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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-05-11 · 19 (11.5.1900) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
19 (11.5.1900)
Date
1900-05-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Bloch's WochensüwifL. Seite 361 bare Treue sich derselben auch allezeit luiirbifl zeigte. WM kann ein begabter Mann durch klugen Rath Einfluß gewinnen, so chen aber durch Jahrzehnte sich zu erhalten, vermag nur ein fester, zuverlässiger Charakter Beim Anblick des stolzen Kaiserdcnknials, mit welchem der Verstorbene unsere Stadt geschmückt hat, wird sich Dessau stets seines Bürgers erinnern, der nicht nur in geschichtlich bewegter Zeit gelebt hat, sondern dem es auch vergönnt war. zu Zeiten imtgestaltend in die Entwicklung der Geschichte einzngreifen. Wie mir der Verstorbene, aus dessen reichem Erinnernngsschatze zu hören mir mehrfach eine Freude war, erzählt hat, war es der oft ausgesprochene Wunsch Kaiser- Wilhelms I., er solle ganz nach der Reichshauptstadt kommen. Daß er uns getreu geblieben, daß er sich als Dessauer fühlte, und den Titel des Ehrenbürgers mit großem Stolze trug, das wollen wir ihm nicht vergessen. Trotz aller äußeren Schätze und Ehren ist er einfach und schlicht geblieben, ohne prunkende Häuslichkeit, treu blieb er dem Glauben seiner Väter, treu dem ererbten Familiennamen. Mit rührender Liebe hing er an den Eltern, vor allem an der Mutter, zu deren Gedächtniß er der Stadt nach ihrem Tode eine Stiftung überwies, und an der Tochter, welche seinen Tod beweint und in der Häuslichkeit das Verstorbenen unsere Mitbürgerin werden will. Nun ruht er aus von einem langen bewegten Leben. Sein Name, verknüpft mit so reichen Erinnerungen, wird lange unter uns und in der Stadt fortleben, sein Bild, welches unser neues Rathhaus schmücken soll, wird uns erinnern an einen treuen Ehrenbürger unserer Stadt, zu dessen ehrendem Andenken wir hier in feierlicher Gemeinderathssitzung uns erhoben haben." Die Versammelten hörten die Worte des Oberbürgermeisters stehend an. Am Beisetzungstage — Donnerstag, 3. Mai, mußten die städtischen Gebäude Halbmast flaggen. Ein zahlreiches Trauergefolge versammelte sich gegen 12'/, Uhr vor dem Trauerhause und als sich der Zug in Bewegung setzte, bildeten Tausende in den Straßen bis zum Fr edhofe Spalier. Im Trauergefolge befanden sich unter Anderem: Der Flügeladjutant des Herzogs, Oberst von Trotha, der Adjutant des Erbprinzen, Oberlieutenant von Borck, Hofkammerpräsident Dr. Huhn, Kreisdirector Dr. Sachsenberg, Oberbürgermeister Dr. Ebeling, die beiden Stadträthe, das Stadtverordneten-Collegium, der Regimentscommandeur Oberst von Frankenberg, derBezirkscommandeur. Den Conduct eröffnete die Trauerweisen spielende Regimentscapelle. Vor dem Leichenwagen trugen die beiden Beamten des Verstorbenen die Kissen mit den kostbaren Orden. Auf dem Friedhofe schilderte Landesrabbiner Dr. Freudenthal die Tugenden des Heimgegangenen an der Hand herrlicher Midraschim. Oberbürgermeister Dr. Ebeling sprach dann im Namen der Stadt. Der Baron hatte sich schon zu Lebzeiten seine Sterbekleider machen lassen und die Vorsteher der Chewrah Kadischah gebeten, seinen Sarg auch nur aus sechs Brettern anzufertigen. Er wollte einfach zur ewigen Ruhe eingehen. Einzige Erbin des nach vielen Millionen zählenden Vermögens ist seine Tochter, Frau Witwe Julie Oppenheim, die ihren Wohnsitz von Berlin nach Dessau verlegen wird. Im Aufträge Seiner Majestät des Kaisers ging der Tochter nachstehendes Telegramm zu: „Seine Majestät der Kaiser und König haben die Nachricht von dem Hinscheiden Ihres Herrn Vaters mit aufrichtiger Teilnahme empfangen und mich beauftragt, Ihnen Allerhöchst innigstes Mitgefühl auszusprechen. Se. Majestät haben in dem Dahingeschiedenen allezeit den treu bewährten Diener Allerhöchst ihres verewigten Großvaters, des Kaisers Wilhelm des Großen Majestät geschätzt. A. Eulenburg." Ihre Hoheit die Frau Herzogin hat der Tochter des Verstorbenen telegraphisch ihr Beileid in folgenden Worten ausgesprochen : „Nehme warmen Antheil an Ihrem schmerzlichen Verlust. Werde Ihrem Vater stets ein dankbares Andenken bewahren. Herzogin von Anhalt." Ihre Kgl. Hoheit die Prinzessin Friedrich Karl condolirte durch folgendes Telegramm aus Rom: „Spreche Ihnen bewegt mein herzliches, aufrichtiges Beileid zu dem so schweren Verluste aus. Prinzessin Friedrich Karl." Se. Kgl. Hoheit der Großherzog von Baden hat