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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-06-01 · 22 (1.6.1900) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
22 (1.6.1900)
Date
1900-06-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 Dr. Lloch's Wochenschrrfk. Seite 405 heißen, ich will nicht stets gehöhnt werden und meine Kinder so verhöhnen lassen. Deshalb mögen die Juden ja nicht auf diese plumpe Anzapfung mit Feigheit, Sichverstecken und drgl. reagiren, vielmehr sollen sie, den Antisemiten zum Trotz, wo sie nur können, Namen annehmen, die dem antisemitischen Pöbel keine Handhabe zu Anrempelungen geben. Außerdem behauptet ja dies weise Volk der Racenriecher, man erkenne den Juden auf tausend Schritt, — warum sträubt es sich also gegen die Namensänderungen unter den Juden? Nur in einem Falle bin ich gegen solche Aenderung, wenn es sich nämlich um alte, historische Namen handelt. Sonst ist der Name Liman ebenso schön wie Lipmann, und wenn die Antisemiten an Ersteren nicht ihr Müthchen kühlen können, um so besser. Im Uebrigen erinnere ich mich an die Worte Goethe's: Mit Narren leben wird dir gar nicht schwer, Erhalte nur ein Tollhaus um dich her. Dr. S. B e r n f e l d. Arbeitsvermittlung. Der Kampf ums Dasein wird den Juden immer mehr erschwert; der Kreis der Gebiete auf denen sie ihre Arbeit bethätigen können, wird immer mehr eingeengt; die gewerbliche und sociale Abschließung macht immer größere Fortschritte; dem wirthschaftlichen Verkehre werden immer engere Grenzen gezogen und unsere Gegner sind noch lange nicht auf dem Höhepunkt der Maßregeln angelangt, die sie gegen Hie Inden zur Anwendung bringen wollen, auf jenen Punkt, von dem es kein weiteres Vordringen mehr gibt und wo endlich auch die größte Verfolgungssucht ein Ende nehmen muß. Sie verfolgen aber mit unverhehltem Hasse, der sich gegen die Juden als Volk und Religion wendet, ihr Ziel, ihnen die wirthschaftliche Existenz zu untergraben nnd je mehr ihre politische Macht anwächst, um so scrupelloser wenden sie dieselbe an, nicht blos im öffentlichen Leben, auf politischem Boden, sondern ebenso auf gesellschaftlichem und auf ökonomischem Gebiete, um die Juden zu verdrängen und zu bedrängen. Die Freunde geistiger, sittlicher und politischer Freiheit haben sich als zu schwach erwiesen, diesem verderblichen Kampfe, der nicht nur Existenzen zu Tausenden vernichtet, sondern den Staat auf den wirthschaftlichen Tiefstand Spaniens herabdrückt, Einhalt zu gebieten; die ethische Bewegung hat nur geringe Theilnahme gefunden; die socialpolitische Agitation beschränkt sich auf Arbeiterfragen im engsten Sinne des Wortes und was man sonst die freisinnige Bewegung nannte, existirt fast nicht mehr. Von all diesen Seiten haben die Juden auf keine Hilfe, auf keine Unterstützung zu hoffen, ihnen bleibt nichts übrig als Gottvertrauen und Selbsthilfe. An anderer Stelle mag von Gottvertrauen zu ihnen gesprochen und ihnen Muth eingeflößt werden, in diesem Kampfe auszuharren, an dieser Stelle kann ihnen nicht dringend genug die Selbsthilfe ans Herz gelegt werden. Gelangt der Staat in mittelalterliche Zustände und wendet er mittelalterliche Mittel an, nun so müssen auch wir uns, wie es im Mittelalter geschah, fest aneinanderschließen und zu einander stehen. Und wie unsere Feinde anfangen die Unterschiede zwischen dem reichen und armen Juden aufzuheben und sie Beide mit gleichem Maße zu messen, mit gleicher Härte zu verfolgen, mit gleicher Mißachtung zu kränken, nun so müssen die reichen und die armen Juden, welche die gleiche Schmach tragen und empfinden^ sich auch zur Abwehr einigen. Aus unserer eigenen Kraft heraus können wir nichts Anderes thun als einerseits die geistigen Potenzen immer mehr entwickeln und auf idealem Gebiete unentwegt fortschreiten, zur Hebung des eigenen und des fremden Culturzustandes beitragen und die „bessere" Zeit anbahnen helfen; anderseits aber müssen wir die wirtschaftlich Schwachen in unserem Volke zu kräftigen uns bemühen, die Aufrechtstehenden stützen, auf daß sie nicht wankend