Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-05-18 · 20 (18.5.1900) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
20 (18.5.1900)
Date
1900-05-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021331-3021352--09906-3034358
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 20 Dr. Bloch's Wochrnschrifk. Seite 383 I. W—g. Wir können ans den Inhalt eines confiseirten Blattes, mag dasselbe anch in diele Hände gekommen sein, nicht reflectiren. So diel können wir Ihnen jedoch sageil: Die Arbeit verrieth die. Finger Decker t's. H. W. Dr. Lueger gab seinerzeit ganz offen den Rath, seine Anhänger mögen zum Scheine versprechen, daß sie liberal wählen und dann versteckt einen antisemitischen Wahlzettel ausfertigen. Das ist antisemitische Moral. Dr. I. L -g. Friedrich II-, der wohl kein Dutzendmensch war, schrieb in seinem „Fürstensviegel": „Hüten Sie sich vor dem Fanatismus in der Religion, welcher Verfolgungen hervorruft. Wenn elende Sterbliche dem höchsten Wesen gefallen können, so ist es durch Wohlthaten, welche sie unter Menschen austheilen, und nicht durch Kewaltthätigkeiten." H. Wieland hat schon gesagt: „So lange es noch Fanatiker in der Welt geben wird, ist kein Bubenstück so gräßlich, daß nicht irgend ein betrogener Wahnsinniger in majorem Dei gloriam zu verüben fähig sein sollte." I. B. Von all diesen Leuten gilt das geistreiche Wort eines alten deutschen Satirikers: „Es ist leichter anzubeten, als zu gehorchen." I. L. F. La uro nt sagt in seinen „Etudes snr Thistoire de l’humanite“ (Bruxelles 1862): „Das Volk Gottes (die Inden) kann Ehristus und Mohammed für sich in Anspruch nehmen und bewahrheitet hiemit seine Mission, als Verbindungslinie zwischen Morgen- und Abendland zu dienen." Justus. Man muß da an G u i z o t erinnern. In seinen „Zleditatious snr Vessence de la religiou ehretieime- (Paris 1864) sagt er: „Die ganze moderne Civilisation leitet sich vorzüglich von den Juden und den Griechen ab. Die Griechen bildeten das humane und intellectuelle Element, die Inden das göttliche und moralische. Der Antheil der Juden ist, wenn nicht auch ber glänzendere, so doch sicherlich der erhabenere und theuerer erkaufte. " L. Die clerical-antisemitische „Reichspost" erzählt von Spanien: „Das Volk ist v.wärmt, man kann sagen, verelend." Spanien ist aber das gelobte Land des Clericalismus, vollständig judenrein, das Ideal der österreichischen Antisemiten. Rabbiner I. B. in R. Für diese Woche zu spät. i. Professor Julius Oppert, einer der größten Orientalisten der Gegenwart, war Jude. H. W—g. Dr. Jel linek hat in einem seiner Vorträge im Wiener Beth Hamidrasch in erschöpfender Weife dargethan, daß ein großer und werthvoller Theil der neuhebräischen Literatur den polnischen Juden zu danken ist. M. W. Madame Severine, die bekannte französische Schriftstellerin hat, als sie von Hermann Bahr interviewt wurde, unter Anderem über den Antisemitismus in Frankreich folgendes gesagt: „Der Antisemitismus ist die Partei der Unzufriedenen von allen Parteien Wer sich ärgert, wird Antisemit. Da ist der Adel, der den Juden ihr Geld nicht verzeiht und sie aus Neid, aus Rache und wohl aus Genre haßt, weil einen das possirt, weil es chic ist ... Sie haben das Geld, das er gern hätte und nicht mehr hat. Also — schlagt sie todt! Das ist wohl überall so .. Historicus. Im Talmud (Baba kamma 97 b) kommt die Stelle vor, die Münze von Jerusalem zeigte auf der einen Seite das Bildniß der Könige David und Salomon und auf der anderen die heilige Stadt;' die Münze Abrahams zeigte auf der einen Seite einen Greis und eine Greisin nttd auf der anderen Seite einen Jüngling und eine Jungfrau. R. N. Dem Dr. Lueger gedenken es heute noch viele Juden mit großer Dankbarkeit, daß er vor Jahren schon den erlösenden und erschöpfenden Ausspruch gethan: „Nur ein Schuft oder ein Dummkopf kann ein Antisemit werden." Albert Gansl'jchc Widmung iiir iirncl. Anne. Am 28. Thamns, ba§ ist am 25. Juli 1900 werden aus der Albert Gansl'schen Widmung für israel. Arme Erträgnisse in der Höhe von 356 Kronen zur Verleihung gelangen. Die Bewerber um diese Stiftung haben ihre mit einem Geburtsscheine und Armuthszeugniffe belegten Gesuche bis 31. Mai im Einreichungsprotokolle der israelitischen Cultusgemeinde (Wien, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock) woselbst Gesuchsblanquette unentgeltlich ausgefolgt werden, während der Amtsstunden von 9—12 Uhr Vormittags zu überreichen. Gesuchsteller, welche mit der Albert Gansl'schen