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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-05-25 · 21 (25.5.1900) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
21 (25.5.1900)
Date
1900-05-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 396 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 31 muel, dem sie wesentlich zu danken sind, denn er hat den größten Theil der nöthigen Gelder aufgebracht, eröffnet. Der Oberrabbiner Dr. Adler hielt die eigentliche Festrede, doch sprachen noch viele andere Herren. — Die Jewish Boards of Guardians aus London und den Provinzen hielten am Sonntag und Montag eine gemeinsame Conferenz ab, um einige technische Fragen zu besprechen, dann aber auch um ihre Stellung gegenüber der staatlichen und communalen Armenpflege klarzustelleu nnd um zu berathen, ob ein gemeinsamer Emigrationsfond geschaffen werden soll. Die langen Berathungen haben wenig für das allgemeine Publikum intereffantes ergeben. Der nichtjüdrschen Armenpflege will man so fern wie möglich bleiben, vor allem nicht von jener Unterstützung erbitten, um nicht in Abhängigkeit zu gerathen. Die Idee einen gemeinsamen Emigrationsfond zu sammeln, wurde schließlich mit kleiner Majorität abgelehnt. — Die Anglo Jewish Association hatte am Sonntag 7. d. M. einen großen Tag. Als Gast befand sich in der Versammlung Herr Narcisse Leven aus Paris, Präsident der Jewish Colonisation Association und der Alliance lsraelite Universelle. Nach Erledigung der laufenden Geschäfte und nachdem für die Knabenschule in Smyrna 2000 Mark, für die Mädchenschule ebendort 800 Mark, für die Volksschule 400 Mark und für die Schulen in Teheran 2000 Mark bewilligt worden waren, hielt der verdienstvolle Gast eine glänzende Anrede in französischer Sprache. Er führte aus, wie groß die Noth unserer Brüder im Osten ist, wie wenig Hilfe dort zu erwarten sei, wie nöthig daher die Auswanderung und Colonisation sei. Mit einigem Stolze verweilte er bei den in Argentinien erzielten Resultaten, bei den in Palästina in allernächster Zeit zu erwartenden guten Erfolgen und theilte zugleich mit, daß da die Mittel der Jewish Kolonisation Association nicht zur Linderung augenblicklichen NvtHstandes verwendet werden dürfen, sich die Alliance demnächst mit einem Aufrufe an die jüdische Oeffentlichkeit wenden werde, um einen großen Fonds zu schaffen, der die Unterstützung der nothleidenden Brüder in Süd-Rußland, Galizien und Rumänien ermöglichen solle. In dieser Sitzung wurde noch mitgetheilt. daß die Leitung der Eveline Rothschildschule von Fräulein Fortunee B e h a r an Fräulein Landau übergegangen sei, die ihre Ausbildung in London erhalten hat. New-Dork. (Professor Henry Kohn -ft) Aus New-Iork schreibt man uns: Ende März hat der Mbezwinger Tod einen der vorzüglichsten Vorkämpfer für die Erhaltung des Deutschthums in Amerika plötzlich weggeriffen, nämlich Professor H e n r y K o h n von der N o r t h w e st e r n Universität in Evanston (Illinois). Geboren 1847 in Breslau, kam er bereits als Kind in die neue Welt, graduirte 1870 an der Columbia in New-Aork und vollendete seine Studien an der Berliner Universität, deren eifriger Zuhörer er bis 1875 war. Nach Amerika zurückgekehrt, wirkte er mehrere Jahre als Lehrer und übernahm Anfangs der Achtziger-Jahre die Leitung der deutschen Studien an der Sommeruniversität Chautauqua, einer eigenartigen Karawanserei des Wissens, die während der Sommerferien in einem kleinen Städtchen New- Aorks nahe der pennsylvanischen Grenze aus Lernbegierigen jeden Alters und Geschlechts gebildet wird. Im Jahre 1893 wurde er dann an seinen jetzigen Posten berufen, wo er sich besonders durch die Organisation des größten deutschen Vereins, der bisher unter amerikanischen Studenten und Studentinnen zu Stande kam, ein unvergängliches Ruhmesdenkmal gesetzt hat, ohne dabei die Thätigkeit in Chautauqua aufzugeben. Offenbar ist er denn den auch ein Opfer seines rastlosen Uebereifers für die Ausbreitung deutscher Sprache und Literatur geworden. Dabei lag ihm jeder Erwerbssinn fern, weshalb ihn auch der Nachruf der „Illinois Staats-Zeitung" treffend mit Baruch Spinoza vergleicht, der mit freudigem Verzicht auf die Schätze der Welt ganz in seiner höheren Gedankenwelt aufging. Chicago. Der siebente allgemeine (internationale) Convent der Großloge des unabhängigen Ordens der B'ne B'rith hielt im „Auditorium" dahier seine erste Sitzung. Bei der Prüfung der Creditive der Delegaten fand das zuständige Comite, daß sechszehn Delegaten nicht vorschriftsmäßig erwählt