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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-01 · 22 (1.6.1900) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
22 (1.6.1900)
Date
1900-06-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 22 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 415 Wunsche nach Bezirksvertretung Rechnung getragen wurde und die Heranziehung derselben zu Bezirksräthen nicht ausgeschlossen sei. — Auf den Antrag desDr. Steiner übergehend, bemerkt Redner, daß er sich bereits im Statuten-Comite gegen denselben ausgesprochen habe, da er in ihm ein Stigma erblicke und mit einer derartigen Maßnahme unter Umständen der Zweck nicht erreicht werden könnte, da doch die Wahl eines 100 fl.-Mannes, somit keines Millionärs offen bliebe. — Der Antrag auf Schaffung zweier Wahlgruppen mit je 18 Vorstehern, und Berücksichtigung einer Steuerleistung von einem Betrage bis fl. 100. — beziehungsweise über fl. 100 — ist nicht acceptabel, da man doch den Mitgliedern nicht zumuthen kann, wenn sie früher 24 Vorsteher gewählt haben, jetzt nur 18 in den Vorstand zu entsenden. — Hierauf wird die Sitzung mangels Anwesenheit der zur Verhandlung dieser Angelegenheit nothwendigen Anzahl von Vorstandsmitgliedern geschlossen. Wien. Für Donnerstag den 24. v., 10 Uhr Vormittags, hat der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde die Betsitzinhaber im israelitischen Tempel der Leopoldstadt zu einer Besprechung einberufen, um d?ren Wünsche in Bezug auf die Besetzung der vacanten Stelle des Obercantors entgegenzunehmen. Die Versammlung fand im Hotel Continental unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath Heinrich K l i n g e r statt. Der Vorsitzende begrüßte in herzlichen Worten die erschienenen Gemeindemitglieder und legte den Zweck der Besprechung dar. Nach dem Ableben des unvergeßlichen Goldstein gilt es, einen würdigen Nachfolger zu bestellen, entsprechend der Bedeutung des großen Tempels. Bevor nun der Vorstand, welcher bei seinen Berathungen von einer ausgezeichneten Fachjury unterstützt wird, an die Wahl schreitet, will er den Gemeindemitgliedern Gelegenheit geben, ihren Meinungen unumwunden Ausdruck zu leihen. Es sei wohl schwierig, allen Meinungen gerecht zu werden, aber der Vorstand werde gewiß nach Thunlichkeit auf die Wünsche der Gemeindemitglieder Rücksicht nehmen. Es sprachen hierauf die Herren Kann, Max Blum, Jac. Theumann, Karpeles, Rudolf Fuchs, Löw, Pick, Breitner und noch viele Andere, die mit warmen Worten für einzelne Candidaten plaidirten, oder dem Vorstände Ternavorschläge unterbreiteten und ihre Anschauungen über die nöthigen Qualificationen des anzustellenden Cantors kundgaben. Man vernahm Worte voll enthusiastischer Verehrung für Obercantor Heller in Brünn, und vieler Anerkennung für die vorzügliche Stimme des Obercantor Schorr in Wien. Die Mehrzahl der Redner trat indeß für die Wahl des Cantors Bela G u t t m a n n aus Budapest ein. In der ziemlich bewegten Debatte gedachte auch einer der Redner mit Dank und Anerkennung der Leistungen des I. Cantors M. Blatt während der Sedisvacanz. Seine Ausführungen fanden beim Vorstande und den Gemeindemitgliedern vollste Zustimmung. Nach Schluß der Debatte versicherte der Präsident, daß der Vorstand die geäußerten Wünsche zur Kenntniß nehmen und nach Möglichkeit ihnen Rechnung zu tragen trachten werde. Wien. Carl G o l d m a r k hat aus Gmunden an den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien nachstehendes Schreiben gerichtet: „Meine hochgeehrten Herren! Die Ehrung und Auszeichnung, die Sie anläßlich meines siebzigsten Geburtstages durch Uebersendung der prachtvollen Adresse, sowie der Kundgebung sympathischer Gesinnung mir erwiesen, haben mich gerührt und ergriffen. Die Achtung meiner Mitbürger ist wohl das Schönste, was ich erstreben kann. Empfangen Sie, hochgeehrte Herren, den Ausdruck herzlichsten und innigsten Dankes Ihres allezeit treu ergebenen Carl Goldmark." An Baurath Stiaßny, als Präsidenten für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums hat er nachstehendes Schreiben gerichtet: „Meine hochgeehrten Herren! Empfangen Sie meinen herzlichsten, innigsten Dank für die große Ehrung und Auszeichnung, die Sie mir durch Ueberreichung der schönen Adresse anläßlich meines siebzigsten Geburtstages bereitet haben. Ich bin mir des Werthes der sympathischen Gesinnung so hervorragender, ausgezeichneter Männer voll bewußr. Herzlichst dankt nochmals des löblichen Vorstandes sehr ergebener Carl Goldmark." Wien. Löbliche Redaction! Ich erlaube mir im Interesse Ihrer Leser auf Folgendes anfmerksam zu machen: Am Vorabende der Wahl des I. Wahlkörpers im I. Bezirke