Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 21 (25.5.1900)
- Date
- 1900-05-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 394 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 21 Händen und keine Gemeinden, denen jene zu Gute kommen sollen. Wohlthätigkeitsvereine dürfen überhaupt nicht capitalifiren, sondern alle Einnahmen auch zu dem erwählten Zweck verwenden. Höchstens dürste eine geringe Summe als Re-- s erve für dringende Fälle bereit gehalten werden. Es ist geradezu lächerlich, wenn mit der größten Brutalität, möchte ich fast sagen, etwa ein Betrag von 10.000 Mark gespart wird, dessen Zinserträgniß ein so geringfügiges ist, wobei man noch Gefahr läuft, am Capital zu verlieren, während man mit dieser Summe viel und dauernd Gutes hätte leisten können. Wohlchätigkeitsvereine. die einer bezahlten Verwaltung bedürfen, sind in der Regel zu vermeiden, denn erstens verschlingt die Verwaltung einen großen Theil der Einnahmen, zweitens sind solche Beamte in der Regel hart gegen die Armen und vergällen einem das Bischen Wohlthätigkeit. Natürlich läßt sich dies nicht überall vermeiden — dann sollte aber eine strenge Aussicht vorhanden und nicht Alles irgend einer Schreiberseele überlassen sein. Berlin. Dr. S. B e r n f e l d. Correspondenzen. Wie«. (Synagogenbau-Verein Wieden und Margarethen.) Unter Vorsitz des Präsidenten Redacteur Adolf Lichtblau und bei starker Betheiligung, fand am 21. d. M. in Jellinek's Restauration die IV. ordentliche Generalversammlung statt. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden und Wahl des Bureaus — Dr. MaxmilianStransk y, Franz Frankl und L. W a l t e r zu Schriftführern und Berificatoren des Protokolls — erklärte er dieselbe im Sinne des § 16 der Statuten für beschlußfähig. Der Vorsitzende brachte sodann ein Schreiben des Cultusvorstandes und ein solches vom Vorstandsmitglied Architekten Max Fleischer zur Verlesung, worin Ersterer mittheilt, Herrn Fleischer als Delegirten entsendet zu haben, welcher aber zu seinem Leidwesen nicht erscheinen wird können, da er zu einer dringenden Sitzung berufen ist; Architekt F l e i s ch e r entschuldigt gleichfalls sein Fernbleiben aus vorgenannten Gründen und wünscht den Berathungen und der Sache des Synagogenbanes „Gedeihen und Glück". (Bravo!) Hierauf hielt der Vorsitzende ein kurzes Resumß über die Thätigkeit des Vorstandes, woraus zu entnehmen ist, daß fleißig daran gearbeitet wird trotz den sehr schlechten Verhältnissen doch in gegebener Zeit das schöne Werk des Synagogenbaues erstehen zu sehen; allerdings könne ein Synagogenbau für Wieden und Margarethen nicht so leicht errichtet werden, wie in anderen Bezirken, wo der Grund 5—10.000 fl. kostet, denn in den genannten beiden Bezirken, namentlich in der Peripherie des IV. Bezirkes kostet der Quadratklaster 300—400 fl., somit ein Platz 90- bis 100 000 fl. Der Synagogenbau-Berein hat um aber jetzt schon seinen Mitgliedern etwas leisten zu können, ein Uebereinkommen mit dem „Tempelverein", Margarethenstraße 73, getroffen, daß in dem neuen prachtvoll renovirten Gotteshause alle Piätetsacte für die Mitglieder durchgeführt werden. Schließlich gedachte der Präsident L i ch t b I a u der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder Herren Jacob I a c o b i, Capellmeister Großmann und Josef Blum in anerkennenswerthen Worten, wobei sich die Versammelten zum Zeichen der Trauer von ihren Sitzen erhoben. Herr Moriz Hacker brachte den Cassabericht zur Verlesung, aus dem wir eissehen, daß die Caffe wohl keinen großen Zuwachs, aber immerhin einen Fortschritt aufzuweisen hat. Revisor Vogelhut erstattete den Revisionsbericht, worauf dem Vorstand und Cassaverwalter Moriz Hacker der Dank und das Absolutorium einhellig ertheilt wurde. Der Vorsitzende Lichtblau leitete nun in einem kurzen Bericht den nächsten Tagesordnungspunkt — Aenderung der Statuten — ein, indem er hervorhebt, der Vorstand habe lange berathen, ob er die Statuten dahin abändern soll — namentlich jenen Punkt (§4), wodurch alle Mitglieder des Tempelvereines Mitglieder des Synagogenbau - Vereines und vice versa sein sollen, man hat sich aber schließlich dazu geeinigt, da zu hoffen ist, daß durch ein enges Zusammengehen Beiden nur Bortheile