Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 19 (11.5.1900)
- Date
- 1900-05-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 363 seinen ehemaligen Schülern getragen und am offenen Grabe hielt einer von ihnen im Namen der Agramer jüdischen Jugend eine kurze Rede in croalischer Sprache, um vom geliebten Lehrer Abschied zu nehmen und „da die Religion Kränze verbiete, ihm so die letzte Ehre zu erweisen und ihm auch die Versicherung zu geben, daß die Jugend stets sein Andenken Hochhalten wird." Hoffentlich wird auch die Gemeinde durch die Gewährung einer reichlichen Witwenpension von seinen Hinterbliebenen materielle Sorgen fernhalten und so theilweise die Verdienste des Verstorbenen auch nach besten Tode belohnen. Sein Andenken aber sei gesegnet! L. S. Kroatisch-Kreutz. Am 25. v. M. feierte der Sparcafsen- Director Herr Markus B r e y e r das 25jährige Jubiläum als Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde. Dem Jubilar zu Ehren fand ein von der israelitischen Cultusgemeinde veranstalstaltes Bankett statt, dem der Bürgermeister, der Bice-Bürgermeister von Kipach, Bezirksvorstand von Tynski, Bezirksrichter Semitekelon, Chef des Postamtes Petrowic, die israelitischen Vorstände der Belowarer und Kopreinitzer Cultusgemeinde, Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Engl, der gesammte israelitische Gemeindevorstand u. A. beiwohnten. Nach den officiellen Toasten hielt Herr Rabbiner Dr. Engl eine den Jubilar feiernde Rede, die mit vielem Beifall ausgenommen wurde Dem Bankette ging ein Gottesdienst voran, dem der Obergespan, Vicegespan und der Rabbiner Tauber aus Belowar beiwohnten. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Golzinger durchschritt in höchster Aufregung das Zimmer, Lorenz verfolgte ihn mit verzehrenden Blicken, seine Zukunft, sein Schicksal hing von der Entschließung seines Vaters ab. Plötzlich blieb der Bürgermeister vor seinem Sohne stehen. „Ja, ja, ja," stöhnte er tief auf, „das sehe ich ein, wenn der kluge, energische Michael Klein Dich anklagt, — und er wird seine Klage vor ein Forum bringen, das sich nicht von mir beeinflussen läßt, und sie durch vollgiltige Beweise unterstützen — dann bist Du nichtswürdiger Sohn und Mensch verloren, und ich mit Dir! . . . ." „Mir etwas zu beweisen wird dem verfl.Juden doch schwer fallen!" schrie Lorenz. „Als Zeugen könnte er höchstens seine Pflegeschwester anführen. Ich glaube, es gehört keine besondere juridische Geschicklichkeit dazu, diese als eine verdächtige, unglaubwürdige Zeugin hinzustellen. Von den drei feigen Burschen, die ich für schweres Geld gewonnen, mir bei dieser mißglückten Affaire behilflich zu sein, haben zwei die Flucht ergriffen, der dritte liegt todt auf der Landstraße. Von dem ist auf keinen Fall etwas zu befürchten, und die beiden anderen Hundsfötter werden sich wohl hüten, gegen mich auszusagen, sie würden ja hiedurch ihre Mitwissenschaft und Mitschuld bekennen." Bürgermeister Golzinger war ein Schurke, aber er war in der Beurtheilung einer verbrecherischen Handlung nur in Bezug auf sich selbst nachsichtig, gegen seinen Sohn aber befand er sich jetzt in gereizter Stimmung. Während der kurzen Zeit seines Aufenthaltes, in seiner Heimath in der Nähe semes Vaters, der ein Vertrauensamt bekleidete, hätte er — nach Golzinger's Anschauungen, vorsichtig sein, sich mäßigen, nichts unternehmen sollen, was auch ihn — den Bürgermeister — comprimittiren konnte. Er wollte ihm die Lust zu einer Wiederholung ähnlicher Ausschreitungen benehmen, ihn, eine kurze Zeit, bevor er ihm Hilfe gewährte, zappeln lassen, auch ihm beweisen, daß es nicht leicht sei, ihn zu einem incorrecten Schritte zu drängen und er sprach: „Hm, das ändert wieder meine Anschauung. Wie Du selbst sagst, hast Du nichts Ernstliches zu befürchten. Wenn Michael Klein keine Zeugen für Dein versuchtes Verbrechen aufzubringen vermag, kann man Dich auch in der That nicht verurtheilen. Ich habe es daher nicht nöthig, eine Ungerechtigkeit zu begehen und kann der Sache ruhig ihren Lauf lassen, meinst Du nicht auch?" „Nein, nein, nein!" heulte Lorenz mit wilder Heftigkeit. „Das verstehst Du nicht. In der Armee und beim Adel nimmt man die Sachen viel strenger als bei Euch bürgerlichen Leuten. Wenn ich in dieser Angelegenheit angeklagt würde, würde auch, wenn