Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 20 (18.5.1900)
- Date
- 1900-05-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 20 Vr» Bloch's WochrnftjzrrsL Seite 373 angegeben. Herr Kann war der einzige Fachmann, der sich für die Bank intereffirt hat. — „Jewish Chronicle" veröffentlicht den Brief des Herrn I. K a n n an den Aufsichtsrath des Jewish Colonial Trust, enthaltend die Absage des Herrü an den Aufsichtsrath. Die Veröffentlichung erfolgt auf Wunsch des Herrn Kann. Der Brief hat folgenden Wortlaut: An den Rath des Jewish Colonial Trust in Wien. Ich habe die Ehre Ihnen anzuzeigen, daß ich mich entschlossen habe, auf mein Amt als Direktor des Jewish Colonial Trust zu verzichten. Ich übernahm dies Amt zur Zeit, als die Gesellschaft entstand, unter d^r Bedingung, daß die vollständige Leitung des Trust von dem Board of Directors geführt werden würde. Es war immer meine Meinung, daß die Pflichten des Raths nur die wären, darüber zu wachen, daß der Board nichts thue, was den Principien des Zionismus zuwiderlaufe. Daher sah ich es nicht als eine Gefahr an, daß in dem Rathe keine Geschäftsleute sitzen. Ich sehe indessen jetzt, daß ich im Jrrthume war. Der Rath, besonders sein Mitglied Doctor H e r z l, mischt sich beständig in die Thätigkeit des Direktoriums ein, und diese Einmischungen gefährden wesentlich den Erfolg des Trust und zwingen mich, meine Entlassung zu geben. Die Firma Lissa u. Kann rechnete es sich zur großen Ehre, bei der Errichtung, des Trust mitzuwirken, aber jetzt ist sie genöthigt, die Verbindung mit demselben zu lösen. Ich hoffe Sie. werden mir gestatten, die Gründe meiner Resignation zu veröffentlichen, wie ich es für zweckmäßig halte. Obgleich ich genöthigt bin zurückzutreten, weil die Führer der zionistischen Bewegung einen gefährlichen Weg in Bezug auf die Leitung des Trust einschlagen, so bin ich doch überzeugt, Sie werden wissen, daß die Idee des Zionismus jederzeit meine volle Sympathie haben wird. Ich kann indessen keinerlei thätigen Antheil an der Leitung des Board nehmen, wenn nicht Maßregeln getroffen werden, welche die unbesonnene Dazwischenkunft von Laien ausschließen, durch deren Eingreifen jetzt alles gefährdet wird, was mit so großer MüM errichtet wurde. Ihr ergebener I. Kann."' Man muß gestehen, daß dieser Brief des Herrn Kann an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Juden-Excesse aus Anlaß des Konißer Mordes. Ueber die Excesse in der Gegend von Könitz wird berichtet: In Hammerstein wurden die jüdischen Häuser der Reihe nach vom vornehmsten bis zum geringsten regelrecht bombardirt. Frauen und Kinder mußten, um der Lebensbefahr zu entgehen, durch Hinterthüren flüchten und mehrere Nächte in christlichen Häusern Obdach suchen. Der durch die Demolirungen verursachte Schaden wird auf mehr als 5000 Mark geschätzt. Mit welcher Rohheit und Unverfrorenheit die Excedenten ihr Zerstörungswerk betrieben, dafür einige drastische Beispiele. Vor dem Putzgeschäst einer älteren Witwe hatte neben anderen Herren auch der Amtsrichter des Orts zum Schutze Aufstellung genommen. Letzterer rief den zur Demolirung heranziehenden Pöbelhaufen entgegen: „Aber Leute, Ihr werdet doch nicht das Eigenthum einer alten Witwe zerstören >" Eine Stimme aus dem Haufen entgegnete : „We büst Du denn?" — „Ich bin der Amtsrichter!" lautete die Antwort. — „Und ick bün de Schuster, mi kennt ein Jeder," tönte es zurück. Und das Steinbombardement begann. In dem Laden eines Lederwaarenhändlers erschien ein Besitzer vom Lande und wünschte, ein paar Stiefelsohlen zu kaufen. Als der Kaufmann, eine in Hammerstein hochgeehrte Persönlichkeit, die mehrere Ehrenämter bekleidet, und der christliche Arme so manche Wohlthat danken, sich anschickte, die verlangten Sohlen abzuschneiden, und zu diesem Zwecke das Messer schärfte, rief der Besitzer in höhnischem Tone: „Sie wollen mich wohl schlachten!" riß den Kaufmann zur Thüre hinaus und mißhandelte ihn draußen in Gemeinschaft eines Kumpans in gröblichster Weise. Recht üppige Blüthen hat der Radau-Antisemitismus auch in Baldenburg getrieben. Die Art, wie dort die Synagoge zugerichtet worden ist, zu beschreiben, verbietet das Schamgefühl. Das Gotteshaus kann hinfort seiner Bestimmung nicht mehr dienen und ist, wie mir gesagt wird, der Stadt zur Verfügung gestellt worden. Doch nicht nur in den Städten, auch auf dem Lande ist es zu unerhörten Ausschreitungen gegen die jüdischen Staatsbürger gekommen. In Eickfier, wo eine Witwe mit ihren Töchtern eine Schankwirthschaft betreibt, war das Steinbombardement so heftig, daß sich die Damen mehrere Nächte hindurch aus einer fensterlosen, versteckten Kammer nicht herausrühren dursten. Die Heimaisliebe der verfolgten rumänischen