Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 18 (4.5.1900)
- Date
- 1900-05-04
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 18 Dr. Wochenschrift. Seite 343 München. Ein Affaire. über welche seiner Zeit in diesen Blättern berichtet wurde, beschäftigte dieser Tage das hiesige Schöffengericht. Es handelte sich um die Privatklage, welche Herr Dr. Merzbacher wegen Beleidigung gegen die Redacteure Ludwig Wengg vom „Deutschen Volksblatt" und Otto Schoy vom „Bayerischen Vaterland" erhoben hatte. Hierbei kam die Frage zur Besprechung, ob auf Anregung des sogenannten Dreyfus- Syndicates in Paris durch die „Alliance israel. univers.“ hier in München Geld gesammelt wurde zu Gunsten des unschuldig Verurtheilten. Wengg und Schoy hatten in ihren Blättern diesbezügliche Behauptungen aufgestellt, wogegen Herr Dr. Merzbacher als Vorstand des hiesigen Verbandes der „Alliance isr.“ den genannten Blättern Berichtigungen zugehen ließ, welche erwähnte Behauptungen als unwahr bezeichneten. Nun wurde in Nummer 235 des „Bayer. Vaterl." vom 15. Okt. 1899 und in Nummer 42 des „Deutsch. Volksbl." vom gleichen Datum dem Privatkläger öffentlich der Vorwurf der bewußten Unwahrheit, bezw. der Lüge gemacht, indem behauptet wurde, Herr Dr. Merzbacher habe als Vorstand der hiesigen Abtheilung der „Alliance israel.“ bezüglich der Existenz eines sog. Dreysus-Syndikates und von ihm angeregter Sammlungen in Bayern wider besseres Wissen erklärt, dieselben hätten in Bayern nicht stattgefunden, indem ein solches Syndicat überhaupt nicht bestände. Es entspann sich hierauf eine Preßfehde, in deren Verlauf Herr Dr. Merzbacher von den Beklagten heftig angegriffen, wurde. Eine Reihe von Zeugen, darunter die Rechtsanwälte Leo Oppenheimer, A. Ofener, Dr. Siegel II, Kaufmann Gustav Sachs rc., sowie commissarisch vernommene Zeugen bestreiten, daß eine solche Sammlung in Bayern stattgefunden habe. Sie besitzen auch keine Kennlniß vom Vorhandensein eines sogenannten Dreyfus- Syndicates, dessen Vorhandensein sie ebenfalls bestreiten. Die Beklagten halten ihre Behauptungen zum Theile auftecht, jedoch ergibt der angebotene Wahrheitsbeweis kein befriedigendes Resultat. Nach längerer Berathung verkündet das Gericht folgendes Urtheil: Ludwig Wengg und Otto Schoy sind schuldig eines Vergehens der Beleidigung; Wengg wird Hierwegen zu einer Geldstrafe von 50 Mk., Schoy zu einer solchen von 70 Mk. verurtheilt. Die Beklagten haben sämmtliche Kosten zu tragen. Der Urtheilstenor wird nach eingetretener Rechtskraft je einmal im „Deutschen Volksbl." und „Bay. Vaterl." auf Kosten der Beklagten veröffentlicht. Dem Privatkläger steht ferner das Recht zu, den Urtheilstenor auch in den „Münchener Neueste Nachrichten" veröffentlichen zu lassen. Aus den Gründen ist hervorzuheben, daß der uubegründeterweise erhobene Borwurf der Lüge Herrn Dr. Merzbacher als Vorstand des hiesigen Verbandes der „Alliance israel.“ schwer treffe. Die Angeklagten seien sich auch ihrer Handlungsweise offenbar bewußt gewesen. Der Wahrheitsbeweis ist dem Gerichte als mißlungen erschienen, nachdem alle Zeugen auf Eid hin in Abrede stellten, von den Sammlungen eines Dreyfus-Syndicates Kenntniß zu haben, sowie das Vorhandensein eines solchen Syndicates selbst zu kennen, sei es direct oder indirect. ‘ Bukarest. Die Türkei hat den rumänischen Juden, die ihre Heimat verlassen müssen, ihr Land erschlossen. Der Sultan schenkt ihnen in großherziger Weise Land und Geld. Nun hat der Vertreter der Türkei in Bukarest die rumänische Regierung davon verständigt, daß Juden aus Rumänien unter folgenden Bedingungen nach der Türkei einwandern können: Die Einwanderer müssen ottomanische Nationalität annehmen, sie müssen sich den Gesetzen des Reiches fügen und dürfen die Regierung nicht um Landconcessionen oder Unterstützung angehen. Ehe sie zugelassen werden, müssen sie eine Erklärung unterzeichnen, daß ihnen die Bedingungen der türkischen Regierung bekannt sind, und daß sie dieselben für sich als bindend anerkennen. Jassy. (Ehrloses Renegatenthu m.) Hochverehrte Redaction! Ich gestatte mir hiemit um gefl. Aufnahme folgender Entgegnung in Ihr geschätztes Blatt zu bitten: In Nr. 32 des Jassyer liberalen Parteiblattes: „Liberalul" benützt ein Herr A. D. Tenopol eine literarische Rubrik, u. z. die Beschreibung des Bukowinaer Badeortes Dornawatra, zu den gemeinsten Auslassungen über unsere Glaubensgenossen aus Galizien. Er schreibt nämlich, als er erzählt, daß die Juden in großer Zahl diesen Curort besuchen, u. A. : „. . . Das