Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 18 (4.5.1900)
- Date
- 1900-05-04
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021331-3021350--09868-3034318- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 18 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 347 leuchtet, auf Nimmerwiederseheu, wie die im Sonnenlicht sich auflösenden schwarzen Wolken. Somit hat Dr. Jaeger die Aufgabe, welche er sich gestellt hat, glänzend gelöst, und den das Schlußwort seiner Ausführung bildenden Ermahnungen merkt man die Aufrichtigkeit, den edlen, wahren Herzensdrong deutlich genug an. Wir wünschen dieser Schrift die weiteste Verbreitung. Dalmatien. Der vor einigen Tagen im Niederösterreichischen Gewerbe- Vereine gehaltene Vortrag des Herrn Alexander König über „Die wirthschaftliche Zukunft Dalmatiens" erschien nunmehr in zweiter Auflage im Verlage der Manz'schen k. u. k. Hof-Verlags¬ und Universitäts-Buchhandlung, Wien, I., Kohlmarkt 20 in deutscher Sprache, wie auch in croatischer und italienischer Uebersetzung und ist durch diese Buchhandlung zum Preise von 40 h zu beziehen. Briefkasten. L. W. Wie Monsignore S ch e i ch e r über die Gewissenhaftigkeit der Richter denkt, können Sie aus einer Stelle seines jüngsten — einen Traum wicdergebenden — Pamphlets ersehen, in welcher es heißt: „Im kritischesten Augenblicke wurden wir die Inden los. Seither bemühen sich die Menschen unbescholten zu sein Die Richter u r t h e i l e n unbefangen, weil sie nicht mehr zu befürchten haben, daß sie in d e r P r e s s e system a t i s ch u m N a m e n und Ehre g e b r a ch t w ü r d e n, wenn sie einen Hilsner und C o n s o r t e n schuldig fände n." Dr. E. G. in M. Besten Dank für die interessanten Mittheilnngen. Uns scheinen aber die angekündigten Geschehnisse kaum wahrscheinlich. Gold, in Wien, R. B. Daß Dr. Lueger in seinem Uebermuth die Minister öffentlich frozzelt und sie dem Spotte seiner Zuhörer ausliefert, ist durchaus nicht auffällig bei einem Führer, dessen weibliche Anhänger bei der Semmering-Fahrt,., wie gerichtlich constatirt worden, in so decenter Art sich — enthüllt haben. Herr Lueger frozzelt nnd bespöttelt die Minister, die unter seinem Joche seufzen und es geschieht diesen Herrn recht, welche Oesterreich regieren wollen und nicht den Mnth haben, aus der Sclaverei dieses Demagogen sich zu befreien. Wir Juden aber haben angesichts der traurigen Vorgänge in allen Welttheilen, ernstere Aufgaben, als bei diesem merkwürdigen Schauspiel zu verweilen. Justus. Ein englischer Historiker hat sehr geistreich den Unterschied zwischen Agitation und Aufruhr folgendermaßen gekennzeichnet: „Sie sind der Gattung nach dasselbe und unterscheiden sich nur im Grade. Sie sind dasselbe in dem Sinne, wie zur Ader lassen und die Kehle abschneiden dasselbe sind " Auch Dr. L u e g e r's Agitation war noch eine wesentlich andere, bevor er als Bürgermeister bestätigt wurde. Nemo. Unter den Generälen Napoleon I., befanden sich mehrere Juden. a. Die Affaire, in der der Cooperator D i t t r i ch und sein jüdischer Freund Freund eine so interessante Rolle spielte, wurde seinerzeit unterschlagen. Justizbeamter. Wir verweisen Sie auf das Urtheil, welches ein objectiver Beobachter, Dr. Josef K o l k m a n n, kön. preußischer Kreisrichter, in der Schrift: „Die gesellschaftliche Stellung der Juden", Löbau 1876, über die Juden in dieser Richtung fällt. Er erzählt unter Anderem, wie ein jüdischer Gymnasiast in den Winterferien einer armen Frau, seiner früheren Amme, einen Weihnachtsbaum aufgestellt und geschmückt habe. Kolk mann fährt dann fort: „Derartige Züze sind im jüdischen Lehen fast alltäglich, Aber ich habe mich gefragt, ob wir Christen unbefangenen Sinnes genug wären, uns zu einer ähnlichen Handlungsweise gegen einen Juden oder Heiden aufzuschwingen?" M. N. Es ist eben ein Wahnsinn, jede beliebige Stelle eines alten Historikers als unerschütterliche Wahrheit hinzustellen. Fragen Sie nur, was die Herrschaften zu der Mittheilung des Tacitus sagen, der zufolge die Christen nicht allein der Brandstiftung schuldig sind — Nero leitete auf sie den Verdacht, Rom in Brand gesetzt zu haben, sondern, daß sie „wegen Schandthaten verhaßt" und schließlich „wegen ihres Hasses des menschlichen Geschlechtes überwiesen sind." H. V. Das erinnert wohl an Grillparzer's herrliche Verse in „Ein Bruderzwist in Hebsburg": , Ich sage Dir: Nicht Szythen und Chazaren, Die einst den Glanz getilgt der alten Welt, Bedrohen unsere Zeit, nicht fremde Völker; Aus eignem Schoß ringt los sich der Barbar, Der. wenn erst ohne Zügel, alles Große, Die Kunst, die Wissenschaft, den Staat, die Kirche Herabstürzt von der Höhe, die sie schützt, Znr Oberfläche eigener Gemeinheit, Bis alles gleich, ei ja, weil alles niedrig." Notizen- (Wiener