werden, müssen die Zahl der Opfer zu verringern suchen, die dieser Kampf fordert, und der wirthschaftlichen Noth entgegenwirken, die über eine große Zahl unserer Volks- und Glaubensgenossen hereinzubrechen droht. Wer aufmerksamen Blicks die Ereignisse verfolgt, die sich in unserem Vaterlande vollziehen, dem kann es nicht entgangen sein, daß sich der Kampf gegen die Juden zumeist darin kundgibt, daß man ihnen die Arbeit entzieht, theils indem man sie factisch nicht beschäftigt, theils indem man ihnen die Möglichkeit rauben will, einem Erwerb nachzngehen. Da tritt denn an die Inden die Pflicht heran, sich mit allen Mitteln nicht blos zu widersetzen, sondern entgegenzuwirken und es gibt kein anderes Mittel, als den von der Arbeit Verdrängten — Arbeit zuzuweisen. Wir haben in Wien mehrere Vereine, die sich mit der Aufgabe beschäftigen, jüdische Arbeit zu heben. Wir haben den Handwerkerverein, der die Jungen ausbildet; den Verein zur Hebung der Gewerbe; den Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Gewerbetreibender; die Hirschstiftung; verschiedene Frauenvereine, die alle segensreich wirken, aber in decentralisirter Organisation nicht die Kraft entwickeln können, deren Aufgebot zum Widerstande gegen den übermächtigen Feind erforderlich ist. So nützlich jede dieser Institutionen für sich allein wirkt, in Zeiten einer so großen Gefahr, wie sie jetzt herangekommen sind, thut ein festeres Zusammenschließen Noth und indem wir diesem Vorgehen das Wort reden, machen wir zugleich auf jenen Verein aufmerksam, der nicht nur ein unentbehrliches, ja unersetzliches Glied in der Kette der Abwehreinrichtungen bildet, sondern geradezu zum Bindeglied werden kann, weil er in seiner umfassenden Competenz allen zu dienen in der Lage ist: es ist dies der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Die Noth der Zeit hat diesen Verein gegründet. Von dem städtischen Arbeitsnachweis, der auf Kosten aller Bewohner der Stadt, aller Nationalitäten und Confessionen, die in der Residenz ihren Wohnsitz haben, erhalten wird, ausgeschlossen, mußten die menschlich fühlenden Juden einen Verein gründen, der die vom städtischen Amt nicht erfüllte Aufgabe löst, Arbeit ohne Rücksicht auf Glauben und Abstammung zu verschaffen. Arbeit geben, heißt nicht blos Brod geben, nicht blos ein momentanes Bedürfniß befriedigen, nicht blos zeitlich erhalten, nein es bedeutet viel mehr, es bedeutet Gegenwart und Zukunft vereinen, es bedeutet die Cadres der Armen Zusammenhalten, es bedeutet die Lücken ausfüllen, die sinnlose Wuth und Gehässigkeit dem Einzelnen und der Gesammtheit zufügt, es heißt die Kräfte stählen und dauernd erhalten, damit an ihnen die Macht des Feindes zerschelle. So ist der Arbeitsnachweis, die Erziehung zur Arbeit, die Befestigung in der Arbeit gedacht und so ist sie auch ausgeführt worden. Nach wenig Monden zählt die Existenz des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis und wie viel des Guten hat er geschaffen. Obwohl er noch die Kinderkrankheiten durchzumachen, die Organisationsschwierigkeiten zu überwinden, schwere Vorurtheile, Mißgunst und Unverstand zu besiegen hat, kann er doch schon auf manche Erfolge Hinweisen, die nicht blos seine Existenzberechtigung beweisen, sondern für seine Unentbehrlichkeit Zeugniß ablegen. Er hat sich nicht damit begnügt, die Anmeldungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern entgegenzunehmen und den Austausch von Angebot und Nachfrage zu vermitteln, er hat direct gesucht dem Arbeitwilligen Beschäftigung zu ermöglichen und dem Arbeitgeber die seinen Wünschen entspreckende Arbeitskraft zuzuführen. Auf alle Zweige der Arbeit manuelle und geistige, Hilfs.arbeit und selbständige Thätigkeit, Männerarbeit und Frauenarbeit hat sich seine Thätigkeit erstreckt und mehr noch als dieses, sowie er vernahm, daß es in gewissen Berufen an Arbeitsnehmern fehle, da hat er es als seine Aufgabe erkannt, erziehlich zu wirken, um Arbeitskräfte heranzubilden. Er bot nickt nur Vermittlung zur Arbeit

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