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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-05-18 · 20 (18.5.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
20 (18.5.1900)
Date
1900-05-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 378 Nr. 20 Dr. BLoch's Wochrnfchrrfk. Wieu. (Kaiserin Elisabeth-Lehrm ä.dch t n 1} o r t.) Wie wir erfahren, beabsichtigt die Leitung des Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhortes, seine, wie wir neulich an dieser Stelle berichtet, so segensreiche Institution, in allernächster Zeit eine bedeutende Erweiterung anzustreben. Die Ueberfüllung des Hortes und der von Tag zu Tag sich mehrende Ansturm armer, hungernder Lehrmädchen, die leider wegen Raummangels abgewiesen werden müssen, hat die Leitung des Hortes veranlaßt, Mittel und Wege zu ersinnen, um den an sie gestellten Anforderungen immer mehr und mehr gerecht zu werden. Es ist begründete Aussicht vorhanden, daß von hervorragender Seite die Bestrebungen der Hortleitung aufs thatkräftigste gefördert werden. Als besonders erfreuliches Moment wollen wir hervorheben, daß die Verwaltung des Hortes bei der zu gewärtigeuden Ausgestaltung des Institutes die Absicht hat, eine eigene Kochfchulc HU errichten, zumal sich die bisher seit Langem im Horte eingeführte Ausbildung von Köchinnen als sehr zweckmäßig und vortheilhaft erwiesen hat. Mit der Gründung dieser Kochschule soll nicht nur einem allgemein dringenden Bedürfnisse abgeholfen werden, sondern auch den externen Schützlingen die Wohlthat eines warmen Mittagstisches und der Ueberwachung während ihrer freien Stunden geboten werden. Unsere jüdischen Hausfrauen begrüßen gewiß mit Freude eine derartige Institution, welcher ihrer Zweckmäßigkeit wegen der beste Erfolg von vornherein gesichert ist. Wien. Der Synagogenbauverein für Wieden und Margarethen versendet zu der, Montag den 21. Mai 1900, Abends ein halb 7 Uhr in S. Jellinek's Restaurations-Localitäten, V., Margarethenplatz Nr. 7, stattfindenden vierten General-Versammlung seine Einladung und setzt folgende Tages-Ordnung an: 1. Bericht über die Thätigkeit der Vereinsleitung. 2. Cassa- Bericht und Bericherstattung der Revisoren. 3. a) Wahl der im Sinne der §§ 10 und 16 der Statuten vom Vorstände cooptirten Mitglieder, b) Wahl dreier Revisoren und dreier Stellvertreter. 4. Aenderung der Statuten. 5. Anträge und Interpellationen. — Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung werden die Herren Mitglieder dringend ersucht, an der General-Versammlung theilzunehmen. Wien. Frau Professor Karoline Priukner, welche vor acht Tagen im Bösendorfersaale ein Concert für mißhandelte Kinder arrangirte, las Samstag, den 5. d. M. Nachmittag, Märchen den blinden Kindern im isr. Blindeninstitut Hohe Warte vor, wodurch den Unglücklichen eine genußreiche Stunde bereitet wurde. Wien. (E i n g e s e n d e t.) Herr M. S ch orr, Obercantor des israelitischen Bethausvereines „Beth Israel" folgte Freitag Abends und Samstag Vormittags einem ehrenvollen Rufe des Vorstandes der Cultusgemeinde und hielt im Leopoldstädter Gemeindetempel Gastvorträge, die auf das zahlreiche Auditorium eine mächtige Wirkung übten. Die Wahl eines Nachfolgers für den verblichenen Obercantor Gold stein gestaltet sich nicht blos durch die lebendige Erinnerung an diesen Meistersänger, sondern auch durch die hohen Anforderungen, die der gewaltige Raum an Stimmkraft und künstlerische Schulung stellt, überaus schwierig. Herr Obercantor S ch o r r überwältigte alle diese Schwierigkeiten. Sein selten modulationsfähiges, in allen Tonlagen ausgeglichenes Organ, seine vollendete Coloratur, seine künstlerische Beherrschung des Choralgesanges übten den nachhaltigsten Eindruck auf die Hörer, so daß Herr S ch o r r als einer der berufensten Anwärter auf die erledigte Stelle bezeichnet werden muß. F. Wien. Wie alljährlich veranstaltete der rühmlichst bekannte Gesaugsprofessor Herr G e i r i n g e r am 2. Mai im Deutschen Volkstheater eine Vorstellung seiner Schüler; die heurige Vorstellung überragt jedenfalls alle ähnlichen Darbietungen unserer Residenz und stellt Herrn G e i r i n g e r ein glänzendes Zeugniß seiner Tüchtigkeit und seines Fleißes aus. Ungemein gefielen von den Damen Frl. Farniok und Frl. Schiroky, erstere ein Alt von besonderer Schönheit, letztere mit'einer nahezu vollendeten Coloratur begabt; beide Damen bewegen sich ziemlich sicher, zeigen viel Talent und hatten im Vereine mit den Damen Frl. Neuendorf, Lichtenheld, Warsa, sämmtlich im Besitze schöner Stimmen, viel Erfolg. Von den Herren haben Herr Gerhard und Herr Justiz den größten Erfolg der Vorstellung. Herr Gerhard, ein außerordentliches Talent für Baßbuffo-Rollen, sang mit Herrn Justiz, der über einen in der Höhe glanzvollen Bariton verfügt, das Duett aus „Lustige Weiber" in einer für Anfänger ganz ausgezeichneten Weise; in der Schlußpiece sielen nach Frl. Pentek und Herr Morovich durch ihr schönes Talent auf. Wien. (Eine j ü d i s ch - c o n f e s s i o n e l l e Schul e.) Die am 13. d. M. vom Bethausvereine „Marpe Lanefesch" _ im Cafe Adria" einberufene Versammlung behufs Gründung einer jüdischconiessionelle Realschule, nahm einen glänzenden Verlauf. Se Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. Jung aus Ung.