aber, was die Gesellschaft der Juden uner- „träglich und folglich den Aufenthalt in Dorna unangenehm „macht, ist der eigenthümliche Geruch, den dieselben verbreiten „und welcher von ihrer langjährigen, ja hundertjährigen Er- „nährung mit Knoblauch, zu welcher der sprichwörtliche Schmutz „ihrer Kleidung zukommt. Da das Baden, der Garten, das „Mineralwasser gemeinschaftlich gebraucht werden muß, so „bietet die Cur, so sehr nützlich sie sein sollte, unzweifelha t „eine genug große Unannehmlichkeit für diejenigen Naturen, die „mit einem feineren Geschmack ausgestattet sind. . . ." Diese Worte A. Xenopol's verdienen nur deshalb eine Entgegnung, weil diese Person zugleich Rector der hiesigen Universität ist. Bon solch hochgestellter Persönlichkeit geziemt es sich, mehr Aufrichtigkeit zu erwarten. A. D. Tenopol ist, wie Jeder in Rumänien weiß, der Sohn eines getauften galizischen Juden, wie also, hat sein Vater gerochen, möchten wir wissen, denn wahrscheinlich beurtheilt er die Juden, nach den Erfahrungen, die er in seinem jüdischen Elternhause gemacht hat. Ich halte es aber für nöthig, diesem Herrn zu sagen, daß nicht alle Juden sich so aufführen, wie es bei den Seinigen zugegangen. Wer Xenopol kennt oder ihn zum ersten Mal sieht, wird nicht anders von ihm sagen, als daß er ein ausgeprägter jüdischer Typus ist, u. zw. von denen gerade, die in Galizien leben. Warum also auf solche, für einen Rector einer Universität, absolut unpassende Weise, gegen seine eigene Abstammung unwahr zu schmähen, und leidenschaftlich los zu gehen? Herr Tenopol möge wohl wissen, denn er ist unzweifelhaft der erste Historiker unseres Landes, folglich Sachkundiger in Nationalitätenfragen, daß was i h n betrifft, er trotz seiner Verdienste um Rumänien, seiner hohen Würden, doch zur jüdischen Nation gehört denn, daß er von Juden geboren, kann er nie wieder „gut" machen. Mit bestem Danke für die freundliche Aufnahme, verbleibe Ihre treue Leserin Serafine Wenders- London. Das „Jewish Chronicle" veröffentlicht eine sehr interessante Correspondenz aus Cypern, der wir die folgenden Ausführungen entnehmen: Die Colonie Margo Chiflik ist Dank der Hilfe der Jewish Golonisation Association in besseren Bedingungen als vorher. Jeder der Colonisten hat zu seinen früheren 100 Dunam noch 100 erhalten, so daß jetzt der Besitz jedes Einzelnen 200 Dunam, gleich circa 18 Hectar, beträgt. Ferner hat die Colonie eine zweite Mähmaschine erhalten und wird noch eine Dreschmaschine bekommen, endlich ist jedem Bauer ein europäischer Pflug zur Verfügung gestellt worden. Durch die Vergrößerung des Besitzthums werden die Einnahmen steigen, durch die Maschinen sich die Ausgaben der Colonisten für Hilfsarbeit bei der Ernte sich vermindern. Nebeneinnahmen erwa ^sen jetzt den Leuten auch aus dem Ertrage der Milchwirthschaft, da Jeder noch eine Kuh erhalten hat. Die Jewish Golonisation Associatiou hat ferner neue Speicher bauen lassen, da in dem alten das Getreide nicht sicher vor dem Regen und den Ratten war. Endlich sind Baumpflanzungen angelegt worden, von denen man für die spätere Zukunft guten Ertrag erhofft. Der Gesundheitszustand der Colonie hat sich gebessert, auch die Ernten stehen gut und bedürfen nur noch etwas Regen. Kommt dieser, dann wird das Ergebniß ein vorzügliches sein. Kürzlich war Niego, der Director der Ackerbauschule der Alliance in Jaffa dort, um im Aufträge der Jewish Golonisation Association die Situation zu prüfen und darüber zu berichten. Es ist noch nicht bekannt, welchen Eindruck er von Margo Chiflik empfangen hat. — Durch die iür Cypern betriebene Agitation veranlaßt, die von Herrn Trietsch ausgeht, kam vor einigen Monaten eine kleine Anzahl Rumänen hieher. Ein Blechschmied aus Bukarest mit seiner Familie kam zuerst in die Colonie und erhielt von den Colonisten so lange Arbeit, als es ging. Jetzt, nachdem für ihn keine Arbeit mehr ist. mußte er mit seinen Begleitern nach Asheriton gehen, wo die Regierung Berieselungsanlagen ausführen läßt. Bei diesen kann er einige Monate Arbeit finden, dort sind auch 12 Juden aus Galatz thätig, aber diese Arbeit dauert nur noch einige Monate. Zwei russische Glaubensgenossen haben anstoßend an Margo ein größeres Terrain gekauft, das sie bebauen wollen und haben sich an die Jewish Golonisation Association gewendet, NM die Erlaubniß zu erhalten, ihre Häuser in der Colonie errichten zu dürfen, damit die von den Bortheilen derselben, Schule, Synagoge rc. etwas haben können. Trietsch ist ebenfalls mit 15 jüdischen