Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 18 (4.5.1900)
- Date
- 1900-05-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 340 Br« Bloches Wochenschrift. Nr. 18 „Ferienheim" geknüpft werden dürfen und die nunmehr in Kürze ihrer Bestimmung übergeben werden wird. Es war beabsichtigt und beschlossen, das eigene H.im als Stiftung zur Feier des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät der Kaisers Franz Josef zu eröffnen. Allein nur wer die verantwortungsvolle Arbeit kennt, welche das Auf- und Aussuchen einer geeigneten Realität in sich schließt, wer es weiß, mit welchen Schwierigkeiten sachlicher Art, die durch den guten Willen allein nicht behoben werden können, die Durchführung eines solchen Beschlusses verbunden ist, welche Hindernisse zu überwinden sind, zu deren Bewältigung die gegebene Zeit nicht ausreicht, der wird es auch entschuldbar finden, daß die Eröffnung nicht am Jubiläumstage erfolgen konnte und er wird es auch begreiflich finden, daß der Charakter der Stiftung nicht durch den Zeitpunkt der Eröffnung bestimmt wird, sondern durch die Absicht der Stifter. So bleibt denn das eigene Heim des „Ferienheim" dem Wesen nach doch eine Stiftung, die erinnern wird an alles Gute, was uuter der Regierung des Kaisers Franz Josef allen Völkern Oesterreichs zutheil geworden ist, die erinnern wird an die Fortschritte, welche in der Fürsorge für die Minderbemittelten erzielt worden sind und an die sociale Hilfe, die ein Ausfluß jüdischer Grundgebote in immer umfassenderer Weise dargeboten wird, an die edlen Frauen nnd Männer, die ihre Mittel und ihre Zeit, ihr Wissen und Können in den Dienst der Wohlthätigkeit gestellt haben; die aber auch daran erinnern wird, daß es nicht an der Zeit ist inne zu halten und sich mit dem Geschaffenen zufrieden zu geben, sondern daß unermüdlich der Ausbau der Justitution gepflegt worden der gesunde Stamm neue Zweige treiben, aus der Frucht neue Keime ersprießen müsseir. So lange es Roth nud Elend gibt, wird und muß es auch Menschen geben, die es als ihre Pflicht erkennen, nach Kräften zu helfen, zu mildern, zu besänftigen und in dieser Pflichterfüllung waren unsere Glaubensgegenossen stets die ersten und werden es auch immer sein. Wir ersehen aus dem über das Vereinsjahr 1899 erstatteten Jahresberichte, daß die Zahl der Kinder, die in Feriencolonien untergebracht wurden 468, die der kranken, im Bade Hall bestens versorgten Kinder 30. Wenn man die Erfolge berücksichtigt, die durch den Ferienaufenthalt erzielt wurden, Erfolge in physischer Beziehung durch Kräfte und Gewichtszunahme, Erftischung und Belebung, Erfolge in moralischer Beziehung durch gute Disciplin und kameradschaftliches Zusammenleben, in psychischer Beziehung durch Einwirkung auf Geist und Gemüth der Kinder, dann erst wird man den Segen der Feriencolonien richtig erkennen und es zu beurtheileu wissen, daß auf nahezu 500 Kinder sich diese Wohlthat erstrecken konnte. Die Zahl ist eine um so imposantere, als ja der Verein erst auf einen achtjährigen Bestand zurückblickt, als er zunächst auf seine eigene Kraft und die intensive Thätigkeit seiner Mitglieder, die hingebungsvolle Arbeit seiner Comites angewiesen war und nicht über jene Ressourcen verfügte, die anderen Vereinen zu Gute kommen. Wenn es nun doch gelungen ist, eine so große Zahl von Kindern zu beherbergen und zu betreuen, so darf wohl jeder, der an diesem Werke der Nächstenliebe mitgearbeitet hat, mit Genugthuung der erzielten Erfolge sich freuen. Der Jahresbericht knüpft aber an die Mittheilung der Thatsache, daß nahezu 500 Kinder in die Feriencolonien ausgenommen wurden, die Bemerkung, daß 1000 angemeldet worden waren, daß es wegen beschränkter Mittel und Mangels passender Unterkunstsräume nicht möglich war, allen Anforderungen gerecht zu werden und drückt die Hoffnung aus, daß die Erweiterung der Vereiusthätigkeit durch die Vermehrung der Zahl der Mitglieder und Gönner ermöglicht werden wird. So bescheiden im Berichte diese Bemerkung vorgetragen wird, so nachdrücklich muß in der Oeffentlichkeit darauf hingewiesen werden, daß darin eine Mahnung zur Pflichterfüllung an Alle gerichtet wird, die noch nicht oder nicht im vollem Umfange beigesteuert haben, damit das Liebeswerk ausgedehnt werden könne. 