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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-05-04 · 18 (4.5.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
18 (4.5.1900)
Date
1900-05-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 342 Dr. Bloch's Wvchrnfchrist< Nr. 18 Vertheidigung gestellten Antrages, es möge mit Rücksicht auf das Gutachten der Aerzte Dr. Porkes und Dr. Michalek insbesondere über die proceßentscheidende Frage, ob die Schnittwunden am Halse oder die Strangulation den Tod der Agnes Hruza herbeigeführt hätten, gleichfalls ein Facultätsgutachten eingeholt werden. Das Urtheil wurde ferner angefochten wegen Ablehnung des Antrages auf Vornahme eines Localaugenscheines durch den Schwurgerichtshof. Den vierten Nichtigkeitsgrund bildete das Zwischenerkenntniß, womtt der Antrag des Vertheidigers, es möge der damals beim Bezirksgerichte in Warnsdorf in Haft gewesene Franz Wehr nach Kuttenberg gebracht und im Gerichtssaal mit mehreren Zeugen confrontirt werden, abgewiesen wurde. Endlich wurde eine Nichttgkeit in der Zurückweisung des Antrages erblickt, der dahin ging, es mögen mehrere vom Vertheidiger vorgelegte Gutachten über die Grundlosigkeit der wieder die Juden erhobenen Beschuldigung des Ritualmordes verlesen werden. — Der Cafsationshof ordnete bekanntlich im Vorverfahren eine Ergänzung des in erster Instanz abgegebenen Gutachtens durch die medicinische Facultät in Prag an. Diese Ergänzung dürfte auch für die Aufhebung des Urtheils ohne Anordnung einer öffentlichen Cafsationshofverhandlung maßgebend gewesen sein. Wien. Der Vorstand des „Vereines für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten" versendet das Protokoll über die am 17. v. M. abgehaltene 53. General-Versammlung, welche wie alljährlich, einen den humanen Bestrebungen und Tendenzen des mehr als ein halbes Sämlum bestehenden Vereines würdigen Verlauf nahm. Zu Beginn der Versammlung gedachte der Vorsitzende, Präsident Philipp Bondy. der im Berichterstattungsjahre dahinschiedenen 22 Vereinsmitglieder, deren Andenken durch Erheben von den Sitzen geehrt wurde. Hierauf gelangte die Caffagebahrung zur Verlesung, welche ein erfreuliches Bild von der Thätigkeit des Vereines entrollte und die umso höher zu veranschlagen ist, als die Krankencassen eine gefährliche Concurrenz bieten. Die Einnahmen des Vereines beliefen sich im Jahre 1899 auf Kronen 31.360*10, denen Ausgaben in der Höhe von Kronen 28.067*92 gegenüberstehen; letztere bestehen aus den geleisteten Kosten der Krankenpflege mit Kronen 5318*20, ferner sind es die Pensions-Unterstützungen, welche den hohen Betrag von Kronen 18.150 absorbirten; diese Summe ist besonders geeignet, den Wirkungskreis dieses Vereines in schönstem Lichterglanze erstrahlen zu lassen und sind es derzeit 31 Pensionäre, denen diese philanthropischen Leistungen zu Gute kommen. Interessant sind auch die zur Veröffentlichung gelangten Daten über die Krankenpflege. Im Vorjahre erhielten 35 Mitglieder Kranken-Aequivalente zur Selbstverpflegung, während die Natural-Verpflegung in den im israel. Spttale reservirten Zimmern 6 Mitglieder genossen. Die Inanspruchnahme des Vereinsarztes erfogte in 114 Fällen. Am Schluffe des Vorjahres zählte der Verein 653 Mitglieder und zwar 1 Ehrenmttglied, 47 unterstützende und 605 ordentliche Mitglieder, denen zu dem so schönen, nunmehr allgemein anerkannten Erfolge zu gratuliren ist, welch' letzterer wohl in erster Reihe dem thatkräftigen, mit vollster Hingebung seines Amtes obwaltenden Vorstande zu danken ist, der seinerseits von denk unermüdlichen Secretär, Herrn kais. Rath Dr. Theodor Lieben, aufs Beste unterstützt wird. Möge der Verein, der mehr als ein Menschenalter seine schönen Besttebungen den Genossen widmet und heute wohl unter den gleichen Körperschaften eine Ausnahmsstellung einzunehmen für sich mit Recht beanspruchen kann, auch wetterhin seine segensreiche Fürsorge entfalten und bekunden, möge der Verein stets neue Förderer und Gönnerfinden! E. I. Lemberg. (Israelitischer Gemeindetag.) Telegramm der „Oesterr. Wochenschrift". Am 1. Mai ist hier der zweite israelitische Gemeindetag zusammengetreten. Es sind 150 Einladungen versendet worden. Erschienen sind 40 Delegirte. Dr. Emil Byk begrüßte die Versammlung und wurde zum Vorsitzenden gewählt, zu Stellverttetern die Herren Dr. Schaff und Dr. Gottlieb. Dr. Byk erörterte die ökonomische Lage der Juden, Dr. Goldmann referirte über die Einführung der polnischen Sprache in allen galizischen Cultusgemeinden. In der Nachmittagssitzuug wurde Rabbiner Lew in aus Rohatyn in das Präsidium gewählt. Mehrere Delegirte plaidirten für die Colonisation Palästinas, für die Vermehrung der Mittelschullehrer, für die erhöhte Pflege der hebräischen Sprache an den Volksschulen und für innere