Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 20 (18.5.1900)
- Date
- 1900-05-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 20 Vr. Bloch's Wochenschrift Seite 375 Gemeinde dem Vereine ihre vollsten Sympathien zuwenden. Er schilderte sodann die Thätigkeit der Handwerkerschulen in Palästina, die er selbst kennen gelernt, und sprach den Wunsch aus, daß auf dieser Grundlage hier und dort weiter gearbeitet werde, es werde dies nützlicher sein als utopistische zionistische Bestrebungen. (Lebhafter Beifall und Zustimmung.) Der Schriftführer Dr. Bela T a u s s i g erstattete den Jahresbericht, in welchem er hervorhob, daß der Verein für Arbeitsnachweis, zu dem der Handwerkerunterstützungsverein die erste Anregung gegeben, bereits in sehr wirksamer Weise functionire und die^eisrigste Benützung verdiene. Er forderte nachdrücklichst zur thatkräftigen Mitwirkung an den Bereinszwecken auf und legte dann den Rechnungsausweis vor, dem zu entnehmen ist, daß dem Vereine in diesem Jahre 67 neue Mitglieder mit einem Jahresbeiträge von 604 Kronen beigetreten sind. Es ist dies eine Wirkung des int vergangenen Jahre in der Generalversammlung an die jüdische Bevölkerung gerichteten Aufrufs; sechs alte Mitglieder haben ihre Beiträge um 36 Kronen erhöht und 16 Spender haben 172 Kronen gewidmet. Der Verein zählte 1899 2 Ehrenmitglieder 29 Stifter mit einem Beitrag von 8000 Kronen und 300 fl. Noten-Rente und 200 fl. ung. Rente; 366 Mitglieder mit 3046 Kronen Beiträgen und überdies flößen 19 Spenden mit 1156 Kronen zu. Dem Vereine sind auch 2 Legate zugeflossen, 800 Kronen von Herrn Felix Epstein und 2000 Kronen von Herrn Ignatz R. v. Ephrussi, letztere mit der Widmung, daß die Zinsen als jährlicher Mitgliedsbeitrag dem Vereine zukommen. Aus Sammlungen in Freundeskreisen sind 177 Kronen dem Vereine gewidmet worden. 253 Darlehensgesuche sind an den Verein gerichtet worden, von denselben wurden 17 bewilligt und zwar 15 Darlehen, 2 Unterstützungen, 171 mußten abgewiesen werden, 65 wurden ins Jahr 1900 übernommen. Die bewilligten Darlehen betrugen 3310 Kronen, die Unterstützungen 110 Kronen. Seit dem Bestände des Vereines wurden 427 Darlehen mit 67.900 Kronen bewilligt, von denen 33173 Kronen zurückgezahlt sind. An Verwaltungsspesen wurden 2073 Kronen ausgegeben. Den Gesammt-Einnahmen mit 6673 Kronen stehen 5762 Kronen an Ausgaben gegenüber. Schließlich wiederholte er den Appell an die Gemeindemitglieder zu nachhaltiger Förderung des Vereines. Der Bericht wurde beifällig zur Kenntniß genommen und nach dem Referate des Revisors Steiner dem Vorstande das Absolutorium ertheilt. Der Präsident ertheilte hierauf dem kaiserl. Rath Joh. Lichtenst a d t das Wort, der den von uns bereits wörtlich mitgetheilten Vortrag über die „Jüdische Armenpflege in London hielt. Der Vortrag fand nicht nur den lebhaftesten Dank der Zuhörerschaft, sondern übte auch eine so große Wirkung aus, daß sich Herr Vorsteher Salo Cohn sofort erhob und die Erklärung abgab, er widme, bewegt durch die Darstellung des Vorredners, 5000 Kronen dem Vereine. Die Berhältniffe der Reichen seien in London andere als diin Wien, aber man entziehe sich auch in Wien nicht der Pflicht für Arme zu sorgen. Mit dem lebhaftesten Beifalle wurde die Spende zur Kenntniß genommen und der Präsident sprach gerührt Herrn Cohn seinen und des Vereines Dank aus, Herr Cohn entzog sich aber weiteren Dankes Äußerungen, indem er rasch den Saal verließ. Der Präsident sprach auch Herrn L i ch t e n st a d t für dessen inhaltreichen Vortrag den wohlverdienten Dank aus. Zum Schlüsse wurden die Neuwahlen für den Vorstand vorgenommen. Herr B r o d beantragte die Wiederwahl sämmtlicher ausscheidenden Vorstandsmitglieder und Revisoren. Da sich unter diesen auch der Präsident Baurath S t i a ß n y befand, beantragte Oberbaurath S. T a u s s i g, daß diesem hochverdienten Manne, an dessen Mitwirkung geradezu die Existenz des Vereines geknüpft sei, der durch die Gründung und Erhaltung des Vereines die größten Verdienste sich erworben, das besondere Vertrauen dadurch ausgedrückt werde, daß seine Wahl von der Versammlung aus erfolge. Beide Anträge wurden per acclamationem angenommen und hierauf die Versammlung geschloffen. Brünn. (E i n g e s e n d e t.) Jüdische Handelsangestellte und Arbeiter! Es ist kaum ein Jahr her da wir darangingen, den ersten Parteitag der jüdischen Handelsangestellten und Arbeiter einzuberufen. Die Erkenntniß unserer elenden Lage hatte in uns den Entschluß gereist, endlich Wandlung zu schaffen. Wir fühlten, wie schmählich und schädlich es ist. in fremdnationalen Parteien, die ja heute ohnehin nur mehr die ehrende Heimstätte der korrupten Elemente unserer jüdischen Bourgeoisie und der Tummelplatz charakterloser Streber und Geschäftspolitiker