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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-05-25 · 21 (25.5.1900) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
21 (25.5.1900)
Date
1900-05-25
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 21 Vr. Bloch's WochrnfchrW. Seite 399 keinem Zweifel, daß sie im äußersten Falle ihre Drohung wahrmachen, ihn niederstechen oder niederschießen würden. Es konnte Lorenz und seinem würdigen Vater nur erwünscht sein, ihn gänzlich aus dem Wege zu räumen. Er erkannte auch, daß er trotz seiner überlegenen Körperkraft einen ungleichen Kampf gegen mit Schießgewehren Bewaffnete nicht aufnehmen könne. Allerdings that es ihm endlos weh, in dem verhängnißvollen Momente der schutzbedürftigen und schutzlosen Sara entrissen zu werden, aber gerade der marternde Gedanke an deren Verlassenheit legte ihm die Verpflichtung auf, sein Leben zu erhalten. Während er so — allerdings in raschen Gedankensprüngen — mit sich zu Rathe ging, öffnete sich die Thür und der würdige Pfarrer Willibald, von Channe begleitet, trat in das Zimmer. Diese hatte den Arzt des Städtchens nicht zu Hause getroffen und war in der Todesangst zum Pfarrer gelaufen, der ja auch medicinische Kenntnisse besaß. Der geistliche Herr war nicht wenig erstaunt, in dem Zimmer, in dem sich eine Leiche und eine Todtkranke befanden, den Gerichtsdiener mit Militärassistenz zu finden. Michael aber fühlte sich in seiner verzweifelten Lage durch den Anblick seines alten, würdigen Lehrers und Freundes wundersam gestärkt. Er durfte nun hoffen, daß Sara von der alten Channe gepflegt, von dem edlen Geistlichen vor brutalen Angriffen geschützt werden würde. „Hochwürden!" rief Michael und seine Augen leuchteten einen Moment in wieder gewonnener, gottvertrauender Hoffnungsseligkeit, „sie erscheinen mir wie ein vom barmherzigen Gott gesandter Bote! Bürgermeister Golzinger läßt mich auf die Anzeige seines Sohnes, der mich eines todeswürdigen Verbrechens beschuldigt, in den Kerker werfen. Ich bitte sie um zweifaches: — darauf zu achten, daß mich der Bürgermeister nicht spurlos verschwinden läßt, er könnte dafür seine Gründe haben; — und wenn ich, aus was für einen Grund immer, nicht zurückkehren sollte, Sara, die elternlose Weise, die ganz Verlaffene zu schützen!" „Was sprechen Sie da, Klein!" rief der Pfarrer, vor Schreck und Aufregung zusammenzuckend, „wir leben ja am Ende des achtzehnten Jahrhunderts, in einem civilisirten Staate, unter der Regierung eines gerechten Monarchen, geschützt durch geordnete Rechtspflege. Man wird bald erkennen müssen, daß die gegen Sie erhobene Anklage auf einem Jrrthum beruht und der Bürgermeister. . . ." Der Pfarrer beabsichtigt, den Bürgermeister gegen Michaelas Angriffe in Schutz nehmen, aber schon beim flüchtigsten Bedenk n mußte er sich's gestehen, daß er selbst Golzinger jeder erdenklichen Schurkerei für fähig halte, daß er ihn beruhigen müsse und er fuhr fort: „aber ich gebe Ihnen als Mensch, als Christ, als Priester mein Wort, daß ich Ihren Wunsch mit dem Aufgebote aller meiner Kräfte erfüllen werde." Klein ergriff des Pfarrers Hand, führte sie an seine Lippen und sprach: „Nur scheide ich doch beruhigter. Mein und meiner Verlobten Schicksal liegt, wie das eines jeden Menschen, in Gottes Hand. Vielleicht wird er es in seiner Allbarmherzigkeit zum Bessern lenken." Dann trat er zu dem Bette, in welchem Sara lag und sprach zu der Bewußtlosen: „Leb wohl — vielleicht für immer .... Gott segne Dich!" .... Nun folge ich Euch!" wandte er sich an die Dragoner und stürmte von diesen begleitet aus dem Zimmer. An der Hausschwelle blieb er stehen, um insbrünstig die Mesusa zu küffen. Sechsundzwanzig st es Capitel. Der Herr Bürgermeister Dominik Golzinger war zur gewohnten Stunde aus seiner Wohnung ins Amt gegangen, hatte vor Allem den Bericht des Gerichtsdieners eitgegengenommen, hatte aber sonst in seinem Bureau den Amtsgeschäften wenig Aufmerksamkeit zugewendet. Er sei heute nicht vollkommen wohl, hatte er zu dem Rathe Weckelsbach gesagt; er müffe sich entweder eine heftige Erkältung oder Indigestion zugezogen haben, und er wolle sich daher etwas früher zurückziehen. Man mußte seinen Worten Glauben schenken, denn er sah in der That schrecklich aus; seine Gesichtsfarbe war aschgrau geworden, seine Augen erschienen matt und glanzlos und waren von blauen weiten Ringen umrandet, seine Lippen violett. Bürgermeister Golzinger verließ daher gegen seine sonstige