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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-05-04 · 18 (4.5.1900) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
18 (4.5.1900)
Date
1900-05-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Bloch's Wochrnschrifl. Seite 34 l 388, im siebenten 403, im achten 468, zusammen 2389 Kinder gesiegt, gestärkt, erheitert und erzogen. Es ist interessant aus der Tabelle der Gewichtsprüfung zu ersehen, daß bei fast allen Kindern — nur sehr wenige sind ausgenommen — eine sehr ansehnliche Gewichtszunahme, die bis auf 6 Kilo stieg, constatirt werden konnte. Dieser physischen Stärkung muß der unwägbare aber wahrlich viel wichtigere moralische, physische und sociale Erfolg an die Seite gestellt werden, damit man. die Bedeutung des Ferienheim richtig würdige. Gerechterweise muß auch der nahmhafte Werth der Leistungen anerkannt werden, welche des Mädchencomite dem Ferienheim widmete, daß durch seine Kronensammlung für kranke Kinder, durch seine Kindermatineen ungemein erfolgreich die Actionen des Ferienheim unterstützte, indem es in den drei Jahren seines Bestandes 6442 Kronen aufbrachte, die zum Theil dem Baufonde zugewiesen, zum Theil für den Aufenthalt kranker Kinder in Hall und Darkau verwendet wurden. Alle die an dem „Ferienheim" Mitwirken, finden den Lohn im Bewußtsein, das Rechte gewollt und geleistet zu haben. Sie bedürfen keiner anderen Anerkennung. Wohl aber bedürfen sie nachhaltiger Förderung und fortwährenden Zuströmens neuer Kräfte, damit von Generation zu Generation das Werk fortgesetzt werde und damit das Ziel erreicht werde, daß kein bedürftiges Kind der Wohlthalen des Ferienaufenthaltes entbehre. A. Wiener. Der Nitualmord auf der Bühne.*) Vorgänge in jüngster Zeit haben gezeigt, wie schwer gewisse Ueberlieferungen, so dunkel ihr Ursprung sein und so fremd sie der sonstigen Denk- und Gefühlsart eines Volkes sein mögen, auszurotten sind. Zu ihnen gehört das Märchen vom jüdischen Ritualmord. In den Untersuchungen, die hierüber neuerdings, zuletzt in dem Buche Hermann L. Strack's „Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit" angestellt worden, nehmen wir nun eine Lücke wahr, die um so mehr auffallen muß, als die Forscher doch nicht in letzter Reihe jenes Land ins Auge fassen mußten, wo das Volk der Juden nach seiner Zerstreuung ein zweites Vaterland gefunden und bis zu seiner Austreibung eine Art geistiger und nationaler Nachblüthe erlebt hatte. Der Judenhaß in Spanien war noch lange nicht befriedigt, als Philipp II. mit den letzten Ueberbleibseln des jüdischen Volkes aufgeräumt und siebenzehn Jnquisitionsgerichte im Lande hres blutigen Amtes gewaltet hatten. Er nährte sich vielmehr immer aufs Neue an volksthümlichen Legenden, wie derjenigen von dem ehernen Kopf in Talsara, einem Dorfe des Bezirkes Toledo, der, sobald sich ein Jude in der Nähe zeigte, ohne Unterlaß schrie: ^udaeus adest! bis derselbe das Weite gesucht hatte. Wie tief gewurzelt aber der düstere Glaube an den Ritualmord der Juden zu Ostern war, dafür zeugt die Thatsache. daß auf ihm das ganze Stück eines der größten spanischen Dichter Lope de B e g a's, aufgebaut ist. Der Franzose Gustave Reynier sagt in einer Abhandlung über das religiöse Drama in Spanien „Einzelne Schriftsteller begnügten sich nicht mit Lobpreisungen des Glaubenseifers gegen die Ketzer, sie schienen sogar bemüht, die blinden Leidenschaften der Menge noch zu steigern." Bezeichnend hiefür sei Lope's Stück: „Der kleine Unschuldige von Guardia." Die „katholischen Könige", Ferdinand und Jsabella, haben soeben die Inquisition eingeführt, aber die Seele des heiligen Dominikus ist noch nicht zufrieden: in einem Traum erscheint er der Königin und befiehlt ihr, die Juden aus ihren Staaten zu vertreiben. Jsabella verspricht cs ihm. Alle Juden Spaniens sind in Aufregung; sie wollen sich und ihre Güter um jeden Preis retten. . Ein französischer Rabbiner hat ihnen gesagt, sie könnten mit einer Hostie, in die das Herz eines Christenkindes geknetet worden, alle Flüsse des Reichs vergiften. Sie beschließen, dieses furchtbare Mittel anzuwenden. Nun verliert am Auferstehungstage ein Knabe in Guardia seine Eltern im Gedränge an der Kirchenthür. Ein