Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 17 (27.4.1900)
- Date
- 1900-04-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 318 Dr. BLoch's Wochenschrift. Nr. 17 gerer Krankheit im 69. Lebensjahre, betrauert von sieben bereits selbstständigen Kindern, zahlreichen Verwandten und Freunden in ein besseres Jenseits abberufen wurde. Ausgestattet mit einem ungewöhnlichen Maße von weltlichem und religiösem Wissen betrachtete es der leider zu früh Verstorbene bei aller aufreibenden Berufsthätigkeit als seine vornehmlichste Aufgabe, die jüdische Wissenschaft zu pflegen und brachte es in allen Zweigen derselben zu anerkannter Vollendung. Namentlich im Talmud war der Dahingegangene wie selten jemand bewandert. Aber auch in sonstiger Beziehung konnte der Verblichene als Mensch und Jude für vorbildlich gelten, seine Ehrenhaftigkeit und Lauterkeit in Handel und Wandel, sein streng religiöser Sinn verbunden mit einem musterhaften Familienleben, seine Bescheidenheit und Hexzensgüte verschafften ihm bei allen Mitbürgern und Bekannten eine an Verehrung grenzende Hochachtung. Die jüdische Gemeinde in Milovka verdankt hauptsächlich dem selig Entschlafenen ihre Gründung, den Bau eines Gotteshauses, die Errichtung eines Friedhofes und vieler sonstigen rituellen Institutionen. Wie sehr das Wirken dieses edlen Mannes anerkannt wurde, zeigte sich anläßlich der Bestattung seiner irdischen Reste. Da wegen des Paffachfestes das Einvernehmen mit seiner Heimatsgemeinde und den von Bielitz abwesenden Söhnen nicht so rasch erzielt werden konnte, waren bereits alle Vorbereitungen getroffen worden, das Leichenbegängn'ch in Bielitz zu veranstalten. Jndeß langte am Ausgange des zweiten Paffachtages eine größere Anzahl von Vorstands-, und Gemeindemitgliedern des Heimatsortes Milovka im Trauerhause an, welche es durch inniges Bitten und.Hinweisen auf die unvergänglichen Verdienste des Verstorbenen um die Milovkaer Cultusgemeinde durchzusetzen verstanden, daß die in Bielitz wohnhaften Kinder und Verwandten in die Ueberführung der theuren Leiche nach Atilovka einwilligten. Es war geradezu rührend, mit welcher Beharrlichkeit, ja Aufopferung, die wackern Männer um die Gunst wetteiferten, den geschätzten Todten in ihrer Mitte zu bestatten. Sie begleiteten die Leiche von Bielitz nach dem 5 Meilen entfernten Städtchen Milovka, wo'sehr viele Glaubensgenossen von Nah und Fern sowie eine große Anzahl christlicher Mitbürger vor dem Tempel warteten, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Der Sarg wurde ins Gotteshaus getragen und dann alle einer verblichenen Größe des Judenthums zukommenden synagogalen Gebräuche ausgeführt. Der Seelsorger der Gemeinde, Herr Rabbiner Führer, ließ es sich ttotz des Halbfeiertages nicht nehmen, an der Bahre vor der Bundeslade einen warmen Nachruf zu halten, in welchem er auf die hervorragenden Tugenden des Verblichenen hinwies, demselben erwiesene große Ehrungen als in jeder Hinsicht wohlverdiente bezeichnete. Nach Schluß der Tempelfeier wurde die Leiche auf den benachbarten Friedhof geleitet, wo noch der mit dem Verstorbenen befreundet gewesene Herr Moritz Spiegel aus, Troppau in schwungvoller Rede das Wirkn des Verewigten als Mensch und Jude rühmend schilderte und als im höchsten Grade nachahmenswerth pries. Unter Verrichtung von Gebeten für das Seelenheil des Dahingeschiedenen. wurde die irdische Hülle desselben zur Gruft gebettet, aufrichtig beweint und betrauert von sämmtlichen Theilnehmern, Bekannten und Angehörigen. Möge ihm die Erde leicht sein und der himmlische Lohn für sein gottgefälliges Erdenwallen zutheil werden! S. . ie... Hohenau. In Ergänzung unseres Berichtes über die Tempel-Einwechung erhalten wir folgende Zuschrift: Hohenau, am 23. April 1900. Bei der Einweihung des Tempels in Hohenau wurden die Thorarollen nicht aus dem alten Bethause in das neue Gotteshaus gettagen. Wir hatten eben früher kein Bethaus, auch kein zum Beten gemiethetes Local, da man uns durch antisemitische Umtriebe das in früheren Jahren gemiethete Betlocal gekündigt hat und wir aus denselben Gründen keines gemiethet bekamen. Die Thorarollen wurden aus einer Privatwohnung in den neu«r Tempel getragen. Se. Ehrwürden Herr Bezirksrabbiner Dr. Rosenmanu hat nicht assistirend sich Sr. Ehrwürden dem Herrn Bezirksrabbiner Dr. Gelbhaus angeschloffen, sondern wurde eiugeladen, seinerseits eine Wecherede zu halten, welche, sowohl was den Inhalt, als auch die Form betrifft, vorgetrageu mit hoher Begeisterung, zu dem Schönsten gehört, was wir hier je gehört haben