Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 21 (25.5.1900)
- Date
- 1900-05-25
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 400 Nr. 21 Dr. Bloch'? WorlrenschrrfL» der Strafe entleibt! Ich ließe mich's mein halbes Vermögen kosten; — wenn es gar nicht anders ginge, würde ich den gefesselten Mann selbst mit meinen eigenen Händen erwürgen!" „Einen gefesselten, wehrlosen Mann erwürgen! Das wäre eine That, eines solchen Helden, wie Du es bist, würdig. Aber Dein höllischer Plan ist nicht ausführbar; und war er es, ich würde die Unthat verhindern! Das wäre nicht schlecht, wenn ich um eines solchen Sohnes Willen, ein solches Verbrechen gestatten würde! Aber Michael Klein hat mit bewunderungswürdiger^Umsicht auch die Möglichkeit Deines satanischen Gedankens in Betracht gezogen. Er hat, wie mir der Gerichtsdiener berichtete, in dem Momente, als er ins Gefängniß geführt wurde, seinem alten Freunde und Gönner, dem Pfarrer Willibald ans Herz gelegt, dafür zu sorgen, daß er nicht spurlos verschwinde, und der Pfarrer gab ihm die heiligste Versicherung dies zu thun und über seine Verlobte zu wachen. Lorenz wurde vor Angst leichenblaß. „Wenn die Sachen so stehen/ rief er, „dann können sie das böseste Ende nehmen, das man sich nur denken kann, dann bliebe bei Gott, nichts Anderes übrig, als mir eine Kugel durchs Hirn zu jagen! . . . . Vater!" der egoistische, ehrlose Mensch sank vor ihm auf die Kaie, „erbarme Dich Deines einzigen Kindes; verzeih' mirs, wenn ich zuweilen im Uebermuthe den kindlichen Respect, den ich Dir, gütiger Vater, schulde, verletzte .... rette mich!" „Steh auf!" rief der Bürgermeister, „wäre es möglich, würdest Du Dich durch Dein demüthiges Gewinsel in meinen Augen nur noch verächtlicher machen .... Aber beruhige Dich. Vielleicht aus Schwäche, weil Du doch — Gott sei's geklagt — mein Blut und Fleisch bist, gewiß aber, weil ich auch die Schande, die auch Deine Eltern träfe von mir und Deiner braven Mutter abwenden will, werde ich das Einzige veranlaffen, was Dich zu retten vermag." „O! Du bester, Du liebster, Du nachsichtigster aller Väter, was soll geschehen?" Der Bürgermeister überlegte einen Moment, dann sprach er: „Das lasse meine! Sorge sein! — Dieses Unterredung sollte Dir nur beweisen, daß Du, trotzdem Du Baron, ich nur ein Plebejer, ein Bürgerlicher, doch ohne meinen Beistand rettungslos verloren wärst; sollte Dir eine eindringliche Lehre geben, in der Folge Deine leidenschaftlichen Begierden zu bezähmen! Jetzt aber verlasse mich. Daß Du über diese unglückliche Affaire tiefes Schweigen bewahren wirst, erwarte ich trotz Deines unerhörten Leichtsinnes doch von Dir. Du weißt, was auf dem Spiele steht!" Lorenz wollte die Hand des zürnenden Vaters ergreifen, um sie in momentan auslohender Dankbarkeit an seine Lippen zu führen; aber dieser entriß sie ihm unwillig, und Lorenz verließ schweigend, gedemüthigt das Zimmer. / > (Fortsetzung folgt.) Literatur. Dr. Max Freudeuthal. Aus der Heimat Mendelssohn's (Berlin 1900, F. I. Lederer.) Vorliegendes Werk ist eine willkommene Gabe für Alle, welche sich für die Geschichte der Juden in Deutschland interestiren. Moses Mendelssohn bildet den Scheidepunkt dieser Geschichte und seiner Familie und Heimat sind die Forschungen des Autors gewidmet. Seine eifrigen Nachforschungen haben zu dem überraschenden Ergebniß geführt, daß Mendelssohn in der That, wie er in einem seiner Briefe angibt, von einem der berühmtesten rabbinischen Gesetzeslehrern aus dem 16. Jahrhundert, von Moses Jfferles, abstammt und dessen Familie, nämlich diejenige des Hofsactors Moses Benjamin Wulff, in der anhaltinischen Residenz ihren Wohnsitz ausgeschlagen und dort in verwandtliche Beziehungen zu den Eltern Mendelssohn's getreten ist. Diese Familie ist aber auch in anderer Beziehung sehr intereffant und könnte schon um ihrer eigenen Bedeutung willen eine Darstellung beanspruchen. Moses Benjamin Wulff lebte zuerst in Berlin, von wo er durch die Intervention eines Gegners von dem großen Kurfürsten im Jahre 1686 ausgewiesen wurde. Er zog nun nach Deffau und erhielt bald eine merkwürdige Vertrauensstellung bei den Fürsten von Dessau und Gotha, die für Wulff sogar gegen den Kaiser auftraten. Unter dem alten Dessauer stieg Wulff zu hohem Ansehen. Später kam es zum Bruch zwischen ihm und dem Fürsten von Gotha, und König Friedrich t. von Preußen mußte den Streit schlichten. Der ganze Herausgeber und verantwortlicher Redaeteur: Dr. Jos, Proceß ist von höchstem Interesse für die