Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 23 (8.6.1900)
- Date
- 1900-06-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Km, 432 Nr. 23 Dr» Mo^sWochenschrijr. Wie«, S. Juni. Löbliche Redaction! Ich ersuche Sie um BeröffeMichung des nachstehenden Sachverhaltes: Herr Wilhelm Rau» egg er, Leinwandhändler, I., Lichtensteg 4, über welchen ich in Ihrer letzten Nummer eine Mittheilung machte, hat mich persönlich besucht, um mir in der höflichsten Weise Aufksärungen über snUe Berustmg in die Wahlcommission zu geben und da ich diesen Herrn als Ehrenmann kenne, fühle ich mich verpflichtet, seine Erklärung zu veröffentlichen. He« Raunegger hat früher vom Bezirksvorsteher eine Berufung in die Erwerbsteuercommission bekommen und ist diesem Rufe gefolgt. Einen Tag vor der diesmaligen Wahl bekam derselbe eine Berufung vom Bürgermeister in die Wahlcommission, der er nur Folge leistete, weil ein mir und ihm bekannter Liberaler ihm zugeredet, die Wahl anzunehmen. Er betheuerte mir, daß er nie in eine antisemitische Versammlung ging, ferner daß er fortschrittlich gesinnt sei und keinen Grund habe, reactionär zu werden. Er erzählte mir sogar von seiner liberalen Gesinnung Juden gegenüber. Er hat in Wöllersdorf ein Haus, worin seit Jahren ein Jude namens Philipp Fleischmann sein Geschäftslocale und seine Wohnung miethete und trotzdem Andere um 100 fl. mehr Zins bieten, kündigt er dem Juden, der schon viele Jahre seine Partei ist, nicht, weil dieser anderswo kein Local fände und gezwungen wäre, den Ort zu verlassen. Ich halte es, wie erwähnt, für meine Pflicht diese Aeußeruugen zu veröffentlichen und bitte Sie hiemit darum. Hochachtend S. Heit. Wie«. (Verunglücktes »Hilsner*-Sp iel). In Czernvwltz bei Kamenitz "fand während des heurigen Faschings eine Unterhaltung statt,: bei welcher zur Erheiterung der versammelten »Gesellschaft" unter Anderm auch die Hinrichtung Hilner's zur Darstellung gelangte. Dabei wurde die Strangulirung Hilsner's derart realistisch durchgeführt, daß der Darsteller desselben ohnmächtig zusammenbrach und erst zwei Stunden später wieder zum Bewußtsein erweckt werden konnte. Da er j?ei dieser Procedur eine Verletzung des Kehlkopfes davontrug und die Sprache verlor, hatte der unglaublich rohe Scherz ein für den „Scharfrichter" sehr ernstes gerichtliches Nachspiel. Dieser stand kürzlich unter der Anklage der schweren körperlichen Beschädigung vor Gericht, wurde schuldig gesprochen und zu vier Monaten schweren Kerkets verurtheilt. Bade« hier Wie«. Löbliche Redaction! Als Curgast in Baden weilend, wohnte ich auch dem Gottesdienste an den versoffenen Feiertagen im Badener Tempel bei und war, wie alle Zuhörer, von den rethorischen Leistungen des Rabbiners, wie den gesanglichen des Cantors höchlichst befriedigt. Bei strenger Wahrüng der alten Bräuche, ist die Andacht dabei herzerhebend. Äüch die Ruhe und musterhafte Ordnung, die während des Gottesdienstes herrscht-, zeigte zur Genüge, mit welchem Verständniß und hohem Tact der Vorstand seines Amtes waltet. Leider mächi sich ein Üebelstand derart fühlbar, daß ich nicht , umhin kann, die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf denselben zü lenken. Der großen Anzahl der Besucher gegenüber erwies sich der vorhandene Raum als vollkommen ungenügend und schon vom sanitären Standpunkte aus ist da ein Eingreifen dringend zu wünschen. Die Curgäste waren gezwungen, die Plätze der Einheimischen zu occupiren, Ändere wieder mußten überhaupt stehen, Biele fanden gar keinen Einlaß. Me Gemeinde Baden ist leider nicht in der Lage, aus eigenen Mitteln den so nothwendigen neuen Tempel zu erbauen. Ihre geringe» Mittel einerseits, ihre trefflichen Wohlthätigkeitsanstalten andererseits hindern sie daran. Wie ich aus competenter Quelle erfahren habehat die Gemeinde im Vereine mit der »Chewra Kabffchä^ imd dem Frduenverein an zugereiste Arme und Kranke im vlwgahgeNen Jahre Spenden im Betrage von fl. 5000 vertheilt und die Ansprüche steigern sich fortwährend. Wir appellireN an W wohlhabenden Curgäste und Freunde des Curplatzes Bade» durch eine munificente Spende den Bau eines neuen Tempels zu ermöglichen. Alle, welche hier Erholunq und Genesung finden, sollten de« Zoll des Dankes für den freundlichen Curplatz dadurch adstätM, daß sie ftir den Bau eines würdigen Gotteshauses wirken. Nicht nur die Gemeinde, auch die fremden Besucher wurden dies mit Genugthuung empfinden und gewiß wird M Redaktion gerne bereit sein, einlaufende Spenden entgegenzunehmen