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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-05-04 · 18 (4.5.1900) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
18 (4.5.1900)
Date
1900-05-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Bloch's Wochvnschcifl. Seite 33 1 üon ihnen Mord und Plünderung der Juden propagirt wird, hiermit die officielle Stimme des Ministeriums sich manifestirt. Tache Ion esc u figurirt zwar nicht als Mitglied der Allianz, aber umsomehr ist er in ihr durch seine Satelliten vertreten. Auch DemeterSturdza war kein officielles Mitglied der Bukarest er Culturliga, welche eben so antisemitsch in ihrer Tendenz, wie die Allianz ist, und doch war die Liga sein Geschöpf, und aus ihr bildete er sich das furchtbare Instrument, womit er seine politischen Gegner zum Sturze brachte. Nun wolle Ihr Correspondent B. erklären, ob eine noch so leise Verbesserung der Judenlage in Rumänien von einer Regierung zu erwarten ist, welche die Firma Cantacusino trägt, deren Seele aber Tache Jonescu ist?! Tache Jonescu spricht schön, verspricht viel, und in diesem Augenblick klopft er an die Thüren der Finanzmänner Wiens um Credit, in der drückenden Geldnoth des Staates. Er wird in Berlin, Paris, London dieselben Sirenenlieder von schönen, Humanitären Absichten singen, um Geld zu kriegen. Jetzt wie niemals, liegt es in Händen der großen F i n a n z h ä u s e r, sich die Frage zu stellen, ob sie nicht ein Verbrechen gegen den Humanismus verüben, den Antisemitenstaat Rumänien von der drohenden wirtschaftlichen V a s a l l i t ä t zu retten, nachdem sie auf schuldbarster Weise Rumänien im Jahre 1878 aus seiner politischen Vasallität zu befreien beitrugen. H a l e v i. Jassy, 19. April 1900. Zur jüdischen Sienstbotenfrsge in Wien- Mit lebhaftem Interesse sehe ich von Zeit zu Zeit die Frage der jüdischen Dienstboten in diesen Spalten auftauchen. Vielleicht gelingt es doch endlich weitere Kreise dafür zu interessiren. Man kann die Wichtigkeit dieser Angelegenheit gar nicht oft genug hervorheben. Abgesehen von der allgemeinen socialen Bedeutung der Dienstbotenfrage, drängen die Verhältnisse jetzt zu einer Lösung der Frage, speciell der jüdischen Dienstboten. Die Hausfrauen, die aus rituellen Gründen ausschließlich auf jüdische Dienstboten angewiesen sind, wissen ein Lied davon zu singen, wie das Angebot von Jahr zu Jahr geringer, das Material immer schlechter wird. Und erst die Frauen, die nur auf christliche Dienstboten reflectiren, mit welchem Unbehagen gehen sie an die Aufnahme eines neuen Mädchens, wenn sie gewärtigen müssen, daß von sechs sich vorstellenden Mädchen drei, das Buch, mit den Worten „zu Juden gehe ich nicht" wieder an sich nehmen, sobald die verhängnißvolle Frage fällt: „Waren sie schon bei Israeliten?" Und diese Frage muß gestellt werden, um späteren Unannehmlichkeiten vvrzubeugen. Hat man aber erst eine solche Philosemitin, die mit gnädigem Lächeln, ihre Bereitwilligkeit zur Annahme eines jüdischen Dienstplatzes erklärt hat, im Hause, dann hat sie sicher Eigenschaften, für die sie auf die mildere Beurtheilung der „Jüdin" hofft, die ja froh sein kann, überhaupt ein christliches Mädchen zu bekommen. Diese angenehmen Zustände haben schon mehr als einer Hausfrau, die früher nie daran gedacht hätte, das Geständniß entlockt: „Am liebsten würde ich ein jüdisches Mädchen nehmen, wenn ich eines bekommen könnte." Darin liegt aber eigentlich schon die Gewähr eincr Besserung; wenn alle diese stillen Wünsche sich bis zur wirklichen Nachfrage verdichten, dann werden sie naturgemäß, wie jede Nachfrage, ein stärkeres Angebot Hervorrufen. Dann bleibt nur noch die Aufgabe für besseres Material zu sorgen. Daß dieser Zweck nur durch gut geleitete Dienstbotenschulen, die ihren Schülerinnen gewisse Vortheile bieten, erreicht werden kann, ist in diesen Blättern schon genugsam erörtert worden, leider bis jetzt ohne den geringsten Erfolg. Die in erster Reihe hiezu berufenen und wiederholt aufgeforderten, bestehenden Frauenvereine, wollen und können vielleicht auch nicht, zu ihren vielfachen Lasten und Pflichten noch diese neuen nicht geringen hinzufügen, und in weitere Kreise ist unser Vorschlag, wie es scheint, bis jetzt nicht gedrungen. Sollte es wirklich ganz unmöglich sein, eine genügende Anzahl tüchtiger Hausfrauen für den Plan zu gewinnen? Eine Zusammenkunft und Besprechung Aller, die sich hiefür interessiren, würde