Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 21 (25.5.1900)
- Date
- 1900-05-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 21 Dr» Bloch's Wochenschrift Seite 395 Und fürwahr, das Blut hat gut gewirkt, überall rief es nach Rache. Allerdings vollführt jeder die Rache fo, wie er kann und wie er es für gut findet, aber das, was in Alt-Bunzlau vorgeht, übersteigt wohl alle Grenzen. Alt-Bunzlau ist nämlich so unglücklich, daß es einige jüdische Familien zu seinen Bewohnern zählt, denen man keinesfalls Mangel an Patriotismus verwerfen könnte. Im Gegentheil: Unter den hiesigen Juden gibt es auch freisinnige Leute, die sich nicht fürchten, hie und da die „wohlthuende" Wirtschaft unserer Clericalen ins wahre Licht zu stellen und die auch sonst es verstanden haben, unserer Gemeinde gute Dienste zu leisten. Aber das genügte nicht, sie vor Gewalt und Rohheit zu schützen. Demonstrationen waren in Mode, wurden überall gemacht, es konnten daher auch die clericalen Patrioten Alt-Bunzlaus nicht zurückbleiben. Es wurde also auch demonstrirt. Einige Buben lernten „Hej Slovane“ und „Kde domov muj“ schlecht singen (ohne diese Lieder geht eben bei uns Nichts), zogen in der Stadt herum, schlugen die Fenster ein, kurz Alles geschah wie anderswo. Nur, daß leider Gottes oder Gott sei Dank diese Demonstrationen in Alt-Bunzlau nicht gelungen und mit einem fürchterlichen Fiasko endeten. Aber die verhetzende Saat war ausgestreut, der Haß gegen die Juden keimte und wuchs zu ganz hoffnungsvollen Thaten, bis zur gemeinen Brandlegung. So wurde in den Scheunen des Herrn Schulhof am 1. November v. I. Feuer gelegt, das alle Heuvorräthe verzehrte. Nur einem glücklichen Zufalle ist es zu danken, daß nicht auch benachbarte Scheunen, die anderen, christlichen Bürgern gehören, verbrannten. Ein anderes Mal entzündete jener unbekannte Antisemit eine Scheune eines anderen Nachbars, im Glauben, abermals den Besitz des Schulhof in Brand zu stecken; das Feuer wurde rechtzeitig bemerkt und gelöscht. Aber es dauerte keine Woche uud wieder wurde ein Feuer bemerkt, das diesmal der antisemitische. Frevler wieder in die Scheune des verhaßten Schulhof gelegt hatte. Merkwürdig ist nur, daß alle diese Brände auf unerklärliche Art aus dem Garten des Capitels gelegt wurden, der an die Scheunen Schulhof's eng angrenzt. Dann war eine Zeit wieder Ruhe und Frieden. Erst wieder am 1. Mai unterbrach jener Unbekannte seine Unthättgkeit und bereitete den hiesigen Bürgern ein neues Schauspiel, indem er Nachts zwei auf dem Ringplatze stehende Wagen mit Heu, Eigenthum Schulhof's, in Brand steckte. Diese waren selbstverständlich nicht zu retten. Es war ein großes Glück, daß gerade Windstille herrschte, und daß sich einige opferwillige Menschen fanden, die noch diese brennenden „Fackeln" auf einen ungefährdeten Platz zogen, trotzdem ein Herr, dessen Namen ich vorläufig verschweige, von diesem Beginnen abrieth. Ohne der Opferwilligkeit und Vorsicht dieser Männer, hätte es leicht zu einem großen Unglück kommen können, da unsere Feuerwehr mit ihrer Dampfspritze allemal zu spät kommt. Diese „zufälligen" Brände erschienen Herrn Schulhof schließlich denn doch eigentümlich und et setzte auf die Ausforschung der „unerklärlichen" Ursache einen Preis von 400 Kronen aus. Wir erwähnen ganz trocken diese Thatsachen, ohne näher darauf einzugehen, blos als abschreckendes Beispiel antisemitischen Fanatismus, der bei uns so viel fruchtbaren Boden findet, und dessen verderbliche Folgen auch bei uns schon leicht bemerkbar werden. Rzeszow. Hochgeehrter Herr Redacteur! Bezugnehmend auf den in Ihrem geschätzten Blatte Nr. 20 vorkommenden Bericht aus Lemberg, in Angelegenheit der Verhaftung des Sohnes, respective Bruders, der am ersten Tage des Paffa-Festes in Hermanow bei Tyczyn ermordeten zwei Frauen, will ich mich mit den geehrten Lesern der Freude theilen, indem ich hiemit berichte, daß der unschuldige in Untersuchungshaft durch fünf Wochen internirte Salzmann. Samstag den 19. d. M. gegen Abends aus der Haft freigelasfen wurde. Daß Unschuldige längere Zeit in Untersuchungshaft, nur weil sie Juden find, behalten werden, kann auch nachstehender Fall beweisen. Am 30. April l. I., 9 Uhr Nachts, veranstaltete die hierorts garnisonirende Militärmusik wie alljährlich zur Borfeier des 1. Mai einen Zapfenstreich, wobei selbe sämmtliche Hauptgaffen durchzog. Während diesem entstand zwischen halbwüchsigen Burschen jüdischer Abstammung eine Rauferei, wobei ein Gymnasiast der sechsten Claffe (Nichtjude) unschuldig erheblich verletzt wurde. Am folgenden Tage wurden dann