762 Mitglieder, fleißige, tüchtige, eifrige mitwirkende Mitglieder, ist eine stattliche Zahl und sie haben wirklich Rühmenswerthes geleistet, aber in dieser großen Gemeinde muß es doch noch Gemeindeangehörige geben, die entweder keine Kenntniß von dem Wesen und dem Nutzen dieses Vereines oder keine Kenntniß von dem Werthe haben, der jeder Gabe, jedem Beitrage, jeder Förderung des Zweckes beizumessen ist, die durch Vereinigung in richtiger Weise gesammelt Großes zu Stande bringt. Und an diese richten wir die Bitte, sich der armen 500 Kinder zu erbarmen, die man schweren Herzens abweisen mußte, weil es an Geld und Unterkunft fehlte. Ueber den Werth und Nothwendigkeit der Feriencolonien braucht kaum mehr ein Wort gesprochen zu werden. Von der Schweiz ihren Ausgangspunkt nehmend, haben sie sich in allen civilisirten Staaten und Städten eingebürgert von Jahr zu Jahr wachsen die Institutionen und von Jahr zu Jahr dringt die Ueberzeugung in immer weitere Kreise, daß man nicht blos den Kindern, sondern der Gesellschaft nützt, wenn man derartige humanitäre Organisationen ausbreitet. Und käme nun die Frage, ob es eines eigenen Vereines für israelitische Kinder bedürfte — so müßte man doch antworten: Wer sonst würde tausend, ja auch nur fünfhundert armer Kinder jüdischer Eltern sich annehmen. Die interconfessionellen Vereine in allen Ehren, aber die objectivsten und bestgeleiteten unter ihnen könnten nicht einmal dieser Pflicht gerecht werden. So müssen wir sie denn auf uns nehmen und in dieser Pflichterfüllung den Beweis liefern, daß die praktische Nächstenliebe vor keinem Opfer zurückscheut um ihren Aufgaben nachzukommen. Diejenigen, die den Bericht des „Ferienheim" mit Aufmerksamkeit lesen, werden nicht nur vollste Bewunderung empfinden für die in der kurzen Zeit des achtjährigen Bestandes vollbrachten Leistungen, sondern darin auch den Ansporn erhalten zur Befestigung und Ausweitung eines solchen Vereines beizutragen. Da wir nach dem Vorgesagten den gegenwärtigen Moment als einen Wendepunkt in der Geschichte der Entwicklung dieses Vereines ansehen, so erachten wir es auch für angemessen, einen gedrängten Ueberblick seiner Leistungen von 1892—1899 zusammenzustellen. Wir sehen die Zahl der Mitglieder von 414 auf 762 wachsen, die der Spender von 13 auf 334 respective Naturalieuspender von 18 auf 66. Dem Baufonds sind seit 1896 16 Stifter, 25 Gründer, 193 Spender zugewachsen. Als Stifter sind 28, als Gründer 28 Personen beiget>eten. Die Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen stiegen von 2673 auf 4000 fl., die Spenden von 291 auf 1662 fl., von Stiftern sind 9300 fl. baar, 1100 fl. in Effecten, von Gründern 3000 fl. baar, 300 fl. in Effecten beigesteuert worden; durch Legate wurden 1800 fl., durch Bettstiftungen 128 fl., durch Subventionen 1300 fl. dem Vereine zugewendet; die Akademien haben an 20.000 fl. geliefert. Das Zinsenerträgniß ist von 46 fl. auf 2237 fl. gestiegen. Dem Baufonds sind im Ganzen über 60.000 und zwar 40.000 fl. von Baronin Clara Hirsch, 20.000 fl. aus Vereinsmitteln zugewiesen worden. So wie die Einnahmen, zeigen auch die Ausgaben das stetige Wachsthum des Vereines. Wir sehen die Verwendung im ersten Jahre mit 1711 fl., und wir lassen die Summen der nächsten Jahre hier folgen, damit Jeder sich selbst ein Urtheil bilde, in welchem Maße das Bedürfniß erfüllt wurde, und darnach auch erkenne, wie berechtigt es ist, immer noch mehr an Beiträgen zu verlangen. Die Ausgaben stiegen von 1700 fl. auf 4680 fl. im zweiten, 5729 fl. im dritten, 8513 fl. im vierten, 9007 fl. im fünften, 9762 fl. im sechsten, 10.649 fl. im siebenten, 11.828 fl. im achten Jahre. Und was wurde hiefür geleistet? Im ersten Jahre wurden 45, im zweiten 188, im dritten 237, im vierten 330, im fünften 340, im sechsten