiel sie wieder dem Laster in die Arme und ist, wie der hiesige Zimmermeister Zottler, der damals gerade auf der Wanderschaft in Breslau war, erzählte, dort gerädert worden. Sie hatte wieder ein Kind, das sie dorr geboren, nachdem es zwei Jahre und ihr lästig geworden, getödtet. Der Melchior Zottler, der bei der Hinrichtung anwesend