worden waren, deswegen dieselben zwar das Recht zu reden, aber nicht das Recht mitzustimmen erhielten. Es waren zumeist Delegaten, die durch Stellvertretungen die Logen in Deutschland, Rumänien und Oesterreich vertreten sollten. Die betreffenden ausländischen Logen hatten keine eigenen Vertreter gewählt, sondern Ordensmitglieder, die in den Vereinigten Staaten, in Chicago, St. Louis, Denver, New-Orleans und San Francisco wohnen, mit ihrer Vertretung beauftragt. Nur eine Berliner Loge hatte einen Delegaten Siegmund Berge! gesandt, der auch zugelaffen wurde. Zum Vorsitzenden wurde Victor Abraham von Cincinnatti erwählt, zum Secretär Dr. S. B. Wolfe von New-Aork, zum Hilfssecretär Nathan Strauß von New-Orleans; zu Vicepräsidenten u. a. Siegmund Bergel von Berlin. Der Präsident des Executivcomites, Julius Bien von New-Tjork, verlas seine Botschaft, welche Ausführliches über die Thätigkeit des Ordens auf erzieherischem, mildthätigen und brüderschaftlichen Gebiete, sowie auch verschiedene Vorschläge für das fernere Wohlergehen des Ordens erhielt. Nach Verlesung der Botschaft vertagte sich der Convent bis morgen. Der Wirkungskreis der Orden in den Vereinigten Staaten ist in zehn Districte eingetheilt und der Convent wird die Ordensgesetze revidiren und Gesetze für die Verwaltung der verschiedenen zu den Orden gehörigen Logen annehmen. Teheran. Erfreulicherweise läßt sich von hier jetzt wieder eine kleine Besserung der Zustände berichten. Die Gemüther haben sich einigermaßen beruhigt und die jüdischen Gewerbetreibenden können ihrer Nahrung wieder nachgehen. Die Allianceschule hat eine wichtige Neuerung eingeführt, nämlich eine Werkstatt für Mützenfabrikation, der sich bald eine zweite für Kupferschmiedearbeit anschließen soll. Die Zöglinge dieser Werkstätten werden hoffentlich leichter in der Lage sein, sich ihr Brod zu verdienen, als die jetzigen Handwerker, deren Fähigkeiten oft zu München übrig lassen. Es wäre ausgezeichnet, wenn die Alliance Isralite Universelle ihr erzieherisches Werk noch weiter fortsetzen würde, denn in den inneren Theilen Persiens geht es den Juden noch erbärmlich. In den großen Städten sind Schulen nöthig, mindestens in Schiras, Kermanschäh, Jspahan, Ourmea und Kaschan sollten solche in das Leben gerufen werden. Aber was vielleicht das Wichtigste wäre, würde eine Ackerbauschule sein, denn die persischen Juden sollten zeitig dem Landbau zugeführt werden und in dem inneren Persien, besonders in der Gegend von Jspahan ist das Land in guter Qualität billig zu haben. Dieser schöne Plan erfordert freilich große Mittel und" wird deshalb vielleicht noch längere Zeit unausgeführt bleiben mhssen, aber das Ziel, das erstrebt werden muß, bezeichnet er doch. Vermischtes. Wien. Oeffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde Wien am Sonntag d e n 27. M a i 1900, 9 Uhr Vormittags, im Sitzungssaale, I., Seitenstettengasse 4, II. Stock. Tagesordnung: 1. Bericht desBert re tercollegiums: Rechnungsabschluß pro 1899 (Referent Herr kais. Rath M. H i r s ch). 2. B ericht des Statuten - RevisionscomitLs — bei Anwesenheit von 16 Vorstandsmitgliedern — (Referent Herr Ober-Finanzrath Dr. Rappaport). 3. Bericht der I. S e c t i o n: Aenderung der Liturgie. (Referent Herr Dr. M. Spitzer.) Wien. Am 18. Juni l. I. gelangen die Interessen der Sigmund Edlen von Wertheim fl ein- Stiftung durch den Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten zur Bertheilung. Anspruch hierauf haben Gehilfen, welche längerer Zeit sich durch ihr sittliches und fleißiges Betragen die Zufriedenheit ihrer Meister oder Werkstättenleiter erworben haben und welche durch eine lange Reihe von Jahren bei ein und demselben Meister, Werkstätte rc. in Verwendung stehen. Gesuche nm diese Gehilfen-Prämien sind mit genauer Angabe des Nationales, ob der Bittsteller Zögling des Vereines war und Angabe des Ortes und der Zeit, wo der Bittsteller beschäftigt ist und war rc., bis längstens Ende d. M. an obigen Verein, IX., Grüne Thorgasse 26, einzusenden. Wien. (Spende.) Ein ungenannt sein wollender Wohlthäter hat am Todestage seiner Mutter und aus Anlaß der bevorstehenden Verheiratung seiner Tochter zu Händen des Präsidenten der Wiener israel. Cultusgemeinde 400 Kronen erlegt, mit dem Ersuchen, diesen Betrag ungetheilt einer armen würdigen Braut zuzuwenden. Dieser wohlthätige Act, fiir den hiemit der beste Dank ausgesprochen wird, konnte umso eher sofort zur Ausübung gelangen, als anläßlich der durch den Vorstand der Cul-

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