unzweifelhaft ein günstiges Resultat ergeben und auch die zaghaftesten Elemente von der leichten Ausführbarkeit und sicheren Aussicht auf das Gelingen des Werkes überzeugen. Diejenigen Vereine und jüdischen Blätter, die die Veranstaltung einer solchen in die Hand nehmen würden, könnten sich ein großes Verdienst um zahllose arme Mädchen erwerben, die auf diesem Wege einem anständigen Berufe zugeführt und zu tüchtigen Frauen erzogen werden würden. — Hoffen wir, daß dieses Mal der Appell nicht ungehört verhallt und schon in allernächster Zeit ein glücklicher Anfang gemacht werden wird. A. Generalversammlung der Oesterreichisch-Israelitischen Union. Samstag, den 28. d. M. fand in Kuhner's Restaurant, 1., Adlergasse, die Generalversammlung dieses Vereines statt. Der Präsident, Herr kais. Rath Wilhelm A n n i n g e r, eröffnete die Versammlung und begrüßte die erschienenen Mitglieder des Cultusvorstandes, die Präsidentin des Vereines „Ferienheim", Frau Dr. G r ü n f e l d, den Präsidenten des Vereines zur Hebung der Gewerbe, S. B r o d, den Präsidenten des jüdischen Volksvereines, Herrn Dr. Rappoport, Bezirksausschuß Ludwig W a l d st e i n u. A. Dem von dem Leiter des Rechtschutzöureaus, Herrn Siegfried Fleischer, verlesenen Bericht über die Rechtsschutz- und Abwehrthätigkeit des Vereines entnehmen wir folgende Daten: „Wir haben in der Zeit vom 15. April 1899 bis 15. April 1900 1269 Geschäftsstücke zu erledigen gehabt, von denen 332 allein die Polnaer Affaire betrafen. (Beifall) Wir waren zwölf Mal genöthigt, bei den Ministern des Innern und der Justiz theils mündlich, theils schriftlich gegen antisemitische Uebergriffe Beschwerde zu erheben. In 89 Fällen haben wir antisemitische Zeitungsnachrichten auf ihre Wahrheit geprüft, in 43 Fällen die betreffenden Blätter — zum Theile durch gerichtliche Klage — zur Aufnahme von Berichtigungen gezwungen. Wir constatiren mit Befriedigung, daß die von uns bisher geübte energische Verfolgung lügnerischer Anfeindungen in der antisemitischen Preffe diese bereits vorsichtiger gemacht hat, so daß ehrenrührige Angriffe auf einzelne Glaubensgenoffen jetzt viel seltener Vorkommen als früher. Im Berichtsjahre hat unser Bureauleiter 15 größere Reisen unternommen. Jnsgesammt hat unser Bureau vom 15. April 1899 bis 15. April 1900 in 254 Fällen, in den 21/2 Jahren seines Bestandes in 566 Fällen intervenirt; die Zahl der erledigten Geschäftsstücke seit dem Bestände des Bureaus beträgt 2690. Bei Besprechung der Polnaer Affaire führte der Bericht aus: Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" muß das traurige Verdienst für sich in Anspruch nehmen, daß sie die Gefahr, die aus der Zuspitzung dieses Criminalfalles zu einem „Ritualmorde" drohte, zuerst richtig erkannt und derselben rechtzeitig vorzubeugen gesucht hat. Die Terrorisirung der öffentlichen Meinung, die Bestrebungen, der Untersuchung eine im Voraus bestimmte Richtung zu geben, nahmen solche Dimensionen an, daß es uns unerläßlich erschien, schon im Stadium der Voruntersuchung dem verdächtigten Hilsner einen Rechtsbeistand zur Seite zu geben, der nach der Strafproceßordnung allein berechtigt war, alle erforderlichen Maßnahmen zur Erforschung der Wahrheit zu treffen. Die Person Hilsner's war uns dabei gleichgilt i g. War er der Mörder, so sollte das Motiv der That klargestellt, war er nicht der Mörder, so sollte der wahre Thäter ausgeforscht werden. Wir entsendeten daher am 5. Mai v. I. unseren Bureauleiter nach Prag, um mit unseren dortigen Vertrauensmännern über die Bestellung eines Vertheidigers zu berathen. Wir haben dem Vertheidiger werkthätigen Beistand geleistet und unsere auf Eruirung der Wahrheit gerichteten Bemühungen eifrigst fortgesetzt. Unabhängig von uns hat sich ein hervorragender Mann, der Profeffor an der Prager czechischen Universität Dr. Masaryk (Stürmischer Beifall) die gleiche Aufgabe gestellt. In tiefem und berechtigtem Schmerze über den Rückfall seines Volkes in die Nacht eines mittelalterlichen Wahnglaubens hat er die Protokolle des Kuttenberger Proceffes einer scharfsinnigen kritischen Prüfung unterzogen und insbesondere in dem gerichtsärztlichen Gutachten ungeheuerliche Jrrthümer und Widersprüche nachgewiesen. Es ist bekannt, daß der Caffationshof eine Ueberprüfung dieses Gutachtens durch die medicinische Facultät der Prager czechischen Universität angeordnet hat und auf Grund

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