ich freigesprochen würde, kein Officier in der ganzen Armee mit mir dienen wollen. Ich müßte sofort quittiren." „Daran läge mir blutwenig." erwidere der Bürgermeister, in den Ton seiner Stimme die höchste Verachtung legend. „Seit' dem Du durch meine Bemühungen Baron und Officier geworden bist, hast Du Dich in frechster Weise über mich und Deine brave Mutter erhoben; ein tüchtiger Schlag, der Deinen unbändigen Stolz träfe, wäre Dir sehr zuträglich. Uebrigens mußt Du auch für den Militäcstand nicht die geringste Eignung besitzen. Du dienst jetzt schon so lange und hast es nicht weiter als bis zum Unterlieutenant gebracht. Gestern Abend im Weinhause hat der Regimentsarzt erzählt, der blutjunge Prinz Kaltern-Moggendorf, ein halbes Kind, wäre schon nach fünfmonatlicher Dienstzeit zum Lieutenant avancirt. . .." „Weil er der Enkel eines regierenden Fürsten ist," war Lorenz dazwischen, aber der Bürgermeister, die Einschaltung seines Sohnes nicht bemerkend, fuhr mit scheinheiliger Miene fort: „Das allein könnte mich in keinem Falle bewegen, einen Unschuldigen leiden zu lassen. Ich gönne Dir, der Du Dich gegen die Deinen überhobst, die verdiente Demüthigung. Blos wenn Du mich davon zu überzeugen im Stande bist, daß gegründete Befürchtungen vorliegen, Du könntest als gemeiner Verbrecher verurtheilt werden, könnte mich dies, als Vater, dazu drängen, zu Deinen Gunsten einzuschreiten." Lorenz knirschte mit den Zähnen und niurmelte. „Nun denn, Du kaltherziger, egoistischer Vater, wenn es Dich freut, mir ein peinliches Geständniß zu erpreffen, muß ich Dir auch diesen Triumph gönnen. Wenn mich Klein anklagt, komme ich vor ein Militärgericht, da gibt es andere Richter als Du es bist, diese sind unbestechlich und würden der Sache auf den Grund gehen wollen .... Es ist ja bekannt, daß ich mich unter den Gästen des Fürsten Lichtenstein befunden. Ich bin von dort viel früher aufgebrochen, als es für die Visitirronde nöthig war, und das ist schon meinem Spielnachbar aufgefallen und er hat dies als zu weit getriebenen Pflichteifer bezeichnet — das müßte jetzt zur Sprache kommen. Dann war ich nicht vorsichtig genug. Ich Hab halt nicht gedacht, daß die affreuse Affaire eine solche Wendung nehme könnte.... ich habe auffallende Dummheiten gemacht. Ich bin in einem miserablen Einspänner — es war in Deinem elenden Neste kein anderes Fuhrwerk aufzubringen — hinaus gefahren, Hab' das betrunkene Vieh, den Nikolauer, gezwungen, in Posewitz zu bleiben, bis ich wieder nach W. znrückkehre, — und bin bann doch weggeritten — das Alles müßte ja auffallen, meinst Du nicht auch?" Golzinger war in seiner Erbitterung gegen seinen Sohn noch immer nicht geneigt, ihn schon jetzt von seiner Seelenqual zu befreien, und er sprach langsam, bedächtig und mit überlegenem Lächeln: „Darüber mein lieber, gerathener, zärtlicher Sohn brauchst Du Dir kein graues Härchen wachsen zu lassen. Die jungen Officiere werden beim Weine und Spiele nicht darauf geachtet haben, wann Du Posewitz verlassen hast. Daß Du zurückgeritten und nicht gefahren bist, kann leicht durch eine Aenderung der Umstände erklärt werden. Früher glaubtest Du, es würde regnen oder schneien, darum ließest Du den Wagen auf Dich warten, als Du Posewitz verließest, war eine helle frische Winternacht, und Du hast es vorgezogen zu reiten." Lorenz begann zu fürchten, sein Vater wollte ihn seinem verdienten Schicksale überlaffen und er rief ängstlich: „Aber auf dem Wege von Neuhof nach W. wird ja der Todte gefunden werden. Da wird man wohl Me, welche in dieser Nacht die Straße paffirten, fragen, ob sie nichts Verdächtiges, nichts von einem Streite oder Anfalle gesehen, gehört oder bemerkt haben." „Der Todte wird in dem Weichbilde der Stadt gefunden werden und die Untersuchung dieses Falles fällt mir zu. Wenn Dich nicht Dein Gewiffen bedrückt, den Tod eines Menschen, Deines Spießgesellen, veranlaßt zu haben, kannst Du ruhig sein." „Ulrich Loderer war ein elender Lump, der während seiner Dienstzeit zweimal Spießruthen laufen mußte und über sechshundert Stockprügel bekommen hat." „Mit einer schönen Gesellschaft hat sich mein liebwerthes Söhnchen, der hochwohlgeborene Herr Baron Hornek-Golzingec eingelaffen! .... Ich werde Dich entweder gar nicht als Zeuge vorladen laffen, oder wenn ich aus Rücksicht für den Gerichtshof