außer einer prächtigen Blumenspende folgendes Telegramm gesandt: „Ich erfahre durch die Erbprinzessin den bedauerlichen Heimgang Ihres verehrten Vaters. Ich nehme den aufrichtigsten Antheil an diesem großen Verluste und bitte Sie, den Ausdruck des treuesten Mitgefühls der Großherzogin und von mir entgegenzunehmen. Das Andenken an Ihren verehrten Herrn Vater und an seine erfolgreiche Thätigkeit wird uns stets theuer und werth bleiben. Ich würde sehr dankbar sein, wenn Sie Mir durch einen Vertrauten einiges Nähere über die letzten Tage des theuereu Verstorbenen zukommen lassen wollten. F." Weitere Beileidsbezeugungen gingen ein von Sr. Hoheit dem Prinzen Eduard (Handschreiben), Sr. Hoheit dem Prinzen Aribert, Ihren Durchlauchten dem Fürsten und der Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt und dem Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe (Telegramme.) Am Beerdigungstage wurden von Frau Oppenheim der Stadt 10,000 Mk. zur Vertheilung an Arme und Bedürftige übergeben. Petersburg, 27. April. (Rabb inercongreß.) Wie schon vor einiger Zeit gemeldet worden, beabsichtigen die russischen Rabbiner zu einem Congreß zusammenzutreten, als dessen Vorsitzender der Oberrabbiner von Cherson Dr. M. K r e p s fungiren soll. Eine Borversammlung soll demnächst in Nikolajeff stattfinden. Da nur Gouvernements- und sonstige Rabbiner zu den Berathungen zugelassen werden sollen, hat Dr. K r e p s den Rabbinern folgenden Fragebogen gestellt: 1. Sollen zum Rabbinercongreß sämmtliche Rabbiner eingeladen werden, oder soll jedes Gouvernement nur einen, in einer Gouvernementsversammlung zu wählenden Rabbiner entsenden? 2. Ist es erwünscht, daß Districtsversammlungen abgehalten werden, um von Zeit zu Zeit die den District betreffenden jüdischen Angelegenheiten zu berathen? 3. Welche Tagesordnung ist für den Congreß festzusetzen? 4. Welches sind die Fragen, die der versammelten Geistlichkeit vorzulegen sind in Berücksichtigung der Thatsache, daß in der Religionsabtheilung des Ministeriums bereits eine Rabbinercommission vorhanden ist? — Alle auf diese Fragen eingehenden Antworten sollen dem Minister des Innern unterbreitet werden. Sofia. (Der Fürst von Bulgarien über die Gleichberechtigung der Confessionen.) Fürst Ferdinand von Bulgarien hat, wie dem „Kcl. Ert." gemeldet wird, den Rabbiner der Djakovarer israelitischen Cultusgemeinde Dr. Ehrenpreis zum Landesrabbiner von Bulgarien ernannt. Bei der Dankaudienz, welche Dr. Ehrenpreis beim Fürsten nahm, erklärte dieser, sein sehnlichster Wunsch sei die Gleichberechtigung der in seinem Lande wohnenden Juden mit den anderen Confessionen und beauftragte den Landesrabbiner mit der Unterbreitung von Vorschlägen zur Hebung der Cultur der bulgarischen Juden und Organisation ihrer Gemeinden. Vermischtes. Wien. (Kundmachung.) Freitag den 11. Mai a. e. Abends und Samstag den 12. Mai a. c. Früh wird Herr Obercantor M. S ch o r r im Leopoldstädter Tempel einen Gastvortrag halten. Beginn >.es Gottesdienstes: Freitag Abends um 7 Uhr 30 Minuten, Sonntag Früh um 8 Uhr 30 Minuten. Wien. Se. Majestät hat der Präsidentin des Frauen- Wohlthätigkeitsvereines „Providentia" in Wien, Hor.ora Krall, das goldene Verdienstkreuz verliehen. Wien. (T r a u u n g.) Donnerstag, den 17. d. M. um 'A3 Uhr Nachmittag findet im Tempel der Seitenstettengaffe die Trauung des Fräulein Ella G r ü n f e l d. Tochter des Cultusvorstehers Docenten Dr. Josef Grünseld, mit dem Herrn Med. Dr. Lucius Stolper statt. Wien. (S p e n d e.) Für die russischen nnd argentinischen Juden erhielten wir anonym von N. N. den Betrag von Kronen 100. — Für die Boryslawer Bergarbeiter sind uns unter P. R. aus Wien Kronen 10.— zugekommen. Wien. Am 1. d. M. waren es 25 Jahre, daß der hochgeehrte Director des Wiener Bankvereines Herr Bernhard Popper diesem Institute angehört. Im Vereine mit Herrn Director Popper beging auch der allseits hochgeschätzte Herr Vice-Director derselben Bank, Herr Felix K u r a n d a, daß 25jährige Jubiläum seines Eintrittes in den Bankverein. Seitens des Verwaltungsrathes, der Beamten und der zahlreichen Freunde wurden den beiden Jubilaren große Ovationen dargebracht. Wien. Herr Leopold G o l d s ch m i d t aus Frankfurt a. M., von der Firma Goldschmidt u. Comp., weilte dieser Tage in Wien. Cr kam hierher aus Anlaß der Vermählungsfeier seiner Mchte Frl. Flora Freund, und die Anwesenheit dieses vornehmen

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