Familie oder mit den Heinrich-Regine Kohn'schen Nachkommen verwandt find und dies durch legale Documente nachzuweisen vermögen, erhalten den Vorzug. Nicht gehörig belegte oder verspätet überreichte Gesuche finden keine Berücksichtigung. JgmT 'ichetzcirats-Ausstattliiigs-Ltjituilg. Der Vorstand der israelitischer Eilltnsgemeinde Wien, bringt hiemit zur Kenntnis;, das; ans den Zinsen der obgenallnten StisAmg ein Betrag von 2000 Kronen an ein mit dem Stifter, .Herrn Ignaz Theumanu sel., verwandtes Mädchen israelitischer Konfession zu verleihen ist. Bewerberinnen, haben ihre mit einem Keburts-, Armnths- und Sittenzeugnisse, sowie dem legalen Nachweise der Verwandtschaft mit dem Stifter und des Brautstandes versehenen Gesuche bis 31. Mar im Einreichungsprotokolle der israelitischen Eultnsgemeinde Wien (I, Seitenstettengasse 4, 1. Stock), woselbst auch Gesuchsblanquette. unentgeltlich behoben werden können, zu überreichen. Auszüge aus der Geburts-, Trauungs- und Sterbe-Matrike der israelitischen Cultusgemeinde Wien, sind als Belege nicht erforderlich, sondern genügt die Angabe der genauen Daten. Ans verspätet überreichte oder nicht entsprechend belegte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. herum»« hcslheles'sihc Säjlimg;nr Ausstattung armer israelitischer Mädchen. Der Vorstand der israelitischen Eultnsgemeinde Wien bringt hiemit zur Kenntniß, daß die von dem Stiftungseapitale pr. fl 20.000 ö. W-, sich ergebenden zweijährigen Zinsen für eine mit dem Stifter Herrn Hermann Hescheles oder dessen Gattin verwandte Bewerberin, beziehungsweise die einjährigen Interessen des genannten Stiftungscapitales, für eine nicht mit dem Stifter oder dessen Gattin verwandte Bewerberin im Sinne des Stistbrieses ddto. 5. Juni 1893 St. Z 3785 zur Verleihung gelangen. Die Bewerberinnen haben ihre Gesuche binnen 30 Tagen vom Tage der Ausschreibung d. i. bis zum 31 Mai 1900 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Cultusgemeinde. I., Seitenstettengasse 4, 1 Stock, in den Amtsstunden von 9—>2 Uhr zu überreichen und mit folgenden Nachweisen zu belegen: a) lieber den Umstand, daß sie der jüdischen Religion angehören; b) über die allfällige Verwandtschaft mit dem Stifter, Herrn Hermann Hescheles, oder seiner Gattin; e) über ihre Armuth, welcher Nachweis bei Verwandten des Stifters oder seiner Gattin zu entfallen hat; d) über das zurückgelegte 16. Lebensjahr; e) über den Umstand, ob sie elternlos sind oder nicht, endlich haben dieselben 4) durch ein Moralitätszengniß ihren unbescholtenen Lebenswandel darzuthun. Unter den Bewerberinnen verdienen den Vorzug: 1. In erster Linie -die mit dem Stifter verwandten und in zweiter Linie die Verwandten der Gattin des Stifters. 2. Ganz elternlose Mädchen. Gesuchsblanquette sind im Einreichungsprotokolle I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, während der Amtsstnnden von 9—12 Uhr Vormittag unentgeltlich zu beheben. Wien, am 1. Mai 1900. Milde Stiitimg des Herr» Michael Cahe» da Silva. Der Vorstand der Wiener israelitischen Eultnsgemeinde bringt hiemit zur Kenntniß, daß aus den Zinsen der oben genannten Stiftung für israelitische Handwerker zu ihrer Etablirnng ein Stiftplatz per 800 Kronen zur Verleihung gelangt. Die Bewerber haben ihre, mit dem Geburts- und .Heimatsscheine, dem Nachweise über verbrachte Lehr- und Gesellenzeit versehenen Gesuche bis 31. Mai in dem Einreichungsprotokolle der Cultusgemeinde (I., Seitenstettengasse 4, I. Stock) zwischen 9 — 12 Vormittags einzureichen. Gesuchsblanquette sind in dem Einreichungsprotokolle unentgeltlich zu beheben. Auf nicht gehörig belegte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Benedict Karplvs'sche Geiverbc-Sch«bStipr»dic» Am 20. Juli 1900 gelangen 2 Karplus'sche Stipendien per je 50 Kronen an 2 junge Leute mosaischer Confession, welche mit Vorugsclassen die Gewerbeschule besuchten, zur Verleihung. Die Bewerber haben ihre Gesuche mit dem Nachweise, daß sie mosaischer Religion und mittellos sind, ferner, daß sie die Gewerbeschule mit vorzüglichem Erfolge besucht haben, bis längstens 31. Mai im Einreichungsprotokolle der israelitischen Cultusgemeinde (k., Seitenstettengasse 4, I. Stock) einzubringen. In dem Gesuche ist anzugeben, ob der Bewerber in dem Genüsse eines Stipendiums steht, eventuell in welchem Betrage. Gesuchsblanquette sind im Einreichungsprotokolle während der Amtsstunden von 9—12 Uhr unentgeltlich zu beheben 4949

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.