Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 19 (11.5.1900)
- Date
- 1900-05-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 362 Nr. 19 Dr. Bloch's Wochenschrift. Repräsentanten des gesetzestreuen Judenthums aus Frankfurt a. M. im israelitischen Tempel Müllnergaffe, fesselte die allgemeine Aufmerksamkeit. Wie«. Herr Dr. Leopold Hirsch, Zögling der israelitischtheologirchen Lehranstalt in Wien, wurde am 30. April d. I. zum Rabbiner und Religionslehrer der israelitischen Cultusgemeinde in Wolin gewählt. Wie«. (Wiener Bethamidrasch.) In dem am 3. Mai begonnenen Sommersemester finden die Vorlesungen des Herrn Docenten Dr. Gelbhaus jeden Mittwoch und Donnerstag von 5 bis 6 Uhr statt. Wien. (Bethaus-Verein „Marpe Lanefesch".) Sonntag, den 13. d. M., Nachmittag 4 Uhr, wird im Clublocal des Cafe Adria, H, Große Pfarrgaffe 1, eine Versammlung, behufs Gründung einer consessionellen Realschule abgehalten. Referent: Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. Jung aus Ung.'Brod. Gäste willkommen. Der Obmann: S. Steiner. Der Schriftführer: Wilhelm Morgenstern. Wien. Wir werden ersucht zu constatiren, daß der Correspondent der Union in Lemberg, Herr D. M a s ch l e r ist. Demselben wurde in der letzten Generalversammlung der Dank votirt. Wien—Weißgärber. Am 7. d. M. fand unter zahlreicher Betheiligung seiner Freunde, die Beerdigung des langjährigen Vorstandsmitgliedes und Schriftführers des Bethausvereines „Beth-Hakneteth" HL, Untere Viaductgasse 13, des Herrn Max Wolf, statt. In Vertretung der israelitischen Cultusgemeinde find erschienen: die Herren Baurath v. Goldschmidt, kais. Rath Dr. Lieben, Amtsvorstand Wiener, des Bethausvereines „Beth- Hakneteth" der gesammte Vorstand unter Führung seines Obmannes Herrn Sigmund Kauders, des israelitischen Witwen- und Waisenunterstützungsvereines Director Dr. Brunner, des Vereines „Fides" Herr Marcus, des Vereines „Gomle Chesed" eine Abordnung unter Führung des Herrn L. Spitzer, des Erdberger Humanitätsvereines „Caritas" Herr Obmann Krieg, Obmann-Stellvertreter Herr Dr. Elias, des Bürgervereines „Landstraße" Herr Mathias u. v. A. Nach Absingung des vom Vereinscantor Schwarz wirkungsvoll vorgetragenen Trauerchorals würdigte Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. Armin Abeles in beredten Worten die Verdienste des Verewigten um das Judenthum im Allgemeinen und den Bethausverein im Besonderen. Am offenen Grabe sprach im Namen des Bethausvorstandes Herr Dr. Straffer. Seine Rede klang in dem Wunsche aus, daß die Judenschast des dritten Bezirkes, im Geiste Wolf's weiterwirkend, bald an die Errichtung eines würdigen Gotteshauses schretten möge. Mit den warmen Abschiedsworten des Herrn Elias schloß die würdige Leichenfeier. Prag. Das „Prager Tagblatt vom 3. d. M. berichtet: „Max Da wison, der bekanntlich mit Ende dieses Monates aus dem Verbände unserer Landesbühne scheidet und nach Hamburg geht, wo er unter Bedingungen engagirt wurde, wie sie nur einem Künstler ersten Ranges zugestanden werden, erhielt von den czechifchen Wagner-Verehrern einen mächtigen Lorbeerkranz, dessen Schleifen die Widmung tragen: „Dem Meistersänger — die czechifchen Wagnerianer." Die Kranzspende war von folgendem Schreiben begleitet: „In den Tagen, wo Ihr Scheiden von Prag bevorsteht, wird uns Allen wehe ums Herz, denn wir Alle, Deutsche und Czechen, müssen über den großen Verlust klagen, der unserem Kunstleben einen so schweren Schlag versetzt. Eines bleibt uns aber: die Erinnerung! Die Erinnerung an herrliche, schöne Genüffe, wie sie einzig und allein Ihre Kunst gespendet. Wollen Sie, der geniale Dolmetsch des genialen Wagner, eine Erinnerung auch an Ihre czechifchen Freunde, so nehmen Sie den Lorbeer, der Ihnen, wie sonst Niemandem, gebührt. Vergessen Sie in der Ferne nicht, daß Ihnen hier in unserer lieben Vaterstadt auch in czechifchen Kreisen treuen Freunde bleiben und Ihrer nie vergessen werden. Die czechische- Wagnerianer." — Ein erfreuliches Zeichen für die objective Be urtheilung eines Künstlers in einem Lande, in dem wohl Deutschs wie Juden fich nicht besonderer Sympathien zu erfreuen haben. (D. Red.) Franzensbad. Die israelitische Cultusgemeinde hat den Curarzt Herrn Dr. Hirsch zum Ordinarius im Franz Josef- Jubiläums-Hospital ernannt. Kojetein. Bitte um Aufnahme folgender Notiz in Ihrem geschätzten Blatte: Dem Cantor Josef Grün st ein in Kojetein wurde von der dortigen slavischen christlichen Stadtvertretung auf dessen Ansuchen einstimmig