Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 17 (27.4.1900)
- Date
- 1900-04-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 17 Dr. Bbrch's Wochenschrift. Seite 319 Curatoriums der landwirthschaftlichen Schule zu Ahlem bei Hannover erworben. Seine Bedeutung als Kauzelredner ist von den Gemeinden in Kattowitz und Berlin, wo er wiederholt als Hilfsprediger thätig war, genügend ^anerkannt worden. Möge es ihm gelingen, in dem neuen Wirkungskreise seine Fähigkeiten weiter zu entfalten und so zum Heile unserer Glaubensgemeinschaft beizutragen. S. G. Petersburg. Rabbiner Temkin hat die Regierung bewogen für die durch die Ueberschwemmungen geschädigten jüdischen Bewohner in Elisabethgrad aus der Fleischsteuer 10.000 Rubel zu bewilligen. — Der Unterrichtsminister hat die Anordnung getroffen, daß in den jüdischen Schulen die Lehrer keine Mädchen, die Lehrerinnen keine Knaben unterrichten dürfen, eine neue und höchst unnütze Erschwerung des jüdischen Unterrichtswesens. — An der Universität von Petersburg sind zur Zeit nur 117 jüdische Studenten das heißt 3.22 Percent der Gesammtzahl. Im Vorjahre waren es noch 158 das heißt 4,18 der Gesammtzahl. Trotzdem haben 4 Auszeichnungen erhalten, zwei Gregor Landau und Feodor Wolkenstein Goldmedaillen, Salomon Grusenberg eine Silbermedaille und Alkxander Janofsky ein Ehrendiplom. — In Beßarabien dauert das Elend unter der jüdischen Bevölkerung noch fort. Die Allianc hat 12.000 Francs gesendet, und Zadok Kahn, der auch diese Bewilligung bewirkt hat, setzt seine Bemühungen auch noch weiter fort. Aber diese Beträge sind begreiflicherweise ungenügend für die Roth und die Regierung thut nichts. Obwohl die localen Autoritäten schon 400.000 Rubel zur Vertheilung erhalten haben, ist den nothleidenden Juden nicht eine Kopeke dieser großen Summe zugeflossen. — Die jüdische Gemeinde hat bei dem Gouverneur von Berditscheff petitionirt um die Bewilligung von 4000 Rubeln aus der Fleischsteuer für eine jüdische Mädchenschule, aber der Gouverneur hat die Petenten abschläglich beschieden. — Hier wird demnächst eine Delegirtenversammlung der russischen Handwerker stattfinden, zu der auch Delegirte der jüdischen Handwerker aus Charkow kommen werden, um ihr eigenes Interesse zu vertreten. In der Odessaer Stadtbibliothek ist die Nachfrage nach hebräischen Werken so stark, daß die Verwaltung diese Abtheilung vergrößern muß. Der bekannte jüdische Schriftsteller Dubnow ist zu diesem Zwecke berufen worden. In Libau ist wieder ein scandaloser Fall von religiöser Vergewaltigung vorgekommen. Den jüdischen Mädchen, welche die dortige Schule besuchen, war ausgegeben worden, am Sabbath zu schreiben, und Diejenigen, welche sich dieser Vorschrift nicht fügten, waren aus der Schule gewiesen worden. Die Eltern dieser Kinder haben nun an die höchste Instanz, den Senat, appellirt, aber dieser hat die Entscheidung der Schulverwaltung bestätigt, so daß jetzt die jüdischen Eltern vor die Wahl gestellt sind, entweder auf die bessere Ausbildung ihrer Kinder Verzicht zu leisten oder zuzugeben, daß dieselben die religiösen Vorschriften übertreten. — Wie es heißt, bemüht man sich wieder eifrig neue Colonisten für die argentinischen Eolonien zu gewinnen, Agenten durchreisen sogar schon Rußland und im Gouvernement Orodne sollen 150 Familien bereit sein auszuwandern, sobald das Reisegeld aus Paris eintrifft. — Nicht uninteressant ist, daß der Woschod von der Censur eine Rüge erhalten hat, weil er allein von allen russischen Zeitungen seinen englandfreundlichen Standpunkt auch, jetzt beibehalten hat. London. Die hiesige jüdische Armencommission, der Jewish Board of Guardians hat am Sonntag den 25. März stattgefunden. Die gesammten Einnahmen dieser großen Anstalt beliefen sich auf rund 1200.000 Mark, die Ausgaben noch um 6000 Mark höher. Sehr charakteristisch für englische Verhältnisse ist, daß von dieser enormen Summe regelmäßige Jahresbeiträge den kleinsten Theil ausmachen. 