einige jüdische Handwerkerlehrlinge verhaftet, und dem Kreisgerichte eingeliefert, unter welchen sich mehrere Unschuldige befinden, und trotzdem, daß man der Schuldigen auch habhaft wurde, und solche sich unter Schloß und Riegel befinden, verbleiben auch die Unschuldigen weiter in Haft behalten, obwohl selbe ihr Alibi zur Genüge erbracht haben. Warum dieß geschieht? Jsch Emes. Gliniany. In Lemberg wurden in dem Hause des Herrn Dr. Lez am 16. d. M. Abends zwei Christinnen, und zwar ein Mädchen von 12 Jahren und eine Frau von 24 Jahren todtgeschlagen. Dieses traurige Ereigniß verursachte Donnerstag Früh eine große Aufregung und es wäre zu einem Aufstande gekommen. wenn nicht ein Israelit, der in diesem Hause wohnt, spät bei Nacht zu Hause kam, durch Läuten den Hausbesorger aufweckte und statt dessen öffnete ein Soldat den Eingang dem Einwohner. Der Jude fragte, was er hier mache und der Gefragte antwortete, der Hausbesorger sei abgereist und habe ihm die Vertretung übergeben. Der Jude beschrieb der Polizei diesen Soldaten und derselbe wurde bald in der Person eines ausgedienten Soldaten namens Bekierski, ausgeforscht und festgenommen, er gestand bald die That verübt zu haben mit noch einem zweiten Christen. Schade, daß Bekierski und sein Helfer griechisch-katholischer Religion find und aus Bozworany. eine Biertelmeile von Gliniany entfernt, gebürttg; so etwas läßt sich nicht umdrehen. Der Wächter Israels schlummert und schlaft nicht. Wir hoffen, daß alle Blutbeschuldigungen gegen Israeliten im Winde vergehen werden. Mit Hochachtung Leo Wolf. Paderborn, 15. Mai. Heute Morgen begab sich der Vorstand hiesiger Synagogengemeinde, die Herren H. K a ß, S. Stein, A. Hesse und deren Prediger, Herr Weiler, in die Wohnung des neuerwählten Bischofs von Paderborn, Herrn Dompropst Professor Dr. W. Schneider, um dem hochw. Herrn die Glückwünsche der Gemeinde zu überbringen. In leutseligster Weiser empfing der hochw. Herr die Deputation. Nachdem der Vorsitzende des Synagogenvorstandes, Herr Henry K a ß, in kurzen Worten dem hochw. Bischof den Glückwunsch der Gemeinde ausgesprochen, erwiderte hochderselbe in wohlwollenden, warmen Dankesworten, indem er sprach: „Meine Herren! Es freut mich außerordentlich, Sie. meine Herren, bei mir zu sehen und danke Ihnen herzlichst für Ihre große Aufmerksamkeit, die Sie mir durch Ihren Besuch erwiesen und mich hierdurch hocherfreuten. Ich werde Ihrer Gemeinde stets wohlgesinnt bleiben." Hierauf ergriff Herr Prediger Weiler das Wort zu folgender Erwiderung: „Hochwürdigster Herr Bischof! Nachdem Ew. Bisch. Gnaden die Glückwünsche unserer Synagogen - Gemeinde durch deren Vorstand so wohlwollend entgegengenommen und so huldvoll erwiedett, gestatten Ew. Hochw. auch mir nochmals, als dem geistlichen Vertteter unserer Synagogen-Gemeinde, meine herzinnigsten Glück- und Segenswünsche zu deren Erwählung als Bischof von Paderborn entgegen zu bringen. Ich glaube auch sicher im Sinne aller meiner Glaubensgenosse» der großen, weitverzweigten Diöcese Paderborn zu sprechen» wenn ich Ew. Hochw. auch in deren Namen beglückwünsche. Möge Ew. Hochw. eS gegönnt fein, als Bischof von Paderborn, den Hirtenstab der großen Diöcese allezeit zu führen zum Segen, Heil und Frieden Aller." Sichtlich ergriffen reichte der Bischof dem Sprecher dankend die Hand und sprach sich in hochachtbarer und erhebender Weise über die Lehren unserer heiligen Religion, über die göttliche Offenbarung am Sinai, über Israel, das Volk der Erhaltung des Monotheismus und, dabei replicirend auf die traurige Erscheinung des modernen Heidenthums, insbesondere auf das Erscheinen eines Werkes eines sonst sehr geschätzten und hochzuachtenden jüdischen Gelehrten, der aber in diesem Buche „die Göttlichkeit" der Offenbarung negiret. Als Professor der Moraltheologie am hiesigen Priesterseminar habe er in seinem neuen Werke gegen diese Auslegung und Auffassung des betreffenden Herrn Verfassers scharfe Stellung genommen. Hochderselbe schloß mit den Worten: „Halten wir die Zehn Gebote, suchen wir die vielen gemeinschaftlichen Berührungspunkte unserer Religionen hochzuhalten, dann können wir wohl in Frieden und friedlich nebeneinander bestehen." Hierauf lud der hochw. Herr in leutseligster Weise die Deputation ein, Platz zu nehmen. Hocherfreut verabschiedete sich die Deputatton nach kurzer Zett mit dem Bewußtsein der gemachten Wahrnehmung, daß die Diöcese Padeborn in Wirklichkeit zu dem neuerwählten Oberhirten sich beglückwünschen kann. London. Am Sonntag 7. Mai wurden die neuen Räume des Jews College mit großem Pomp durch Sir Charles Sa-