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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-05-25 · 21 (25.5.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
21 (25.5.1900)
Date
1900-05-25
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Helte 398 Nr. 21 Dr. Bloch's Wochrnschrrfl. Revision im dortigen Frauenkloster, die er vornahm, um nach der entführten Michalina Araten zu forschen, vom Bezirksgerichte Keuch zu zehn Tagen Arrest verurtheilt wurde, ist in zweiter Instanz vom hiesigen Kreisgericht freigesprochen worden. Gablonz. In den Borstand der israelitischen Cultusgemeinde wurden die Herren Dr. Herrmann Adler, M. D ub, Josef Epstein, Emanuel Fischl, Leopold Kohn, Emanuel Lederer, Daniel M e n d l, Adolf Schindler, Ludwig Steiner berufen, welche bei der Cvnstituirung Herrn Daniel Mend l zum Cultusgemeinde - Vorsteher und Herrn Emil Lederer zum Stellvertreter und Tempelvorsteher wählten. Mahr.-Dudwitz. Sonntag den 20. Mai, um 3 Uhr Nachmittags hielt der k. k. Notar zu Jamnitz Herr Dr. Gustav Lederer, rin durch hohe Bildung, Charakter und Munificenz ausgezeichneter Mann, hier einen Vortrag über die jüdische Religion und Erziehung in derselben. Der geehrte Redner, ein selbst von Humanität erfüllter, begeisterter Anhänger des Judenthums, im Gegensatz zu den vielen unserer Glaubensgenossen in seiner Lebensstellung, beleuchtete durch treffliche Citate, daß „Religion", „Wahrheit" und „Nächstenliebe" verkörpert. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten die Zuhörer, Jung und Alt. welche sich zahlreich eingefunden, auf die geistreichen Erörterungen des geschätzten Rttmers, der das Thema in geschickter Weise in einen übersichtlichen Zusammenhang zu verflechten verstand, daß jeder aufmerksame und denkende Zuhörer ein vollendetes mit klaren Umrissen gezeichnetes Gesammtbild vor Augen hatte. Der Vortrag hat auf sammtliche Zuhörer einen sichtlich wohlthuenden Eindmck gemacht und ist allseitig dem Wunsche Ausdruck gegeben, den geschätzten Redner noch recht oft in unserem Vereine zu hören. A. K. Frankfurt a. M. (HosPitalbauinJerusalem.) In der jüngsten am 7. Mai stattgehabten gemeinschaftlichen Sitzung des gesammten Centralcomitss wurde Herr Districtsrabbiner Nathan Bamberger-Würzburg als Mitglied des Comitös an Stelle seines leider so früh Heimgegangenen Bruders des Herrn Districtsrabbiners M. L. Bamberger-Bad-Kissingen gewählt. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von G a b r i e l. (Fortsetzung.) Fünfundzwanzigstes Capitel. Michael Klein befand sich in einer furchtbaren Lage. Sein bester Freund, sein Pflegevater war ihm mit erschütternder Plötzlichkeit entrissen worden, er war, als er sein Kind leblos in Michael's Armen sah, dem jähen Baterschmerze erlegen. Die Entsetzlichkeit des Momentes wurde noch dadurch erhöht, daß Sara noch immer nicht aus ihrer Bewußtlosigkeit erwachte. Michael war rathlos, in seiner Verzweiflung schrie er laut auf; aber es hörte ihn nur die alte Magd, die jetzt ins Zimmer stürzte und, ebenso fassungslos wie Michael, das schreckliche Bild: den todten Mann, das ohnmächtige Mädchen, den entsetzten Michael anstarrte. Die alte Channe, die schon bei Sara's Großmutter im Hause gewesen, hatte Erfahrung, sie hatte im Leben viele Kranke und viele Todte gesehen. Als sie sich mit der Anspannung aller ihrer Kräfte zur Besinnung emporgerafft hatte, trat sie zu dem Lehnstuhl, in welchem Aron Brack gesunken war, holte rasch Siegellack aus der Tischschublade, einen brennenden Span aus der Küche und tropfte ihm glühendes Siegelwachs auf die Brust, — Brack war völlig empfindungslos. „Attb Michael", sprach sie mtt leiser, bebender Sttmme, „mein braver Balbojis*) Euer braver, choschewer Pflegevater ist echai ad**) eiugegangen. Den kann kein Mensch, den kann nur der allmächtige Gott zum Leben erwecken . . . Wer Sara athmet, ihr Busen hebt sich, sie lebt, sie ist krank, ihre Wangen beginnen sich in Fieberglnt zu röthen.... Helft mir sie ins Bett bringen. Ich muß um die Kabronim***) und um den Doctor laufen .... zuerst um diesen, — die Andern können ja nicht helfen!" Channe flog aus dem Zimmer so rasch als dies ihre zitternden Füße zuließen. Michael blieb wieder mit seinem odten Pflegevater, seiner kranken Verlobten allein zurück. — *) Hier soviel als Dienstherr. **) Ins ewige