Colonisation. Großen Eindruck erweckte eine Rede des Reichsrathsabgeordneten Dr. Arnold von P o r a d a irtb eine Rede des Delegirten Dr. Stand über die trostlose Lage der galizischen Judenschaft. Endlich wurde beschlossen, gegen die Präterirung jüdischer Candidaten Schritte einzuleiten und eine ständige Commission einzusetzen. Saaz. (FortschrittlicherSieg in Saaz.) Auch bei den kürzlichen Gemeindewahlen im ersten Wahlkörper haben trotz heftigster Agitation der antisemitischen Gegner die Fortschrittlichen, deren sämmtliche Candidaten mit großer Majorität gewählt wurden, glänzend gesiegt. Die Stadtgemeinde Saaz, deren Collegiumsmehrheit bisher antisemitisch gewesen, ist hiemit für die fortschrittliche Sache wieder gewonnen. Berlin. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung, bekanntlich das Sprachrohr der Regierung, bringt eine Besprechung des Buches von Professor Strack: „Das Blut in Glauben und Aberglauben der Menschheit". Diese Recension hat aber mehr als blos literarisches Interesse, denn sie beschäftigt sich speciell mit dem Ritualmord und sieht das Verdienst des Buches darin, daß es diesen „thörichten und wahnwitzigen Vorurtheilen" die Wurzel ausreißen will. Der Glaube an den Ritualmord erscheint dem Recensenten eine „pathologische Verirrung" und zum Schluffe citirt die Zeitung die Worte Strack's: „Die Geschichte zeigt, daß gleichartige Beschuldigungen wiederholt eine furchtbare Waffe gegen Unschuldige gewesen sind. Die Christen des zweiten und dritten Jahrhunderts haben unter ihnen schwer gelitten, die Feier des heiligen Abendmahles, das Sprechen vom Genießen des Leibes und Blutes des Herrn bot einen Anknüpfungspunkt. Leider haben die Christen die einst gegen sie gerichtete Verleumdung, nachdein die christliche Religion zur Herrschaft gelangt war, gegen Andere gerichtet; zuerst gegen die Montanisten, im späteren Mittelalter gegen Ketzer und seit dem Xlll. Jahrhundert gegen die Juden." So selbstverständlich es auch sein müßte, daß man in einer Regierungszeitung solche Anschauung über den Ritualmord findet, so ist doch leider unsere Zeit so in der Reaction, daß wir jede derartige Aeußerung von maßgebender Stelle constatiren müssen. Berlin. Der 18. Jahresbericht des Curatoriums der Lehranstalt für die Wisseuschaft des Judenthums in Berlin liegt uns vor. Das Jahr brachte die Feier des achtzigsten Geburtstages des hochverdienten Vorsitzenden des Curatoriums, Herrn Sanitätsraths Dr. S. N e u m a n n. Bei Gelegenheit dieses Jubiläums haben Herr Sanitätsrath Dr. Neumann und der ihm eng befreundete Herr Bernhard C. Croner der Bibliothek der Lehranstalt das werthvolle u d höchst dankenswerthe Geschenk von 405 hebräischen Werken aus der Landshut-Sammlung zugewendet. Frau Professor S t e i n t h a l schenkte 150 Bücher und Broschüren bibelexegetischen und literar-historischen Inhalts aus dem Nachlasse ihres verewigten Gatten. Die Frequenz der Lehranstalt ist aus folgenden Daten ersichtlich: Die Zahl der ordentlichen Hörer hat betragen: Im Sommersemester 1899 23 (16 Deutsche, 7 Reichsausländer — 5 aus Oesterreich-Ungarn, 2 aus dem russischen Reiche —). Im Wintersemester 1899/1900 26 (18 Deutsche, 8 Reichsausländer — 5 aus Oesterreich- Ungarn, 2 aus dem russischen Reiche, 1 aus Amerika —). Sämmtliche Hörer waren Maturi. Von den derzeitigen Hörern gehören der Lehranstalt an seit 1893, 1; 1895, 1; 1896, 1; 1897, 9; 1898, 7; 1899, 7 Hörer. Außerdem wurde die Anstalt von 9 Hospitanten (2 Deutsche und 7 Ausländer) besucht. An dem Lehrcursus zur Ausbildung von akademisch gebildeten Lehramtscandidaten und Lehrerinnen für den Religionsunterricht haben theilgenommen: Im Sommer-Semester 1899 5 Lehramtscandidaten und 5 Lehrerinnen. Im Winter-Semester 1899/1900 4 Lehramtscandidaten und 4 Lehrerinnen. Vorträge haben in diesem Jahre gehalten: Herr Rabb. Dr. P or g e s aus Leipzig, „Jüdische Erwerbs- und Vermögensverhältnisse im Xlll. Jahrhundert." Herr Syndicus Dr. Georg Minden: „Das Volksmärchen von der bösen Rabbinerin". Herr Rabb. Dr. Paul R i e g e r aus Potsdam: „Das Judenthum an der Wende des Jahrhunderts". Herr Dr. Martin Schreiner: „Die Sittenlehre des Islam und ihre Beziehungen zum Judenthum". Herr Carl Emil Franzos: „Aus einem ungedruckten Roman". Herr Landtagsabgeordneter Dr. Max Hirsch: „Ein Stück sociale Frage, mit Rücksicht auf die Bibel". Das Curatorium besteht aus den Herren: Dr. S. Neumann, Vorsitzender, Dr. M. Philipps o n, stellvertr. Vorsitzender, Georg Meyer, Schriftführer, Dr. Heinrich Meyer Cohn, Rendant, Berthold Simon, Controlor, Ludwig Max Goldberger, Dr. M. Lazarus, Dr. Paul Meyer, Max Weiß. Dem Jahresbericht ist eine wissenschaftliche Beilage von Dr. Martin Schreiner „Studien über Jeschua ben Jehuda" beigegeben.

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