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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-08 · 23 (8.6.1900) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
23 (8.6.1900)
Date
1900-06-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 428 Dr. Bloch's Wochrnfchrist. Sir. 23 Resultate erzielt werden. Die Alliance hat sie durchgekostet. Wenn sie aber nicht überall das Uebelwollen nichtjüdischer Meister beseitigen konnte, so hat sie doch wenigstens das Vorurtheil, von welchem die jüdischen Kinder gegen die körperliche Arbeit beherrscht waren, zu besiegen vermocht. Dies bezeugen die an 28 Orten im Orient und in Afrika functionirenden Handwerksinstitutionen, welche circa 700 tüchtige Handwerke pflegende Zöglinge zählen. Bei Schneidern, Schuhmachern, Spänglern, und andern leichtern, bereits stark überfüllten und wenig lohnenden Handwerken werden die Zöglinge der Alliance nicht untergebracht; nur jene Handwerke werden berücksichtigt, welche eine gewisse. Physische Kraft beanspruchen, solche, welche bislang von Israeliten nicht gepflegt wurden und überdies lohnend sind. — Man mag immerhin 700 Handwerkslehrlinge im Verhältniß zu der bedeutenden Bevölkerungszahl viel zu unbedeutend finden, dars aber dabei nicht übersehen, daß die Alliance, selbst wenn sie über hundertfach weitere Mittel verfügte, sich nicht mit der Zukmft aller jener Knaben, welche ihre Schule absolviren, befasien kann. Sie muß sich lediglich darauf beschränken, anregend durch das Beispiel zu wirken. Dadurch, daß sie gebildetere, geübtere und tüchtigere Handwerker, als im Lande sind, heranbildet, zeigt sie den Bolksmassen, daß das Handwerk ein sicherer und ehrenhafter Broderwerb ist und ruft auf diese Weise in hunderten von Jünglingen, deren sie sich nicht annehmen kann, den Wunsch wach, ein ernstes Handwerk zu erlernen. Und in der That finden sie ohne Vermittlung Unterkommen. Vom Jahrmarkt des Lebens. Jüdische Combattanten im Jnf.-Regmt. Nr. 71. Immer wieder wird uns Juden von antisemitischer Seite u. A. Unlust zum Militärstand, persönliche Feigheit, Aufwendung aller möglichen Mittel, sich der Dienstpflicht zu entziehen, vorgeworfen; obzwar gerade Diejenigen, welche solche Gerüchte ausstreuen, sehr wohl von deren Unwahrheit überzeugt sind. Daher ist es Pflicht eines jeden Juden, nach Möglichkeit zur Widerlegung dieser Verleumdungen beizutragen, und so wollen auch wir, indem wir hervorragende Leistungen einzelner jüdischer Soldaten des 71. Jnf.-Reg.*) folgend schildern, einen Baustein zu diesem Vertheidigungswerke liefern. Wir entnehmen einem »Beitrag zur Geschichte des Jnf.-Reg. Galgützy Nr. 71", daß jedesmal, so oft das Regiment auf Allerhöchsten Befehl dem Feinde entgegeutrat, jüdische Soldaten rühmend sich hervorg ethan haben. Unter den auf dem Schlachtfelde von Tobitschau am 15. Juli 1866 gefallenen Kriegern finden wir einen Führer Waldsberger Ludvig, einen Führer Klar Moritz, einen Führer Steinmann Ignatz, einen Corpora! quasi Feldwebel Groß Nathan, Gefteiter Finger Josef, Gefteiter Weiß Johann. Unter den Verwundeten Führer Neu Jakob, Corpora! Deutsch Benedikt, Gefreiter Adler Johann, Gefreiter Hirsch-Dubowetz Moses, Gefteiter Schwarzer Alois, Gefteiter Hirsch Mathias, Gemeiner Haas Jakob. Gemeiner Gvldmann Josef, Comp.-Schuster Kohn Johann. Gemeiner Abraham Deutelbaum, zu Szokolow in Galizien 1842 geboren, 1864 affentirt, erhielt für sein tapferes und rühmliches Verhalten im Gefechte die silberne Tapferkeits- Medaille ll. Classe zuerkannt. Corpora! quasi Führer Nathan Donner und Gefteiter Johann Adler, zu Csejthe, Bezirk Vag- Neustadtl, 1843 geboren, 1864 afientirt, erhielten Belobungen seitens Sr. Kaiser!. Hoheit Erzherzog Albrecht für ihr kühnes und unerschrockenes Vorgehen und Aneiferung der Mannschaft zu gleich tapferem Vorgehen. Speciell Adler hat seinem tapferen Verhalten noch das Verdienst hinzugefügt, daß er durch einen Schuß von der linken zur rechten Wange im Gesicht arg verstümmelt, die chm zum Tragen übergebene Blechbüchse mit den Compagnie-Rechnuugs-Documenten und sonstigen Schriften nicht liegen ließ, sondern sie auf den Verbandplatz brachte und dort übergab. — — — — — — — — — — — — Im Jahre 1878, während der Occupation Bosniens zeichnete sich Zugsführer Heinrich Schlesinger durch umsichtige Führung seines Schwarmes, persönlich gutes Beispiel und Aneiferung der ihm unterstellten Mannschaft aus, und erhielt belobende Anerkennung vom Commandanten der zweiten Armee, FZM. Josef Freiherr von Philippovic. Zugsf hrer tit. Feld¬ *) Ergänzungs-Bezirke