und wird den Bewohnern von Hohenau stets in Erinnerung bleiben. Auch die Gesangsleistung des Herrn Obercantor Schleifer war über alles Lob erhaben und bot uns einen Kunstgenuß ersten Ranges. Für die Anfnahme dieser Zeilen besten Dank Hochachtungsvoll D r. L e i m d ö r f e r Adolf Sonnenmark. Grost-Becskerek. (Uebertritt zum Judent h u nt.) Ein ähnlicher Fall, wie ihn in den letzten Wochen die Budapester Blätter berichteten, ereignete sich auch Anfangs dieses Monats in unserer Stadt. Ein wohlhabender junger Mann, der Zichydorfer Einwohner, Nikolaus I m m, verliebte sich in ein hiesiges Judenmädchen und da die Eltern desselben ihre Einwilligung zu einer Ehe an die Bedingung knüpften, daß der Brautwerber zum jüdischen Glauben übertrete, geschah dies unter Beobachtung der gesetzlichen Formalitäten am 3. d. M. Der Convertite ist 25 Jahre alt, und wurde die Circumcision an demselben durch den Operateur der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde Samu-Narasny im Beisein der Ae zte Spitaldirector Dr. Ludwig Heidege r, Dr. Jaques G u tm a n und Dr. Julius Steiner vollzogen. Die Emsegnungsbenedicttonen sprach Obercantor Hermann L e v i n. Der Convertit erhielt den Namen Abraham. N—e. Hannover, 16. April. Es ist erfreulich, daß nach so vielen Schicksalsschlägen, die in letzter Zeit unsere Gemeinde bettoffen haben, auch wieder einmal eine Veranlassung zur Freude vorhanden ist. Am ersten Tage des Pessachfestes feierte der erste Gemeindevorsteher, Herr Julins Kauffmann, seinen siebzigsten Geburtstag. Ueber 30 Jahre gehört der noch vollkommen geistesfrische Herr der Gemeindevertretung an. Er hat schwere und gute Tage mit seiner und in seiner Gemeinde durchlebt, hat viele bewährte, hervorragende Mitarbeiter und beliebte Gemeindebeamte dahinscheiden sehen; sah aber auch ein neues, herrliches Gotteshaus und ein Gemeindeschulhaus errichten und kann mit Genugthuung constatiren, daß seine Gemeinde immer mehr erstarke. Seine stete Liebenswürdigkeit und Höflichkeit Jedermann gegenüber, seine sich immer gleich bleibende Besonnenheit, gepaart mit Energie, sind die Grundzüge seines Wesens. 1830 in Schwerin geboren, kam Kauffmann früh nach Hamburg, wo er 1850 in das Geschäft von Simon May u. Cie. eintrat. 1852 siedelte er als Leiter und Begründer der Firma nach Hannover über. Hier war er in verschiedenen kaufmännischen Corporationen thätig, lange Zeit auch als Handelsrichter. 1869 wurde er in das Repräsentantencollegium gewählt, 1878 zum Borstandsmitgliede, 1879 zum zweiten und 1891 zum ersten Vorsteher. Er zeigt stets ein warmes Herz für alle Mitglieder seiner Gemeinde, ist den Beamten in allen Lagen ein freundlicher Vorgesetzter und bewährter Rathgeber, hat besonders das Armenwesen geregelt und gehoben und ist als Vorstandsmitglied der verschiedensten Vereine geschätzt. Er wacht stets auf das sorgsamste und mit bestem Erfolge darüber, daß der gute Ruf, dessen die Gemeinde Hannover sich in der Welt erfreut, gewahrt bleibe. An der Feier nahm deshalb auch die ganze Gemeinde den regsten Antheil, und aus allen Kreisen derselben fanden sich Gratulanten ein. Landrabbiner Dr. Gronemann gratulirte im Namen der Gemeinde, Herr S. Neuberg verlas und überreichte als Sprecher einer Deputation der Gemeindevertretung eine Adr-ffe. An der Spitze des Lehrercollegiums der Religionsschule sprach Director Dr. Knoller, für die Chewra Kadischa Herr I. Berliner. Voll Rührung über diese Beweise der Liebe und Verehrung dankte Herr Kauffmann den Rednern uud seine schlichten Worte zeigten wieder den bescheidenen, vornehm denkenden Mann. Pasewalk. Herr Dr. E. Finkel, Zögling des jüdischtheologischen Seminars zu Breslau, ist von dem Gesammtvorstande und dem Repräsentantencollegium unserer Gemeinde einstimmig zum Rabbiner gewählt worden. Demselben geht ein sehr guter Ruf voran. In seinen ersten Studienjahren bereits versuchte er sich mit Glück als Correspondent und Mitarbeiter hebräischer und deutscher Z itschriften. Nach Beendigung seiner Studien that er sich rühmlich auf verschiedenen Gebieten des jüdischen Lebens hervor. Der jüdische Rede- und Discutir-Club „Graetz" sowie die hebräischen Spracheurse in Breslau, die auch in anderen Städten Nachahmung gefunden haben, zählen ihn zu ihren Gründern. Außerdem hat er schon als Student in Wort und That die Colonisation Palästinas eifrig gefördert. Für die Idee, die Juden in größerem Maße der Landwirthschaft zuzuführen, hat er durch Vorträge in verschiedenen Gemeinden des deutschen Reiches erfolgreich gewirkt und sich dadurch die Anerkennung des