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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-05-18 · 20 (18.5.1900) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
20 (18.5.1900)
Date
1900-05-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 381 Michael. Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) „Tausend Donner und Blitz", knirschte Lorenz, „Du behandelst und inquirirst mich ja, wie den ärgsten Bösewicht!" „Du hast verflucht viel Aehnlichkeit mit einem solchen", erwiderte der Bürgermeister. „Aber das Eine will ich Dir nun im vollem Ernste und mit stärkstem Nachdrucke sagen, wenn ich mich entschließen soll, nicht aus Rücksicht für Dich, blos um mir die Schande, Deiner Mutter die Kränkung zu ersparen, Dir zu helfen, so mußt Du mir in Deinem eigenen Interesse die volle Wahrheit mittheilen. Hast Du etwa die Aussage einer oder mehrerer glaubwürdigen Personen zu fürchten, die Dir heute Nacht auf der Straße von Posewitz nach W. begegneten?" „Ja", erwiderte Lorenz zögernd, während Purpurgluth und Leichenblässe in' seinen Zügen wechselten. „Nachdem sich Klein und seine Pflegeschwester entfernt hatten, kamen unerwarteter Weise Graf Altheim und Prinz Kaltern des Weges herangesprengt." „Wieso kamen die Beiden her, es hieß ja allgemein hier in der Stadt, keiner der Gäste des Prinzen Lichtenfiein würde vor lichtem Morgen sein Schloß verlassen. Warum brachen gerade die Beiden, zu deren Ehren das Fest gegeben wurde, so zeitlich auf?" „Durch den unglücklichsten Zufall, den man sich nur denken kann. Sie sind plötzlich zu ihrem Regimente berufen worden, der Krieg bricht los." „Also die Beiden haben den Todten auf der Straße liegen gesehen? .... So laß Dir doch nicht jedes Wort abbetteln, alberner Dummkopf! sprich, bedenke es. die Zeit drängt und wenn ich Dich noch diesmal retten soll, so müßte dies bald geschehen .... Also: die Beiden haben Dich gefragt, was auf der Straße vorgefallen und Du hast Dich durch Deine verlegenen Antworten verdächtig gemacht, nicht wahr?" „Nein, so war es nicht. — Ich besaß noch so viel kaltes Blut, ihnen, sobald ich sie erkannte, entgegenzureiten. Zum Glück war es dunkel und sie konnten in der Entfernung nicht erkennen, daß ein Körper auf dem Boden lag. Als sie mir mittheilten, sie wären zu ihrem Regimente nach Oderberg berufen worden, führte ich sie, unter dem Vorwände ihnen einen näheren Weg zu zeigen, noch hundert Schritte zurück, und ließ sie dort quer über's Feld reiten. Sie machten dadurch einen Umweg von wenigstens drei Stunden." „Was liegt daran?" rief Golzinger. „Die Osficiere werden nicht erfahren, daß Du sie irre geführt hast, und sollten sie doch darauf verfallen, werden sie wohl annehmen, Du hättest im guten Glauben gehandelt." „So hatte ich vorausgesetzt; — aber beim Abschiednehmen ist mir etwas Unangenehmes arrivirt .... als ich ihnen die Hand zum Abschied reichte, konnte ich es trotz aller Vorsicht nicht verhindern, daß Graf Altheim den unglückseligen Försteranzug bemerkte, — der infame Spion, was hatte er mit seinen scharfen Luchsaugen fortwährend an mir herumzusuchen? Von dem Momente an wurde er plötzlich eiskalt, er nahm nicht einmal meine dargereichte Hand an." „Sprich nicht in Räthseln; zu langwierigen Auseinandersetzungen ist, wie die Sachen liegen, jetzt, bei Gott, nicht Zeit. Wie hängt Deine Försterkleidung mit dem geänderten Benehmen des Grafen zusammen? Oder glaubst Du, daß ihm die Verkleidung überhaupt ausgefallen?" „Ich will vor Dir, lieber Vater, kein Geheimniß haben. Ich habe, als unser Regiment in Pest lag, dort ein sehr schönes Bürgermädchen, das mir überaus gefiel, kennen gelernt. Hätte ich mich dort als Baron und Officier vorgestellt, hätte mich der Vater des Mädchens, ein reicher, auf sein großes Vermögen, seine Kaufmannsehre und seine schöne Tochter, hochmüthiger Großhändler nicht ins Haus geladen. Es war daher nothwendig, daß ich dort unter fremdem Namen und als einem bürgerlichen Stande angehörend erschien. Ich führte mich nun dort als Förster ein. Bei unserem Abmarsche mußten wir unglücklicherweise die Straße, in welcher der Kaufmann wohnt passieren. Vater und Tochter standen am Balkone und erkannten mich, und es wurde Ersterem leicht auch meinen Namen zu erfahren. Ich kann zwar nicht behaupten, daß sich der Vater zudringlich gegen mich benommen, er schrieb mir selbst keinen Brief, ich glaubte schon in diesem interessanten Falle ohne Schaden durchgeschlüpft zu fein; — aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Kurz