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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-05-04 · 18 (4.5.1900) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
18 (4.5.1900)
Date
1900-05-04
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 346 Dr. Bloch's Wochrnfchrist. Nr. 18 die ich von meinem klugen Vater geerbt habe, ganz außer Acht gelassen..." „Wenn Du mir Complimente machst und in so thörichter Weise von mir sprichst, beabsichtigst Du gewiß etwas ganz Unmögliches von mir zu fordern ... so komme doch wenigstens ohne Umschweife zur Sache!" „Ich muß mich kurz fassen, das Feuer brennt mir auf den Nägeln, — Ich erfuhr zufällig, daß Sara Brack heute Nacht in Begleitung ihres Pflegebruders den Weg nach Neuhof zurücklegen wird. Ich suchte ihr zu begegnen, und lud sie ein, mich in meinem Wagen zu begleiten. Ihr Pflegebruder nahm das so übel, daß er — einen meiner Begleiter mit seinem Stock zu Boden schlug, ihn tödtete." „Was sprichst Du für widersinniges Zeug?" fuhr der Bürgermeistet erschreckt auf. „Weil Du seine Verlobte in unverschämter Weise angesprochen, hat er Deinen Begleiter todtgeschlagen? ... Wenn ich Dir, weil Du leider Gottes denn noch mein Sohn bist, helfen soll, so mußt Du mir reinen Wein einschenken, die Wahrheit sagen ... wo liegt der Erschlagene?" „Auf der Straße, eine Viertelstunde von Neuhof ... ich hatte geglaubt, Du als kluger Mann und Jurist würdest die Sachlage sofort erkennen und mir ein ausführliches, beschämendes Geständniß ersparen ... Ich hatte nämlich Einsprache von dem Juden erwartet, und um mich vor einem etwaigen Angriffe zu schützen, hatte ich drei handfeste Leute engagirt, die mich begleiten und mir bei dieser Affaire behilflich sein sollten .. „Ah! Du wolltest einen Mädchenraub begehen! Das ist ein schweres Verbrechen ..." „Nur jetzt keine Moral, Vater! — Wenn Du mir aus der Schlinge geholfen haben wirst, daun kannst Du mir eine Exhorte halten, so lange als es Dir nur beliebt. Die nächste und größte Gefahr droht mir von dem Juden, dem Michael Klein, der mir schon in meiner Knabenzeit nichts als Verdruß und Aergerniß bereitete... als ich, um mich seiner zu erwehren, meine Pistole auf ihn anlegte, sank das Mädchen um — vielleicht hat sie der Schrecken getödtet .. ." „Das wird ja immer schöner und schöner," schaltete der Bürgermeister ein, „Mädchenraub, versuchter Mord . .." „Wenn die schöne Jüdin gestorben, bin ich an ihrem Tode unschuldig. Wer kann denn wiffen, daß das kräftige junge Mädchen gar so zarte Nerven hat und in ihren Pflegebruder verliebt ist?! Aber Michael Klein hat, nachdem ich meine Genossen verlassen, das bewußtlose Mädchen in meinen Wagen gehoben und mir gedroht, mich für ihren Tod verantwortlich zu machen. Vater, wenn Du sein Gesicht bei dieser Drohung gesehen hättest, würdest Du es glauben, daß er mich zu tödten beabsichtigt .. . aber das ist nicht meine einzige Angst Michael Klein kann bei meinem Regimentscommandanten eine Anzeige gegen mich erstatten, je länger ich es bedenke, desto mehr bin ich überzeugt, daß er es thun wird, dann ..." „Dann bist Du ein verlorener Mann," ergänzte der Bürgermeister, „fünfzehn bis zwanzig Jahre Spielberg sind Dir sicher ... o! Du ungerathener, nichtswürdiger Sohn! Du wirft mein graues Haupt noch mit Schande bedeckt in die Gruft senken! O! Du schändlicher Lotterbube! — Und, schämst Du Dich nicht in Deine schwarze Seele hinein? Du, der Officier, die Waffe an der Seite, und die drei Schelme, die Du als Helfer gedungen, Ihr laßt Euch von dem einzelnen.Manne, dessen einzige Waffe in einem Stocke besteht, wie Hunde fortprügeln!" „Nachdem die Sache eine so ernste Wendung genommen und einer meiner gedungenen Helfer am Boden lag, ergriffen die beiden Andern die Flucht. Ich stand Michael Klein allein gegenüber... ich trug überhaupt keine Uniform, ich trug unter dem Dragonermantel die Kleidung eines Försters." „Eine lobenswerthe Vorsicht," höhnte der Bürgermeister, „aber ich fürchte, Dein umsichtiges Benehmen wird Dich diesmal doch nicht vor infanur Cassation zu schützen vermögen. Michael Klein ist ein kühner, entschlossener Mann, Du hast ihn durch Deine wahnsinnige Leidenschaftlichkeit schwer gereizt, Du hast von ihm Alles zn befürchten!" „Das ist's ja eben! Du mußt mich von dem Furchtbaren befteien, mußt mich vor ihm schützen, mußt ihn unschädlich machen." „In welcher Weise vermag ich dies?" „Wenn Du ihn noch im Laufe