Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 20 (18.5.1900)
- Date
- 1900-05-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 372 Dr. Bloch's Wochrnfchrifi. Nr. 20 Schwerer ist es, die Stellung der czechischen Antisemiten zur Kirche zu begreifen, da sie, je nachdem es ihnen paßt, bald die frommen Katholiken, bald die enragirtesten Huffiten spielen. Patrioten sind sie natürlich alle, nur sieht ihr Patriotismus oft mehr russisch als österreichisch aus. Da hat neulich der bekannte gewaltige Dr. Baxa im böhmischen Landtage eine Rede gehalten, die, wie König Friedrich H. von einem Pasquill sagte, verdient „niedriger gehängt zu werden". Ob der Redner nicht verdient höher gehängt zu werden, wollen wir dem Urtheil der Leser überlassen. Der Bericht in der „Bohemia" lautet: „Der Redner'zog gegen die Gendarmerie los, weil sie sich bei den czechisch-nationalen Kundgebungen anläßlich der Aufhebung der Sp^achenverordnungen dem czechischen Volke gegenübergestellt habe. In dem Umstande, daß die Regierung dem Landtage nicht genügend Zeck für seine Arbeiten gewähre, erblickt Redner einen Beweis dafür, daß die Regierung die Bedeutung des Landtages Herabdrücken und glauben will, daß gleich dem Reichsrathe auch der Landtag nicht arbeitsfähig sei. Der Redner befaßt sich dann des Längeren mit der jungczechischen Obstruction und ist der Ansicht, daß die Jungczechen mit der Einstellung der Obstruction gegen die Recrutenvorlage die Waffe der Obstruction, selbst unschädlich gemacht haben. Er behandelt die Angelegenheit der Verständigungsconferenzen, motivirt, warum die Radicalen ihre Theilnahme an denselben abgelehnt haben, erörtert die Sprachenfrage und den Sprachengesetzentwurf der Regierung, kritisirt die Militärverwaltung, kommt auf die 2äe-Frage zu sprechen, wobei er neuerlich die Worte, die der Kaiser seinerzeit dem Dr. Stransky gegenüber in der 2äe-Affaire gesprochen hat, citirt. Das czechische Volk, sagt Redner, hat fortwährend die vom Monarchen gegenüber Dr. Stransky gesprochenen Worte im Sinne Wenn sich das allerhöchste Haupt zu solchen Aussprüchen hinreißen läßt und mit dem Standrecht droht, welches gesetzlich keineswegs begründet ist, so können wir nichts anderes sagen, als daß dies die Aeußerung des Herzens des Monarchen, daß dies sein alter Haß gegen das czechische Volk ist und wir könnten uns nicht helfen, wenn sich die ganze czechische Nation die Ueberzeugung verschafft hat, daß sich in diesem Ausspruche die alte Feindschaft dem czechischem Volke gegenüber gezeigt. In gleicher Weise hat er sich zu dem Ausspruche hinreißen lassen, daß er für diese Sache keine Amnestie gewähren werde. Wer in den letzten Jahren gesehen hat, um welcher Verbrechen und Vergehen wegen Amnestien ertheilt wurden, und wer sich den Ausspruch des Monarchen bei dieser Gelegenheit vergegenwärtigt, kann sich die Sache wieder in keiner anderen Weise erklären, als derart, wie ich cs eben gesagt habe. Der regierende Kaiser ertheilt keine Amnestie und die czechische Nation hat einen Fall erlebt, daß der Monarch wenigstens einmal sein Wort gehalten hat. In den übrigen Fällen hat das czechische Volk, wie wohl er die Versprechungen keineswegs in einer schwachen Stunde, sondern bei feierlichen Gelegenheiten gemacht hat, die Erfüllung seiner Versprechungen nicht erlebt." Es ist gewiß kein Zufall, daß Antisemiten in Frankreich den Präsidenten insultirten, daß Antisemiten in Deutschland den edlen Kaiser Friedrich verhöhnten, daß Antisemiten in Frankreich gegen den Staat conspirirten, daß Schönerer und Konsorten den Heimatstaat verunglimpfen und daß endlich ein Baxa so Unerhörtes wagt. Dr. Baxa hat bekanntlich im Polnaer Processe als Vertreter der „Privatbetheiligten" eine so hervorragende Rolle gespielt und in so unverantwortlicher Weise gegen die Juden gehetzt. Da die Anklage gegen Hilsner durch den Staatsanwalt genügend vertreten war und die Mutter der Ermordeten von dem notorisch ganz mittellosen Angeklagten nicht die geringste Entschädigung zu erwarten hatte, so war ein Vertreter der „Privatbetheiligten" ganz überflüssig; aber es scheint, daß der große österreichische Patriot Baxa sich die Gelegenheit nicht entgehen laffen wollte, gegen die Juden zu Hetzen und sie im Gerichtssaale des religiösen Mordes zu beschuldigen. Das Beachtenswertheste ist aber, daß die deutschclericalen so patriotischen Antisemiten den Dr. Baxa in Ruhe laffen und ihr rohes Geschimpfe nur gegen den angeblich jüdischen Dr. Stransky richten. Das zeigt, welch' Geisteskinder sie sind. Und diesen Leuten zu Gefallen, werden Hofdecrete aus dem Jahre 1821 ausgegraben! M. Eiu Freund und Schüler Drumont's. Der Beamte im französischen Marine-Ministerium, Edmonde Philipe, ist wegen verschiedener Gaunereien, darunter auch des Verraihes wichtiger Documente, vom Pariser Zuchtpolizeigerichte zu vier Jahren Gefängniß