und zu vermerken. L. Budapest« (Eine antisemitische Berläumd u n g.) Vor einigen Tagen erregte die Nachricht in Budapest großes Aufsehen, daß im Gebäude der dortigen Universität von den auf den Stiegen angebrachten Wappenschildern die Kreuze herabgeschlagen worden seien. Die Sache war, wie gemeldet, auch Gegenstand einer Interpellation im ungarischen Abgeordnetenhause Nun hatte sich der 21jährige Jurist Max Goldzieher, ein Sohn des Prof. Dr. Goldzieher, erschaffen, angeblich aus dem Grunde, weil auf ihn der Verdacht gefallen war, die Wappenschändung verübt zu haben. Später meldete sich der Bildhauer Simon Ney bei der Polizei und gab in Angelegenheit der Wappenverstümmelung im Universi ätsgebäude folgendes zu Protokoll: Er und sein College Ladislaus Verö seien im Universitätsgebäude mit Bildhauerarbeiten beschäftigt und brachten daher auch die das Treppenhaus zierenden Kronen an, aus welchen sie ganz freistehende Kreuze anfertigten. Diese Kreuze seien aus Gyps und nur leicht angefügt. Während der gleichzeitg ausgeführten anderen Arbeiten konnte es leicht geschehen, das Anstreicher mit ihren Pinseln oder die mit Reinigungsarbeiten beschäftigten Frauen mit ihren Kleidern die Kreuze streiften und so zerbrachen. Bei einer Krone warf herabfallender Schutt ein Kreuz um und verstümmelte es. Die beiden Bildhauer befferten schon zweimal aus diese Weise zerbrochene Kreuze aus. Jene zwei Kreuze, deren Abgang man Samstag bemerkte, fehlten schon längere Zeit. Auch sie hatten davon Kenntniß, wollten aber die verbesserten Kreuze gerade aus dem Grunde, weil sie gebrechlich waren, erst nach Beendigung der Reinigungsarbeiten wieder anbringen. Budapest. (Spital der Pest er israelitischen Cultusgemeinde.) Dem uns zugekommenen Berichte über das Jahr 1899, welcher ein erschöpfendes Bild der segensreichen Thätigkeit dieser Humanitären Anstalt bietet, entnehmen wir die folgenden Daten: Im verflossenen Jahre hat das Spital das zehnte Jahr seines Bestandes vollendet. Es wurden im abgelaufenen Jahre 1839 (1898:1792) bettlägerige Kranke behandelt. Unentgeltlicher Behandlung wurden 640 (566) Kranke theilhaftig. Bon den 1839 Kranken waren 311 Christen. Todesfälle kamen 145 7s/,0 Percent (8'/,» Percent) vor. Die Zahl der ambulanten Kranken betrug 5719 (5294). Ambulante Behandlungen erfolgten 20.085. Bon den ambulanten Kranken, welche unentgeltlich behandelt wurden, waren 11.616 (58 Percent) Christen. Im ersten Jahre des Spitalsbestandes betrug die Zahl der bettlägerigen Kranken 888, die die ambulanten Kranken 12 606, im Vorjahre 1839 und 20.159. Die Gesammtausgaben des Spitals betrugen 74.000 fl., so daß das Präliminare mit 4000 fl. überschritten worden ist. Die Mehrausgabe ist durch das Einnahmeplus von 3900 fl. gedeckt. Ein Verpflegstag kostete fl. 1'83 (im Vorjahre fl. 1'87). Die Zahl der bettlägerigen Gratiskranken (640) beträgt heute so viel, als im alten Spital vor 12—15 Jahren die Gesammtzahl der Kranken war. Der Fall, daß ein armer Kranker zurückgewiesen würde, kommt nicht vor; und kann sich die Aufnahme höchstens um einige Tage verzögern. Wit Schluß des Jahres 1899 wurde eine neue Ordinariusstelle für Hautkrankheiten systemisirt und hiezu Dr. Jacob Justus gewählt. An Personalveränderungen ist zu verzeichnen, daß an Stelle Dr. Martin D u k e ß Dr. Armin S z ä n t 6 ernannt wurde; an Stelle Dr. Felix Rozsa's wurde Unterarzt Dr. Ludwig Balvg und au dessen Stelle Dr. Leopold Suräny, Dr. Eugen K a s s a i zum Hilfsarzt ernannt. Die Leitung der wirthschaftlichen Angelegenheiten haben Julius Adler nnd I. Ignaz Mandl mit größtem E fer versehen. Die großartige und umfassende menschenfreundliche Wirksamkeit des Spitals ist, nebst der Opferwilligkeit der Pester israel. Gemeinde, dem ausgezeichneten Aerztecorps zu verdanken, denen Direktor Universitätsprofeffor Dr. Berthold Stiller und der Primarii Docent Dr. Jonas Baron und Prvfeffor Dr. Adolf Szilli, ferner die Ordinarii Dr. Emerich Berczeller, Professor Dr. Adolf O n o d i und Dr. Sigmund S z e n e s angehören. Budapest. Die Pester Chewra-Kadischa hielt am 19. Mai unter dem Vorsitze des Borstandspräsidenten Herrn Moses Ehrlich ihre GeneralversammluM. Wie dem Jahresberichte zu entnehmen, hat der Heilige Verein im vorigen Jahre auf allen Gebieten seines Wirkungskreises eine erhöhte Thätigkeit entfaltet. Im Siechenhause haben während des vorigen Jahres durchschnittlich 48 Greise Verpflegung gefunden; heuer hat sich ihre Anzahl auf 56 erhöht. Die Erhaltungskosten betrugen