sind, Handlangerdienste zu leisten und uns als Stimmvieh mißbrauchen zu lassen und hatten es nur allzustark am eigenen Leibe gespürt, daß man dem antisemitischen Boycott nicht mit Resolutionen und Deputationen. mit Protestversammlungen und pathetischem Hinweis auf unsere gebuchte und protokollirte „Gleichberechtigung" beikommen könne. Wir waren aber auch darüber einig, daß unser Heil nicht in jenen Reihen zu finden ist, die für den Arbeits ertrag kämpfen während es uns noch an Arbeits gelegenheit mangelt. Weil wir die Wogen des Hasses und der Verhetzung stets höher gehen, die wirthschastliche Sonderstellung und mit ihr den Verelendungsproceß stets vorwärtsschreiten und die Schaaren unserer Hungerproletarier, Schnorrer und Luftmenschen erschrecklich anwachsen sahen, griffen wir zu jenem Mittel, das Welt-, Völker-, und Tagesgeschichte als das einzig richtige anerkannt hat und gaben die Parole der Selb st Hilfe, die Devise der nationalsocialen Organisation aus. So kam der erste Parteitag am 6. und 7. August 1899 zustande. Die starke Betheiligung, der günstige Erfolg sprachen für seine Berechtigung und Nothwendigkeit. Ein „Verband der jüdischen Handelsangestellten Oesterreichs" wurde ins Leben gerufen, eine Parteipresse wurde geschaffen, die gewerkschaftliche Organisation in Angriff genommen. Von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die jüdische Race einen Fremdkörper im Riesenleibe Europas bilde und hinaus müsse, erklärt der Parteitag die Verwirklichung des politischen Zionismus als einzig mögliche, endgiltige Lösung der Judenfrage. Jüdische Handelsangestellte und Arbeiter! Mit stolzer Freude über das bisherige Gedeihen unserer großen Sache, fordern wir Euch heute zu zahlreicher Theilnahme am II Parteitag auf, der am 3. und r. Juni in Wien stattfindet. Er hat sich wichtige Aufgaben gestellt, wie Ihr aus den Resultaten der Vorconferenz ersehen habet, und fühlt sich vor Allem berufett, d i e Initiative zur Gesammtorganisation aller unsererphysi sch und g e i st i g A r b e i t e n d e n z u g e b e n. Wollt Ihr nicht müßig uns unbetheiligt im Kampfe um Eure ureigensten Interessen dastehen, der für Euch den K a m p f u in das heilige Recht auf 2lr beit bedeutet, habt Ihr genug Urtheilskraft, um Euch Eurer Lage bewußt zu werden und genug Ehrlichkeit, um Farbe zu bekennen, dann ist es Eure Pflicht, für eine zahlreiche Beschickung des Parteitages zu sorgen, in Versammlungen auf seine Bedeutung hinzuweisen und in entsprechenden Kundgebungen Eure Solidarität zn manifestiren! Heraus denn z u er n st er, erhebender 2lrbeit, die uns das Selb st bewußt seinwiedergibt, die uns unser Recht erkänipft, die uns die Freiheit erringt, die das Volk errettet! Heraus, jüdische Handelsangestellte und Arbeiter, zum Parteitag! Brünn, 1. Mai 1900. Das Executivcomite des „Verbandes der jüdischen Handelsangestellten Oesterreichs". Lemberg. „Am ersten Tage des Pessachsestes, d. i. am 14. v. M.. Vormittags zwischen 10—11 Uhr, wurden in einem circa 2^ Kilometer von Tyczyn entfernten Wirthshause zwei Personen, und zwar eine alte Jüdin von über 60 Jahren und ihre Tochter, ein schon älteres Fräulein, in grauenhafter, haarsträubender Art ermordet und beraubt. Beide sind einfach durch den resp. die Mörder zerstückelt worden, und zwar war der Kopf der alten Jüdin in zwei Theile gespalten, während der Kopf und die Schultern des Mädchens ganz durchgeschnitten gesunden wurden; an Beiden sind ferner Hände und Finger abgehackt. Bald darauf kam eine Commission vom Gericht in Rzeszow, aus einem vom Kreisgerichte delegirten Untersuchungsrichter, zwei Aerzten und zwei Gendarmen bestehend, an den Ort. Das erschlagene Mädchen wurde zweimal exhumirt, und bald hierauf wurde der Bruder resp. Sohn der Ermordeten verhaftet, gekettet und dem Rzeszower Kreisgerichte eingeliefert. Hundert und mehr sogar Juden sind nun aber bereit, zu beeiden, daß der Sohn am 14. d. M., am Tage des Mordes, von 77r—11'/. Uhr in Tyczyn in der Synagoge war, während der Mord zwischen 10—11 Uhr 2'/« Kilometer weit von Tyczyn verübt wurde und die Erschlagenen vor 10 Uhr von Christen noch lebendig gesehen wurden!" Es ist überflüssig, zu dieser Meldung etwas hinzuzusügen. Neu-Sandez. Hochgeehrter Herr Redacte ur! Durch Berufs- und Amtspflichten verhindert, an den Berathungen des galizischen Gemeindetages in Lemberg Theil zu nehmen, sei es mir doch gestattet, auf Grund des in Ihrem geschätzten Blatte veröffentlichten Berichtes, sowie auch der in polnischen Tagesblättern darüber erschienenen Notizen einen Epilog zu dieser Versammlung zu schreiben; wozu ich mich umso gedrängter fühle, als da mein Namensvetter daselbst eine active Rolle gespielt hat, und meine Freunde, welche meine Gesinnungen kennen, die ich auf dem Gebiete der öffentlichen