die slovakischen Comitate Trencssn, Arba und Tnräc in Ober-Ungarn. webel Hermann Lippner, bei der Vorhut eingetheilt, gab durch sein entschlossenes Benehmen der Mannschaft ein vorzügliches Beispiel. Als die Vorbereitungen zum Angriff auf ein türkisches Haus, welches die Insurgenten mit großer Zähigkeit vertheidigten getroffen wurden, eiferte er die Leute der eigenen Compagnie und der Nachbar-Abtheilungen an, und war selbst einer der ersten, welche zum Sturme vorgingen. Am Arme verwundet, richtete er noch ermunternde Worte an die Mannschaft der Compagnie und ging sodann im feindlichen Feuer zu seinem Compaguie- Commandanten zurück, um ihm zu melden, daß er sich auf den Verbandplatz begeben müsse. Er erhielt die silberne Tapferkeits- Medaille ll. Classe. _________ Für seine Leistungen in den Gefechten des Jahres 1882 erhielt Infanterist Moritz Popper die silberne Tapferkeits- Medaille ll. Classe, weil er sich nicht allein im Schwarmgefecht besonders hervorgethan, sondern auch beim Sturm hart den Officieren und Chargen nachfolgte, und unter den ersten war, die den. steilen Hang zur Höhe bei Krstac Planina rasch und herzhaft erklommen. Durch sein ausgezeichnetes Verhalten gab er feinen Kameraden ein leuchtendes Beispiel nachahmenswerther Tapferkeit. — — — — — — — — — — — Wir sind überzeugt, daß ebenso wie die Juden des 71. Jnf.-Reg., auch die anderer Regimenter, gleich ihren christlichen Kameraden, willig ihr Blut fürs Vaterland vergossen haben; daß die ,.vaterlandslosen" Juden auch jetzt und jederzeit das Leben hinzugeben bereit sind, wenn das Vaterland ruft; daß sie aber auch willig und fähig sind, im friedlichen culturellen Wettkampfe das Ihrige beizutragen. Wenn ihnen auch jetzt nationale und confestion.elle Intoleranz viele Wege versperrt und ihre Arbeitswilligkeit verleidet, so wünschen und hoffen wir, daß die leitenden Staatsmänner sich endlich dazu entschließen werden, in Anerkennung der Rechte der jüdischen Staatsbürger, und in Berücksichtigung der staatlichen Bedürfnisse die Juden in ihrer Ehre, ihrem Eigenthum und ihrer Existenz zu schützen. H. Der unlautere Wettbewerb. Was ist unlauterer Wettbewerb? Etwa wenn die Fürsten Schwarzenberge die darbenden Häusler auf ihren meilenweiten Besitzungen um einen Hungertaglohn von 25 bis 30 kr. zur Arbeit pressen, oder wenn der Talisweber bei einem Wochenlohn von 2 fl. bemüßigt ist, mit Weib und einem halben Dutzend Kindern von 4 Uhr Morgens bis spät in die Nacht hinter dem Webstuhl zu hocken und das Spulrad zu treten. Ist es unlauterer Wettbewerb, wenn der Großlieferant die Kaffeekörner mit Brodbohnen fälscht, oder wenn die biedere Katzelsdorfer Butterhändlerin die Margarinbutterziegel in Butterstritzel formt und um den doppelten Preis als Naturbutter verkauft. Ist es unlauterer Wettbewerb, wenn die hohen kirchlichen Würdenträger bei einem E »kommen von Hunderttausenden Gulden jährlich den niederen Landclerus bei einer armseligen Congrua von einigen hundert Gulden per anno und einem beschwerlichen Seelsorgedienst darben lasten? Ist unlauterer Wettbewerb etwa, wenn der reiche Protzenbauer sein zum Verkaufe bestimmtes Getreide anfeuchtet, oder wenn die biedere Bäuerin die für die »Stadtleut" zu Liefernde Milch mit der Hälfte Wasser mischt! Ist unlauterer Wettbewerb etwa gar, wenn der Großzüchter das Mastvieh vor der Abwage ordentlich tränkt, um Mehrgewicht zu erzielen, oder wenn der christlichsociale Hauer den Wein wästert, oder der Grinzinger oder Sievringer Weinbauer geschnittenen Weinpantsch für Eigenbau schänkt. Ist es unlauterer Wettbewerb, wenn irgend ein Staat sein Monopol dazu benützt, minderwerthiges Product um horrende Preise in Verkehr zu setzen, oder wenn der herzegowinische Hausirer eineu Juteteppich für orientalisches Product an den Mann zu bringen sucht! All dieses und noch mehr, das zu exenchlificiren unterlassen werden muß, um die Leser nicht zu ermüden, ist nichts, kommt nicht in Betracht und wird tolerirt. Unlauterer Wettbewerb nur ist, wenn der polnische Jude irgend einen Bijouteriegegenstand um einen fabelhast billigen Preis losschlägt — weil er eben nicht höhere Preise dafür zu erzielen vermag — der dann sich nicht für ewige Dauer erweist, wenn auch diese Bijouteriegegenstand echt arisches Fabrikat ist. Unlauterer Wettbewerb nur ist, wenn der jüdische Hausirer ein Kattunkopftüchel um 20 kr. an ein Landweib verkauft, die nachher lamentirt, daß die Farbe nicht bis ans Ende der Dinge dem Waschprocesse im concentrischen Laugenbade

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