verurtheilt worden. Das „Deutsche Volksblatt" macht den Lumpen flügs zum Juden und nennt ihn einen „zweiten Dreyfus". Es ist die alte Taktik des Diebes, der selbst, „haltet den Dieb!" schreit. In Wahrheit ist Edmonde Philipe nicht blos christkatholischen Glaubens, sondern er zählt auch zu den ältesten und vertrautesten Freunden des Pariser Bergani, des Äntisemitenhäuptlings Eduard D r u m o n t, in dessen höchst anrüchige Vergangenheit Edmonde Philipe mjtverwickelt war. Wenn die Untersuchung etwas tiefer gegriffen hätte, so hätte sie leicht auch Herrn Drumont an den Kragen gehen können! Die zionistische Bank. Die „Welt" veröffentlicht jetzt den Jahres-Abschluß der zionistischen Colonialbank (,,-Jewish Colonial Trust“). Damit wird zum ersten Male eine wirklich zuverlässige Uebersicht über die Zeichnungen, die Zahlungen und die Ausgaben dieses großgeplanten Unternehmens gegeben und zugleich die Prüfung ermöglicht, ob dasselbe wirklich als ein ganz ungewöhnlicher Erfolg bezeichnet zu werden verdient, wie dies von betheiligter Seite stets behauptet wurde. Recapitnliren wir die Vorgeschichte! Im Juli 1898 wurde seitens der zionistischen Parteileitung zu einer provisorischen Zeichnung von 20 Mark-Actien für eine Colonialbank aufgefordert und das nöthige Capital auf 40 Millionen Mark festgesetzt. Die Zeichnung ergab trotz lebhafter Propaganda nur 3 em halb Millionen. Daraufhin beschloß der zweite Kongreß in Bqsel die definitive Gründung der Bank. Das Actencapital wurde nominell in der Höhe von 40 Millionen Mark belassen, doch sollte die Bank ihre Thätigkeit bereits beginnen können, sobald 5 Millionen gezeichnet und voll eingezahlt sein würden. Die Zahlung hatte durch eine Anzahlung von 4 Mk. und vier ferneren Raten a 4 Mk. zu erfolgen. Auf dem dritten Congreß wurde mitgetheilt, daß rund 1,200.000 Mk. eingezahlt, rund 300.000 Actien gezeichnet und für 285 000 die Anzahlungen geleistet seien. Davon wurden 250.015 das erste Mal registrirt; im Laufe des Jahres sind dann, wie wir aus der Bilanz erfahren, noch 37.962 zur Registrirnng gelangt, neue Zeichnungen sind also seitdem nicht mehr erfolgt, wenigstens nicht bis Ende 1899 (die Bilanz datirt vom 31. December 1899). Aus diese Zeichnungen waren als Anzahlung 1,151.908 Mk. geleistet, am 31. December im ganzen laut Bilanz 1,823.454 Mk. eingezahlt; es sind demnach auf die Raten, von denen zwei mit insgesammt 200.000 Mk. fällig waren, nur 671.546 Mk. eingegangen. Das bedeutet, daß zwei Drittel der Actien-Zeichner ihre Raten nicht eingehalten haben, was kaum verwundern kann, da die Zeichner mit wenigen Ausnahmen gerade die Armen und Aermsten unserer Brüder im Osten' sind, die mit Aufbietung aller Kräfte wohl noch die Anzahlung leisten konnten, deren Mittel aber die Fortsetzung der Raten nicht mehr gestatten. In einer Randbemerkung theilt das Secretariat der Bank mit, daß bis zum 21. April d I. neu eingezahlt sind 624.380 Mk., doch ändert dies das Gesammtbild nicht, da erstens einige neue Actienzeichnungen hinzugekommen sein können, dann aber wieder mindestens eine Rate mit 1,160.000 Mark fällig geworden ist. Die Thatsache bleibt bestehen, daß von den gezeichneten Actien nur ein kleiner Theil, etwa ein Drittel, eingezahlt wird, während der Rest Verpflichtungen auf dem Papier vorstellt. Es will uns nicht scheinen, als wenn die veröffentlichte Bilanz dazu angethan wäre, die Zeichnungen, resp. die Zahlungen wieder zu stimuliren. Wie schon erwähnt, darf die Bank erst in Thätigkeit treten, sobald die Summe von 5,000.000 Mk. voll eingezahlt ist. Das Geld der Bank konnte daher zunächst nur zinstragend angelegt werden. Nach dieser Richtung steht in der Bilanz vermerkt: „Einnahme an Zinsen 23.288 Mk." d. h. einund ein viertel P r o c e n t. eine Verzinsung, die selbst in heutiger Zeit recht niedrig erscheint. Dieser minimalen Einnahme aber steht eine Ausgabe gegenüber, die geradezu colossal genannt werden muß. Die Kosten der Bank beliefen sich bisher auf nicht weniger als 287.314 Mk., somit ist ein Siebentel des eingezahlten Capitals auf Unkosten daraufgegangen. Sehen wir uns diese Posten'einmal näher an! Wir finden darunter: Reisen 30.500 Mk., Salaire 37.740 Mk., Drucksachen 31.545, Stempel 41.000 Mk., Advocaten rc. 26.000 Mk., Annoncen 26.000 Mk., Miethe 12.000 Mk. rc. rc. Es dürfte kaum eine reelle Bankgründung geben, welche im ersten Jahre einen derartigen Ausgabenetat aufzuweisen hat, und speciell in der Geschichte der jüdischen Unternehmungen sind Generalunkosten in Höhe von 300.000 Mk. völlig unerhört. — In derselben Nummer der „Welt" kündet der Aufsichtsrath der Bank an, daß Herr I. K a n n - H a a g, bekanntlich der einzige Banquier in der Verwaltung, aus derselben ausgeschieden ist. Als Grund werden Zerwürfnisse mit dem Aussichtsrath und Meinungsverschiedenheiten über die Handhabung der Geschäfte