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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-05-18 · 20 (18.5.1900) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
20 (18.5.1900)
Date
1900-05-18
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 382 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 20 Wir sind Lieutenant Baron Lorenz Hornek-Golzinger auf der Straße allein zu Pferde begegnet, und haben nichts Ungewöhnliches an ihm bemerkt. Derselbe war so freundlich mit uns etwa hundert Schritte zurückzureiten, und uns einen nähern Weg zu unserem Ziele zu zeigen. — Jetzt aber wird er mein ganzes Gehaben nachträglich einer genauen Prüfung unterziehen und sagen: Zu unserer großen Verwunderung sprengte uns Lieutenant Baron Hornek fünfzig Schritte entgegen, trotzdem er erkennen mußte, daß wir, bei der raschen Gangart unserer Pferde, ihn, auch wenn er in der eingeschlagenen Richtung weiter geritten wäre, eingeholt hätten. Er rieth uns einen andern Weg, den er als den nähern bezeichnet, einzuschlagen, und ritt mit uns etwa hundert Schritte zurück. Da sich herausstellte, daß der vom Baron Hornek empfohlene Weg ein viel weiterer als der von uns projectirte war, so ist anzunehmen, daß er die Absicht hatte, uns irre zu führen. Ein Jrrthum seinerseits scheint umso mehr ausgeschlossen, als er in W. geboren und daher die Umgegend genau kennt. Er konnte offenbar nichts anderes beabsichtigen, als uns von dem Wege nach W. vielleicht auch nur von dem Betreten der Stelle, aus der er sich eben befand, abzuhalten. — Das Gericht wird dieser Aussage im Zusammenhalte mit Klein's Klage die höchste Wichtigkeit beilegen. Die Stelle, an welcher der Erschlagene, vielleicht schon während wir hier sprechen, aufgefunden sein wird, wird genau mit der von Graf Altenheim bezeichneten zusammenfallen, man wird zwischen mir und dem Erschlagenen einen Zusammenhang suchen und wie ich fürchte auch finden. Der Getödtete ist ein ausgedienter Dragoner, der in meinem Zuge stand. Der Richter, der dann nicht auf die Wahrheit käme, müßte in der That ein Hornochse sein! . . . . dann bin ich verloren! . . . . Vater, nun, da ich in kindlichem Vertrauen, offen und ehrlich Alles, was mir die Brust bedrückte, ausgesprochen, mußt Du erkennen, daß es Deine heilige Vaterpflicht ist, — diesen gefährlichen Juden unschädlich zu machen, ihn noch vor Tagesanbruch verhaften zu lassen — das weitere wird sich bei Deiner großen Klugheit dann schon finden. Golzinger hatte seinen Sohn mit steigender Bewunderung angehört. „Schade, Wahrhaftigkeit schade", sprach er „daß Du schon als Kind ein nichtsnutziger, lernfauler Bube gewesen und trotz all meiner Mühe in größter Unwissenheit ausgewachsen bist. — Das Kniffige zu einem echten Rechtsverdreher liegt Dir im Blute. Du hättest es als Jurist weiter bringen können — als zum Unterlieutenant. — Ich will dies einmal noch Gnade für Recht ergehen laffen. Ich werde sofort den Rathssecretär Noßler wecken und Deine Meldung zu Protokoll dictiren. Diese aber muß lauten: „Du hast heute etwa um Mitternacht auf dem Heimritte von Schloß Posewitz nach W. an einer Stelle von ferne bemerkt, wie ein Mann einen-Anderen ruhig des Weges Daherschreitenden räuberisch anfiel und mit einem wuchtigen Stockhiebe tödtete. Als Du, zu spät um die That zu verhüten, an der Stelle anlangtest, wäre der Thäter entflohen. In dem Flüchtling hättest Du an seiner ungewöhnlichen Größe mit Gewißheit Michael Klein erkannt. — Der Morgen bricht schon an. Du hast recht Lorenz, es muß mit großer Raschheit gehandelt werden, folge mir ins Rathhaus, ich werde den Secretär Noßler wecken lassen!" (Fortsetzung folgt.) Literatur. Dr. Guttmann. Auf meinem Schreibtisch fand ich dieser Tage ein Buch von Max Viola, das den Titel „Dr. Guttmann" führte; es war noch nicht ausgeschnitten, der Ladenpreis stand oben in der Ecke. Also gekauft! „Welch' eine Verschwendung" sagte ich; hätten wir nicht das Buch aus der Bibliothek entlehnen können? Jetzt, da ich es in einem Tage bis zu Ende gelesen, freue ich mich, es zu besitzen, denn es gehört zu jenen Büchern, die einen bleibenden Werth haben und dem Familienschatz einverleibt werden sollten. Der Titel des Buches ist nicht gerade geschickt gewählt; aber wie lieb gewinnt man diesen braven Dr. Guttmann, diesen glaubenstreuen Juden, der den Mitgliedern der kleinen Gemeinde gut Freund, Retter in allen Nöthen des Leibes und der Seele ist! Dr. Guttmann hat eine Enkelin, Mathilde, die er wie^I seinen Augapfel hütete und liebt. Es