Versicherungsgesellschaft.) Unter dem Vorsitze des Verwaltungsrathspräsidenten Herrn Paul E. Ritter v. Schoeller und in Anwesenheit von vierzig Actionären in Vertretung von 3672 Aktien mit 357 Stimmen wurde kürzlich die (19.) ordentliche Generalversammlung der Wiener Versicherungsgesellschaft abgehalten. Nach dem vom Generaldirector Herrn Sigmund Nyitrai erstatteten Jahresberichte zählt das Jahr 1899 im Feuerversicherungsgeschäfte zu den schadenreichsten seit dem Bestände der Gesellschaft. Verheerende Brandkatastrophen, die die vollständige Einäscherung vieler blühender Ortschaften in verschiedenen Theilen des gesellschaftlichen Operationsgebietes zur Folge hatten, sowie zahlreiche Brände industrieller Etablissements bildeten die Signatur desselben, und haben nicht verfehlt auch die Gesellschaft aufs empfindlichste in Mitleidenschaft zu ziehen. Wenn die Verwaltung nichtsdestoweniger in der Lage ist, ein Ergebniß auszuweisen, daß eine angemessene Verzinsung des eingezahlten Actiencapitals ermöglicht, so dankte sie dies vornehmlich dem Umstande, daß das Hagelversicherungsgeschäft im abgelaufenen Jahre zufolge der wenig intensiven Hagelschläge einen bedeuteuden Ueberschuß ergeben hat, welcher die im Feuerversicherungsgeschäste erlittenen Verluste nahezu wettmacht, lieber bie Details der Geschäftsgebahrung im abgelaufenen Jahre wird mitgetheilt: In der Feuerversicherung wurden Werthe im Belaufe von 1*204 Milt K. versichert und eine Prämieneinnahme von 6*805 Mill. K. erzielt, wovon nach abgegebenen Rückversicherungen für eigene Rechnung der Gesellschaft eine Prämieneinnahme von 5,962.657 K. verbleibt. Dagegen betrugen die Gesammtschäden für eigene Rechnung 2*979 Mill. K. Das Transport-Versicherungsgeschäft ergab an Prämien 523.654 K., an Schäden waren 295.255 K. zu bezahlen. In der Hagelversicherungsbranche belief sich die Prämieneinnahme auf 1,418 961 K., während für Schadenzahlungen 851.564 K. erforderlich waren. Das Portefeuille der in späteren Jahren fälligen Prämienscheine betrug mit Ende des Jahres 16*396 Mill. K. Die frei von jeder Belastung zurückgestellte Feuerprämienreserve beträgt 2,100.082 K., das ist 56 ,- Percent der Nettoprämieneinnahme. Die Reserve für Kursschwankungen beträgt bei einem Effectenbesitze von 2,161 292 K., 159.018 K., das ist nahezu 8 Percent. Der ausgewiesene Reingewinn beziffert sich auf 246.030 K., und bemerkt der Bericht, daß die anläßlich der Ucbersiedlung in das neue Gesellschastsgebäude aufgewendeten Kosten für Adaptirungen u. m. A. voll abgeschrieben wurden. Nach Ertheiluug des Absolutoriums wurde beschlossen, von dem ausgewiesenen Reingewinn dem allgemeinen Capitalreservefonds 17.206 K. zuzuweisen, wodurch derselbe die Höhe von 377.206 K. erreicht, 200.000 K. als fünfpercentige Dividende zu vertheilen, mithin den Coupon mit 20 K. von heute ab zur Einlösung zu bringen und den Rest auf die Rechnung des Jahres 1900 vorzutragen. Die ausscheidenden Mitglieder des Verwaltnngsrathes und des Vorstandes wurden wiedergewählt. (Wiener Lebens- und Rentenversichernngsanstalt.) Die (18) ordentliche Generalversammlung der Wiener Lebens- und Rentenversicherungsanstalt wurde kürzlich unter Vorsitz des Verwaltungsrathspräsidenten Herrn Paul E. R. v. Schoeller abgehalten. Der vom Director Herrn Anton Lazsansky erstattete Bericht des Vorstandes constatirt, daß während des abgelaufenen Jahres Polizzen über 11,152.487 K. Capital und 20.188 K. Rente neu ausgefertigt wurden, sowie daß die Anstalt einen reinen Geschäftszuwachs von 4*051 Mill Kronen Capital und 14,636 K. Rente aufweist. Der Versicherungsstand beträgt mit Ende des Jahres 22.109 Polizzen über 89*592 Mill. K. Capital und 74 015 K. Rente Die Mortalität ist — gleich wie in den früheren Jahren — auch im abgelaufenen Jahre hinter der erwartungsmäßigen Sterblichkeit zurückgeblieben Die Gewährleistungsfonds, welche beträchtliche Erhöhungen erfahren haben, weisen gegen das Vorjahr eine Steigerung von 1 625 Mill. Kronen auf und betragen nunmehr rund 12'/, Mill. Kronen. Von dem Gewinnfonds der Versicherten per 471.638 K. gelangt ab 15. Juli l. I. eine Dividende von 41 Percent der Jahresprämien zur Vertheilung an die bezugsberechtigten Parteien. Nach Ertheiluug des Absolutoriums wurden die Vorschläge bezüglich der Verwendung des Reingewinns per 173 014 K. genehmigt und wird der Coupon von nun ab mit 26 K. 6'/2 Percent eingelöst; von den nach Abzng der statutarischen Dotationen verbleibenden 21.420 K. wurden 5000 K. dem Hilfsfonds für die Anstaltsbeamten überwiesen und der Rest per 16.420 K. auf die Rechnung des nächsten Jahres vorgetragen. Im Verlage der „Oesterreichischen Wochenschrift" ist erschienen: Talmud and Jadenthnm in der österreichischen Volksvertretung. Dr. Bloch’s Parlamentsredea. Zu beziehen durch die Expedition dieses Blattes.