Leben. ***) Mitglieder der Beerdigungsbrüderschaft. Zu seinem tiefen Schmerze, zu seiner furchtbaren Angst um Sara's Leben, trat die wilde Wuth gegen den verruchten Schurken, gegen Lorenz Golzinger, der mittel- und unmittelbar all das entsetzliche Unheil verschuldet, sein Lebensglück vernichtet hatte. Er stürzte zu Sara's Bette, ergriff ihre fieberheiße Hand und rief wie sinnlos der Besinnungslosen zu: „Sara, um Gottes Barmherzigkeit, stirb nicht!" dann sank er auf die Knie, den Kopf in die Bettkissen einbohrend, auch von der quälenden Furcht erfaßt, wahnsinnig zu werden, oder schon wahnsinnig geworden zu sein, nur secundenlang sich der blitzarttg auftauchenden Hoffnung hingebend, zu träumen, im nächsten Augenblicke aus einem gräßlichen Traume zu erwachen. Hätte er ruhig zu denken vermocht, hätte er vielleicht den furchtbarsten Trost der Unglücklichen gefunden — es gehe ihm schon so schlecht, daß es ihm schon nicht schlechter gehen könne; allein auch dieser traurige Trost wäre ihm nicht lange geblieben, das scheinbar Unmögliche sollte sich vollführen, er sollte noch unglücklicher, noch elender werden als er schon war. Plötzlich fühlte er sich an der Schulter gerüttelt, er fuhr wild empor, hinter ihm standen der Gerichtsdiener Hans Klaas, ein Corpora! und drei Dragoner mit gespannten Karabinern. „Herr Michael Klein", sprach Klaas, „ich muß Euch verhaften. Folgt mir ohne Widerstand, es würde Euch ja doch nicht helfen. Der Herr Bürgermeister hat mir ein Piket Dragoner mitgegeben." Einen Moment blickte Michael unverstehend in das Gesicht des Gerichtsdieners. „Was will man von mir? Was verlangt man von mir?" rief er. Hans Klaas kannte Michael von dessen Jugend an, und sein armer, alter gichtkranker Vater hatte in Brack's Hause viele Wohlthaten erfahren; er bedauerte ihn um so mehr, als er erkannte, daß Aron Brack todt im Lehnstuhl, Sara angekleidet, fieberhaft im Bette lag. „Wir müssen Euch, so leid es mir thut, dem Criminal einliefern; der Bürgermeister hat's befohlen." Michael fuhr sich mit der Hand über die hohe Stirn; seine Gedanken stoben wie glühende Funken eines zerplatzenden Feuerwerkskörper auseinander. „Weshalb, warum?" frug er endlich, sich auf seinen Knien halb aufrichtend. „Vielleicht sollte ich es Euch nicht sagen, Herr Michael Klein, aber Ihr werdet es ja ohnehin erfahren. Der gnädige Herr Baron, der Lieutenant, unseres gestrengen Herrn Bürgermeisters Sohn, hat zu Protokoll gegeben: Ihr hättet heute in der Nacht einen Menschen erschlagen. Ich war dabei, als der gnädige Herr Baron dem Gerichtsschreiber, den ich aus dem Schlafe wecken mußte, seine Anzeige in die Feder dictirte." Jetzt erhob sich Michael zu seiner vollen Höhe, der Gerichtsdiener wich erschrocken einen Schritt zurück, als fürchtete er, der gewallige Mann wollte ihn zu Boden schmettern. Michael strich sich mit der Hand über die Stirn, dann sprach er mit entsetzlicher Ironie und Ruhe: „Klaas, richte er dem gestrengen Herrn Bürgermeister meinen besten Empfehl aus; ich lass' ihm höflichst sagen, wenn der Hallunke draußen auf der Landstraße todt ist, so ist ihm nur sein Recht geschehen, ich habe nur einen Act gerechter Nochwehr ausgeübt und bekenne mich als Urheber seines Todes. Aber ich - lass' ihn freundlichst bitten, mich noch ein Paar Tage zu Hause zu lassen. Durch das Verschulden seines Sohnes ist mein Pflegevater gestorben, meine Verlobte krank, vielleicht todtkrank. Es kann kein vernünftiger Mensch von mir verlangen, daß ich die Leiche meines Vaters, meine sterbenskranke Braut allein lassen soll. Sobald mein Pflegevater begraben ist und ich wissen werde, ob Sara mir erhalten bleibt oder entrissen wird, werde ich mich — das schwöre ich bei dem lebendigen Gotte, — dem Gerichte stellen!" Der Führer der Patrouille, der sich bisher in das Gespräch der beiden nicht gemischt hatte, wandte sich jetzt an Klein und sprach: „Mein Lieutenant hat mir aufgetragen, Euch ins Gefängniß zu führen; ich muß dem Befehle gehorchen. Geht gutwillig, jeder Widerstand wäre vergeblich,' Wir haben den Auftrag, Euch lebend oder todt.einzubringen." Michael Klein versuchte es inmitten all der Affecte, die auf seine Seele einstürmten, richtig zu denken. Die Dragoner hielten die Hand an den Hahn der Karabiner, es unterlag

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