bekümmerte ihn, Mathilde dahinsiechen zu sehen; ihr Verlobter, der jetzt in Wien seine Studien beendete, hat seit einem Jahre Nichts von sich hören lassen. Der alte Mann reist nach Wien, hofft diesem stuci. Rosenbaum ins Gewissen reden, ihn seiner Enkelin wieder zuführen zu können. Rosenbaum ist der personificirte „Bettelstudent". — Um dem Verhungern zu entgehen, hat er sich von einer Familie Fellerstein captiviren lassen; er wird da verpflegt, gekleidet, erhält ein ansehnlicyes Taschengeld, hat dafür die Verpflichtung übernommen, die Tochter zu heiraten. Dr. Guttmann zahlt Feuerstein alle für den jungen Mann gemachten Auslagen zurück, ist selig ihn der geliebten Enkelin wider gewonnen zu haben. Diese aber ist längst von ihrer Leidenschaft für Rosenbaum geheilt; Grund ihrer Melancholie war eine Neigung, die sie für den jungen Gutsbesitzerssohn Heinrich von Hartenstein fühlt, aber nicht erwiedert glaubt. Während der Abwesenheit des Großvaters klärt sich die Angelegenheit; sie weiß sich geliebt und ist glücklich. So weit. die Fabel des Romans. In demselben spielen aber allerhand Episoden aus dem jüdischen Familienleben, Scenen voll packender erschütternder Lebenswahrheit, die uns den Roman als eine culturelle That erscheinen lassen. Da sind Ghetto-Skizzen von wahrhaft erschütternder Tragik — gemüthvolle Schilderungen des Dorflebens, des Wiedersehens der Brüder Guttmann, von denen der ältere, der sich taufen ließ, es bis zum Domherrn von St. Stefan gebracht, aber im Herzen ein guter Jude geblieben ist und sein Vermögen hingibt, um Mathildens Glück zu festigen. Das jüdische Streberthum wird in der Familie v. Hartenstein meisterhaft gezeichnet. Des alten Herrn von Hartenstein sehnlichster Wunsch ist, die Baronie zu erlangen; deshalb soll sich Heinrich taufen lassen, sich mit einer Aristokratin vermählen, deren Einfluß es gelingen wird, der Familie Hartenstein Zutritt zu den ersten Adelsfamilien des Landes zu verschaffen. Das Vorleben der Dame ist zwar nicht ganz einwandfrei, böse Zungen wollen sogar wissen, daß sie in wilder Ehe mit einem verschuldeten Grafen gelebt, indeß das genirt Papa Hartenstein nicht; er fordert kategorisch, daß Heinrich zum Christenthum übertrete, sich mit der Baronesse Wittinghausen vermähle. Die Scene, in der Heinrich dem für die Baronie begeisterten Vater klar machte, was er aufgebe, wenn er den Glauben wechsle, wie die Christen den getauften Juden nie als ihres Gleichen ansehen, ihn bespötteln, bekritteln, als Streber und Abtrünnigen behandeln, ist eine der ergreifendsten des Romans. Keines Predigers Beredtsamkeit vermag eindringlicher zu wirken als Viola's Worte, die er dem Sohne in den Mund legte, um das Herz des verblendeten Vaters zu rühren, ihm zu zeigen, was er als Jud unter Juden gilt, was er kraft seines Vermögens für seine Glaubensgenossen zu leisten fähig ist, daß es seine heilige Pflicht den gedrängten, geknechteten, hungernden und darbenden Israeliten in ihren Nöthen beizustehen. Des Sohnes Worte finden ein Echo im Herzett des wahnbethörten Vaters. — Heinrich v. Hartenstein führte seine Mathilde heim, die ihm der Inbegriff alles Guten und Edlen ist — keine jener sogenannten „Großstadt-Jüdinnen", denen Viola ihr Spiegelbild in nicht gerade schmeichelhafter Art zeigt. Die Worte, die er dem Ingenieur Lederer bezüglich der staatmachenden, anspruchsvollen Frauen, die sich als Hausgötzen betrachten, angebetet, verwöhnt, verhätschelt sein wollen in den Mund legt, während der Mann das Lastthier der Familie ist und vor Sorgen oft nicht weiß, wo er fein Haupt niederlegen soll, sind echt zeitgemäß; sie gewinnen, selbst wenn man sie zwei- und dreimal liest, an Werth und sollten beherzigt worden. Jda Barber. Briefkasten. M. B. in N. Höchstens 200 fl. als Darlehen. W. Ko. Für den Sabbath-Gottesdienst würde ich das gestatten. Die Gründe dafür auseinanderzusetzen, reicht der Raum an dieser Stelle nicht aus. W. M. Berthold A u e r b a u ch hat Zeit feines Lebens sich als begeisteter Anhänger des Judenthums bewährt. Charakteristisch ist da auch, daß feine e r st e in die Oeffentlichkeit gelangte Schrift der Bertheidigung des Judenthums galt. Dr. G. H. (Berlin.) Es ist bekannt, daß der geniale Bonner Universitätsprofessor Jacob B e r n a y's, der auf - dem Gebiete der klassischen Philologie mehrere bahnbrechende Arbeiten hervorgebracht hat, mit der scrupulösen Genauigkeit des orthodoxesten Juden an den Satzungen des Judenthums festhielt.

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