Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 23 (8.6.1900)
- Date
- 1900-06-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Dr. Bloches Wvchrnschrifk. Sette 433 K 34.734-22, so daß auf eine Person K 713.62 entfielen. Von den Ausgaben kam der Verein für einen unbedeckten Betrag in der Höhe von K 18.192 70 auf. Der Siechenhausfond betrug zum Schluffe des Jahres K 162.199-82. Was die Krankenunterstützung betrifft, so hat der Heilige Verein, einem Uebereinkommen mit der Religionsgemeinde entsprechend, zur Erhaltung des israelitischen Spitals K 40.000 beigetragen. Dieses Uebereinkommen, das Ende des vorigen Jahres abgelaufen ist, wurde auf drei Jahre mit der Modifikation prolongirt, daß der Maximalbeitrag des Vereines für das Spital auf K 48.000 erhöht wurde. Ferner hat der Heilige Verein dem Adele Brody- Kinderspital K 10.000 zugewendet. An Unterstützungen wurden im vorigen Jahre K 68.628*50 votirt. Im vorigen Jahre wurden 2575 Leichenbestattungen, darunter 1511 unentgeltlich besorgt, woraus der Chewra-Kadischa Ausgaben in der Höhe von L 60.440 erwachsen sind. Die ordentlichen Einnahmen betrugen im vorigen Jahre im 442.957-58, die ordentlichen Ausgaben K 432.472*94, die außerordentlichen Einnahmen Kronen 156.309*52, die außerordentlichen Ausgaben K 54.278*80. Für dieses Jahr das ordentliche Erforderniß mit K 446.006*18, d r Einnahmenvoranschlag mit K 433.060 festgestellt. Der Bericht, die Schlußrechnungen und das Präliminare wurden genehmigt; Dr. Max Schächter beantragte, bei der Spitalscommission der Religionsgemeinde die Vorschläge betreffend die Wärterinnen- Jnstitution zu urgiren. Der Antrag wnrde angenommen. Hingegen wurde ein Antrag des Herrn Moriz Löwy, die Ausgaben für die Siechen einzuschränken, damit eine größere Anzahl von Greisen ausgenommen werden könne, abgelehnt. Ludwig Strauß beantragte Reformen auf dem Gebiete der Leichenbestattung, die in Erwägung gezogen werden sollen. Zum Schluffe wurden die Herren Adolf Blau, Dr. Armin Links, Moriz Löwy und Em. I. Weiß einstimmig zn Ausschußmitgliedern gewählt. Rechnungsrevisoren wurden die Herren Paul Sandor, Josef v. H ü v ö s, Ludwig v. Krauß, Moriz Stern, August K o h n e r, Josef W o l f n e r und Bernhard Herzmann. Zum Schluffe wurden dem unermüdlichen Präsidenten, Herrn Moses Ehrlich, der seine ganze Zeit dieser großartigen humanitären Institution widmet, Herrn Dr. Franz Mezey, dem ausgezeichneten Secretär, dem Ausschüsse, sowie den Functionären, die ihren trefflichen Vorbildern eifrig nachstreben, die wärmste Anerkennung ausgesprochen. Malaezka. (Tempeleinweihung.) Sonntag, den 27. Mai d. I. fand hier die Schlußsteinlegung und Einweihung der neuerbauten Synagoge unter überaus zahlreicher Betheiligung der Gemeindemitglieder und der Vertreter benachbarter Cultusgemeinden statt. Im Jahre 1887 war die Synagoge auf Kosten des Ehepaars Simon und Cäcilie Spitzer neu erbaut worden. In der Nacht vom 18. auf den 19. Juli v. I. brannte dieselbe, wahrscheinlich durch einen Blitzschlag getroffen, fast vollständig ab und schon gestern konnte die Einweihung des prächtigen neuerbauten Hauses wieder stattfinden. Anläßlich der Schlußsteinlegung wies der Erbauer beider Häuser, Baurath Stiaßny aus Wien, darauf hin, daß es wohl ein äußerst seltener Fall sei, daß einem Architekten, der ein Gotteshaus errichtet habe, der Wiederaufbau eines zweiten Hauses an Stelle des in Trümmer gefallenen ersten vergönnt sei. Die Festrede hielt Bezirksrabbiner Dr. Moriz Lewin, der den bekannten Prophetenvers: Das zweite Hans wird schöner sein als das erste gewesen, meisterhaft ausführte. Der Präsident der Cultusgemeinde Herr Weinwurm gab den Gefühlen der Dankbarkeit und Verehrung der Gemeinde für den Architekten beredten Ausdruck. Das im reinsten maurischen Style erbaute Gotteshaus gewährt mit seiner mit 2 Kuppeln geschmückten, polychrom behandelten Fagade, dann mit seinem mit reicher Bemalung und Vergoldung sowie mit einer geschmackvoll ornamentirten Kassettendecke versehenen Jnnenraume einen würdigen und weihevollen Eindruck. Warez. (Ein Brandunglück in Galizien). Von dem Gutsbesitzer Herrn Stanislaus Ritter v. Lomnicki erhalten wir aus Warez im Bezirke Sokal an der nordöstlichen Grenze Galiziens eine Zuschrift folgenden Inhaltes: „Warez, eines der ärmsten Sädtchen in Galizien, ist am 22. Mai gänzlich abgebrannt; 170 Familien, 570 Menschen, ausnahmslos Israeliten, sind brod- und obdachlos geworden. Das Elend ist groß und unbeschreiblich. Ich thue, was ich kann, leider bin ich außer Stande, viel zu helfen. Ich hoffe aber, daß die Bekanntgabe dieses großen Nothstandes genügen wird, um überall