wurde mir die mir unfaßbare Mittheilung gemacht, daß unter anderen Scheinliberalen auch der Leinwandhändler Wilhelm Raunegger, I. L i ch t e n st e g N r. 4 zu den Antisemiten gehöre und jedesmal noch antisemitisch gewählt hat. Ich kenne diesen Mann seit vielen Jahren und konnte nicht glauben, daß er zur rückschrittlichen Partei gehöre. Ich wurde jedoch gestern am Wahltage des ersten Wahlkörpers des I. Bezirkes von meinem falschen Glauben befreit, als ich in der aus lauter Antisemiten bestehenden Wahl-Commiffion auch diesen Herrn als Commiffionsmitglied fungiren sah, er genirte sich jedoch so zu sitzen, daß ihn jeder Wähler, worunter ja viele seiner Kunden waren und liberal wählten, sehen konnten, er saß, nicht ohne Absicht, mit dem Rücken zu den Stimmzettelabgebenden. Wenn die Antisemiten die Parole ausgeben: „Kauft nicht bei Juden", ist es Pflicht der Juden zu sagen: „Kauft nicht bei Antisemiten." Es ist sehr wahrscheinlich, daß auch noch andere Scheinliberale in den verschiedenen Commiffionen saßen und es wäre für Ihre Leser eine dankenswerthe Belehrung, wenn Sie die Namen erfahren und veröffentlichen würden. In der inneren Stadt könnten Sie dies durch Herrn Bezirksvorsteher Picker (strenqliberal) erfahren, ebenso im II. Bezirke und im IX. Bezirk. Bis zur Eruirung aller Commissions-Mitglieder, könnten Sie Herrn Wilhelm Raunegger vorerst Ihren Lesern bekannt geben. Hochachtend S. Heit Wien. (Generalversammlung.) Donnerstag den 23. v. M. fand im Sitzungssaale der hiesigen israelischen Cultusgemeinde die IV. ordentliche Generalversammlung des Vereines „Ferienheim" statt. Zu derselben waren nebst vielen Vereiusmitgliedern erschienen die Herren Baurath R. v. Goldschmiedt, Architekt Fleischer, Dr. Alfred Berger; die Damen: Rosa Zifferer, Präsidentin, Regine Koppel, Bice-Präsidentin des Vereines Kinderhort, Frau Dr. Frischauer, Präsidentin des Vereines Kinderhort. Den Vorsitz fiihrte die Präsidentin Frau Dr. Grüufeld. Dieselbe eröffnete die Versammlung, indem sie die Erschienenen begrüßte, und das Wort ergriff, um den Geschäftsbericht zu erstatten. Die Schriftführerin Frau Amelie Strauß erstattete sodann den Colonialbericht. Hierauf brachte Herr Wilhelm Freiberg den Bericht der Revisoren zur Verlesung und beantragt, dem Vorstände das Absolutorium zu ertheilen. (Einstimmig genehmigt.) Zum Schluffe wurden die bisherigen Mitglieder des Vorstandes und die Herren Revisoren per acclamation wiedergewählt. Wien. (Der erste Bericht des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis.) Im Nachstehendem theilen wir die Resultate mit, die der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis nach den ersten vier Monaten seines Bestandes erzielt hat: „Während der Zeit vom 15. November 1899 bis 26. März 1900 wurde das Bureau (Taborstraße) von 17.210 Arbeitsnehmern besucht. An Werktagen betrug die Besucherzahl durchschnittlich durchschnittlich 146, an Sonn- und Feiertagen 58. Die stärkste Besucherzahl an einem Werktage war 210, die schwächste 64; die stärkste an einem Sonn- oder Feiertage 84, die schwächste 12. Die Zahl der Anmeldungen von Arbeitnehmern betrug im Ganzen 3.878, an Werktagen durchschnittlich 33, an Sonn- oder Feiertagen durchschnittlich 10. die Zahl der Anmeldungen von Arbeitgebern im Ganzen 1.362. Das Bureau erzielte seit seinem Bestände 475 Vermittlungen und zwar wurden angestellt von männlichen Arbeitskräften: 27 Hilfsarbeiter. 8 Laufburschen, 1 Kutscher, 1 Hausbesorger, 1 Möbelpacker, 2 Anstreicher. 10 Schneider und Zuschneider, 4 Schuhmacher, 2 Hutmacher, 2 Riemer, 11 Tischler, 2 Drechsler, 1 Faßbinder, 2 Spängler, 1 Installateur, 9 Schlosser, 3 Metallarbeiter, 1 Maschinist, 1 Mechaniker, 3 Buchbinder, 5 Schriftsetzer, 1 Mufiklehrer, 1 Zahntechniker, 1 Friseur. 5 Lehrlinge, 9 Acquisiteure, 18 Geschäftsdiener, 1 Scontist. 3 Magazineure. 3 Strazzisten, 24 Comptoiristen, 6 Correspondenten, 4 Buchhalter, 31 Commis, 10 Platzagenten und Platzvertreter, 1 Expedient, 47 Praktikanten, 9 Kanzlisten und Schreiber. 1 Stenograph, 1 Advocaturscandidat, 1 Anstaltslehrer, 17 Hauslehrer, 3 Sprachlehrer, 2 Religionslehrer; von weiblichen Arbeitskräften: 14 Hilfsarbeiterinnen, 1 Laufmädchen, 1 Wäscherin, 8 Modistinnen, 18 Schneiderinnen, 2 Juponsarbeiterinnen, 1 Ausfertigerin, 6 Weißnäherinnen, 1 Maschinstrickerin, 1 Fransenknüpferin, 3 Goldschleiferinnen, 12 Lehrmädchen, 2 Kellnerinnen, 2 Wärterinnen, 6 Wirthschasterinnen, 6 Köchinnen, 6 Mädchen für Alles, 1 Bedienerin, 2 Stubenmädchen, 5 Kindermädchen, 18 Bonnen, 4 Stenographinnen und Kanzlistinnen, 1 Strazzistin, 27 Comptoiristinnen, 1 Correspondentin, 2 Buchhalterinnen,

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