1295 Mitglieder zahlen im Ganzen 26.000 Mark per Jahr, eine Summe, die für die enormen Ausgaben des Board kaum ins Gewicht fällt. A?.ch das ist charakteristisch, daß diese Anstalt mit ständigem Deficit arbeitet und nichtsdestoweniger den gesteigerten Preisen der Lebensmittel rc. entsprechend die Beträge ihrer Hilfsleistungen in jedem einzelnen Fall erhöht, unbekümmert um das steigende Deficit. In diesem Jahr mußten 15.236 Personen in insgesammt 4319 Fällen unterstützt werden, während voriges Jahr es noch 4462 Fälle waren. Trotz der steigenden Zahl der Juden in London und trotz der unausgesetzten Einwanderung, sinkt die Zahl der Unterstützungsfälle von Jahr zu Jahr. Unter der Zahl der Hilfsbedürftigen befanden sich nur 496 Personen, die in England geboren waren, alle Anderen waren Fremde. In 133 Fällen hals der Board zur Auswanderung und in 606 Fällen zur Rückwanderung in das Heimatland der Hilfsbedürftigen. Von der Baronin Hirsch erhielt der Board ein Legat von 3 Millionen Francs, wovon indessen rund 360.000 Mark Steuer zu zahlen sind, so daß nur rund 1,820.000 Mark zur Auszahlung gelangen. In der Generalversammlung legte Mr. B. L. Cohen den Vorsitz, den er seit dreizehn Jahren gehabt, nieder und wurde an seiner Stelle Walter Rothjchild gewählt. Auch die Frage, ob Damen in den Vorstand des Board wählbar seien, kam zur Sprache und wurde in bejahendem Sinne beantwortet. In der nächsten Vorstandssitzung sollen zwei Damen cooptirt werden. Die Generalversammlung schloß mit dem wärmsten Dankesvotum an den Präsidenten für seine dreizehnjährige pflichteifrige Thätigkeit. London. In der letzten Sitzung des Board of Deputies kam eine interessante, fast unbekannte Thatsache zur Sprache, nämlich das Vorgehen des Jewish Hospital and Orphan Asylum, des jüdischen Waisenhauses, welche seit einer Reihe von Jahren bestrebt ist, die jüdischen Knaben dazu zu veranlassen, den Seemannsberuf zu ergreifen und sie zu diesem Zwecke meist aus eines der Schulschiffe im Hafen von Porthmouth schockt. Der Aldermann Emanuel von Porthmouth nun, ein sehr eifriger Jude, hat sich an die Admiralität mit der Bitte gewendet, den jüdischen Matrosen und Schiffsjungen, die sich in englischen Häfen befinden, so daß sie bequem die nächste jüdische Gemeinde erreichen können, Urlaub zu bewilligen, damit sie ihre Feste mitfeiern können. Der Board of Deputies hat beschlossen, das Gesuch von Aldermann Emanuel zu unterstützen, da man überzeugt ist, daß eine viel größere Anzahl Juden in der Marine, besonders auch in der Kriegsmarine dient, als man gemeinhin annimmt. Vermischtes. Wien. (Oesterreichisch-israelitische Union.) Samstag, den 28. April 1900, Abends halb 8 Uhr, findet im Restaurant Khuncr, I. Adlergasse 6, die Generalversammlung statt. — Tagesordnuug: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Caffabericht. 4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Anträge und Interpellationen. Der Vorstand. Wien. (Kundmachung). Freitag den 27. April d. I. Abends und Samstag den 28. April d. I. Früh, wird Herr Josef Heller, Obercantor in Brünn im Leopoldstädter Tempel Probe-Vorträge halten. Beginn des Gottesdienstes. Freitag Abends um 7 Uhr 30 Minuten, Samstag Früh um 8 Uhr. Wien. (Trauungen.) Sonntag, den 29. April 1 Uhr Mittag, findet im israelitischen Tempel des IX. Bezirkes. Müllnergasse, die Trauung von Fräulein Flora Freund, Tochter des Herrn Banquier Moriz Freund, Vorstandsmitglied im Tempelverein des IX. Bezirkes, mit Herrn Narhau Grünbaum aus Frankfurt a. M. statt. — Sonntag, den 29. d. M. '/.3 Uhr Nachmittags findet im Tempel I., Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Siddy Schwarzmann, Tochter des Großindustriellen Herrn D. Schwarzmann, mit Herrn Docenten Dr. Ferdinand Alt statt. Wien. Dienstag den 24. April ist hier nach längerem Leiden der Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Ludwig Pick im Alter von 38 Jahren verstorben. Der Verblichene, ein hochintegrer Charakter, war durch besondere Herzensgüte und anspruchslose Bescheidenheit ausgezeichnet. Er war Jude im besten Sinne des Wortes und sehr religiös. Noch am vergangenen Peffachfeste, als ihn seine Füße kaum mehr trugen, besuchte er die Synagoge in der Schönlaterngasse, deren treues Mitglied er war. Er war ein ausgezeichneter Sohn, ein liebevoller Gatte, ein hingebungsvoller Freund und im Kreise seiner Berufsgenossen wegen seiner besonderen Gewissenhaftigkeit und Ehrenhaftigkeit hochgeschätzt. Der Verewigte war ein Sohn des jetzt hier domicilirenden emeritirten Hauptschullehrers Moses Pick aus Prag und erst seit einem Jahre verehelicht. Wien. (Todesfall.) Am 22. April fand die Beerdigung des Herrn Leopold H o f m a n n, Hausbesitzers nnd Vorstehers des Schönlatern-Bethauses unter großer Betheiligung statt. Im Trauerhause versammelte sich der ganze Vorstand des