der Nacht, spätestens am frühen Morgen verhaften läßt, und dafür sorgst, daß er nicht zu Worte kommt. Am Besten wär's, wenn er spurlos verschwände, wenn Du das nicht vermagst, das er zum Tode oder lebenslangen Kerker verurtheilt wird." „Mensch! Du bist nicht nur ein Nichtswürdiger, sondern auch ein formidabler Dummk, pf. Wir leben ja nicht in der Barbarei, ich bin ja nicht der Fürst eiues Negerstaates im Innern Afrikas, der den ersten Besten seiner Unterthanen den Kopf vom Rumpf Heruntersäbeln kann! Einen Menschen em letzten Decennium des achtzehnten Jahrhunderts verschwinden lassen oder zum Tode verurtheilen! Mensch, wenn Du nicht betrunken bist, so hast Du vor Angst Deinen Verstand verloren! Für was hältst Du mich denn? Ich bin Bürgermeister in W. und als solcher auch Chef der Justizbehörde der Stadt; aber ich präsidire dem Criminalgerichte nur, und kann nichts aus eigener Machtvollkommenheit unternehmen ... Ja, einen Vagabunden, ein gemeinschädliches Individuum kann ich auf die Bank legen und fünfundzwanzig Stockhieb: aufzählen lassen, aber zum Tode verurtheilen ..." „So lass' ihn zu Tode prügeln," heulte der niederträchtige Schurke. „Steht Dir der eiugewanderte Jude näher, als Dein einzig Kind, das durch diesen Menschen in furchtbarster Weise bedroht ist? Willst Du, ich soll einer Uebereilung willen infam cassirt werden, in den Zellen des Brünner Spielbergs verfaulen? Hast Du denn für Deinen Einzigen kein Fünkchen Erbarmen? Und - wenn Du auch das nicht fühlst, Du herzloser Vater, so denk an Dich selbst! Die Schmach, die mich träfe, würde auch Dich mit zerschmetternder Wucht treffen. Glaubst Du, man ließe den Vater eines Verbrechers auf seinen Posten als Haupt und Richter einer Stadt? Auch Du würdest mit Schimpf und Schande von Deinem Amte gejagt werden und meine arme unschuldige Mutter würde vor Gram und Schmerz sterben." (Fortsetzung folgt.) Literatur. Steht iw Talmud etwas über Fleisch- und Fettbesudeln? Bearbeitet von Pfarrer Dr. I. I a e g e r. Commissionsverlag von Fr. B ü ch n e r's Buchdruckerei in Gerolzhofen. Mit einem Gutachten des Professor Doctor Strack. Schufte haben das Märchen ersonnen, und Narren haben es geglaubt, daß der Talmud die Besudelung von Fleisch verlange, das für Juden als zur Nahrung ungeeignet ist. Die Behauptung wurde von Antisemiten aller Länder wiederholt, u. a. in einer Beilage (Marktbärbel) der „Neuen Bayer. Landeszeitung." Die genannte Zeitung hat dabei v e r g e s s e n (!) anzugeben, auf welcher Seite des 12 große Foliobände umfassenden Talmudwerkes diese Vorschrift steht. Im Interesse der Volksaufklärung wird es darum doch von jedem Menschenfreund nur gutgeheißen werden, daß Verfasser in einer Broschüre den Nachweis der Verlogenheit jener Beschuldigung erbringt. Der Weg. den er dabei einschlägt, ist folgender: Nachdem er das Wesen des jüdischen Religionsgesetzes, des Talmud und Schulchan-Aruch unter den für Belehrung Suchenden sehr geeigneten Literaturhinweisen eingehend erläutert hat, zeigt er, daß die Quelle für die Beschuldigung E i s e n m e n g e r's „Entdecktes Judenthum" ist, der seinerseits wieder älteren antisemitischen Schriftstellern folgt. Bei Eisenmenger sowohl, als seinen Eideshelfern wird nun berichtetet, daß Aehnliches da und dort einmal geschehen sein „soll". — Nun die Juden sollen im Jahre 1348 auch die Brunnen vergiftet haben! —; aber von einer talmudischeu Quelle findet sich bei diesen würdigen Antisemiten keine Spur. Dr. I a e g e r beweist nun positiv aus dem Wesen der auf der Bibel und dem Talmud sich aufbauenden jüdischen Lehre die Unmöglichkeit einer solchen Vorschrift; seine Ausführungen in diesem Theil werden durch einen im Anhang abgedruckten wissenschaftlichen Artikel Strack's, der in der Betrachtung des talmudischbn Verbotes der g’nebath hadaath (Täuschung) und seiner Verbindlichkeit gegen alle Menschen gipfelt, wirksam gestützt und ergänzt. Dr. I a e g e r zeigt nun weiter, wie die antisemitischen Hetzer bei ähnlichen Processen (so Sedlatzek Berlin 1896) bereits daraus verzichtet haben, ihre Anklage aus dem Talmud zu beweisen und nunmehr sich auf den auf dem Talmud sich aufbauenden Schulchan-Aruch berufen. Die von dort hergeholten Argumente gehen aber durch die von Dr. I a e g e r geübte Kritik in eitlen Dunst auf, zerstieben vor der Sonne der wissenschaftlichen Wahrheit, die in dieser Schrift

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