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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-01 · 22 (1.6.1900) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
22 (1.6.1900)
Date
1900-06-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 410 Vr- Vloaz s Wochenschrift Nr. 22 schädigt, insofern als sie nicht irgendwie als Beamte verwendet werden. In industriellen Unternehmungen dürfen sie als Fremde nicht mehr als den vierten Theil der Arbeiterschaft ausmachen Es ist also leicht verständlich, wenn sie im Kampf ums Dasein unterzugehen fürchten und in die unbekannte Fremde flüchten. Zu diesen staatlichen Drangsalirungen kommt für die Lage der armen, gedrückten rumänischen Juden verschlimmernd der entsetzliche Lärmantisemitismus hinzu, der von theilweise sehr hochgestellten Beamten, bis in die Ministerialbureaus hinein, mit allen erdenklichen Mitteln „moralisch" unterstützt und gefördert wird. Das offenkundige Ziel dieser Antisemiten ist ganz einfach, die rumänischen Juden durch neue „Fremdengesetze", in Wahrheit „Judengesetze" zum Lande hinauszutreibeu Und zu all diesen wahrhaft barbarischen Absichten sagt die Regierung unter König Karol Ja und Amen! Kinderraub in Bosnien. Ueber das Erscheinen der bosnischen Deputationen von Mohamedanern in Budapest berichtet der Wiener Correspondent, des „Berliner Tagblatt" wie folgt: Die Entsendung der Deputationen an Kaiser Franz Josef erregt hier großes Aufsehen. Die Deputationen wollen sich mit ihren Beschwerden direct an den Monarchen wenden, und der Umstand, daß ihre Mitglieder aus allen Theilen der occupirten Provinzen gewählt wurden, beweist, das es sich nicht um locale Schäden da oder dort, sondern um eine förmliche Landesbeschwerde in wichtiger Angelegenheit handelt. Die Memoranden, die die Deputationen dem Monarchen übergeben wollen, behandeln die in den Unnaländern betriebene katholische Propaganda. Wenn selbst von officiöser Seite zwanzig Fälle zugegeben werden, daß Kinder geraubt, halbwüchsige Mädchen entführt, Männerund Frauen durch Geld oder Ueberredung zum K ath o li ci s m us bekehrl worden sind, und zur einzigen Entschuldigung erwähnt wird, man dürfe darum nicht glauben, daß es sich um hunderttausend Fälle handle, so sind die bosnischen Zustände wohl zur Genüge beleuchtet. Es bleibt dabei ziemlich gleichgiltig, ob die bosnische Landesregierung , eine active Rolle spielt oder blos die Mißbräuche der geistlichen Be- ' Hörden und Ordensvereinigungen duldet. Der Mohamedaner findet nun einmal nicht sein Recht und wendet sich, einer orientalischen Sitte folgend, direct an den Souverän. Wiederholt habe ich bereits darauf hingewiesen, daß die katholische Propaganda in Bosnien und der Herzegowina eine ernste Gefahr für die Ruhe und den Frieden in diesen Provinzen bildet. Der oberste Chef der Landesregierung, gemeinsamer Finanzminister v. Kallay, gehörte, bevor er in den Staatsdienst trat, der clerical-oppositionellen Fraction Sennyey's im ungarischen Reichstage an. Ob er bei der Duldung oder Förderung der geistlichen Uebergriffe persönlichen Neigungen folgt, oder ob er mit seinem Amte gerade wegen seiner clericalen Gesinnung bekleidet wurde, braucht wohl nicht weiter untersucht zu werden. , Sicher ist, daß die confefsionellen Umtriebe fortgesetzt eine hochgradige Erregung in der bosnisch-herzegowinischen Bevölkerung erzeugen. Die Tragweite der Gefahren, die damit heraufbeschworen werden, scheint in gewiffen Regierungsämtern stark unterschätzt zu werden. Man darf wohl hoffen, daß der Gerechtigkeitssinn des Kaiser Franz Josef, an den sich die bosnischen Mohamedaner nun direct wenden. Ordnung schaffen und sogenannten „Culturbestrebungen", die in Vergewaltigung bestehen, in den occupirten Provinzen ein Ende machen wird. Der „Frankfurter Ztg." wird telegraphisch gemeldet: B u d a p e st, 24. Mai, 8.10 N. Eine seit zwei Wochen hier weilende Deputation aus Bosnien und der Herzegowina, die eine Audienz beim König nachsuchte, um gegen die bosnische Verwaltung speciell den gemeinsamen Finanzminister Kallay und wegen confessioneller Beschwerden Klage zu führen, wurde mit ihrem Ersuchen abgewiesen. Die Deputation versuchte sodann eine Audienz beim türkischen Generalconsul zu erlangen, wurde aber auch hier abgewiesen. Einem Mitarbeiter des „Egyetertes" gegenüber äußerten sich die Mitglieder dieser Deputationen mit großer Erbitterung über die gewaltsamen Taufen mohamedanischer Kinder durch die Jesuiten. Nach ihren Angaben wurden bisher vier Mädchen und zwei Männer, welche sämmtlich mit Namen angeführt worden, nach Dalmatien geschleppt und dort getauft. Ebenso wurde eine Frau mit einem 13jährigen