Jude lockt *) Ans der „Nordd. Allg. Ztg." vom 21. April. ihn mit Süßigkeiten in sein Haus. Dort wird er bis zur nächsten Charwoche festgehalten, um dann wie Jesus geopfert zu werden. Am Tage des Opfers schleppt man den kleinen Juanico in eine Höhle. Man peitscht ihn mit Ruthen, läßt ihn das schwere Kreuz tragen, wischt ihm das blutige Antlitz ab, wobei sich das Wunder des Schweißtuches der Veronika wiederholt. Die Juden schlagen ihn ans Kreuz. Da erscheinen ihm zur Seite die Engelsgestalten des Verstandes und der Vernunft, um dem Kinde die nämliche Geduld und Sanftmuth einzuflößen, die einst der Gottessohn gezeigt. Ein rückfällig gewordener Hebräer, Benito, steigt auf die Leiter, um mit einem Meffer Juanico das Herz herauszuschneiden. Juanico: Was suchst Du? Benito: Ich bin ganz verwirrt. Juanico: Was suchst Du? Die Vernunft: Welcher Engel! Benito: Dein Herz suche ich, Kind. Juanico: Du irrst, es ist weiter oben. Benito: Ich hab's gefunden. Gebt mir das Salz. Ein Hebräer: Hier! Benito: Ich will es einsalzen und aufbewahren. Juanico: Vater! In Deine Hände empfehle ich meinen Geist. Der Verstand: Er ist tobt! Die Vernunft: Wie freut sich der Ehor der Engel! „Die Geschichte für dieses „religiöse Drama" hatte Lope de Vega nicht etwa erfunden. Er konnte sie, wie der oben genannte französische Gelehrte (in der „Revue de Paris'-) ausführt, mit allen Einzelheiten in den Protokollen der Inquisition finden, die mit Foltern jüdischen Familien entrissenen Geständnissen diesen ganzen, scheußlichen Roman zusammengesetzt und ihm einen nicht minder furchtbaren Abschluß gegeben hatte, indem sie am 16. November 1491 vor der Kathedrale von Avila Jure Franco, Alonso Franco. Lope Franco, Garcia Franco, Juan Franco, Juan Orcana, Benito Garcia, Mosen Abenamias und einige andere verbrannte. Vielleicht hatte der Dichter nur eine außerordentlich verbreitete Erzählung benutzt: „Der glorreiche Märtyrertod des heiligen Jnnocenz von Guardia", die 1583 in Madrid von dem Mönche Rodrigo de Iepas veröffentlicht wurde. Aber es ist für Jeden klar, der das Stück liest, daß es weniger dazu dienen sollte, ein Ereigniß auf die Bühne zu bringen, das zu gräßlich war, um dramatisch zu sein, als um den Fanatismus zu steigern und irgendeine Verfolgung zu rechtfertigen. Und um zu begreifen, wie ein so großer und sonst weichmüthiger Dichter sein Genie auf einen solchen Gegenstand wenden konnte, muß man sich erinnern, daß er Diener der heiligen Inquisition war und man eines Tages sah, wie er den Scheiterhaufen eines armen halb blödsinnigen Franziskanermönchs anzündete, dessen Verbrechen war, Juden unter seinen Vorfahren gehabt zu haben." Uebrigens hat noch ein zeitgenössischer spanischer Dichter, Gustavo Becquer, ein sonst süßlicher Nachahmer unseres Heine, in einer Novelle erzählt, wie ein toledanischer Jude seine Tochter, die ein Liebesverhältnis mit einem Christen hatte, ans Kreuz nagelte. Correspondemen. Wien. In Bestätigung unserer vor Wochen gebrachten Mittheilung wird nunmehr gemeldet, daß der Oberste Gerichtshof in der Motivirung des in geheimer Sitzung beschlossenen Cassationsurtheils auf die in Hilsner's Nichtigkeitsbeschwerde geltend gemachten Gründe Rücksicht genommen und unter Aufhebung des in Kuttenberg gefällten Todesurtheils den Fall zur neuerlichen Verhandlung vor das Schwurgericht in Chrudim verwiesen. Die von Hilsner's Vertheidiger Doctor Aurednicek ausgearbeitete Nichtigkeitsbeschwerde machte bekanntlich fünf Nichtrgkeitsgründe namhaft: der erste Punkt betraf die Ablehnung des von der Vertheidigung gestellten Antrages, es möge bezüglich der Flecke auf der in der Verhandlung viel citirten grauen Hose Hilsner's das Gutachten einer medicinischen Facultät eingeholt werden. Diesbezüglich hatten die in der Verhandlung vernommenen Sachverständigen Dr. Reinsberg und Dr. Slavik einerseits angegeben, daß die Flecken mit größter Wahrscheinlichkeit von Blut, und zwar von „Menschenblut" herühren, während sie anderseits es für „ausgeschloffen" erklärten, daß diese bei der mikroskopischen Untersuchung festgestellten Elemente mit anderen Zellenformen verwechselt werden könnten. Der zweite Punkt betraf die Ablehnung des von der

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