entstehen können, trotzdem die Mitgliederbeiträge vereinfacht werden; desgleichen verhält es sich mit 8 12, 15 und 17, daß in Hinkunft die Vorstandssitzungen, sowie die Jahresversammlung nicht einem Zeitzwang unterworfen werden sollen, sondern nach Bedarf und Dringlichkeit stattzufinden hätten. Nach einer längeren Debatte, an welcher sich die Herren Consulent D. Kaiser, Franz Frankl, I. Wessely, Hoffman n, Löwy und Dr. Stransky betheiligten, wurden die Aenderungen der Statuten mit großer Majorität angenommen. Bei der hierauf vorgenommen Wahl in den Vorstand, wurden die Herren M. K e l s e n und I. L ö w y zu Revisoren, Vogelhut, Weiß und Schleiffer wieder und als Ersatzmänner F l e s ch, Adler und Selka neu gewählt. Unter den freien Anträgen befand sich ein Wunsch des Vorstandes des Tempelvereines Wieden und Margarethen, wonach der Synagogenbau-Berein in finanzieller Beziehung den Tempelverein unterstützen soll, wenn der Tempelverein nicht sein Auskommen fände, da das Subventionsverhältniß mit der Cultusgemeinde noch nicht geregelt ist, weil bisher der Cultusvorstand wohl schon 1800 fl. in zwei Jahren dem Vereine gewidmet hat, dieser Betrag aber zu Renovirungszwecken gegeben wurde. Diesem Wunsche wurde von mehreren Rednern die Unterstützung zu Theil, wonach die Versammlung den Antrag, den der Obmann des Tempelvereines Herr Adolf Hoffman n begründete, einhellig annahm. Nachdem die Tagesordnung erschöpft war. dankte der Vorsitzende den Erschienenen, dankte der Cultusgemeinde für ihr lebhaftes Interesse und schloß die IV. ordentliche Generalversammlung. Preßburg. (An st alt zur Heranbildung jüdischer Krankenpfleger in Preßburg.) Wie wir schon berichtet haben, wurde in Preßburg zum Andenken an unsere unvergeßliche Königin eine Anstalt ins Leben gerufen, welche den Zweck hat, israelitische Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen auszubilden, welche — ähnlich dem Orden von Barmherzigen Schwestern und Diaconissinnen — dem edlen Berufe obliegen sollen, ihre kranken Mitmenschen zu pflegen. Unter reger Theilnahme unserer israelitischen Mitbürger wurde die coustituirende Sitzung der Anstalt abgehalten und der Directiousausschuß gewählt. Zum Präses wurde Primararzt Doctor Jacob Fischer, zum Vicepräses Advocat Dr. Wilhelm Löwin g er, zum Schriftführer (prov.) Friedrich Duschinsky, zum Cassier Leopold Neu mann, zum Controlor Sigmund Herzog gewählt. Directionsmitglieder sind die Herren Siegfried Bunzl, Sigm. Fischer, Dr. Samuel Fi sch e r, Lazar Gstettner, Sigm. Jalovetz, David Naß, Josef Schwimmer, und als Vertreter der Chevrah Kadischah der israelitischen Cultusgemeinde David Kann. Der Directionsausschuß hat schon seine erste Sitzung abgehalten und bereits seine Thätigkeit ausgenommen. Es wäre zu wünschen, daß dieser humanen, in unserer Monarchie einzig derartigen Institution diejenige Unterstützung zu Theil werde, welche es ermöglicht, daß diese Anstalt schon baldigst ihre segensreiche Wirksamkeit entfalten könne. Es ergeht an einen jeden Menschenfreund die Bitte, durch eine wohlthätige Spende oder durch einen Jahresbeitrag die Ziele dieser Anstalt fördern zu wollen. Obbenannte Herren nehmen eine jede Spende bereitwilligst entgegen und werden wir dieselben auch veröffentlichen. Der Directionsausschuß erläßt folgenden Aufruf: „Indem wir diesen Aufruf veröffentlichen, erklären auch wir uns bereit, Spenden entgegenzunehmen und dieselben öffentlich zu quittiren. Als neuerliche Spenden sind zu registriren : Pester israelitischer Frauenverein 200, Dr. I. Fischer und Frau (Preßburg) 200. Alfred Wellisch (Budapest) 100, Dyonis Milch (Preßburg) 100 Kronen; dann zahlreiche Mitglieder mit Jahresbeiträgen von 4 bis 20 Kronen. Das Spendenverzeichniß wird fortgesetzt. Reflectanten auf Wärterstellen können sich beim Präses schon jetzt vormerken lassen. Prag, 20. Mai. Aus Alt-Bunzlau in Böhmen schreibt man dem von Prof. M a s a r y k herausgegebenen Blatte „Cäs": „Wohin der Antisemitismus führt." Das vorige Jahr war reich an „aufregenden Geschehnissen". Nicht die Aufhebung der Sprachenverordnungen vermochte unsere sonst so ruhigen Patrioten in dem Maße aufzuregen, wie es den staatsrechtlichen R itu a l p o liti k ern mit der Polnaer Affairegelungen ist.