damalige Art der Rechtspflege. Die Familie des Hoffactors Wulff gelängte in Dessau, Halle, Leipzig und namentlich in Berlin zu hohem Ansehen. Es war dies die Familie von Daniel Jtzig, deren Kinder in den Wiener und Berliner Salons später eine so bedeutende Rolle spielten. Der Hosfactor Wulff hat aber noch eine literarische Bedeutung durch die hebräische Druckerei, die er in Dessau begründete, in Berlin, Halle und Köthen fortsetzte. So verschlingen sich vie Fäden dieser Familiengeschichte mit denen der allgemeinen Culturgeschichte und insbesondere der Culturgeschichte Berlins in sehr fesselnder Weise. Der Autor des vorliegenden Buches hat es verstanden, den spröden Stoff in anschaulicher und interessanter Darstellung seinen Lesern vorzulegen, und darf man wohl weiteren Kreisen dieses Werk als eine anregende und in vieler Beziehung sehr interessante Lectüre mit gutem Gewissen empfehlen. ,_ Briefkasten. E. F. Jassy. Formvollendet, aber für unser Blatt ungeeignet. I. E. Suczawa. Die Versicherungsgesellschaft „Iluio 6atholica“ ist entschieden antisemitisch und judenfeindlich und damit erledigen sich alle übrigen Anfragen. In einzelnen Städten Galiziens kommt es vor, daß ungetanste Juden Hauptmitarbeiter der antisemitischen Hetzblätter sind. Deswegen kann es auch geschehen, daß Juden als Acquisiteure austreten für antisemitische Versicherungsgesellschaften. Sapienti sat. Arthur B. Die Liebe zur hebräischen Sprache ist bei manchem christlichen Gelehrten auf curiose Weise geweckt worden. Der berühmte Theologe Conrad P e l l i k a n erzählt z. B., daß die Leidenschaft für das Studium dieser Sprache in seinem Herzen erwachte, als er in seinem elften Jahre (im Jahre 1489) erzählen hörte, ein jüdisches Weib habe einen christlichen Doctor der Theologie beim Disputiren durch ihre Antworten in Verlegenheit gesetzt. W. b. Die kleine aber bemerkenswerthe Schrift von Prof. Dr. David Kaufmann: „Wie heben wir den religiösen Sinn unserer Mädchen und Frauen?" ist 1893 als Artikel in der „Oesterreichischen Wochenschrift" erschienen. Sie bildete eine „Antwort an Herrn Wilhelm v. Gutmann". M. 91. Das hat schon Dr. Adolf Jellinek in seiner flammenden Sprache gesagt: „... Aber nicht blos in den Cloaken der Gesellschaft hausen unsere Feinde, sondern auch in den höheren .Schichten, in prunkenden Salons, in akademischen Hörsälen, auf Ministerfauteuils, unter Gebildeten und Aufgeklärten herrschen schädliche Vornrtheile gegen uns und werden verletzende Urtheile, oft aus Unwissenheit, gegen uns gefällt." W. L gg. Von K a t h a r i n a II. von Rußland rührt der Ausspruch her: „In einem großen Reiche, dessen Herrschaft sich über so viel verschiedene Völker erstreckt, als es verschiedenen Glauben unter den Menschen gibt, wäre Intoleranz der gefährlichste Fehler". Leider haben nicht alle Nachkommen der genialen Frau so gedacht. Aufruf. Edle Wohlthäter! Ein hiesiger vollkommen unbemittelter Glaubensgenosse, Vater von 5 Kindern, von denen 2 Krüppel sind, suchte für sich und seine L3jährige Tochter um Aufnahme zum Curgebrauche bei der Direction des 'karlsbader israelitischen Hospitals an, nachdem der hiesige Herr Dr. S. Vondörfer Beiden den Curgebrauch in Karlsbad als unbedingt nothwendigt angeordnet hat. Das Gesuch war vom Cultusvorstand bestens befürwortet, da es allgemein bekannt ist, daß der Gesuchsteller ein höchst ehrlicher, fleißiger, rechtschaffener und frommer Mann ist, der sehr kümmerlich seine Familie ernährt. Eingereicht wurde das Gesuch am 20. Jänner und heute am 15. Mai bekam der Bedauernswerthe erst die Erledigung, daß selbes wegen Mangel an Raum im Hospitale nicht berücksichtigt werden kann. Mit Rücksicht auf die Stellung, die der Betreffende bekleidet, kann er selbst um Unterstützung an Niemanden herantreten, Verwandte, die ihm behilflich sein könnten, hat er nicht, und ohne ehester Hilfe in Carlsbad ist er so auch seine Tochter nicht im Stande ihre vollkommene Gesundheit zu erlangen, so auch die Unterstützung welche ihm unsere Israelitische Cultusgemeinde gewähren kann, genügt nicht für Beide zum Curgebrauch in Carlsbad. Angeführte Gründe veranlassen mich, an die bekannte Hnmaniät edler Glaubensgenossen zu appelliren und um gütige Spenden für den Bedauernswerthen zu bitten. Jede Spende übernimmt und bestätigt in diesem Blatte mit bestem Dank im Voraus Hochachtungsvoll Max L i l l i n g Fabriksleiter d. z. Cultusvorstand-Stellvertreter Deutschbrod in Böhmen, 15. Mai 1900. S. Bloch. — Druck vou L. Beck L Sohn, Wien, VIII.