Gewohnheit schon um halb zwölf sein Bureau, um nach seinem, dem Amtsgebäude gegenüberliegenden Wohnhause zu gehen. Sonst Pflegte er stolz, gravitätisch, hoch erhobenen Hauptes die kurze Strecke zurückzulegen. Heute schlich er gesenkten Kopfes und Jedem, der ihn aufmerksam beobachtete, hätte die Ungewöhnlichkeit seines Gehabens, die Ungleichartigkeit seiner Gangart auffallen müffen. Bald eilte er raschen Schrittes vorwärts, als könne er nicht erwarten, seine Wohnung zu erreichen; bald blickte er sich erschreckt um, ob sein eiliges Hasten nicht bemerkt würde, auffallend erscheine, verlangsamte wieder seinen Schritt, warf den Kopf in den Nacken zurück und zwang ein heiteres Lächeln auf seine Lippen, das zu seinen harten Zügen nicht paßte. Endlich war er in dem Flur seines Hauses angelangt. Nun stürzte er athemlos die Treppe hinauf und rief: „Ist Lorenz zu Hause?" und da die Frage verneint wurde, sandte er sofort das Dienstmädchen in das Officiers- Kaffeehaus, wo man Lorenz um diese Zeit vermuthen konnte, ihn sofort zu seinem Vater zu rufen. Golzinger konnte vor Ungeduld deffen Ankunft nicht erwarten und trat von Zeit zu Zeit ans Fenster, um zu sehen, ob Lorenz schon in Sicht sei. Als dieser endlich ins Zimmer trat, war sein erstes Wort: „Ist der Lump schon verhaftet, liegt er schon in Ketten im Kerker?" Golzinger fuhr wüthend auf ihn los und rief, vor Zähneknirschen und vor Wuth fast unverständlich: „Freilich habe ich ihn verhaften laffen; — aber Du hast mir da eine saubere Suppe eingebrockt! Herr Gott im Himmel! Wenn Dich nur nicht der Teufel in Deine Vaterstadt zurückgeführt hätte, wenn Dich der Donner in Pest oder sonstwo zehntausend Klafter tief in die Erde verschlagen hätte! . . . Bor Allem — warum hast Du Dich n cht mehr um Deinen angeblich erschlagenen Spießgesellen gekümmert? Wodurch kannst Du den Beweis erbringen, daß der Jude in der That einen Menschen erschlagen, wenn das Corpus delicti fehlt? Ich habe sofort zwei verläßliche Männer auf die Landstraße geschickt, von einem Tobten war keine Spur nnd auch in den umliegenden Dörfern hatte Niemand eine Leiche auf der Straße liegen sehen." „Dann hat der schlaue Jude sie rasch bei Seite schaffen lassen." „Alberner, sinnloser Mensch! Michael Klein hat etwas Anderes zu thun gehabt, als sich um den angeblich Erschlagenen zu kümmern. Aron Brack, sein Wohlthäter und zweiter Vater, ist nach Michael's Ankunft, wahrscheinlich in Folge des Schreckens plötzlich gestorben, seine Pflegeschwester und Verlobte ist plötzlich tödtlich erkrankt. „Die Wahrheit ist: Dein Complice ist gar nicht getödtet, er ist nur von dem wuchtigen Hiebe des Riesen betäubt worden. Er hat es, als er zur Besinnung erwachte, mit Recht als das Vernünftigste befunden, sich aus dem Staube zu machen. Also: Deiner Anklage gegen Michael Klein fehlt jede Unterlage, sie zerfällt in Nichts! Ich würde mich höchst verdächttg machen, wenn ich auf Deine unerwiesene und unerweisliche Behauptung hin gegen Klein eine Untersuchung führen wollte. Der schlaue Fuchs, Rath Weckelsbacher. der mich schon lange aus meiner Stellung gedrängt und meinen Platz eingenommen hätte, wäre im Stande, hinter meinem Rücken eine Denunciation an den Appellationspräfidenten nach Brünn zu senden." „Herr und Gott! Wenn Du Michael Klein auf freien Fuß setzest, ist mein Leben keinen Schuß Pulver werth, der Mensch wäre im Stande, mich auf offener Straße zu tödten." „Wenn ich Dich auch nicht mehr als meinen Sohn lieben kann, muß ich doch Deinen Heldenmuth als Krieger bewundern", ironisirte Golzinger. „Elende Schandseele! Schämst Du Dich nicht in Deinen Hals hinein, als Officier den Tod durch einen unbewehrten Mann zu fürchten?" „In heldenmüthigem Kampfe zu sterben, ist ehrenvoll; aber meuchlerisch von der Hand eines racheschnaubenden Juden zu fallen..." „Phrasenheld!" höhnte der Vater . . . „Ich befinde mich in einer höchst fatalen Lage. Ich muß es verhindern, daß Michael Klein vor ein Richtercollegium kommt. Während man ihm nicht das Geringste beweisen kann, wird er gegen Dich be gründete Anklagen erheben. Da Du Officier bist, müßte das Civilgericht die Acten an das Regimentscommando abtreten, dann bist Du rettungslos verloren! Und ich kann ihn ja, wenn die Untersuchung gegen ihn nicht eingeleitet werden soll, nicht länger in Haft laffen." „Vater, könnte man den Menschen nicht im Kerker umbringen? es könnte ja dann heißen, er habe sich aus Furcht vor

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