Juden. Der „Pester Lloyd" vom 15. Mai berichtet: Die rücksichtslose Strenge, mit welcher namentlich in der Moldau die gegen den Hausierhandel und gegen die Anwesenheit von Fremden, das heißt zunächst von nicht naturalisirten Israeliten, in den Landgemeinden gerichteten Verbote gehandhabt werden, hat an dem Umsichgreifen der Auswanderungsbewegung mindestens ebenso großen Antheil, wie Krisis und Geschäftsstockung. Und da es zum weitaus größten Theile durchaus nicht arbeitsunfähige oder arbeitsunlustige Stromer, sondern vielmehr meist junge und strebsame, arbeitstüchtige Leute sind, welche sich zur Auswanderung aus Rumänien veranlaßt sehen, hat die türkische Regierung ihren Consuln neuerdings die Bidirung der Pässe solcher rumänischen Israeliten gestattet, welche die Absicht und die Fähigkeit besitzen, sich durch ihre Arbeit auf türkischem Territorium, mit Ausnahme von Palästina, ein neues Heim zu gründen. Der Hauptzug der Auswanderung richtet sich aber doch nach Amerika. In welch bedauernswerthem Zustande sich viele der Emigranten befinden, konnte man so recht an der nahezu hundert Köpfe zählenden Auswandererschaar aus Verlad ersehen, welche, auf der Fußwanderung nach Hamburg begriffen, an diesem Dienstag die Stadt Jassy passirte. Man hatte zwar den armen Leuten behufs Vermeidung eines unliebsamen Aufsehens den Eintritt in die Stadt verboten. Dafür strömte auf die Nachricht von ihrem Eintreffen vor -der Barriere die Jaffyer Judenschaft in hellen Schaaren vor die Stadt hinaus, um ihren, die bisherige Heimat verlassenden Glaubensgenossen Lebewohl zn sagen und sie mit Nahrungsmitteln und Geld zur Bestreitung der Ueberfahrtskosten von Hamburg nach Amerika zu versehen. Großes Aufsehen hat auch ein Manifest erregt, in welchem die Verlader Auswanderer, unter welchen sich zahlreiche ausgediente Soldaten der rumänischen Armee befinden, die Erklärung abgeben, daß sie nnt Leib und Seele an Rumänien hängen, welchem sie Erziehung und Schuluntericht verdanken, und daß sie ihm diese Liebe auch in der neuen Heimat bewahren werden, welche zu suchen sie nun gezwungen sind, da ihnen das alte Vaterland den Lebensunterhalt verweigert. Ueberhaupt trägt die israelitische Auswanderungsbewegung nirgends eine Animosität gegen Rumänien zur Schau, und es ist daher umso bedauerlicher, daß sich auch unter den jetzigen Verhältnissen noch immer Leute finden, welche dem antisemitischen Racenhaß durch Zeitungshetzereien und Vereinswühlereien neue Nahrung zuzuführen bemüht sind. So hat sich eine rumänische Antisemitenliga mit einem der Freimauerei nachgeäfften Ceremoniel als eine Art Geheimbund zur Bekämpfung des Judenthums in Rumänien constituirt.' Organisator derselben war der durch einen Briefmarkenschwindel als Großmeister einer Bukarester Winkelloge unmöglich gewordene pensionirte Hauptmann Moroiu; als ihr sichtbares Oberhaupt fungirt ein gewisser Jancovescu, welcher zugleich die Leitung des Ligablattes „Apararea Nationala" (nationale Verteidigung) besorgt. Jancovescu ist ein publicistischer Klopffechter untergeordneter Kategorie und sein Blatt ein Sammelplatz all des Blödsinns und all der Bosheiten, welche Aberglaube und Gehässigkeit an antisemitischem Hetzmaterial zu Tage fördern, vom „Hep-Hep" der Gaffenjungen angefangen bis hinauf zum Blutmärchen in allen seinen Erscheinungsformen. Aber schließlich kann das bei einem antisemitischen Blatte nicht überraschen. Was aber überraschend ist und wohl noch einer Aufklärung bedarf, ist die Thatsache, daß die „Apararea Nationala", welche, weit davon entfernt, ein gouvernementales Blatt zu sein, der Regierung vielfach Steine in den Weg zu werfen sucht, aus den Fonds des Unterrichtsministeriums eine Jahressubvention von 3000 Lei bezieht! Allerdings war Herr Jstrati vor seiner Berufung in das Cabinet als ein Haupt der Antisemiten bekannt. Aber man hätte doch denken sollen, daß derselben von seiner jetzigen Vertrauensstellung als Minister für Cultus und Unterricht eine höhere Meinung hat, als daß er die Vollmachten seines Amtes — sei es nun aus persönlicher Freundschaft für Herrn Jancovescu, oder aus individueller Geschmacksverirrung — zur Unterstützung eines mit der Regierung in absolut keiner Beziehung stehenden antisemitischen Hetzblattes von der Gemeinheit der „Apararea Nationala" mißbraucht. Bcrurtheilung eines Pariser antisemitischen Blattes. Aus Paris wird uns telegraphirt: Das antisemitische Wochenblatt „A n t i j u i f" und dessen Druckerei wurden über eine vom Advocaten Bergougnan vertretene Klage v erurtheilt, 42 israelitischen Kaufleuten, die in dem genannten Blatte auf eine Proscriptionsliste gesetzt waren, je 500 Francs, zusammen also 21.000 Fra n c s Schadenersatz zu bezahlen. In der Urthetlsbegrün-