nach unserer Ankunft in W. läßt der Oberst das ganze Officierscorps zusammenrufen und theilt uns mit: ein Pester Bürger habe ihm geschrieben, ein Officier seines Regimentes habe sich unter falschem Namen in der Verkleidung eines Försters in sein Haus geschlichen, habe seiner Tochter mit den heiligsten Eiden die Ehe auch schriftlich versprochen, und hätte sie in dem Momente, wo er die Pflicht hatte, ihr seinen Namen zu geben, treulos verlassen. Der Oberst, der alle Esel, der in dem Momente gewiß an seine eigene Jugend vergessen hat und gerne lange Reden und Exhorten hält, brandmarkte dieses Vorgehen des lebenslustigen, jungen Mannes als ein Verbrechen, declamirte von einem gebrochenen Officiers- und Edelmannswort, und war zum Schluffe seines nichtswürdigen Gallimathias, naiv genug zu fordern, der Officier, dessen Namen der Briefschreiber — wie der dumme Oberst behauptet, aus Zartgefühl — verschwiegen, möge die Ehre dieses leichtfertigen Weibsbildes durch die Ehe Herstellen. Die Osficiere, theils urtheilsunsähige Klötze, lassen sich von dem alten Schwätzer beeinflussen und schimpfen auf den unbekannten Kameraden wie die Rohrspatzen. Wenn nun der Unfinn herauskömmt, so ist meine ganze Reputation beim Teufel und ich müßte das Regiment mit Schimpf und Schande verlassen!" „Elender Dummkopf!" schrie der Bürgermeister zornig, „wenn Du das wußtest, warum wähltest Du diese Kleidung? Du hättest sie verschenken, verbrennen sollen!.... und, sakkerlott hinein! die Geschichte steht ja mit Deinem neuen, sauberen Streiche gar nicht im Zusammenhänge; freilich wenn Graf Altheim in Dir den Officier erkannte, welchen der Ehrenrath dks Regimentes aus diesem ausschließen würde, so wird er wahrscheinlich seine ehemaligen Kameraden davon verständigen." „Ah! was verstehst Du davon, wie solche Angelegenheiten bei uns Officieren und Cavakieren behandelt werden. Wenn Graf Altheim bei den Dragonern fortdienen würde, müßte er sagen: ich diene mit dem Hornek nicht zusammen; — aber von der Ferne aus. einen denunciatorischen Bericht einsenden, das thut Graf Altheim nicht. — Aber Du nennst mich einen Dummkopf, und bist nicht im Stande den richtigen Zusammenhang zu finden .... Jetzt, da ich Dir alle meine Sünden gebeichtet habe, kann ich Dir nun auch meine Befürchtungen aussprechen. Wenn Michael Klein mich persönlich beim Obersten anklagt, ich hätte hiebei von drei Männern unterstützt in der heutigen Nacht auf dem Wege von Posewitz nach W. den Versuch gemacht, seine Pflegeschwester gewaltsam zu entführen, und er hätte dabei einen der Angreifer in der Nothwehr getödtet, so wird der Oberst, der sich auf den gerechten Richter spielt, ganz gewiß mich verhaften lassen und dem Auditor den strengsten Auftrag ertheilen, die Sache genau zu untersuchen. Michael könnte sich, wie Du richtig bemerktest, nur auf das Zeugniß von Sara Brack berufen. Diese wird vielleicht in Folge des Schreckens gestorben sein, und würde auch für den Fall, als fie am Leben bliebe, deren Aussagen aus dem Grunde kein groß Gewicht beigelegt werden, weil sie Klein's Verlobte und Pstegeschwester ist. Das Militärgericht wird also zunächst an die in Posewitz versammelt gewesenen Osficiere die Anfrage richten, wann ich das Schloß verlassen und ob etwa Einer oder der Andere mich bei meiner Rückkehr nach W. begleitet hätte, und Jene werden erklären müssen, daß fie Alle bis Tagesanbruch in Posewitz verblieben, und nur Rittmeister Graf Altheim und Lieutenant Prinz Kaltern-Moggendorf denselben Weg kurz nach meinem Abritte eingeschlagen und mir möglicher Weise auf der Straße begegnet sein mochten. Nun würden über Verlangen unseres Auditoriats die Beiden bei ihrem Regimente aufgefordert werden, zu erklären, ob sie in der That mit mir zusammengetroffen, in diesem Falle, welche Wahrnehmungen fie hiebei gemacht hätten. Prinz Kaltern-Moggendorf ist ein hcckbes Kind, ohne jedes selbstständige Denken und Urtheil, der wie ein Staarmatz nur das nachspricht, was er von seinem Orakel dem Grafen Altheim hört. Nun kann ein und dieselbe Sache in verschiedenartigster Weise dargestellt werden, und selbst der klügste und selbstständigste Denker muß sich in solchen Fällen bei seinem Urtheile von seiner Meinung über die Personen, über die er berichten soll, leiten lassen. Bis vor wenigen Stunden, bevor mich Graf Altheim nach seinen verrotteten, hochromantischen Ideen, von der schlechtesten Seite kennen gelernt, hätte er ganz gewiß zu Protokoll gegeben:

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