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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-05-25 · 21 (25.5.1900) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
21 (25.5.1900)
Date
1900-05-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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gelte 380 Or. Vloch's Wochenfchrist» Nr. 31 Auch durch die Namen habe ich versucht meine Meinung zu kräftigen, sie haben einen entschieden jüdischen Klang und es sind gewiß gebräuchliche, ich könnte sagen alltägliche Namen, obschon sie nicht aus Copland stammen. Die bloße Aussprache solcher Namen, wie Isaak und Jacob, ist in England kaum vom jüdischen Stamme zu trennen. Aus Paul Heyse's Jugend-Erinnerungen. Im Märzheft der .Deutschen Rundschau" (Verlag von Gebrüder Paetel in Berlin) setzt Paul Heyse die Veröffentlichung seiner so feflelnden, inhalts- und lehrreichen Jugend-Erinnerungen fort. Diesmal kommt der Poet auf seine Familienverhältniffe zu sprechen. Von Mutters Seite, so brricktet Paul Heyse, sei er ein richtiges Berliner Kind, da seine Mutter am 12. Januar 1788 als die jüngste Tochter des königlich preußischen Hofjuweliers Salvmon Jacob Salomon und besten Ehefrau Helene, geb. Meyer (gest. 1811) zur Welt kam. Fünf Geschwister, zwei Brüder und drei Schwestern, gingen ihr voran, sämmtlich von der Natur glücklich ausgestattet mit lebhaftem Geist und einer leiblichen Schönheit, wie man sie in gewiffen aristokratischen jüdischen Familien findet. Nur die Züge des ältesten Bruders. Simon, und einer der Töchter, Clara, erinnerten an den bekannten semttischen Typus. Den Anderen war ihre Abstammung nicht an den feinen geraden Nasen zu lesen, so wenig wie an den großen blauen Augen unter breitgeschwungenen Lidern. Wann diese sechs Geschwister zum Christenthum übergetreten sind und ihren jüdischen Namen Salomon gegen den nicht allzuchristlichen Saaling vertauscht haben, weiß Heyse nicht anzügeben. .Bon dem nicht übergroßen Reichthum des Vaters war, da das Erbe in sechs Theile ging, auf das einzelne Kind nur ein mäßiger Antheil und Einiges an Juwelen gekommen, immerhin genug, daß die Geschwister sorgenfrei leben konnten. Der älteste Bruder starb, noch ehe ich geboren wurde. Der zweite, Louis Saaling, brachte es in kaufmännischen Stellungen zu einem etwas ansehnlicheren Vermögen, das er sorgfältig durch eine wunderliche Sparsamkett zu vermehren suchte. Während er eine offene Hand hatte, wo es galt, seinen Schwestern oder guten Freundes Liebes zu erweisen, kehrte er u. A. die Couverte empfangener Briefe um, sie zu den Antworten zu benutzen, kaufte auf einmal mehrere Dutzend Ausschuß-Handschuhe und rauchte Cigarren, die sein nicht eben verwöhnter Neffe standhaft verschmähte. Dabei war er ein weichherziger, heiterer, allgemein beliebter Mann, der es zU hohen Jahren brachte und bis zuletzt die drei steilen Treppen seiner Wohnung an der Schönen Aussicht in Frankfurt a. M. Nachts hinaufstieg, nachdem er in der Reffource stundenlang dem Kartenspiel der Anderen zugesehen hatte. Noch steht der gute Onkel Louis vor mir, die hohe, wohlproportionirte Gestalt, bis in seine Achtziger-Jahre ungebeugt, in einem langen blauen Rock, dessen Schöße tief hinab über die Nankingbeinkleider fielen, die Schuhe mit Gamaschen verwahrt, auf dem Haupte den grauen Cylinder, unter dem das glatttasirte, regelmäßige Gesicht mit freundlich-klugen blauen Augen durch die goldene Brille hervorsah, das Kinn in eine Handbrette schwarze oder buntleinene Cravatte eingetaucht. So erschien er alljährlich zur Sommerfrische in Baden-Baden, wo er in jede Bude einttat, um an die Berkäuferinen galante Scherze zu richten, ohne je etwas zu kaufen. Er gehörte zu den stehenden Figuren des Orts, und man lachte freundlich über seine ebenso stehend gewordenen Witzworte. Mir, der ich oft in seinem Hause dort zu Gast war, bewies er das' herzlichste Wohlwollen, bis ich die Tochter Kugler's heimführte, während er selbst mir eine reiche Erbin zugedacht hatte. Er vergoß Thränen über die thörichte Verbindung, als er zu meiner Hochzeit nach Berlin kam, und settdem erhielt ich auf alle Briefe, in denen ich die Geburt meiner Kinder oder andere wichttge Neuigkeiten anzeigte, nur eine Bescheinigung des Empfanges mit ein paar kühlen Zeilen — in einem umgewendeten