das Heimats- und Bürgerrecht verliehen. S. K a n i tz. Olmütz. Am 6. Mai l. I. fand im hiesigen israelitischen Tempel die Trauung des Fräulein Adele Löw, Tochter des Stadtverordneten und ersten Cultusrathes Herrn Josef Löw um 2 Uhr Nachmittags statt. Herr Löw hat aus diesem Anlasse eine Josef und Mathilde Löw'sche Heiratsausstattungsstiftung mit einem Legatsbetrage per 2000 Kronenrente creirt. Auch wurden fast sämmtliche hiesige Wohlthätigkeitsanstalten mit namhaften Spenden bedacht. Groß sind die Ehrungen, welche Herrn Löw aus Anlaß dieses freudigen Familienereignisses allseits entgegengebracht werden; denn Herr Löw entfaltet in unserer Stadt eine hervorragende, gemeinnützige Thätigkeit und dies insbesonders als vieljähriger und erprobter Cultusrath unserer Gemeinde. Jeder, der die großen Verdienste dieses Mannes in seiner Eigenschaft als Obmann vieler hierorts bestehender Humanitätsvereine kennt, wer weiters die Freundlichkeit und die urbanen Umgangsformen unseres unermüdlichen und in allen Gesellschaftskreisen hochgeachteten Herrn Cultusrathes kennt, wird gewiß den herzlichsten und freudigsten Antheil an dieser Familienfeier nehmen. Auspitz. (Todesfall.) Eine zwar nur kleine, aber angesehene und andächtige Trauergemeinde war es, welche sich am sonnigen Morgen des 2. Mai auf dem stillen „guten Orte" zu Auspitz versammelt hatte, um hier einem vortrefflichen Manne die letzte Ehre zu erweisen. Herr Marcus Herzka, erster Religionslehrer in Olmütz, war in dem kleinen mährischen Orte, wo er im Hause einer Enkelin seine letzte Lebenszeit verbracht hatte, im hohen Alter von 91 Jahren verstorben. Aus Brünn war sein Schüler und Nachfolger im Amte Prof. Dr. Max Grünfeld herbeigeeilt, um dem verehrten Manne die letzten Grüße ins Grab nachzurufen. Es war in der That ein Mann von seltener Gelehrsamkeit und vortrefflichen Eigenschaften, der hier zur ewigen Ruhe gebettet wurde, ein Mann, der dem Judenthum zur Ehre gereichte. Als der Redner den Lebensweg des Verewigten schilderte, blieb kein Auge thränenleer. Tiefergriffen verließen die Anwesenden die friedliche Todtenstätte. Die Gemeinde Olmütz aber möge dem Entseelten ein ehrenvolles Angedenken weihen, hat er doch in ihrer Mitte seit ihrer Entstehung in den Fünfziger-Jahren bis zum Beginne der Achtziger-Jahre als ein wahrer Priester Gottes und der Humanität gewirkt. Judaeus. Czernowitz. (Aufnahme in den Staatsverband). Der Obercantor der Czernowitzer isr. Cultusgemeinde, Simon Schächter, wurde in den österreichischen Staatsverband ausgenommen und hat am 5. April in der Landesregierung den Eid als Oesterreicher geleistet. Bozen. Die hiesige jüdische Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Herr M o r i z Schwarz, ein Mann, der wegen seines Charakters und seiner Humanität allgemeiner Achtung sich erfreute, ist am 1. Mai nach langem schmerzvollem Leiden im 58. Lebensjahre verschieden. Das Judenthum verliert in ihm einen treuen Sohn, welcher der Religion der Väter in inniger Liebe anhing. Friede seiner Asche. Agram. (Todesfall.) Am 2. Mai hat die hiesige jüdische Gemeinde einen schweren Verlust erlitten. Um ein Uhr Früh verschied nach mehrmonatlichem Leiden an Lungentuberculose Herr Samuel Schweizer, Lehrer an der hiesigen jüdischen öffentlichen Volksschule, im Alter von 55 Jahren. Der Verblichene war ein gebürtiger Agramer und besaß die Befähigkeitsprüfung für die untern Claffen der Realschule. Um jedoch seine Kräfte dem Judenthum widmen und streng religiös leben zu können, trat er bald nach ihrer Eröffnung in den Lehrkörper der hiesigen jüdischen Volksschule, ander er ununterbrochen durch 28 Jahre wirkte. Sein Verdienst ist, daß er den c r o atischen Unterricht zuerst an einer jüdischen Schule einführte und seiner Thätigkeit ist es zu verdanken, daß die jüngere Generation der croatischen Sprache mächtig und so im Stande ist, sich in allen geistigen Berufen auszuzeichnen. Die gesammte isr. Gemeinderepräsentanz, ja buchstäblich die ganze jüdische Gemeinde, an 2000 Personen folgten dem Sarge. Die jüdische Volksschule, die jüdische Mittelschuljugend und die jüdischen Schülerinnen des Mädchenlyceums eröffnten den Zug. Nur von seinen christlichen Standes genoffen war Niemand anwesend. Im Hause sprach Seine Ehrwürden OberrabbinerDr.Jacobi Worte des Trostes zur tiefgebeugten Familie, während Herr Obercantor R e n d i die rituellen Gesänge mit gewohnter Virtuosität, doch von Trauer ttefbewegter Stimme sang. Am Friedhofe wurde der Sarg von