Wohlthäter zur Hilfeleistung für diese Unglücklichen zu bewegen. Man kann doch nahezu sechshundert Menschen — Männer, Weiber und Kinder — die dem Elend preisgegeben sind, nicht hilflos zu Grunde gehen lassen". Berlin. Am 26. v. M. vollendete der Herr geheime Sanitätsrath Dr. Samuel Kristeller sein achtzigstes Lebensjahr. Herr Samuel Kristeller ist seit dem 21. Februar 1882 geschäftsführender Vorsitzender des „Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes" gewesen. Er widmete länger als ein Jahrzehnt den größten Theil seiner Zeit und Kraft dieser Institution, die er aus geringfügigen Anfängen zu großer Ausdehnung und Blüthe entwickelt hat. Mit reger Bege sterung, steter Unermüdlichkeit, klarer Einsicht, hat er ihr die Wege gewiesen, in der „Friedrich-Wilhelm-Victoria-Stiftung" eine umfassende Bersicherunganstalt für jüdische Gemeindebeamte gegründet, durch Einrichtungen zur Jugenderziehung, Ausbildung für Handwerk und technische Gewerbe, Krankenpflege für die materielle und sittliche Hebung der deutschen Judenheit Sorge getragen. Ueberall war er bemüht, vor allem die ethischen Kräfte innerhalb des deutschen Judenthums zu entfesseln und zu fördern, die innigste Verbindung zwischen Deutschthum und Judenthum herzustellen. Außerdem war er wiederholt zu Gunsten der schwer bedrückten rumänischen Juden thätig und wirkte durch wissenschaftliche Vorträge für den Stipendienfond der Hörer der Lehranstalt, für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin. Ein gründlicher Kenner der althebräischen Literatur und zugleich in hohem Grade dichterisch veranlagt, veröffentlichte er wiederholt poetische Uebertragungen hebräischer Sinnsprüche und Epigramme sowie des „ethischen Traktats der Mischnah Pirke Aboth (Sprüche der Väter) 1890, auch gab er 1891 „Belegstellen zu den Grundsätzen der jüdischen Sittenlehre" heraus. Vorgerücktes Alter und schwankender Gesundheitszustand nöthigten ihn, am 26. März 1896 den Vorsitz im Ausschüsse des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes niederzulegen. Doch widmete er diesem Bunde auch fernerhin seine opfermuthige Mitwirkung, und wurde von ihm zum Ehren-Borsitzenden erwählt. Leider gestattete der ungünstige Gesundheitszustand des so verdienstvollen Jubilars den zahlreichen Verehrern, die er sich auf allen Gebieten seiner mannigfachen Wirksamkeit, in der Medicin, in der jüdischen wie in der allgemeinen Wohlthätigkeitspflege wie auch auf communalem und vaterländischem Gebiete erworben hat, nicht ihm persönlich ihre Glückwünsche darzubringen. Doch hat der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes es sich nicht nehmen lassen, seinem hochverehrten Ehren- Vorsitzenden in einer Glückwunschadreffe für sein langjähriges hingebendes Wirken zu danken. Desgleichen hat die Berliner Medecinische Gesellschaft «ne Adresse überreicht. Die großen Verdienste, die sich Samuel Kristeller um das Vaterland, namentlich während der Kriegszeiten erworben hat, fanden in der Ueberreichung des rothen Adlerordens UI. Claffe ihre Anerkennung Berlin. Die Generalversammlung der im Jahre 1812 gegründeten Gesellschaft zur Verbreitung des HandwerksunddesAckerbauesunterdenJuden im preußischen Staate, welche kürzlich in der Aula der Gemeinde-Knabenschule stattfand, nahm zunächst den Bericht über die Wirksamkeit der Gesellschaft entgegen, ferner den Caffenbericht, welcher ein glänzendes Bild von der Finanzlage der Gesellschaft liefert, und ertheilte dem Vorstande die von den Revisoren beantragte Decharge. Bei den statutenmäßig erforderlichen Neuwahlen zum Vorstande wurden die Herren Leopold Besser zum Vorsitzenden, Herr Siegmund Pincus zum Schatzmeister, Herr Julius Bodenstein zum Jnspector gewählt. Eine längere stellenweise sehr stürmische Erörterung riefen einige Anträge hervor, welche die Niedersetzung von Commissionen verlangten mit der Aufgabe, die Statuten der Gesellschaft auf eine Abänderung zu prüfen und zu erwägen, ob eine Verschmelzung der Gesellschaft mit dem ähnliche oder dieselben Zwecke verfolgenden Lehrlingsheim in Pankow rathsam erscheine. Die Gegensätze platzten bei dieser Gelegenheit sehr heftig aufeinander, da die Einen in der Verschmelzung beider Vereine eine Auflösung der Gesellschaft erblicken, während die Anderen nur eine Förderung der Bereinszwecke erreichen zu wollen behaupten. Die Discuffion, welche lediglich einen formellen Charakter trug, dauerte fast drei Stunden und schloß damit ab, daß die gestellten Anträge von der Tagesordnung der Generalversammlung abgesetzt wurden. Sie werden aber voraussichtlich bei der nächsten im October d. I. statt« findenden Generalversammlung wiederkehren.