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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-05-11 · 19 (11.5.1900) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
19 (11.5.1900)
Date
1900-05-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 356 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 19 des Ministers des Innern, der offenbar reichliche Arbeit vorgefunden hat. Nach den Vorsichtsmaßregeln, die auf seinen Antrag getroffen worden sind, kann man wohl hoffen, daß es nicht zu weiteren Ausschreitungen kommen wird, oder daß diese in ihren ärgsten Folgen verhindert werden können. Bestimmtes Austreten der Regierungsorgane wird hoffentlich auch dazu beitragen, der verblendeten Bevölkerung die Augen zu öffnen sowohl über das Unverständige, wie über das Strafbare ihres Verhaltens. Wie berichtet wird, finden jetzt schon Strafverfolgungen wegen Landesfriedensbruches statt, bei denen leider nur solche Leute den Schaden tragen werden, die als Verführte des Mitleids werth sind, während die eigentlichen antisemitischen Hetzer auch diesmal frei ausgehen dürsten." Die Protestanten als Inden. In Nim es, der altberühmten Stadt, ist im katholischen „Clairon du Midi" ein „Aufruf an die Katholiken" ergangen, aus dem die „Allgemeine Evangelisch-Lutherische Kirchenzeitung" die nachstehenden milderen" Stellen mittheilt: „Die Protestanten sind überall, an allen Ecken zeigen sie ihre häßliche Fratze. Darauf los! Los auf die gemeinen Söhne Luther's. Zeigen wir, katholische und königstreue Bürger von Niemes, das unsere von jeher gläubige Stadt, ihren alten Principien treu, die katholische und royalistische bleibt, dem Papst und dem König ergeben. Erwachet alle, Ihr Katholiken, auch die Ihr bis jetzt geschlafen habt, und kämpfet mit Ms, um endgiltig die Protestanten aus allen unseren Verwaltungen zn vertreiben, diese feigen, sectirerischen Protestanten, denen jeder ins Angesicht spucken muß! Hinaus mit dieser hungrigen Gesellschaft von Plünderern! Ihr ehrlichen Leute, aufrichtig königstreu, laßt uns unsere herrliche Religion und unsere Redlichkeit dem hugenottischen Lug und Trug gegenüber Hochhalten! Der Protestantismus verdirbt und vergiftet alles, zertreten wir ihn wie Ungeziefer. Mit Schmutz werde er beworfen und erdroffelt! Wir wollen leben, wir Katholischen, ohne die Judasse, ohne dieseu Auswurf der Menschheit; sie sind schwatzige Juden und Mädchen sch änder. Krieg diesen Freimaurern, diesen Heuchlern, diesen Gottesleugnern! Vorwärts, ihr Pioniere Roms, auf zum Sturm gegen die verrätherische eformirte Religion." r Eine alte spanische Bibelübersetzung. Dem spanischen Gelehrten Professor Marcelino Menendez y Pelayo haben anläßlich des 20. Jahrestages seines Wirkens als Profesior namhafte Gelehrte aus verschiedenen Ländern ein gegen 60 Aufsätze umfassendes zweibändiges Sammelwerk geschenkt. Den Anfang des zweiten Bandes bildet eine Abhandlung des Oberbibliothekars der Madrider Nationalbibliothek Paz y MÄia: „Die-spanische Bibelübersetzung des Rabbi Mose Arragel de Guadalfajara", der die „Jsr. Wochenschrift" Folgendes entnahm. Als im Frühjahr des Jahres 1422 der Großmeister von Calatrava, Don Luis de Guzmän, in Toledo vom Kampf gegen die Mauren ausruhte, regte sich in ihm, der des Jagens, des Schachspielens und des Lesens von Ritterromanen müde war, der Wunsch, eine gute spanische Bibelübersetzung mit Glossen zu lesen. Er ersuchte daher den Rabbi Mose Arragel, diese Arbeit zu übernehmen. Der Rabbi lehnte den Auftrag höflich ab, weil er als Jude die Bibel so glossiren müsse, daß der Großmeister als Christ und Katholik keinen Nutzen davon haben würde. Der Großmeister ließ sich aber nicht abweisen, ließ dem Rabbi durch den Bruder Arias de Enciena in Toledo die näheren Instructionen geben, und so machte sich der Rabbi an das Werk, das er 1433, also nach elfjähriger Arbeit beendete. Bei der Uebertragung ist Rabbi Mose da, wo der lateinische Text des Hieronymus mit dem hebräischen übereinstimmt, beiden gefolgt; wo sie von einander abweichen, hat er sich an den hebräischen gehalten. Im Allgemeinen hat er von Uebersetzungen keine gute Meinung; er hält nicht nur den für thöricht, der die Bibel, sondern auch den, der einen Brief von Hans an Kunz übertragen will. Bei der Aufstellung der Glossen verfährt Arragel mit aller denkbaren Freiheit. Wo er es für gut hält, bekämpft er die Interpretation seiner Glaubensgenossen. Wenn er sich mit den kirchlichen Dogmen im Widerspruch befindet, fügt er Worte wie die folgenden hinzu: „So hält es der Christ, aber die Juden glauben