und einem iV-jährigen Mädchen dahin gelockt und getauft. Eine Frau aus der Gemeinde L u b u s k a war mit ihrer Tochter nach Dalmatien gezogen und dort getauft worden. Als das Mädchen großjährig geworden war, wollte es nach Lubuska znrückkehren und wieder zur mohamedanischeu Religion übertreten. Als aber die Gendarmerie von dieser Absicht des Mädchens erfuhr, wurde dasselbe nach Dalmatien zurückgetrieben. Zumeist seien es Bauernkinder, welche fortgeschleppt werden, da man ihrer in den Dörfern leichter habhaft werden könne. Bei den Regierungsstellen erhalte man auf Beschwerden stets die Auskunft, daß die Regierung nichts thun könne. Die intereffanteste von den gewaltsamen Taufen sei diejenige der Fata Omanovics, welche Herr v. K a l l a y in seiner gestrigen Rede ohne Nennung des Namens erwähnte. Ein katholischer Kmet und der Diener des katholischen Bischofs B u c s a v i c s nahmen das vierzehnjährige Mädchen mit sich. Nach einiger Zeit hörte man, daß das Mädchen in einem katholischen Kloster getauft worden sei und dort festgehalten werde. Die Mohamedaner von Mostar begaben sich zum Kreisleiter Baron P i t t n e r, der sich in wegwerfendem Tone über das Mädchen äußerte, obgleich es ein gutes, anständiges Geschöpf war. Schließlich versprach Baron Pittner, elwas in der Sache zu thun. Es geschah;edoch absolut nichts. Als sich eine Deputation von 50 Mohamedanern zu Baron Pittner begab, wiederholte er sein Versprechen, schließlich kam aber doch die Antwort, die Regierung vermöge in der Sache nichts zu thun. Im October 1899 kam eine Deputation zum Kaiser und überreichte ein Gesuch in dieser Angelegenheit. Kaum war aber die Deputation nach der Herzegowina zurückgekehrt, so erfolgte neuerdings der Versuch einer gewaltsamen Taufe. Man wollte die beiden Kinder des Gutsbesitzers J b r an e v i c s aus einer Gemeinde in der Nähe von Mostar fortschleppen. Die Mohamedaner bekamen aber Wind von diesem Plane und verhinderten seine Ausführung. Die Juden in Rußland. Ein merkwüdiges Buch wird in wenigen Tagen erscheinen und ein lebhaftes Interesse auf sich vereinigen: „D i e Juden in Rußland", Urkunden und Zeugnisse russischer Behörden und Autoritäten. Aus dem Russischen übersetzt von August Scholz. (Berlin 1900. „Concordia", Deutsche Berlagsanstalt.) Interessant find schon die Schicksale des Buches, dessen Aushängebogen heute aus der Druckerei bei uns eintreffen. In einem Vorwort „zur Ocientirung" heißt es: „Im Jahre 1891 ist in Petersburg ein Buch gedruckt worden, das einen einzig dastehenden Beitrag zur russischen Judenfrage liefert. Den. Inhalt des Buches bilden Urtheile und Zeugnisse über die Juden in Rußland, sowie über die sie betreffende Gesetzgebung und Verwaltung — sämmtlich nationaler Quelle entstammend und von russischen Behörden oder angesehenen russischen Männern abgegeben. Kein Beittag ist eigens für dieses Buch verfaßt worden; dasselbe sucht vielmehr seinen Werth darin, eine gewissenhafte Zusammenstellung bereits vorhandenen Materials zu sein. Neben dem dirigirenden Senat — der höchsten russischen Staatsbehörde — und verschiedenen Minister-Comites für die jüdischen Ängelegenheiten kommen Militär- und Civil-Gouv^rneure, sowie Beamte jeden Grades aus allen Verwaltungskreisen zum Worte. Die Geistlichkeit ist durch Metropoliten, Erzbischöfe, Bischöfe und einfache Priester vertreten. Hervorragende Männer aus allen Gebieten der Wissenschaft und Literatur, sowie dir. Presse und die kaufmännischen Gilden der Großstädte Rußlands geben von der öffentlichen Meinung Kunde. Bei jedem Urtheile und Zeugnisse ist Namen und Stand der verantwortlichen Urheber, sowie Ort und Zeit quellenmäßig angegeben. So mit dem Stempel unzweifelhafter Echtheit ausgerüstet, war das Buch für die Veröffentlichung vorbereitet, noch vor derselben aber ist es spurlos verschwunden. Jetzt, nach zehn Jahren, ist ein Exemplar wieder zum Vorschein gekommen und hat die vorliegende deutsche Uebersetzung ermöglich!. Dieses Exemplar wird dem British Museum in London übergeben und somit fortan Jedermanns Einsicht zugänglich sein. So ist das Buch von 1891 seinem scheinbar unabwendbaren Schicksal der Vernichtung entrissen, und dank einem glücklichen, wunderbaren Zufall ist ein historisches Document von unvergleichbarem Werth für die Wahrheit gerettet; bleiben in demselben noch für die Dauer der Zeiten wohlbewahrt die Zeugnisse und Urtheile über die Juden in Rußland und über das Recht in der russischen Judenfrage, alle abgegeben von der besten russischen Patrioten, den Vertretern der verschiedensten Berufs- und Gesellschaftsclassen ihres russi-

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