-Brod hielt vor einem zahlreich erschienenen Auditorium, worunter auch Delegirte mehrerer conservativer Vereine sich befanden, eine der Sache entsprechend wohldurchdachte und formvollendete Ansprache, welche mit ungetheiltem Beifalle ausgenommen wurde. Der geistvolle Redner schilderte an der Hand passender „Midraschim" den gegenwärtigen Zeitpunkt als besonders dafür geeignet, den schwindenden jüdischen Geist neu zu beleben. Hiezu gehöre in erster Reihe die Errichtung confessioneller Schulen, die der Heranwachsenden Jugend Gelegenheit geben, Thora mit profanem Wissen sich anzueignen. Der folgende Redner Herr Wilhelm M o r g e n st e r n stellte den Antrag, man möge aus sämmtlichen conservativen Vereinen heraus ein engeres Comite bilden, das dann alle nöthigen Schritte zur Realisirung dieser hochwichtigen Angelegenheit zu unternehmen hätte. Herr Rabbiner S o r ging von der Ansicht aus, man solle sich mit dem Vorstand der Cultusgemeinde ins Einvernehmen setzen, deren UnterstiNung mit Sicherheit zu erwarten sei. Demgegenüber replicirten die Herren B ü x b a u m, Ferdinand K o h n, M o r g e n st e r n, F l e i s ch m a n n, Rabbiner Spiegel, R o s n e r in entschieden ablehnender Weise. Nachdem noch die Herren Singer und S k u t e tz k i gesprochen hatten, wurde zur Wahl eines Ausarbeitungscomites geschritten, Es wurden folgende Herren hiezu designirt: Dr. M. I u n g, Professor S. H o f f m a n n, Wilh. Morgen st e r n, Eduard Hermann, Hermann F i s ch h o f, Rabbiner David Spiegel, Markus Spiegel, Jsak Rosner, Wilhelm F l e i s ch m a u n, Julius L e i t n e r, Samuel B r u nn e r, Salomon Steiner, Josef Singer, Daniel Skutetzki, Salomon Schlesinger, Jakob W a r k a n i, F. A l t m a n n, Wolf Schiff. — Zum Schluffe wurde auf Antrag des. Herrn Braun dem Vorstande des Vereines „Marpe Lanefesch" für dessen thatkräftiges Eingreifen in dieser Sache der Dank der Versammlung votirt. Wien. (Berichtigung.) Bei dem Leichenbegängniß des Herrn Max Wolf, Schriftführer des Bethausvereines, III., Untere Biaductgasse, war der Vereinsvorstand unter Führung seines Obmannes, Herrn Dr. L. Straffer und der Vertreterder deutschfortschrittlichen Partei im Gemeinderathe Herr Mathies, erschienen. Floridsdorf. Am 23. d. M. feiert Herr Leopold G r ü nw a l d mit seiner Gattin Johanna das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Grünwald genießt sowohl wegen seiner Intelligenz, als auch wegen feinen humanen gemeinnützigen Bestrebungen allgemeine Achtung und in allen Kreisen zahlreiche Freunde, welche ihm die wärmsten Sympathien entgegenbringen. Stanislau. In der Cultusrathssitzung vom 8. Mai wurde an Stelle des jüngst verstorbenen Cultusrathspräsidenten H. H a l p e r n, der Banquier K. K i e s l e r einstimmig gewählt. Brzesko. Die jüdische Cultusgemeinde in Krakau hat einen herben Verlust erlitten. Am 10. dieses Monates um 11 Uhr Früh starb an Lungentuberculose der hochgelehrt und allverehrte Herr Josef Bornstein, Sohn des seligen Rabbiners Herrn Lazar David Bornstcin von Dzialoszy« in Ruffisch- Polen, im 76. Lebensjahre. Der Heimgegangene war ein Mann alten Schlages, in dem sich Bildung und Frömmigkeit vereinigten, ein großer Talmudist, streng religiös hatte er sich auch von wissenschaftlichen Bestrebungen nicht fern gehalten. Der Verblichene war Mitglied. des Cultusvorstandes und hatte sich wegen seiner Uneigennützigkeit die Beliebtheit Aller erworben. Ein großes Publicum aus den höheren Schichten der Stadt versammelte sich, um dem Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen und der Rabbinats-Affeffor, Herr Pinkas Dembicer, hielt einen warmen Nachruf, in dem er mit eindringenden Worten den seltenen Lebenslauf desMerstorbenen schildkrte. Nachman Bornstein Metz. Herr Rabbiner Dr. Netter ist.zum Oberrabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden. Bruchsal. An Stelle des nach Berlin berufenen Herrn Dr. Eschelbacher ist Herr M. D o c t o r, bisher zweiter Rabbiner an der Storch-Synagoge zu Breslau, zum Rabbiner von Stadt und Bezirk Bruchsal gewählt worden. Zürich. Der ehemalige Obercantor aus Ratibor Herr Simon T o n n e n b e r g, der auch der Wiener israelitischen Cultusgemeinde mit seinen hervorragenden cantoralen Leistungen nicht unbekannt ist, wurde einstimmig znm Obercantor der hiesigen Cultusgemeinde gewählt. Herr T o n n e n b e r g widmete seinen! Freunde S. C e r i n i, Obercantor in Breslau eine für ihn speciell geschriebene H. „Keduscha" mit Orgelbegleitung.

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