gerade das Gegentheil." Der Meinung des Großmeisters selbst widerspricht er nie; er begnügt sich damit, sie anzuführen. Die natürliche Trockenheit der Glossen mindert er durch die Einfügung von jüdischen Fabeln und Erzählungen, von Sprichwörtern, Anspielungen auf die Sitten der Zeit u. dgl. m. Ein B-ispiel genüge: „In den jüdischen Fabeln erzählt man, daß, als Noah den Weinstock pflanzte, Satan kam und Noah fragte: „Sage, Mensch, was Pflanzest Du du?" „Einen Weinstvck." „Und was kann dieser Weinstock machen?" „Seine Frucht ist lieblich, gleichviel ob sie grün oder trocken ist. besonders wenn man Wein davon macht, an dem die Menschen große Freude haben." Da sagte Satan zu Noah: „O, wenn ich doch mitthun könnte!" Und Noah war damit einverstanden. Darauf brachte Satan ein Lamm, dann einen Löwen, dann einen Affen und schließlich ein Schwein. Diese schlachtete er, und mit ihrem Blut begoß er den Weinstock. Und daher hat offenbar der Wein seine Wirkung: Wenn der Mensch anfängt zu trinken, ist er ein zahmes Lamm; wenn er mehr trinkt, wird er wie ein Löwe; dann macht er Späße wie ein Affe, und wenn er noch weiter trinkt, wälzt er sich wie ein schmutziges Schwein. ..." Andere Glossen offenbaren die Menschenkenntniß und den literarischen Geschmack des Rabbi. Aus den der Abhandlung hinzufügten drei Belegen kann man mit dem kundigen Paz y M6lia den Schluß ziehen, daß die Uebersetzung Arragel's größtentheils Original-Arbeit ist. Die Vorzüge, die sie vor allen anderen bekannten spanischen Uebertragungen hat, rechtfertigen den Wunsch, daß die Bibel, die sich als Manuskript in der Bibliothek der kunstsinnigen Herzogin von Alba befindet, eines Tages unverkürzt veröffentlicht werden möge. Neues vom Pater Mortara. Außerordentlich groß war die Aufregung, die gegen Ende der Fünfziger-Jahre durch die Welt ging, als bekannt wurde, daß auf Befehl des Papstes Pius IX. ein Judenknabe namens Mortara seinen Eltern in Bologna mit Gewalt weggenommen und in ein Kloster gethan wurde, um dort zum katholischen Priester erzogen zu werden, weil der Knabe während einer Krankheit von einer christlichen Magd getauft worden war. Aber alle Aufregung nützte Nichts und brachte den Eltern ihr Kind nicht wieder; ja, man wußte lange nicht, was aus dem Knaben geworden war, bis er vor einigen Jahren als Missionspriester auftauchte und nun selbst erklärte, daß er jener Judenknabe Mortara sei, der so viel von sich reden gemacht. Vor einiger Zeit ist nun Pater Mortara auch nach Paris gekommen und das hat verschiedenen Blättern Anlaß gegeben, seine Geschichte zu erzählen. Auch der „Temps" brachte in einer Correspondenz aus Rom eine Darstellung. Es hieß darin u. A., der kleine Mortara sei seinen Eltern „angeblich" geraubt worden, damit er getauft werde; nach der Taufe hätten seine Eltern Nichts mehr von ihm wissen wollen; später sei es ihm aber gelungen, seine Mutter zu bekehren und zur Katholikin zu machen. Beigefügt war noch, daß Pater Mortara selbst den Sachverhalt so in einer Kirche zu Rom dargestellt habe. Darauf schrieb nun Pater Mortara aus Rom an den „Temps" einen Brief, der folgenden Wortlaut hat: „Herr Redacteur! Mit apostolischen Missionsarbeiten hier in Rom beschäftigt, habe ich erst jetzt die Nummer Ihres Blattes gelesen, in der in einem Berichte aus Rom von meinen historischen Schicksalen die Rede ist. In diesem Berichte finden sich außer mehreren Unrichtigkeiten auch Behauptungen, die verletzend für meine Familie sind, mit der ich stets in den besten Beziehungen und in brüderlichem Einverständnisse gelebt, habe. Nachstehendes ist die reine, einfache Wahrheit, so weit sie sich auf meine Vergangenheit bezieht: In schwerer Todesgefahr wurde, ich, als ich kaum elf Monate alt war, durch eine christliche Magd getauft, die bei meinen Eltern in Bologna in Dienst war, wo ich 1851 geboren wurde. Die Magd hat mich nicht erzogen, ich konnte sie also auch nicht als meine Adoptivmutter betrachten. Nach meiner Taufe blieb ich sieben Jahre ruhig bei meinen Eltern. Im Juni 1858 wurde ich auf Befehl des Papstes Pius IX., des damaligen weltlichen Herrn von Bologna, von meiner Familie getrennt und nach Rom gebracht, wo derselbe Papst mich in der katholischen Religion erziehen ließ, zuerst beim Rector der Katechumenen und dann bei Ven Regulären des Lateran im Colleg San Pietro in Yinculi. Wir bedauern sehr, meine Brüder und ich, daß Ihr Bericht behauptet, meine Eltern hätten mich verleugnet und mich der Magd überlassen, die mich taufte, und sie hätten sich wiederholt

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