Couvert. Und doch hatte auch er, da er sich zu heiraten entschloß — in schon etwas vorgerückten Jahren, doch immer noch ein ansehnlicher Freier, — bei seiner Erwählten nicht aus goldene Schätze gesehen, sondern die Tochter eines armen Landarztes zu sseiner Frau gemacht-, die bei seiner ältesten Schwester Marianne als Zofe im Dienst gestanden hatte. Sie war weder schön, noch sonderlich gebildet, er aber folgte seinem Herzen, das ihn auch nicht betrog, und hatte es dieser Heirat wegen auf ein langes Zerwürfniß mit zwei anderen seiner Schwestern ankommen lasten, die ihm eine .ebenbürtige" Gattin gewünscht hatten und sich weigerten, diese ehemalige .Dienstmagd" als Glied ihrer Familie zu bettachten. Erst als die Frankfurter Schwester, verwitwet und einsam geworden, von langem Siechthum heimgesucht wurde, kam eine Versöhnung zu Stande; denn Tante Emilie widmete sich der früheren Gegnerin mit aufopfernder Treue, daß diese ihr tausendmal alles Unholde, was sie ihr angethan, abbat. Daß dies so spät geschah, war begreiflich, wenn auch nicht verzeihlich. Diese Frankfurter Schwester meiner Mutter, Tante Clärchen, ihrer Mutter wohl von allen Geschwistern die Aehnlichste, da sie dieselben großen schwarzen Augen und den üppigen Wuchs hatte, war an einen reichen Frankfurter Bauquier, Herz, verheiratet, einen großen, stattlichen, jovialen Mann, an den sich meine früheste Kindererinnerung knüpft. Ich war in meinem dritten Jahr mit den Eltern nach Frankfurt gekommen, wo der Onkel sich nicht zu gut hielt, meinen Spielkameraden zu machen. Er trug mich auf seinem breiten Nacken im Galopp den langen Corridor hinauf und hinab, und wir rasteten von dem Ritt gewöhnlich in einer Speisekammer, wo allerlei süße Vorräthe aufgespeichert waren. Ich durfte aber von einer gewiffen Himbeermarmelade erst naschen, wenn ich .Esel asinus" gesagt hatte, vielleicht das einzige Latein, über das der Onkel gebot, jedenfalls das erste, das über meine Zunge kam und sich mir mit Hülfe des süßen mnemotechnischen Mittels tief einprägte. In diesem vornehmen jüdschen Hause aber verkehrte nicht nur die Frankfurter Geldaristokratie, sondern auch die Blüthen der Bundestagsgesellschaft, durch den Glanz der Empfangsabende, Bälle und Diners, die Liebenswürdigkeit der Hausfrau und die Schönheit der Töchter ungezogen. Die Aelteste, Adelheid, heiratete einen Rothschild, die Zweite und Schönste, Helene, einen Attache der französischen Gesandtschaft, Graf Salignac de Fenelon, die Dritte Marianne, einen Baron Haber. Es war kein Wunder, daß Frau Clara Herz die Bermälung ihres Bruders mit einer armen, zum Dienen genöthigten Landarzttochter für eine Mesalliance hielt, zu der sie ihre Zustimmung nicht geben könne. Sie hatte vergessen, daß sie von einem Vater abstammte, den der Hofmarschall, wenn er ihm schriftlich eine Bestellung zu machen hatte, mit .Lieber Jude!" anzureden pflegte." Bismarck und Bleichröder. In dem soeben erschienenen Werke Hans Blum's „Persönliche Erinnerungen des Fürsten Bismarck" (München, A. Langen, 8, 1900) findet sich ein Urtheil, das Bismarck über seinen Bankier gefüllte hat. .Wie immer der Mann auch in seinem Privatleben sich gehalten haben mag, so hat er sich doch mir persönlich immer als ein wirklich vornehm denkender, uneigennütziger, äußerst .luger, umsichtiger und tüchtiger Geschäftsmann bewiesen. Er nahm-mir die große — bei meinen amtlichen Geschäften von mir allein kaum zu bewältigende — Sorge ab. meine Gelder gut und sicher anzulegen und zu verwalten, alle meine Einkünfte von meinen Gütern einzuziehen u. s. w., und gewährte mir dagegen das an sich ganz uneingeschränkte Recht, meine laufenden Geldbedürfnisse bei ihm zu erheben. Keine seiner Abrechnungen, die ganz regelmäßig einliefen, erforderte jemals eine Berichtigung. Kurz, ich bin ihm persönlich dankbar verpflichtet." Diese Worte sind ein interessanter Commentar zu den Angriffen der Antisemiten auf das Verhältniß BiSmarck's zu Bleichröder. Affaire Araten. Der .Pester Lloyd" vom Sonntag, den 20. Mai bringt folgenden Artikel an hervorragender Stelle: Budapest, 19. Mai. In unserem jüngsten Äbendblatte hat einer unserer Wiener Correspondenten, dessen Berichte sich durch besondere Verläßlichkeit auszeichnen, eine Reihe von De-

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